Marktbericht 20:05 Uhr

Dax über 9.700 Punkte Die Bullen bringen sich in Stellung

Stand: 01.03.2016, 20:05 Uhr

Die Anleger haben sich heute angriffslustig gezeigt und für einen volatilen Handelstag mit Happy End gesorgt. Die anstehende März-Sitzung der EZB wirft schon ihre Schatten voraus und beflügelt die Fantasie der Marktteilnehmer.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.341,00
Differenz relativ
-0,11%

So viel Optimismus gab es lange nicht mehr an der Börse. Der Dax legte eine kräftigen Satz von 2,34 Prozent auf 9.717 Punkte aufs Parkett und beendete den Handel damit quasi am Tageshoch bei 9.719 Punkten. Im Tief hatte der Leitindex am Morgen noch bei 9.471 Zählern gelegen, nachdem schwache China-Daten weiter einen gedämpften konjunkturellen Verlauf im Reich der Mitte signalisiert hatten.

Die hohe Schwankungsbreite von fast 250 Punkten zeigt, dass der Markt trotz des heutigen Tagesgewinns weiter hochnervös bleibt. Im Späthandel ging es mit der steigenden Wall Street weiter nach oben mit den Kursen. Der L/E-Dax schloss bei 9.743 Punkten.

Notenbankfantasien

Gerade die schlechten Daten des vom staatlichen chinesischen Handelsverband CFLP ermittelten Einkaufsmanagerindex haben im Reich der Mitte neue Hoffnungen geschürt, dass die Notenbank jetzt weitere Lockerungen beschließen wird. Die Börse in Shanghai legte 1,7 Prozent zu.

Auch bei uns war heute die Ausgangslage ähnlich. Denn viele Experten rechnen in der kommenden Woche mit einer weiteren Öffnen der Geldschleusen der EZB im Kampf gegen die schwache Inflation und zur Ankurbelung der Wirtschaft. Wieder einmal hat sich damit gezeigt, dass die Aussicht auf neue Geldspritzen der Notenbanken die Aktienmärkte beflügeln.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
Audio

Börse 19.00 Uhr

Am späten Nachmittag meldete sich dann noch EZB-Präsident Mario Draghi. Er konstatierte eine weiter schwache Inflationsdynamik in der Eurozone und kündigte an, dass der geldpolitische Rat Anfang März seine Haltung überdenken müsse. In jedem Fall sind die Erwartungen an die EZB zuletzt wieder deutlich gestiegen.

Ölpreis legt zu

Der Notenbank machen bei ihrem Inflationsziel von knapp zwei Prozent vor allem die gefallenen Energiepreise zu schaffen. Immerhin haben sich die Ölpreise zuletzt zumindest stabilisiert. Nordseeöl der Marke Brent steht aktuell sogar über 37 Dollar je Fass. Dies, nachdem aus politischen Quellen aus Russland wieder eher nebulöse Töne bezüglich einer weltweit koordinierten Förderbegrenzung kamen. Das Riesenreich gilt zusammen mit Saudi-Arabien als der weltgrößte Förderer des schwarzen Goldes.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,88
Differenz relativ
+0,11%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,60
Differenz relativ
-0,04%

Euro fällt nach US-Konjunkturdaten zurück

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1419
Differenz relativ
+0,03%

Die europäische Gemeinschaftswährung wird um 1,0843 US-Dollar gehandelt. Im frühen Handel hatte der Euro noch knapp unter der Marke von 1,09 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am frühen Nachmittag auf 1,0872 (Montag: 1,0888) Dollar festgesetzt.

Beflügelt wurde der Dollar durch den im Februar überraschend deutlich gestiegenen Einkaufsmanagerindex ISM. Der Index gilt als wichtigster Frühindikator für die amerikanische Industrie. Der Index des Verarbeitenden Gewerbes lag bei 49,5 Punkten nach 48,2. Erwartet wurde ein leichter Anstieg auf 48,5 Punkte. "Der ISM-Index weist auf eine verhaltene konjunkturelle Dynamik hin, wobei der Anstieg positiv zu werten ist. Rezessionssorgen werden auf dieser Basis nicht weiter geschürt", kommentierte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen.

US-Märkte weiten Gewinne aus

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
25.414,77
Differenz relativ
+0,52%

Auch an der Wall Street legen die Kurse nach den Daten weiter zu. Der Leitindex Dow Jones notiert aktuell zwei Prozent höher und notiert in der Nähe seines bisherigen Tageshochs bei 16.852 Punkten. Auch die anderen großen US-Indizes legen zu, an der Technologiebörse Nasdaq geht es sogar fast 2,5 Prozent nach oben. Damit bauen die Indizes ihre Gewinne weiter aus. Der heutige "Super-Tuesday", an dem in mehreren US-Bundesstaaten Vorwahlen der beiden Parteien stattfinden, hat bisher keine Auswirkung auf die Börse.

Deutsche Börse vor Bieterschlacht um LSE?

Unter den Einzeltiteln stand die Aktie der Deutschen Börse im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Nach eigenen Angaben prüft die amerikanische Terminbörse Intercontinental Exchange (ICE) ein Gegengebot für den Londoner Börse LSE. Damit könnte die Deutsche Börse gezwungen werden, mehr für die LSE zu bieten.

Die Aktie der Briten stieg auf ein Rekordhoch, das Papier des Frankfurter Börsenbetreibers lag zwischenzeitlich als einziger Dax-Wert sogar im Minus, erholte sich dann aber wieder. Mit einem unterdurchschnittlichen Zuwachs von 0,92 Prozent war das Papier trotzdem Schlusslicht im deutschen Leitindex

Versorger an der Dax-Spitze

Im Dax gingen die Gewinne ansonsten quer durch alle Branchen. Aktien von RWE und Eon blieben volatil und lagen deutlich an der Dax-Spitze. Laut einem Händler waren sie als Nachzügler gefragt. Zu Beginn des neuen Monats sammelten einige Anleger offenbar die Verlierer vom Februar ein. Hinzu kämen die weiter erholten Rohölpreise. Auch Autoaktien legten zu, nachdem aus der Branche vom Genfer Autosalon positive Töne kamen. Sowohl Daimler-Chef Dieter Zetsche als auch sein BMW-Pendant Harald Krüger erwarten weiteres Wachstum. Auch VW-Chef Müller gab sich vor der Fachpresse zuversichtlich.

Telekom verkauft in den USA vorerst nicht

Nach Experteninformationen will die Telekom den geplanten Verkauf der US-Tochter T-Mobil US vorerst bis zum Jahresende auf Eis legen. Grund seien die anstehenden Versteigerung neuer Mobilfunklizenzen sowie die Präsidentenwahl. "In der Zeit geht in Sachen Übernahmen in der US-Mobilfunkbranche nichts mehr", sagte ein Konzern-Insider.

Während der Versteigerungen sind nach US-Recht alle Gespräche über mögliche Kooperationen und Übernahmen verboten. Auch die politischen Risiken sind zu hoch, denn niemand weiß, wie eine neue Administration über den Sektor denken wird. Die Tochter T-Mobil US läuft derweil aber recht gut, so dass die Bonner nicht unter Druck sind. Die T-Aktie stieg mit dem Markt knapp 2,5 Prozent.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,13
Differenz relativ
+1,34%
T-Mobile US: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
58,82
Differenz relativ
-1,66%

ThyssenKrupp: China hilft

Auch die Aktien von ThyssenKrupp liefen überdurchschnittlich. Grund waren Medienberichte, laut denen China fünf bis sechs Millionen staatliche Stahlarbeiter entlassen könnte. Die Branche leidet unter hohen Überkapazitäten. Am Abend wurde dann noch bekannt, dass der Konzern eine Anleihe begibt mit einem Volumen von 750 Millionen Euro und einem Kupon von 2,75 Prozent. Der Ausgabekurs soll bei 99,425 Prozent liegen.

Zalando auf Wachstumskurs

Die Aktie des Online-Modehändler Zalando war ebenfalls gefragt und gehörte nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen zu den größten MDax-Gewinnern. Auch im Ausblick äußerte sich das Unternehmen zuversichtlich.

KlöCo tiefrot

Der Stahlhandelskonzern Klöckner & Co (KlöCo) ist im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerauscht. Der Verlust lag bei 347 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von 22 Millionen. Grund war der starke Verfall der Stahlpreise. Immerhin will das MDax-Mitglied im laufenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Zudem will sich der Unternehmer und Milliardär Friedhelm Loh in den Aufsichtsrat von KlöCo wählen lassen. Ein entsprechender Vorschlag werde in der Einladung zur nächsten Hauptversammlung Mitte Mai stehen, sagte ein Unternehmenssprecher der Tageszeitung "Rheinische Post".

MTU erhöht die Dividende

Die Aktionäre des Triebwerkbauers MTU können sich über eine erhöhte Gewinnbeteiligung für 2015 freuen. Die Ausschüttung soll um 17 Prozent oder 25 Cent auf 1,70 Euro angehoben werden. Die Hauptversammlung muss am 14. April über diesen Vorschlag abstimmen, der auf der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats getroffen wurde. Auch im laufenden Jahr laufen die Geschäfte gut, Gewinn und Umsatz sollen weiter zulegen.

Deutsche Office will Rechtsform ändern

Das Unternehmen aus dem Prime Standard, das nur noch rund fünf Prozent Streubesitz aufweist, will seine Rechtsform in eine GmbH & Co. KG ändern. Das würde bedeuten, dass die Aktie von der Börse genommen wird. Größter Eigner ist die im SDax vertretene Alstria Office Reit.

Glencore mit großen Verlusten

Der Rohstoffkonzern Glencore ist im vergangenen Jahr mit knapp fünf Milliarden Dollar tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Preisverfall bei Rohstoffen machten dem Konzern zu schaffen. Glencore versucht nun unter anderem Minen zu verkaufen, um den riesigen Schuldenberg von rund 30 Milliarden Dollar abzubauen.

Honeywell zieht Milliarden-Offerte zurück

Der Versuch des US-Industriekonzerns, den Konkurrenten United Technologies für 90 Milliarden Dollar zu übernehmen, ist gescheitert. Am Dienstag wurde das Angebot zurückgezogen. Honeywell verwies zur Begründung darauf, dass der Konkurrent nicht zu Gesprächen bereits gewesen sei. Entstanden wäre eines der größten US-Unternehmen mit einem Umsatz von 100 Milliarden Dollar. Die United Technologies-Aktie ist der einzige Verlierer im Leitindex Dow Jones, Honeywell-Aktien legen an der Nyse über drei Prozent zu.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"