Die Bullen setzen sich durch

Robert Minde

Stand: 28.02.2012, 19:48 Uhr

Der Aktienmarkt ist derzeit in einer äußerst robusten Verfassung. Selbst durchwachsene Konjunkturzahlen aus Amerika haben nur kurz für schlechte Stimmung gesorgt. Jetzt blickt alles auf die neue Geldspritze EZB.

Es scheint so, als ob derzeit kaum etwas den deutschen Aktienmarkt wirklich umwerfen könnte. Nach einem volatilen Nachmittagshandel legt der Dax 0,56 Prozent auf 6.887 Punkte zu. Im Tageshoch stand der Index bei 6.900, im Tief bei 6.809 Zählern. Auch nachbörslich tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax schloss bei 6.882 Punkten.

Am Nachmittag war nach gemischt ausgefallenen US-Konjunkturzahlen Bewegung in den Markt gekommen. Schwächer als erwartet ausgefallenen Auftragseingänge für langlebige Güter sowie ein enttäuschender Case-Shiller-Hauspreisindex bremsten die Anleger aber nur kurz. Denn der vom privaten Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Wert des Verbrauchervertrauens lag im Februar mit 70,8 Punkten deutlich über den Erwartungen von 63 Punkten und wurde positiv aufgenommen. Auch am heimischen Markt hatte der gute GFK-Konsumklimaindex am Vormittag schon die Kurse gestützt. Auch der leicht gefallene Ölpreis sorgte für Entspannung.

Die Nachricht von der "teilweisen" Pleite Griechenlands (selective default), wie sie die Ratingagentur Standard & Poor's am Montagabend ausgerufen hat, war hingegegen kein Thema.

Blick auf die EZB
Der Markt blickte schon auf das neue Mega-Tendergeschäft der EZB. "Eigentlich will jeder nur wissen, wie viel Geld die Banken bei der EZB abrufen. Dann bekommt man vielleicht eine Vorstellung davon, wie robust die Häuser aufgestellt sind, und wie es mit der Kreditvergabe weitergeht", hieß es in Händlerkreisen. Bereits im Dezember hatte die Notenbank mit einem solchen Geschäft die Märkte mit Geld geflutet, Händler rechnen diesmal mit rund 500 Milliarden Euro, die die Banken aufnehmen. Das wären nochmal elf Milliarden mehr als im Dezember.

Euro wieder erholt
Auch die Gemeinschaftswährung hat, ähnlich wie die Aktien, ihr Zwischentief vom Nachmittag überwunden und zeigt sich bei Kursen von 1,3450 Dollar wieder erholt. Auch die Devisenmärkte erwarten am Mittwoch ebenfalls den neuen Drei-Jahres-Tender der EZB.

Infineon ganz vorne
Gewinner und Verlierer gingen quer durch alle Branchen. Tagesverlierer war die Commerzbank, die gut 1,5 Prozent abgab, Bayer konnten ihre anfänglichen Verluste nach enttäuschenden Zahlen eingrenzen und schlossen nur leicht im Minus. An der Spitze im Dax standen Infineon mit Zuwächsen von gut zwei Prozent. Im MDax lagen ProSiebenSat1 nach einem positiven Analystenkommentare zusammen mit den Aktien des Bezahlsenders Sky vorne. Solarworld legten knapp sechs Prozent zu und waren stärkster Wert im TecDax.

Dow-Jones kämpft mit der 13.000er Kursmarke
In New York steht der Dow-Jones-Index wenig verändert knapp unter der Marke von 13.000 Punkten. Im Handelsverlauf hat der Dow bisher meistens einen Tick über der hart umkämpften Marke gelegen und dabei im bisherigen Tageshoch 13.018 Zähler erreicht. Besser läuft es aktuell bei den Technologiewerten, der Nasdaq-Composite-Index notiert gut 0,3 Prozent höher.

Lufthansa und Fraport gehen vor Gericht
Flughafenbetreiber Fraport und Lufthansa wollen gemeinsam gegen den möglichen Solidarstreik der Fluglotsen am Mittwoch eine einstweilige Verfügung vor Gericht beantragen. Der Lotsenstreik könnte nach Angaben der Flugsicherung den Flughafen Frankfurt völlig lahm legen. Auch gegen den Streik der Vorfeldmitarbeiter gehen die Unternehmen juristisch vor. Das Gericht will kurzfristig eine Entscheidung fällen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat vor einer Streikbeteiligung der Lotsen gewarnt. Dies könne "verheerende Folgen" haben, sagte der Minister. Die Lufthansa-Aktie gewann 1,6 Prozent hinzu, Fraport verlieren im MDax leicht 0,1 Prozent.

Deutsche Bank bei Postbank fast am Ziel
Die Bank hält nach eigenen Angaben mittlerweil 93,7 Prozent an der Postbank und ist damit nur noch knapp von der Marke von 95 Prozent entfernt, ab der Kleinaktionäre zwangsweise aus dem Unternehmen gedrängt werden können (Squeeze-out). Der Anteil erhöhte sich von den bisherigen 52 Prozent, die die Bank schon hält, durch die Fälligkeit einer Pflichtwandelanleihe, der Ausübung einer Verkaufsoption durch die Deutsche Post sowie Zukäufen am Markt.

Gleichzeitig scheint der von der Bank beabsichtigte Verkauf der Vermögensverwaltung voran zu kommen. Die Bank bestätigte exklusive Verhandlungen mit dem US-Finanzdienstleister Guggenheim. Es geht um ein verwaltetes Vermögen von 400 Milliarden Euro und rund 1.500 Mitarbeiter. Im Gespräch ist ein Preis zwischen 1,5 und zwei Milliarden Euro. Die Deutsche-Bank-Aktie stieg mit dem Markt.

Insolvenzverfahren für Solar Millennium
Vor dem Amtsgericht in Fürth ist das Insolvenzverfahren gegen das Solarunternehmen eröffnet worden. Insolvenzverwalter Volker Böhm ist weiter auf der Suche nach Investoren und berichtet über mögliche Interessenten für die Tochtergesellschaft Flagsol in Köln sowie für einige spanische Kraftwerksprojekte. Das Gericht hat einen Gläubigerausschuss bestellt, die erste Gläubigerversammlung wurde für den 15. Mai angesetzt.

Kapitalerhöhung bei Gesco
Die im SDax notierte Beteiligungsgesellschaft hat nach Börsenschluss eine Kapitalerhöhung bekannt gegeben, die rund zehn Prozent des derzeitigen Grundkapitals ausmacht. Die neuen Aktien werden unter Ausschluss eines Bezugsrechtes bei deutschen und europäischen institutionellen Investoren platziert. Mit dem Erlös sollen weitere Zukäufe finanziert werden. Gesco-Aktien tendierten im regulären Handel nahezu unverändert.

Bouygues ohne Überraschungen
Der große französische Mischkonzern hat nach Börsenschluss ein gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändertes Ergebnis präsentiert. Unter dem Strich stand ein Ergebnis von 1,07 Milliarden Euro, was etwas über den Analystenerwartungen lag. Die Aktionäre sollen wieder eine Dividende von 1,60 Euro erhalten. Für 2012 erwartet der Konzern einen leichten Rückgang der Erlöse.

Bouyges ist neben dem Bau- und Immobiliengeschäft auch noch mit eigenen TV-Sendern und in der Telekommunikation tätig. Das Unternehmen ist im französischen Leitindex CAC 40 enthalten. Die Aktie tendierte am Dienstag an der Pariser Heimatbörse kaum verändert bei 24,39 Euro.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
162,54
Differenz relativ
-3,69%

Neues iPad am 7. März?
Apple hat an diesem Datum ausgewählte Journalisten und Analysten nach San Francisco eingeladen und wird dort vermutlich seinen neuen iPad-Tablet-Computer vorstellen. Gewohnt kryptisch heißt es dort vor dem Hintergrund eines iPad-Bildschirms: "Wir haben etwas, dass sie wirklich sehen müssen. Und anfassen." Apple veröffentlicht traditionell vorab keine Informationen über neue Produkte sondern inszeniert dies als große Veranstaltung.

TomTom in der Sackgasse
Der niederländische Navigationsgeräte-Hersteller muss der Konkurrenz der Smartphones heftig Tribut zollen. Im Jahr 2011 sackte der Umsatz um 30 Prozent auf 357 Millionen Euro ab. Der Gewinn ging sogar um drei Viertel zurück. Die Aktie verliert im Frankfurter Handel deutlich über 15 Prozent.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"