Die Gewinne verpuffen

Stand: 11.06.2012, 20:00 Uhr

Nur kurz währte die Freude über die Entschärfung der spanischen Bankenbombe. Dann hatte die Euro-Krise die Märkte wieder fest im Griff und die anfänglichen Kursavancen schmolzen wie Butter in der Sonne.

Nach einem zunächst freundlichen Handelsverlauf ging es spätestens ab Mittag kontinuierlich abwärts. Der Dax schloss letztlich bei 6.141 Punkten, ein magerer Zuwachs von 10 Punkten oder 0,2 Prozent. Dabei hatte der deutsche Leitindex zwischenzeitlich schon über zwei Prozent zugelegt und dabei einen Tageshöchststand von 6.287 Zählern erreicht. Immerhin, ein Abrutschen in die Minuszone konnte knapp verhindert werden, das Tagestief bei 6.130 Zählern lag auf dem Niveau vom Freitag. Nachbörslich steig der L/E-Dax leicht auf 6.150 Punkte.

An der Börse herrschte Ernüchterung: "Im Endeffekt war jedem klar, dass wir die hohen Anfangsgewinne nicht lange halten können", sagte ein Händler. "Jetzt machen viele Investoren lieber das, was sie in letzter Zeit immer häufiger getan haben: Gar nichts."

Euro-Krise im Blickpunkt: Spanien....
Wie der heutige Handelstag eindrucksvoll gezeigt hat, ist die Euro-Schuldenkrise noch lange nicht vorbei. Das Problem sei durch zusätzliche Gelder für die Spanier nicht gelöst, kommentierte Marktanalyst Markus Kraus von GKFX Deutschland.
Schlimmstenfalls werde es in die Zukunft verlagert. Auch Lars Kremkow, Marktstratege bei Activtrades in London, schlug in diese Kerbe: "Ein Etappengewinn impliziert noch lange nicht den Sieg der Tour." Nun richte sich der Fokus auf die am Wochenende anstehende Wahl in Griechenland.

....Sorgen um Italien...
Immer mehr sorgen sich die Märkte zudem, dass womöglich Italien der nächste große Wackelkandidat in der Euro-Zone werden könnte. Denn das Land ist im ersten Quartal tief in die Rezession gerutscht, das BIP ermäßigte sich um 0,8 Prozent. Dies gab das italienische Statistikamt heute bekannt.

...und jetzt auch noch Zypern
Zur sich eintrübenden Nachrichtenlage passte es auch, dass die Mittelmeerinsel Zypern, die wirtschaftlich und politisch eng mit Griechenland verwoben ist, als nächster Euro-Staat bald Hilfe brauchen dürfte. Finanzminister Vassos Siarlis funkte SOS und bestätigte dringenden Bedarf an Hilfsmitteln, auch wenn er noch offen ließ, ob nur die Banken oder der Staat insgesamt Geld brauchen. Zypern übernimmt am 1. Juli die EU-Präsidentschaft.

Euro ebenfalls auf Talfahrt
Die Euro-Sorgen haben auch den Höhenflug der Gemeinschaftswährung jäh gestoppt. Der Euro verliert deutlich an Wert und notiert aktuell genau bei 1,2500 Euro. Am Morgen hatte die Gemeinschaftswährung noch gut eineinhalb Cent höher bei 1,2646 Dollar notiert.

Wall-Street ohne klare Richtung
Zur Sitzungsmitte präsentiert sich die Wall Street wenig verändert, die großen Indizes schwanken um ihre gestrigen Schlussstände. Thema Nummer eins ist auch in Amerika die Euro-Krise. Bei genauerem Hinsehen zeige sich, dass der Deal der Spanier eine taktische und keine allumfassende, ultimative Hilfe der Europäischen Zentralbank sei, sagte James Dailey, Portfolio-Manager von TEAM Financial Asset Management. Angesichts der Schwere der Probleme würde nun allen klarwerden, dass die Hilfe nicht ausreiche. Zu den Verlierern gehören vor allem Finanzwerte.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,68
Differenz relativ
+1,29%

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
102,06
Differenz relativ
+2,78%
Allianz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
185,88
Differenz relativ
+1,02%
Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
184,85
Differenz relativ
+1,57%

ThyssenKrupp auf Drei-Jahres-Tief
Am Dax-Ende standen Thyssen-Aktien mit einem Minus von 2,8 Prozent auf 11,69 Euro. Damit markierte die Aktie ein neues Drei-Jahres-Tief und setzte ihre jüngste verheerende Kursentwicklung fort. Im Zwölf-Monats-Hoch stand das Papier Anfang Juli 2011 noch bei 35,83 Euro. Auch die Finanzwerte gaben alles ab, was noch am Morgen auf der Habenseite gestanden hatte. Die beiden Versicherer Allianz und Münchner Rück hielten die Nase immerhin noch minimal im Plus, schlossen aber in der Nähe ihrer Tiefstände. Tagessieger waren letztlich SAP mit einem Plus von 1,56 Prozent.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
139,44
Differenz relativ
+0,72%

VW mit Steuerfantasie
Auch wenn die VW-Aktie ihre zum Teil deutlichen Kursgewinne nicht behaupten konnte, die Aktie profitierte trotzdem gleich von mehreren Nachrichten. So könnte nach einer Meldung der "Wirtschaftswoche" die Übernahme der restlichen Porsche-Anteile durch VW womöglich steuerfrei erfolgen. Und laut der "Financial Times Deutschland" prüft das Unternehmen den Einstieg beim US-Lkw-Unternehmen Navistar. Die Überlegungen befänden sich allerdings noch in einer "frühen Phase".

Zudem berichtete die Konzerntochter Audi über einen Rekordabsatz im Mai. Der Ingolstädter Premiumhersteller verkaufte 128.900 Fahrzeuge, ein Plus zum Vorjahresmonat von 13,7 Prozent. Im Gesamtjahr will Audi jetzt rund 1,4 Millionen Fahrzeuge verkaufen. Außerdem hat das Landgericht Braunschweig bekannt gegeben, dass es am 27. Juni über zwei von insgesamt fünf Investorenklagen verhandelt, die im Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht von VW und Porsche im Jahr 2008 stehen. Dabei geht es um insgesamt 4,8 Millionen Euro, allerdings stehen noch insgesamt drei weitere Klagen im Gesamtwert von über vier Milliarden Euro an, über deren Zulassung das Gericht allerdings noch entscheiden muss.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,80
Differenz relativ
+0,60%

BMW im Mai auf Rekordkurs
Der Münchener Autobauer hat im Mai 157.000 Fahrzeuge oder 6,4 Prozent mehr verkauft als im Vorjahr. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres betrug der Zuwachs 9,1 Prozent auf insgesamt 728.000 Einheiten. "Wir sind auf dem besten Weg, 2012 einen Absatzrekord zu erreichen", sagte Vertriebschef Ian Robertson. Die Aktie rutschte im späten Geschäft noch leicht ins Minus.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,98
Differenz relativ
+1,12%

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
84,92
Differenz relativ
+1,05%

Fresenius traut sich mehr zu
Aktien des Bad Homburger Gesundheitskonzerns legten hingegen 1,2 Prozent zu und gehörten im Dax zu den Tagessiegern. Die Gesellschaft hat überraschend die Geschäftsziele für das Jahr 2012 nach oben korrigiert. Das Konzernergebnis soll nun um 14 bis 16 Prozent steigen, ursprünglich war ein Zuwachs von zwölf bis 14 Prozent geplant. Beim Umsatz liegt die Spanne nun bei zwölf bis 14 Prozent statt zehn bis 13 Prozent. Die Aktie der zum Fresenius-Konzern gehörenden Tochter Fresenius Medical Care tendierte jedoch nach wechselvollem Handelsverlauf 0,6 Prozent leichter.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,19
Differenz relativ
+1,80%
Air Berlin: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
0,03
Differenz relativ
+5,08%

Lufthansa leidet unter Branchenstudie
Der Branchenverband IATA geht in seiner aktuellen Prognose davon aus, dass die europäischen Fluglinien 2012 wegen der Euro-Schuldenkrise einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar einfliegen werden. Zuletzt hatte die IATA noch von einem deutlich geringeren Fehlbetrag gesprochen. Lufthansa gehörte mit einem Abschlag von 1,9 Prozent zu den Verlierern im Dax. Air Berlin lagen hingegen mit gut einem Prozent vorne, allerdings deutlich unter ihrem Tageshoch.

Deutsche Wohnen: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,83
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+1,41%

Deutsche Wohnen braucht Frischgeld
Auf über vier Prozent summieren sich die Verluste des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen, der damit größter MDax-Verlierer war. Das Unternehmen hat eine Barkapitalerhöhung angekündigt und will bis zu 475 Millionen Euro durch die Ausgabe neuer Aktien einnehmen. 75 Prozent davon sollen für den geplanten Kauf der BauBeCon-Gruppe genutzt werden.

Tipp24 startet Kapitalerhöhung
Heute begann die Zeichnungsfrist für die neuen Lotto24-Aktien, in dem das Unternehmen sein Deutschlandgeschäft gebündelt hat. Da der Muttergesellschaft das Regulierungsrisiko in Deutschland zu hoch ist, hatte das Management beschlossen, das sich im Aufbau befindliche Deutschland-Geschäft abzuspalten und an die Börse zu bringen. Die Zeichnungsfrist dauert vom 11. Bis 21. Juni, die Aktien sollen ab dem 3. Juli an der Frankfurter Börse notiert werden. Angeboten werden fast sechs Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung, der Bezugspreis beträgt 2,50 Euro.

Tipp-24-Papiere, die zuvor gut gelaufene waren, reagierten mit deutlichen Verlusten und gaben über sieben Prozent ab. Damit waren sie schwächster Wert im SDax.

Nokia bringt Smartphone nach Deutschland
Nokia-Aktien können nicht von der Nachricht profitieren, dass die Finnen ihr neues Smartphone Lumia 900 ab heute in Deutschland zum Verkauf anbieten. Das System wird von Experten zwar positiv beurteilt, die Verkaufszahlen bleiben aber weit hinter denen des Apple-iPhones zurück.

Milliardenzahlung von Johnson & Johnson?
Nach Meldungen aus beteiligten Kreisen steht der US- Konsumgüter- und Pharmariese aus dem Dow-Jones-Index vor einer Beilegung der Rechtsstreitigkeiten um sein Schizophrenie-Medikament Risperdal. J&J sei bereit, bis zu 2,2 Milliarden Dollar zu bezahlen, berichtete die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Das Unternehmen hatte bereits am Freitag erklärt, dass es sich auf die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten vorbereite und deshalb seine Rückstellungen erhöhe. Die Aktie verliert aktuell rund 0,6 Prozent.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
187,91
Differenz relativ
+1,63%

Augen auf Apple
Papiere des Elektronikkonzerns haben ihre Anfangsgewinne mittlerweile wieder abgegeben und notieren um fast 20:00 Uhr deutscher Zeit nahezu unverändert bei gut 580 Dollar. Im Frankfurter Handel ist die Aktie am Montag gut zwei Prozent gestiegen.

Am Abend will Apple auf der jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco neue Produkte vorstellen. Die Anleger- und Fan-Gemeinde wartet etwa zu Nachrichten zu einem möglichen "Apple-TV". Am Abend wird Apple-Chef Tim Cook die Konferenz eröffnen. Neue Nachrichten gibt es aber bisher noch nicht, es herrscht gespanntes Warten.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr