Die EZB-Geldflut hilft nicht

Stand: 21.12.2011, 20:01 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt haben die Skeptiker wieder das Kommando übernommen. Da nützte auch der Geldsegen der EZB nichts mehr. Zum Schluss gab es sogar noch eine neue Pleite aus der Solarindustrie.

Mit dem Geldregen der EZB konnten sich die Börsianer heute nur kurzzeitig anfreunden. Die anfängliche Euphorie nach der 500 Milliarden Euro schweren Mega-Geldspritze für die Banken hielt nicht lange, immer mehr machte sich Unbehagen darüber breit, in welch kritischen Zustand sich die Bankbranche befindet.

Der deutsche Leitindex verliert 0,95 Prozent auf 5,791 Zähler. Im Hoch hatte das Börsenbarometer noch bei 5.965, im Tagestief bei 5.771 Punkten gestanden. Nachbörslich fiel der Index weiter leicht zurück. Der L/E-Dax schloss bei 5.786 Punkten. Besser schnitt der MDax ab, der 0,2 Prozent abgab.

Gelitten hat aber der TecDax, der 1,45 Prozent verlor. Nach der Insolvenz des nicht im Index enthaltenen Solarkraftwerkbauers Solar Millennium verstärkte sich die Abwärtsbewegung. Noch am Vormittag waren die Aktien der Solarbranche gesucht, danach drehte der Markt endgültig Solarworld verlieren fast sechs Prozent und rutschten damit sogar ans Indexende. Auch Software notierten fast fünf Prozent leichter.

Hilfe für den Bankensektor
Zuvor hatte die EZB, wie bereits angekündigt, mit ihrem neuen dreijährigen Tendergeschäft zum Satz von einem Prozent den Bankensektor mit Liquidität förmlich geflutet. Damit wollen die Notenbanker den Druck aus dem Bankensystem nehmen. Außerdem soll, so die Rechnung der Notenbanker, auch eine mögliche Kreditklemme in Europa abgewendet werden.

CMC-Markets-Analyst Michael Hewson konnte dem ganzen aber nicht viel Gutes abgewinnen: "Die große Summe zeigt letztlich nur, wie groß die Verspannungen am Interbankenmarkt sind." Die Kernfrage sei nun, wieviel Geld tatsächlich seinen Weg in die Wirtschaft finde. Auch Viola Stork von der Landesbank Hessen-Thüringen, bleibt skeptisch: "Ob dieser Geldregen die Kreditvergabe ankurbelt, bleibt abzuwarten. Trotz der Entspannung der vergangenen Tage bleibt die Lage insgesamt sehr unsicher."

Kaum noch Gewinner
Unter den Einzelwerten hielten sich Autoaktien noch am Besten. Finanzaktien hingegen, die im Dax lange vorne gelegen hatten, gaben fast ihre gesamten Gewinne wieder ab. Tagessieger waren Daimler mit einem Plus von 1,6 Prozent. Deutlicher Tagesverlierer waren SAP, die unter den schwachen Oracle-Zahlen litten. Im MDax waren Leoni nach einer Börsenbriefempfehlung Tagessieger.

Minuszeichen in New York
Auch an der Wall Street blicken die Marktteilnehmer mit Sorge nach Europa. Der Dow Jones fällt aktuell 0,6 Prozent zurück. Deutlich stärker abwärts geht es beim Technologieindex Nasdaq, der über zwei Prozent abgibt. Grund waren die schwachen Oracle-Zahlen. Der Softwareriese gilt nämlich als Indikator für den Zustand der Technologiebranche.

Auf der Konjunkturseite fielen die Verkäufe bestehender Eigenheim schwächer aus. Im November stieg der Absatz um vier Prozent auf 4,4 Millionen Einheiten, erwartet worden war jedoch ein Absatz von 5,05 Millionen Häusern.

Euro fällt, Renten steigen
Auch der Euro gab sein Gewinne ab und steht aktuell bei 1,3054 Dollar. Im Tageshoch waren noch 1,3197 Dollar bezahlt worden. Im Gegenzug stiegen am Rentenmarkt die Kurse. Der Bund-Future legt 0,3 Prozent zu, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt weiter deutlich unter zwei Prozent.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
106,54
Differenz relativ
+2,98%

SAP mit schlechtem Oracle
Mehr als sechs Prozent verlor die Aktie des Software-Konzerns SAP. Schwache Quartalsergebnisse des US-Konkurrenten Oracle lasteten auf der gesamten Branche und drückten auch Software-AG-Aktien im TecDax. Oracle hat in seinem zweiten Quartal den Umsatz nur um zwei Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar gesteigert. Auch ein Gewinnanstieg um 17 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar enttäuschte.

Nike: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,60
Differenz relativ
-0,67%

Adidas von Nike-Zahlen gestützt
Adidas konnten ihre Gewinne nach den guten Zahlen des US-Konkurrenten Nike nicht verteidigen. Die Anteilsscheine verloren 0,4 Prozent. Der US-Sportartikel-Hersteller hat seinen Umsatz um 18 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar, seinen Gewinn allerdings nur um drei Prozent auf 469 Millionen Dollar gesteigert.

Hessische Börsenaufsicht droht mit Veto
Die Großfusion zwischen Deutscher Börse und NYSE Euronext hängt weiter am seidenen Faden. Die dem Wirtschaftsministerium unterstellte hessische Börsenaufsicht droht mit einem Veto. Wirtschaftsminister Posch sorgt sich, dass der Bankplatz Frankfurt und damit die Deutsche Börse im Zuge der Fusion unter die Räder kommen, sprich bedeutungslos werden. Neue Aktien der Deutschen Börse gehen mit einem Abschlag von 1,5 Prozent aus dem Handel.

Balda kassiert Prognose ein
Der Medizintechnik-Produzent nimmt seine Jahresprognose zurück. Man erwarte nunmehr einen Verlust, bisher war Balda von einem Gewinn ausgegangen. Vor allem Abschreibungen belasten das operative Ergebnis, so dass ein leicht negatives Ebit erwartet wird. Balda-Aktien halten sich allerdings trotzdem gut und steigen knapp sechs Prozent. Damit sind sie Tagessieger im SDax.

Bechtle gut unterwegs
Der IT-Dienstleister Bechtle steuert auf ein Rekordjahr zu, wie Vorstandschef Thomas Olemotz gegenüber Reuters sagte. Danach sollen beim Vorsteuerergebnis "deutlich mehr als 80 Millionen Euro" erreicht werden können. Auch für 2012 zeigte sich der Manager verhalten optimistisch. Die Aktie gibt trotzdem nach.

Pfleiderer gewinnt wieder
Die Aktie des angeschlagenen Holzverarbeiters stieg hingegen um 8,3 Prozent, das Papier ist allerdings nur noch ein Penny-Stock. Das Unternehmen hat im dritten Quartal seinen Umsatz um fünf Prozent auf 297,5 Millionen Euro geklettert. Im fortgeführten Geschäft blieb sogar ein kleiner Gewinn von 1,6 Millionen Euro übrig, mit allen Konzernteilen und den Belastungen durch den Umbau fiel allerdings ein Verlust von 27,9 Millionen Euro an.

Solar Millennium ist pleite
Das Erlangener Solar-Unternehmen hat heute beim Amtsgericht Fürth Insolvenz beantragt. Zuvor hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass für das wichtige Großprojekt Ibersol in Spanien das Geld fehlt. Auch die Verkaufsverhandlungen für ein weiteres großes Projekt in den USA würden stocken.

Zum Insolvenzverwalter bestimmte das Gericht den Rechtsanwalt Volker Böhm. Böhm will jetzt prüfen, ob eine Fortführung des Geschäftsbetriebes möglich sei. Er will auch Kontakt zu den wichtigsten Projektpartnern des Unternehmens aufnehmen.

Die Aktie, die zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt war, verliert 58 Prozent auf 0,45 Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen