Marktbericht 20:15

Aktienmarkt auf Erholungskurs Die Dax-Bullen bleiben am Drücker

Stand: 30.06.2016, 20:15 Uhr

An der Börse werden Brexit-Ängste zunehmend von der Hoffnung auf neue Geldspritzen der Notenbanken verdrängt. Das sorgt wieder für Fantasie bei den Anlegern. Insgesamt normalisiert sich das Geschehen damit. Der Dax verbucht den dritten Gewinntag in Folge.

Am Ende eines wechselhaften Handelstages ist der Dax nach einem lange Zeit uneinheitlichen Handelsverlauf deutlich ins Plus gedreht. Der deutsche Leitindex, der noch am Morgen stärker im Minus lag und im Tagestief bis auf 9.513 Zähler absackte, schloss am Ende 0,71 Prozent höher bei 9.680 Punkten. Erst im späten Geschäft wurde dabei deutlich, dass sich die Gewinnserie des deutschen Leitindex würde fortsetzen können. Es war der dritte Gewinntag in Folge. Die positive Tagestendenz setzte sich im Späthandel fort, der L/E-Dax legte bis auf 9.749 Punkte weiter zu.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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11.341,00
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Insgesamt aber verlief das erste Halbjahr für Dax-Anleger enttäuschend. Den Jahresschlussstand bei 10.743 Punkten per 31.12.2015 hat der Index nie mehr erreicht. Das Minus lag im ersten Halbjahr, das von hoher Volatilität gekennzeichnet war, beim heutigen Schlussstand bei 9,9 Prozent.

Hoffnung auf die Notenbanken

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 19.00 Uhr

Zur Stabilisierung der Kurse trage die Hoffnung auf Geldspritzen der großen Notenbanken bei, sollte der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU weitere Turbulenzen auslösen, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Insgesamt wollen die Anleger aber wohl erst einmal abwarten, wie es in Sachen Großbritannien weitergehe.

FTSE 100: Kursverlauf am Börsenplatz BNP Paribas für den Zeitraum Intraday
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7.050,72
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Am Nachmittag befeuerte der Gouverneur der Bank of England, Mark Carney, die Märkte. In einer außerplanmäßigen Stellungnahme deutete er weitere geldpolitische Lockerungen an. Er erklärte, der wirtschaftliche Ausblick habe sich für Großbritannien verschlechtert. Die Notenbank könne den wirtschaftlichen Schock eines EU-Austritts nicht kompensieren. Carney sprach in diesem Zusammenhang von einer "unbequemen Wahrheit". In Erwartung neuer Geldspritzen der Notenbank und wegen des gedrückten Pfundes sprang der Londoner Aktienmarkt kräftig an und stieg in der Spitze auf ein Acht-Monats-Hoch bei 6.540 Punkten.

Wall Street im Vorwärtsgang

Auch an der Wall Street stehen die Börsenampeln nach guten Konjunkturdaten auf Grün. Der Leitindex Dow Jones hat sine anfangsgewinne ausgebaut und liegt zur Stunde 1,2 Prozent im Plus, auch der marktbreite S&P-500-Index legt zu.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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25.414,77
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Am Nachmittag legte der Chicagoer Konjunkturindex Chicago PMI für den Großraum Chicago überraschend deutlich auf 56,3 nach 49,3 Punkten im Mai zu. Experten hatten im Schnitt eine Verbesserung auf 51,0 Punkte erwartet. "Das Wachstumsszenario ist intakt", kommentierte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen derweil bei 268.000. Fast eine Punktlandung, Analysten hatten 267.000 Anträge erwartet.

Unstetiger Devisenmarkt

Für den Euro gab es heute keine klare Tendenz. Die Gemeinschaftswährung legte am Mittag in der Spitze bis auf über 1,1154 Dollar zu, nachdem die Fluchtbewegungen in den Dollar als sicherer Hafen sich etwas abzuschwächen schienen. Die Lage bleibt aber trotzdem mehr als wacklig, mittlerweile sind die Gewinne gegen den Dollar wieder perdu.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1419
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Der Euro verliert nach längerer Seitwärtsbewegung am Nachmittag nach den guten US-Konjunkturdaten letztlich deutlich und fällt auf aktuell 1,1054 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs am frühen Nachmittag noch auf 1,1102 (Mittwoch: 1,1090) Dollar festgesetzt.

Das britische Pfund tendiert nach zunächst unstetem Verlauf ebenfalls deutlich zur Schwäche, sowohl gegenüber dem Euro als auch dem Dollar. Die Abgabeneigung verstärkte sich im späten Geschäft nach den Äußerungen von Mark Carney. Aktuell sackt das Pfund auf 1,3241 Dollar ab, so tief wie seit rund 30 Jahren nicht mehr. Gegenüber dem Euro fällt die britische Währung mit 0,8332 Pfund je Euro auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren.

RWE-Tochter mach Appetit auf mehr

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,08
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Der Energiekonzern RWE hat sich erstmals finanzielle Ziele seiner neuen Ökostrom-Tochter Innogy präsentiert. Diese will 70 bis 80 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses als Dividende ausschütten. Die Pläne kamen gut bei den Investoren an, das RWE-Papier führte mit einem kräftigen Aufschlag von 6,81 Prozent den Dax deutlich an. Ende des Jahres könnte Innogy an die Börse gebracht werden.

Beiersdorf empfohlen

Einer der stärksten Werte im Dax war die Beiersdorf-Aktie, die 3,3 Prozent zulegte. Gleich zwei Empfehlungen halfen. Die australische Investmentbank Macquarie hat den mit "Outperform" und einem Kursziel von 89 Euro in die Bewertung aufgenommen. Fundamental sei Beiersdorf weiterhin eine Wachstumsstory, doch im Fokus stünden nun die Margensteigerungen. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat Beiersdorf von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 87 auf 91 Euro angehoben.

Brexit ist für ProSiebenSat.1 kein großes Thema

Zwar sprach Firmenchef Thomas Ebeling auf der heutigen Hauptversammlung des Münchener Medienkonzerns aus dem Dax von makroökonomischen Unsicherheiten, ein konkretes Brexit-Risiko sieht er für sein Unternehmen aber nicht. Denn der Erlösanteil aus Großbritannien sei nur gering. Ebeling bestätigte das Jahresziel eines Umsatzplus von mehr als zehn Prozent und einen Anstieg des operativen Ergebnisses im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Auch die mittelfristigen Wachstumsziele bis 2018 bleiben bestehen. Der Umsatz soll von 3,3 auf 4,2 Milliarden Euro wachsen bei gleichzeitig deutlichem Gewinnanstieg.

Lufthansa einigt sich mit UfO

Wichtiger Etappenerfolg für die Lufthansa: Die Schlichtungsverhandlungen für das Kabinenpersonal sind unter der Leitung des ehemaligen Brandenburger Ministerpräsidenten und SPD-Chefs Matthias Platzeck erfolgreich beendet worden. Ein Streik ist damit abgewendet. Details sollen aber erst am 5. Juli bekannt gegeben werden.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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20,15
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Das Lufthansa-Papier hielt sich etwas besser als der Markt. Schon am Vormittag hatte die Aktie einen Bericht der "Welt" relativ gut verkraftet. Demnach rechnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht mit seinem Ende der Preissenkungen bei Tickets in der Luftfahrtbranche.

Deutsche Bank am Dax-Ende

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Deutsche Bank kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Die US-Tochter ist erneut beim jährlichen Stresstest der amerikanischen Notenbank Fed durchgefallen. Diese bemängelte besonders das Risikomanagement und die internen Kontrollen bei der US-Tochtergesellschaft Deutsche Bank Trust Corporation. Ein Vorwurf, der nicht neu ist. Die Aktie markierte am Morgen ein neues Rekordtief von 12,05 Euro und beendete den Handel mit minus 2,65 Prozent als Dax-Schlusslicht bei 12,32 Euro.

Heidelbergcement unter Druck

Für den einzigen Bauwert im Dax senkte die Investmentbank Barclays ihr Kursziel von 83 auf 72 Euro mit einem fundamentalen Urteil "Equal weight" (Halten). Analyst Nabil Ahmed sagt Europa in einer Studie nach dem Brexit-Votum unruhige Zeiten voraus. Er bevorzugt bei den Bauwerten daher defensive Infrastrukturtitel mit sicheren Renditen gegenüber den konjunkturabhängigen Aktien, zu denen er auch Heidelbergcement zählt.

Ahmed reduzierte seine Gewinnschätzungen für die gesamten Branchenunternehmen bis 2018. Besonders betroffen ist auch der französische Baustoffhersteller Saint Gobain. Bei Heidelbergcement erwartet er zudem keine weiteren Synergien mehr aus der Übernahme des italienischen Konkurrenten Italcementi. Auch die Italiener hätten ein starkes Europageschäft. Die Heidelbergcement-Aktie gehörte heute zu den größten Verlierern im Dax, der Stoxx-Branchenindex hielt sich hingegen besser.

Stühlerücken bei der Telekom

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,13
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Die Managerin Claudia Nehmat übernimmt im Vorstand künftig das Ressort Technologie und Innovation. Als Nachfolger wurde für das Europaressort ein neuer Vorstand berufen, dessen Name aber auf Bitte seines aktuellen Arbeitgebers erst in der kommenden Woche veröffentlicht wird. Neuer Generalbevollmächtigter 'Unternehmensentwicklung' wird Thorsten Langheim. Die Entscheidungen wurden nach Börsenschluss bekannt gegeben.

VW verbreitet Optimismus

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VW ist zuversichtlich, einen weiteren Streit mit den US-Behörden beilegen zu können. Der Konzern könne die 85.000 Dieselfahrzeuge mit 3,0 Liter-Motoren reparieren, sagte VW-Anwalt Robert Giuffra bei einer Gerichtsanhörung in San Francisco. Bei diesen Wagen war eine in den USA beanstandete Softwarefunktion nicht ausreichend bei den Behörden angemeldet worden. Die Reparatur der Autos sei nicht kompliziert und senke auch nicht die Leistung, sagte Giuffra. Sollte VW gezwungen werden, auch diese größeren, teureren Autos zurückzukaufen, würde das weitere Milliarden verschlingen. Richter Breyer will am 25. August informiert werden.

Bayer: Das wird teuer!

Bayer muss für eine Übernahme des amerikanischen Saatgutkonzerns Monsanto wohl tiefer in die Tasche greifen. Wie das "Handelsblatt" berichtet, fordert Monsanto, dass Bayer das Übernahmeangebot um zehn bis 15 Dollar je Aktie erhöht. Das entspräche einem Aufschlag von fünf bis sieben Milliarden Dollar.

BMW und Intel arbeiten zusammen

Der Münchener Autobauer will mit dem US-Chiphersteller Intel sowie dem israelischen Kameratechnikexperten Mobileye am selbstfahrenden Auto arbeiten. Dies verlautete heute aus Insiderkreisen. Die drei Firmenchefs, Harald Krüger von BMW, Brian Krzanich von Intel sowie Amnon Shashua von Mobileye wollen ihre Kooperation und Details am Freitag verkünden. BMW und Intel arbeiten schon länger zusammen. Intel sucht wegen der Schwäche des PC-Marktes neue Absatzfelder. Das selbsfahrende Auto gehört, wie bei anderen Autobauern auch, zu den strategischen Zielen von BMW.

Wirecard expandiert in Amerika

Der Zahlungsabwickler Wirecard kauft die Prepaid-Kreditkartenfirma Citi Prepaid Card Services von der Bad Bank der US-Großbank Citigroup. Das Geschäft werde 2017 mehr als 20 Millionen Dollar zum operativen Ergebnis (Ebitda) beitragen, teilte das TecDax-Mitglied mit. Angaben zum Kaufpreis wurde nicht gemacht.

KTG-Anleihe fällt weiter

Die 2017er-Anleihe des schwer angeschlagenen Agrarunternehmens KTG ist erstmals an der Börse auf einen Kurs von unter zehn Prozent gerutscht. Für das Papier warten Anleger immer noch auf eine Zinszahlung, obwohl sie längst fällig gewesen ist. Auch die im Entry-Standard der Frankfurter Börse notierte Aktie verlor weiter.

Greiffenberger stürzt ab

Die Aktie der familiengeführten Industrieholding ist dramstisch unter die Räder gekommen und auf ein Rekordtief gefallen. Grund ist die Ankündigung der Gesellschaft, dass der Abschlussprüfer dem Unternehmen das Prüftestat für den Jahresabschluss 2015 verweigern wird. Wegen Verhandlungen mit neuen Investoren, die noch andauern, sieht sich die Prüfgesellschaft außer Stande, ob die Fortführung der Unternhemenstätigkeit (Going Concern) gerechtfertig sei und verlangt neue Unterlagen. Der Vorstand gehe von dieser Annahme aus, der Investorenprozess sei aber noch nicht abgeschlossen.

Comeback für neuen Unicredit-Chef

Insider berichten heute, die Wahl des Verwaltungsrates sei auf Jean-Pierre Mustier gefallen, der einst das Investmentgeschäft der französischen Großbank Société Générale verantwortete und auch schon für UniCredit arbeitete. Für den Franzosen wäre es ein erstaunliches Comeback, denn einige andere Namen waren ebenfalls im Gespräch. Der 55-Jährige wird Nachfolger des zurückgetretenen Federico Ghizzoni. Dieser war bei Aktionären in Ungnade gefallen wegen der schwachen Aktienkursentwicklung und der angespannten Kapitalausstattung der HypoVereinsbank-Mutter aus Mailand.

Apropos HypoVereinsbank: Nach Insiderinfomtionen soll die geschrumpfte deutsche Tochter nicht verkauft werden, dafür aber das Geschäft in Polen mit der Tochter Pekao und die Fondsgesellschaft Pioneer auf dem Prüfstand stehen. Mustier plane, die Kernkapitalquote - ein Zeichen der finanziellen Stärke von Banken - um zwei Punkte auf 12,5 Prozent zu erhöhen.

Vor der Finanzkrise galten die jetzt zum Verkauf stehenden Töchter der Unicredit als Zeichen großer Stärke einer wahrhaft paneuropäisch aufgestellten Bank. Gerade für das Osteuropageschäft wurde Unicredit unter dem damaligen Bankchef Alessandro Profumo beneidet. Profumo, der immerhin von 1997 bis 2010 an der Spitze der Bank stand, galt als einer der herausragenden Macher im europäischen Bankensektor jener Zeit.

Modelez will Hershey kaufen

Der Schokoladen-Hersteller Mondelez International (unter anderem Milka-Schokolade) hat laut "Wall Street Journal" ein Übernahmeangebot für den traditionsreichen Rivalen Hershey gemacht. Demnach habe Mondelez 107 Dollar (knapp 97 Euro) je Hershey-Aktie geboten. Die Bezahlung solle dabei jeweils zur Hälfte in bar und in Aktien erfolgen.

Hershey wird am Markt mit rund 25 Milliarden Dollar (22,5 Mrd Euro) bewertet. Mondelez brachte es zuletzt auf fast 69 Milliarden Dollar. Eine Fusion würde den weltgrößten Süßwarenhersteller entstehen lassen. Hershey-Aktien, die in der Spitze um 21 Prozent nach oben schossen, liegen aktuell 15 Prozent im Plus. Auch das Mondelez-Papier legt zu.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"