Die Bullen trauen sich wieder was

Stand: 10.05.2012, 20:02 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt ist am Nachmittag wieder mehr Zuversicht über Fortschritte in der Eurokrise aufgekommen. Gleichzeitig musste die Börse eine wahre Flut von Unternehmensberichten verarbeiten.

Der deutsche Leitindex Dax hat am Nachmittag nach hoffnungsvollen Signalen aus Griechenland und Spanien Fahrt aufgenommen. Zudem profitierten die Aktien von einem Stimmungswechsel an der Wall Street, die ebenfalls ins Plus drehte. Der Index legte nach einer Berg- und Talfahrt am Ende 0,6 Prozent zu auf 6.518 Punkte und pendelte dabei zwischen 6.440 und 6.549 Zählern. Auch der Euro löste sich im Tagesverlauf von seinen Tiefstkursen und steht bei 1,2959 Dollar. Nachbörslich setzte sich der Aufschwung fort, der L/E-Dax stieg auf 6.531 Punkte.

Kurz nach Börsenschluss in Europa hatte sich der ehemalige griechische Finanzminister und Chef sozialistischen Pasok-Partei, Evangelos Venizelos, zuversichtlich über die Bildung einer All-Parteien-Regierung in Athen geäußert.

Laut Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade ist auch die sich scheinbar verbessernde Situation in den Krisenländern Italien und Spanien ein Kaufargument für Anleger. "Da es in Spanien nun doch nicht zu einer Zwangsverstaatlichung bestimmter Banken kommt, weicht die Angst dem aufkeimenden Optimismus." Am morgigen Freitag will Ministerpräsident Mariano Rajoy Reformpläne für den angeschlagenen Bankensektor präsentieren.

Geballte Zahlenflut
Die Börse blickte aber neben dem Dauerthema Eurokrise auch auf die zahlreichen Unternehmensberichte. Vor allem aus der zweiten und dritten Reihe standen zahlreiche Quartalsberichte auf dem Programm. Die anderen deutschen Aktienindizes neben dem Leitindex Dax schlossen ebenfalls mit Zugewinnen. Der MDax legte 0,4, der SDax 0,5 und der TecDax ein Prozent zu.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Börse an der Spitze
Tagessieger waren die Aktien der Deutschen Börse mit einem Plus von etwas über vier Prozent. Ex Dividende wurden heute Deutsche Post, Allianz und K+S gehandelt. BMW waren größter "echter" Verlierer mit einem Minus von 2,1 Prozent.

US-Standardwerte behaupten sich im Plus
Aktuell liegen in den USA die Standardwerteindizes Dow Jones und S&P-500 vorne. Nach einer schwächeren Eröffnung hat auch die Technologiebörse Nasdaq ihre anfänglichen Verluste mittlerweile wieder aufgeholt. Vor allem Netzwerklausrüster Cisco hatte mit seinem Ausblick die Tec-Werte belastet.

Die Konjunkturdaten wurden positiv aufgenommen. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren mit 367.000 überraschend rückläufig gewesen. Das Defizit der Handelsbilanz fiel mit 51,8 Milliarden Dollar im März stärker aus als prognostiziert, signalisiert aber einen regen Außenhandel.

Telekom kommt gut an
Mit einem Kursgewinn von drei Prozent begrüßten die Anleger die Quartalszahlen der Deutschen Telekom. Das Unternehmen hat sich dank des schwachen Euro und eines stabilen Geschäfts auf dem Heimatmarkt wacker geschlagen. Unter dem Strich drückten allerdings Abschreibungen und Rückstellungen auf den Gewinn. Das um Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) und Sonderposten bereinigte Ergebnis blieb mit 4,48 Milliarden Euro konstant. Telekom-Chef-René Obermann bestätigte die Jahresprognose.

RWE schwächelt
Dagegen musste die Aktie von RWE Verluste hinnehmen. Belastungen aus dem beschleunigten Atomausstieg und das schwächelnde Gasgeschäft haben das Ergebnis des Energiekonzerns auch im ersten Quartal getrübt. Seine Prognose für 2012 hat das Unternehmen dennoch bestätigt. Der Versorger erwartet sowohl das betriebliche Ergebnis als auch das für die Dividende entscheidende nachhaltige Nettoergebnis auf dem Vorjahresniveau zu steigern.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Erfolgreiche VW-Töchter
Sowohl bei der Nutzwagentochter als auch bei Audi läuft es rund. Trotz der Marktschwäche in West- und Südeuropa wurden seit Jahresbeginn mehr als 174.000 Nutzfahrzeuge ausgeliefert. Das ist ein Plus zum Vorjahr von 6,1 Prozent. Vor allem auf dem deutschen Heimatmarkt lief es gut, darüber hinaus sei von einer Nachfrageschwäche in vielen europäischen Ländern nichts zu spüren.

Auch die Premium-Tochter Audi bleibt auf dem Erfolgspfad, denn die Nachfrage nach teuren Luxusautos bleibt hoch. Vorstandschef Rupert Stadler sagte auf der Hauptversammlung, er erwartet, dass sich der globale Aufschwung fortsetzen werde. Allerdings werde sich die wirtschaftliche Dynamik seiner Meinung nach etwas abschwächen. VW-Aktien können jedoch nicht profitieren und verlieren 1,1 Prozent.

ProSiebenSat.1-Aktie dreht ins Plus
ProSiebenSat.1-Aktien beendeten im MDax ihre Berg- und Talfahrt am Ende mit einem Zugewinn von 1,3 Prozent. Der Medienkonzern ist nach einem starken ersten Quartal auf Rekordkurs und die Zahlen stießen bei Analysten in einer ersten Reaktion überwiegend auf ein positives Echo. Allerdings lag der Nettogewinn unter den Schätzungen, was zunächst am Markt negativ aufgenommen worden war.

BayWa setzt auch auf Obst
Der Agrarhändler aus dem MDax hat im ersten Quartal auch dank der Übernahme des neuseeländischen Obsthändlers T&G gute Geschäfte für das erste Quartal bilanziert. Der Umsatz kletterte um 13 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro. Beim Ergebnis steigerte sich BayWa um eine auf 6,7 Millionen Euro. Die Zahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten, die Aktie schloss deutlich besser.

Rational wird konkret
Weniger Anklang bei den Investoren trotz guter Zahlen fand die Aktie des Großküchen-Spezialisten Rational, die ebenfalls im MDax notiert. Der Konzern hat nach einem guten Auftaktquartal die Jahresprognose erhöht. Nun rechnet das Unternehmen statt einem "moderaten" Wachstum bei Umsatz und Ergebnis mit Steigerungen von jeweils zehn Prozent. Im ersten Quartal waren die Erlöse um zehn Prozent auf 96,2 Millionen Euro und das Ebit um 13 Prozent auf 22,9 Millionen Euro gewachsen.

Aareal Bank besser als erwartet
Kräftig zulegen konnte dagegen die Aktie der Aareal Bank. Vor allem die zurückgefahrene Risikovorsorge stimme zuversichtlich, hieß es von mehreren Seiten. Zudem habe die Aktie nach den jüngsten starken Verlusten wieder Aufholbedarf. "Der wesentliche Kurstreiber dürfte die Rückkehr zur alten Risiko-Strategie sein", also hin zu mehr Risiko, kommentierte Analyst Christoph Bast von der DZ Bank.

Bilfinger prophezeit robustes Jahr
Überdurchschnittlich bergauf ging es auch für die Aktie von Bilfinger. Der Dienstleistungs- und Baukonzern aus dem MDax hat nach einem robusten Jahresstart die Prognosen bekräftigt. 2012 sei zwar ein Rückgang der Leistung, gleichzeitig aber eine deutliche Erhöhung des Ergebnisses zu erwarten. In den ersten drei Monaten des Jahres legte die Leistung um sechs Prozent auf 1,95 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebita) schnellte auf 133 (Vorjahr: 68) Millionen Euro in die Höhe.

Stada wächst
Der Ratiopharm-Konkurrent aus dem hessischen Bad Vilbel hat im ersten Quartal wegen Sonderbelastungen für den Konzernumbau einen Gewinneinbruch ausgewiesen, was an der Börse zunächst mit einem heftigen Kursrückgang quittiert wurde. Denn Analysten hatten sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn mehr erwartet. Letztlich schloss das Papier dann fast unverändert.

Solarwerte mit Licht und Schatten
Solarworld gehen als größter TecDax-Gewinner aus dem Handel. Der Umsatz ging zwar zurück, das operative Ergebnis stieg aber überraschend an. Deutlich im Minus notierten dagegen die ebenfalls im TecDax notierte Aktie von SMA Solar, deren Zahlenwerk die Anleger trotz Gewinnsteigerung nicht überzeugen konnte.

Weiteres aus dem TecDax
Evotec hat wegen gestiegener Aufwendungen im ersten Quartal 2012 einen höheren Fehlbetrag als im Vorjahr bilanziert. Er lag bei 2,0 nach 0,4 Millionen Euro 2011. Dank Lizenz- und Meilensteinzahlungen von Pharmapartnern konnte der Umsatz aber um ein Drittel auf 20,1 Millionen Euro gesteigert werden. Die Jahresziele - eine Steigerung des Umsatzes auf 88 bis 90 Millionen Euro und eine Erhöhung der Profitabilität bleiben aber erhalten. Die Aktie verlor 1,4 Prozent.

Zu den Gewinnern im TecDax gehörte hingegen die Aktie von Jenoptik. Der Technologiekonzern aus Thüringen hat die schwächere Nachfrage aus der Halbleiterindustrie zwar zu spüren bekommen; unter dem Strich wurde aber ein Gewinn von acht Millionen Euro erwirtschaftet, der durch Zinseffekte etwas höher ausfiel als vor einem Jahr. Vorstandschef Michael Mertin bekräftigte zudem die Prognose, die wegen Konjunkturrisiken nur ein Umsatzwachstum von zwei bis sechs Prozent vorsieht.

Aus dem Immobiliensektor
Nach schwachem Start ist die GSW-Aktie am Ende doch noch klar ins Plus gedreht. Die britische Bank Barclays will der "FTD" zufolge ihre unliebsame Tochter Baubecon loswerden. Die Berliner Immobilienfirma GSW und ihr Ex-Eigentümer Whitehall böten knapp eine Milliarde Euro für die 21.000 früheren Baubecon-Gewerkschaftshäuser.

Ebenfalls zugelegt hat die Aktie der Hamborner Reit. Die maßgebliche operative Ergebnisgröße FFO (Funds from Operations) stieg im ersten Quartal um 22 Prozent auf 4,9 Millionen Euro. Dabei machten sich die jüngsten Zukäufe der Firma positiv bemerkbar, die Miet- und Pachterlöse legten deutlich zu. 2012 soll der FFO fünf bis zehn Prozent über dem Vorjahr liegen.

Wacker Neuson brummt
Die brummende Baukonjunktur hat dem Maschinenhersteller einen kräftigen Gewinnzuwachs eingebracht. Der Überschuss hat sich im ersten Quartal binnen Jahresfrist auf 17,1 Millionen Euro fast verdoppelt. Der Umsatz legte um fast ein Drittel auf 274 Millionen Euro zu. Die Aktie legt im SDax zu, kann ihr Tageshoch aber nicht verteidigen.

Hawesko leicht beschwipst
Kursgewinne von rund drei Prozent verbuchte die Aktie des im SDax notierten Weinhändlers. Hawesko hat seine Erlöse im ersten Quartal um elf Prozent auf 103 Millionen Euro gesteigert. Dazu trug auch die Übernahme des Berliner Konkurrenten Wein & Vinos bei. Das Betriebsergebnis stagnierte bei 4,6 Millionen Euro, vor allem wegen schlechterer Geschäfte im Großhandels-Segment.

ElringKlinger wächst und wächst
Das Unternehmen badet in einer Flut von Aufträgen, die Aktie ist mittlerweile nach schwachem Auftakt ins Plus gedreht. Der Autozulieferer hat im ersten Quartal sein operatives Ergebnis um ein Sechstel auf 37,3 Millionen Euro gesteigert. Die konzernweit laufenden Maßnahmen zur Effizienzsteigerung und weitgehend stabile Materialpreise hätten zum Anstieg der Bruttomarge geführt, hieß es laut Mitteilung.

MLP fängt sich
Der Finanzdienstleister, ehemals sogar im Dax notiert, hat zum Jahresauftakt den Gewinn deutlich gesteigert. Die Heidelberger erzielten einen Konzernüberschuss von 9,4 Millionen Euro, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Das Ebit legte um 44 Prozent auf 12,4 Millionen Euro zu. MLP profitiert dabei von seinem Sparprogramm. Die Aktie reagiert aber kaum auf die Zahlen.

Verbio gibt mehr Gas
Einen Schwenk in der Unternehmensausrichtung will der Bioenergie-Spezialist schaffen. Verbio will verstärkt auf Biogas setzen, das bei Autogas bereits einen Marktanteil von 15 bis 20 Prozent habe. Aber auch Bioethanol als Treibstoffzusatz verkaufte sich zuletzt gut und bescherte dem Unternehmen einen Umsatzanstieg um 41 Prozent auf 200,7 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern stagnierte allerdings bei 2,2 Millionen Euro. Die Verbio-Aktie springt am Donnerstag um gut drei Prozent an.

GFT bleibt auf Kurs
Der IT-Dienstleister aus Stuttgart berichtet über einen planmäßigen Start in das neue Geschäftsjahr. Umsatz und operatives Ergebnis gingen dabei aufgrund getätigter Investitionen und reduzierter Projekte im Jahresvergleich zurück. GFT-Chef Ulrich Dietz bestätigte jedoch seine Prognose für 2012. Danach soll der Umsatz bei 250 Millionen Euro und das Ebit bei 12 Millionen Euro liegen. GFT ist hauptsächlich für die Finanzindustrie tätig. Die Aktie reagierte zunächst positiv auf den Bericht, fiel dann aber wieder zurück.

E-Bikes treiben Mifa-Gewinn
Der Fahrradhersteller verzeichnete im ersten Quartal trotz gesunkener Absatzzahleneinen um 7,4 Prozent auf 39,8 Millionen Euro gestiegenen Umsatz. Der Nettogewinn stieg von 1,6 auf zwei Millionen Euro. Mifa will zwar auch zukünftig auf das klassische Fahrrad setzen, E-Bikes liegen aber mehr und mehr im Trend, so Firmenchef Peter Wicht. Er zeigte sich für das gesamte Geschäftsjahr optimistisch. Mifa-Aktien geben trotzdem nach.

Jungheinrich bleibt vorsichtig
Die Anleger reagieren zurückhaltend auf den vorsichtigen Ausblick des Gabelstapler-Herstellers. Danach erwartet Firmenchef Georg Frey im Jahr 2012 trotz guter Quartalszahlen nur ein stagnierendes Ergebnis. Der Umsatzanstieg im ersten Quartal um elf Prozent auf 522 und das Ebit-Wachstum um 14 Prozent auf 34,5 Millionen Euro lag über den Erwartungen.

ArcelorMittal mit Lichtblick
Die Konjunkturprobleme in Europa belasten das Geschäft des weltgrößten Stahlherstellers ArcelorMittal weiter. Im ersten Quartal sank das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf knapp zwei Milliarden Dollar. Gegenüber dem schwachen Schlussquartal 2011 verbesserte sich die Kennzahl aber vor allem dank der wirtschaftlichen Erholung in den USA um rund 15 Prozent. Die Erwartungen von Analysten übertraf das Unternehmen.

Unicredit überraschend stark
Die Aktien der italienischen Großbank, zu der auch die deutsche Tochter HypoVereinsbank gehört, steigen kräftig, nachdem die Bank überraschend gut ins neue Jahr gestartet ist. Unter dem Strich steigerte die Bank das Ergebnis um 12,8 Prozent auf 914 Millionen Euro und übertraf damit die Analystenerwartungen. Geholfen haben geringerer Rückstellungen für faule Kredite, aber auch die milliardenschweren Liquiditätshilfen der EZB.

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln