Die Erholung macht Pause

Stand: 22.03.2011, 20:04 Uhr

Nach der Euphorie vom Montag hielten die Investoren am Dienstag ihr Geld zusammen. Der Dax sackte unter die Marke von 6.800 Punkten.

Die Situation ist zwar ungefähr die alte, aber ihre Bewertung kann sich stündlich ändern: Die noch immer unklare Lage in Japan sowie die Krise in Libyen sorgten dafür, dass der Dax um rund ein halbes Prozent auf 6.780 Punkte zurückfiel. Die Investoren traten auf die Risikobremse und verbrachten den Handelstag im Wesentlichen damit, die Vortagesgewinne zu verwalten. In den vergangenen drei Tagen hatte der Dax allerdings rund 300 Punkte zugelegt. Der Late Dax büßte 0,7 Prozent ein.

"Zweifelsohne ist die Lage in Japan immer noch kritisch, und es ist schwer, die noch verbleibenden Risiken abzuschätzen", erklärten die Analysten von Close Brothers Seydler in Frankfurt. Bei schlechten Nachrichten aus Fukushima könnte es rasch wieder zu Panik-Verkäufen kommen, warnten Händler.

Auch die Aussicht auf eine Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) dämpft die Stimmung an den Aktienmärkten. Der Kurs des Euro kletterte zeitweise auf den höchsten Stand seit November. "Der Euro wird derzeit vor allem durch die Erwartung einer baldigen Leitzinserhöhung durch die EZB gestützt", sagte der Leiter des Devisenhandels bei der BayernLB, Marc Burgheim. Die jüngsten Aussagen von EZB-Vertretern zeigten, dass die Notenbank ihre Leitzinsen bald anheben wird, urteilt der Experte.

Telekom bleibt ein Kauf
Auch am Tag nach der Nachricht über den Verkauf des US-Geschäfts setzte sich die Aktie der Telekom in der Dax-Spitzengruppe fest. Die Experten von Goldman Sachs und Nomura äußerten sich in ihren aktuellen Analysen positiv über das Unternehmen.

Analysten loben ThyssenKrupp
Weit vorn notierten auch die Titel von ThyssenKrupp. Eine freundliche Analyse der Credit Suisse machte die Investoren auf den Stahlkonzern aufmerksam: Die Kursabschläge der letzten Zeit böten eine gute Einstiegschance für langfristig orientierte Anleger, hieß es. Der Konzern werde von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage auf dem amerikanischen Kontinent profitieren.

Metro-Ausblick verstimmt die Investoren
Trotz eines Rekordergebnisses schloss die Metro-Aktie mit einem Abschlag von fast fünf Prozent am Index-Ende Händlern zufolge sei die Bilanz insgesamt "ohne große Überraschungen" ausgefallen. Allerdings habe das Nettoergebnis leicht unter den Marktschätzungen gelegen. Auch der Ausblick ließ zu wünschen übrig, meinten Marktteilnehmer: Metro hatte seine angepeilten Gewinn- und Umsatzsteigerungen davon abhängig gemacht, dass das wirtschaftliche Umfeld sich nicht durch die Auswirkungen des Bebens in Japan und die politischen Unsicherheiten um die Entwicklung in Nordafrika verschlechtert.

Japan-Beben belastet Autobauer
Reißt die Lieferkette? Das Erdbebens in Japan belastet die Titel europäischer Autohersteller: Im Dax gehörten Daimler, BMW und Volkswagen zu den größten Verlierern. Die im MDax gelisteten Zulieferer Rheinmetall, Continental und ElringKlinger belegten ebenfalls hintere Plätze. Investoren fürchten, dass der Teile-Nachschub aus Asien dauerhaft unterbrochen werden könnte.

Rational lockt mit Dividende
Der Großküchengeräte-Hersteller Rational hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um elf Prozent auf 350 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Unter dem Strich stieg der Gewinn um 19 Prozent. Das Unternehmen hebt seine Dividende von 3,50 auf 5,00 Euro. Dazu kommt noch eine Sonderdividende von 4,00 Euro. Im laufenden Jahr rechnet das MDax-Mitglied mit einem Umsatzplus von zehn Prozent. Zudem sei eine "weiterhin gute Ergebnisentwicklung" zu erwarten, sagte Konzernchef Günter Blaschke. Im MDax zählte Rational zu den überdurchschnittlich starken Werten.

Tui: Börsengang vorerst geplatz
Tui-Tochter Hapag-Lloyd verschiebt ihren geplanten Börsengang. Wegen der unsicheren Kapitalmarktlage hätten die Eigentümer von Hapag Lloyd am Montag entschieden, noch abzuwarten "Die Märkte sind derzeit sehr sehr unsicher. Darauf kann man keine Entscheidung bauen", sagte ein Sprecher des Konsortiums Albert Ballin, das die Mehrheit an der Reederei hält. Das TUI-Papier ging fast um zwei Prozent leichter aus dem Handel.

Biotest verkauft an Merck
Das Biotest-Papier zählte im SDax zu den Gewinnern. Das Unternehmen verkauft das Geschäft mit Laborausrüstung an den Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck. "Wir werden damit zu einem reinen Pharmaunternehmen und können uns künftig ganz auf die Geschäfte mit Biotherapeutika und Blutplasma-Produkten konzentrieren", sagte Firmenchef Gregor Schulz. Angaben zum Preis machte Biotest nicht. Außerdem legte das Unternehmen seine Bilanz vor. Im laufenden Jahr rechnet Biotest mit einem Zuwachs von Umsatz und Ebit im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr