Die Freude war von kurzer Dauer

Stand: 18.11.2008, 20:07 Uhr

Der schwache Dax ließ sich am Nachmittag nur zu gerne von der starken Wall Street in die Gewinnzone schieben. Danach bröckelten die amerikanischen Börsen ab, auf dem Frankfurter Parkett gab es wieder Verluste.

So wenig Tendenz war selten. Am Morgen ließ sich der Dax kurz im Plus sehen, bevor er mehr als zwei Prozent ins Minus rutschte. Am Nachmittag hob die kräftige Wall Street den deutschen Leitindex aus seiner Starre und zerrte ihn bis Xetra-Schluss, zur Freude der Aktionäre, 0,5 Prozent über den Vortagesschluss, auf 4.579 Punkte.

Danach begann die Wall Street massiv zu schwächeln, die drei großen Indizes fielen ins negative Terrain, der LDax nahm auch diese Vorgabe an. Bis zum Ende des Parketthandels verlor der Dax noch 50 Punkte und schloss bei 4.528 Zählern.

Dass die Wall Street derart eindrucksvoll verlor, lag wieder einmal mehr an den anhaltenden Wirtschaftssorgen. Die Sorgen um die Autobranche taten ihr übriges, auch wenn Finanzminister Henry Paulson am Abend versprach, die Not leidenden Konzerne nicht pleite gehen zu lassen.

Immerhin gab es auch zwei gute Nachrichten aus Amerika. Der weltgrößte PC-Hersteller HP übertraf mit seiner Bilanz zum vierten und letzten Quartal die Prognosen. Der Umsatz legte auf 33,6 Milliarden Dollar zu, die Aktie gewann deutlich.

Auch von Konjunkturseite bekam der Markt zunächst Entlastung. Die Produzentenpreise in den USA fielen im Oktober unerwartet kräftig um 2,4 Prozent. Dies erhöhe zwar, so die Analyse der Volkswirte, die Gefahr einer Stagflation. Zugleich aber sei der Spielraum der Fed durch die fallenden Preise wieder erweitert worden.

Gewinner und Verlierer im Dax
Im Dax waren die Autowerte vergleichsweise gut gelitten. VW-Aktien stiegen um vier Prozent, Daimler-Papiere um 2,3 und BMW-Aktien um ein Prozent. Die Papiere profitierten eindeutig von den erwarteten Staatshilfen für die Branche.

Finanztitel gehörten indes ein weiteres Mal zu den Verlierern. Sowohl Aktien der Hypo Real Estate als auch der Commerzbank unterschritten im Tagesverlauf ihre Jahrestiefstände. HRE-Aktien litten vor allem unter der gestern bekannt gegebenen schlechten Bilanz, sie gingen mit einem Minus von 3,1 Prozent aus dem Xetra-Handel.

Ebenfalls Verluste verbuchte das Papier der Deutschen Börse. Nachdem die beiden Großaktionäre TCI und Atticus den Konzern offenbar nicht mehr zerschlagen wollen, spekuliert der Markt, dass die beiden Hedge Fonds möglicherweise nicht mehr längerfristig an der Deutschen Börse interessiert seien. Die Aktie verlor 2,3 Prozent.

Wacker Chemie und MEMC
Die Aktie des Spezialchemiekonzerns Wacker Chemie verlor 6,3 Prozent. Wacker-Konkurrent MEMC hatte am Vortag seine Umsatzprognose gesenkt. Wacker-Aktionäre sahen sich dadurch zu Verkäufen veranlasst.

Oetker will mehr Douglas
Der Mischkonzern Oetker will offenbar seinen Anteil am im MDax notierten Handelskonzern Douglas weiter ausbauen. Oetker strebe einen Anteil oberhalb der Sperrminorität, als 25 Prozent, an, teilte das Bundeskartellamt mit. Douglas-Aktien gewannen vier Prozent.

Leoni ist zuversichtlich
Die Aktie des Autozulieferers Leoni legte 2,7 Prozent zu. Der Konzern rechnet im nächsten Jahr mit einem stabilen Geschäft, sagte Leoni-Chef Klaus Probst in einem Zeitungsinterview.

Conergy-Aktien fast verdoppelt
Conergy-Aktien legten im Tagesverlauf um 96 Prozent zu. Die Kapitalerhöhung des hoch verschuldeten Solarkonzerns sei gut aufgenommen worden, berichteten Händler. Conergy hatte 363 Millionen neue Aktien ausgegeben und damit fast 400 Millionen Euro eingenommen. Mit den Einnahmen will das TecDax-Unternehmen seine Verschuldung verringern und die Sanierung finanzieren

Wirecard bestätigt die Prognose
Der Zahlungsabwickler Wirecard hat im dritten Quartal mit 10,7 Millionen Euro etwas weniger Gewinn ausgewiesen als vor einem Jahr. Zudem bestätigte Wirecard seine Gesamtjahresprognose. Die Wirecard-Aktie verlor 0,4 Prozent.

Arques senkt die Prognose
Der Beteiligungskonzern Arques hat erneut seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt. Arques erwartet nun vor und nach Steuern deutliche Verluste. Im dritten Quartal habe man die Beteiligung am Automobilzulieferer Eurostyle um 51 Millionen wertberichtigen müssen, teilte das Unternehmen mit. Erst im August hatte Arques seine Ebitda-Prognose von zuvor 275 auf 200 Millionen Euro gesenkt. Die Aktie verlor 5,2 Prozent.

MPC ebenfalls
Auch der Finanzdienstleisters MPC rechnet im Gesamtjahr mit einem Verlust. Grund seien Wertberichtigungen auf die Beteiligung an HCI Capital in Höhe von 80 Millionen Euro, teilte MPC mit. Die Gewinnwarnung ist die dritte im laufenden Jahr, die Aktie verlor 4,7 Prozent.

Cewe Color verdient nicht genug
Der Fotoentwickler Cewe Color hat in den ersten drei Quartalen 299 Millionen Euro umgesetzt und vor Steuern 13,8 Millionen Euro verdient. Beide Kennzahlen liegen untern den Vorjahreswerten, die Cewe-Aktie verlor zwei Prozent.

Kyocera will Triumph-Adler
Kräftige Kursgewinne verzeichnet die Aktie des Bürodienstleisters Triumph-Adler. Der japanische Kyocera-Konzern hat ein Übernahmeangebot für die Aktien der Triumph-Adler AG abgegeben. Die Japaner bieten 1,90 Euro je Aktie. Die TA-Aktie notiert 143 Prozent höher.

Biopetrol überzeugt nicht
Der Biodieselhersteller Biopetrol hat zwar seinen Umsatz in den ersten neun Monaten um 57 Prozent auf 244 Millionen Euro steigern können, das Ebit war wegen Bewertungsverlusten allerdings negativ. Hier verbuchte Biopetrol einen Verlust von vier Millionen Euro, nach einem Gewinn von 3,7 Millionen Euro vor einem Jahr. Die Aktie fiel um vier Prozent.

Gewinnrückgang bei Easyjet
Der britische Billigflieger Easyjet hat wegen der sehr schwierigen konjunkturellen Lage wesentlich weniger verdient. Der bereinigte Vorsteuergewinn sank von im abgelaufenen Geschäftsjahr von 191 auf 123 Millionen Pfund. Der Umsatz legte um knapp ein Drittel auf 2,36 Milliarden Pfund zu.

Ford trennt sich von Mazda
Der amerikanische Autokonzern Ford will sich von seiner Kontrollmehrheit beim japanischen Konzern Mazda trennen. Rund 20 Prozent seines 33-prozentigen Anteils verkauft Ford und erhält dafür rund 430 Millionen Euro. Damit endet sich seit zwölf Jahren bestehende Kontrollmehrheit Fords bei Mazda. Die amerikanischen Autokonzerne benötigen derzeit dringend frisches Geld, erst am Montag hatte GM angekündigt, sich für 184 Millionen Euro von seinen Anteilen an Suzuki zu trennen.

Home Depot leidet
Die weltgrößte Baumarktkette Home Depot bekommt die Krise am US-Immobilienmarkt zu spüren. Der Überschuss brach im dritten Quartal um etwa ein Drittel auf 756 Millionen Dollar ein, der Umsatz fiel um sechs Prozent auf 17,78 Milliarden Dollar. Home Depot schließt Filialen und rechnet weiterhin mit Umsatz- und Gewinneinbußen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen