Die Börse wagt etwas Erholung

Stand: 23.03.2011, 20:01 Uhr

Angesichts der massiven Verluste der vergangenen Woche war die Kurserholung am Mittwoch eine Pflichtübung. Der rein mechanische Rebound entbehrt jedoch jeglicher fundamentaler Begründung. Die Nachrichten sind weiterhin besorgniserregend, Konjunkturdaten sowieso.

Es sind schwierige Zeiten an der Börse momentan und der Blick in die Zeitungen zeigt auch wieso. Die Anleger machen sich Sorgen um die havarierten Atommeiler in Fukushima, um die Kosten für das Erdbeben in Japan, um die Entwicklung der japanischen Volkswirtschaft, um die militärischen Auseinandersetzungen in Libyen, um den Ölpreis, um den Euro und so weiter.

All jene Belastungsfaktoren sind akut, vor allem die neuesten Meldungen aus Fukushima und Libyen sind äußerst besorgniserregend.

Hinzu kamen am Mittwoch sehr schwache Daten vom amerikanischen Immobilienmarkt. Im Februar wurden in den USA sowenig Häuser verkauft wie noch nie seit der Beginn der Statistik vor fast 50 Jahren. Ganze 250.000 Häuser wechselten ihren Besitzer, das waren fast 17 Prozent weniger als vor einem Jahr und wesentlich weniger als erwartet.

Dennoch: Der Dax übte die Option Aufholungspotenzial aus und legte am Mittwoch 0,4 Prozent auf 6.804 Punkte zu. In New York war das Bild ähnlich. Der Dow Jones hatte einen schwachen Start, aber löste sich im späteren Handel eindeutig vom Vortagesschlusskurs und notierte, als in Frankfurt um 20 Uhr der Parketthandel endete, 0,7 Prozent fester.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,76
Differenz relativ
-1,26%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,13
Differenz relativ
-1,12%

Euro verliert
Der Euro war am Mittwoch unter Druck und verlor im Tagesverlauf zum Dollar etwa einen Cent. Vor dem EU-Gipfel brachte sich der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou in Stellung. Er warnte davor, Griechenland umzuschulden, und lässt damit die hochgesteckten Hoffnungen für den Gipfel etwas schmelzen. Die Äußerungen des griechischen Ministerpräsidenten und die Kommentare von Analysten, dass die Umschuldung der griechischen Staatsfinanzen den Zusammenbruch der Banken des Landes bedeuten könnte, sorgten dafür, dass im Dax die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank mit Verlusten schlossen.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
184,35
Differenz relativ
-0,27%

Erste Schadensschätzungen
Auch die Aktien des Rückversicherers Münchener Rück gaben nach. Der Dax-Konzern bezifferte am Morgen die Kosten, die er aus den Folgen des Erdbebens in Japan erwartet. Die rund 1,5 Milliarden Euro nehmen sich gegenüber der Gesamtschadensumme von etwa 170 Milliarden Euro, von der Weltbank geschätzt, nahezu bescheiden aus. Doch das Gewinnziel von 2,4 Milliarden Euro für 2011 dürfte für die MüRü jetzt nicht mehr erreichbar sein. Der MDax-Branchenkollege Hannover Rück rechnet mit Belastungen von 250 Millionen Euro, wie die Gesellschaft am Morgen mitteilte. Die Aktie schloss 1,5 Prozent schwächer.

Hochtief macht mehr Gewinn
Der Baukonzern Hochtief legte am Morgen seine Zahlen für das vergangene Jahr vor und überraschte seine Aktionäre mit einer erstaunlich guten Bilanz. Der Umsatz kletterte um rund ein Zehntel auf 20,2 Milliarden Euro, der Nettogewinn legte um die Hälfte auf 288 Millionen Euro zu. Hochtief verbessert die Dividende auf zwei Euro je Aktie, was auch den spanischen Großaktionär ACS freuen dürfte, jenen Konkurrenten also, der gerade dabei ist, sich die absolute Aktienmehrheit bei Hochtief zu sichern.

Rheinmetall: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,82
Differenz relativ
+1,76%

Bilanzen von Rheinmetall, Gagfah und Leoni
Ebenfalls aus dem MDax legten der Rüstungskonzern Rheinmetall und der Autozulieferer Leoni ihre Geschäftsberichte vor. Rheinmetall machte 2010 wieder einen Gewinn von 174 Millionen Euro, 2009 war es noch ein Verlust von 52 Millionen Euro. Rheinmetall hob die Dividende um das Fünffache auf 1,50 Euro an. Anleger sind dennoch zurückhaltend, weil Rheinmetall mit seiner Prognose für 2011 enttäuschte.

Der Autozulieferer Leoni konnte mit seinem Ausblick mehr überzeugen. Die Zahlen, die die MDax-Firma vorlegte, entsprachen der bereits bekannten vorläufigen Bilanz. Neu war der Ausblick auf die kommenden Jahre. Leoni will Umsatz und Ergebnis weiter steigern, wobei der Überschuss proportional stärker wachsen soll. Die Aktie legte 3,3 Prozent zu.

Enttäuschende Geschäftszahlen legte der Immobilienkonzern Gagfah vor. Die Mieteinnahmen gingen im vergangenen Jahr zurück, das Betriebsergebnis stieg vor allem wegen einer Reihe von Verkäufen deutlich an. Dass die Aktie 3,5 Prozent verlor, lag auch daran, dass Vorstandschef William Joseph Brennan nach Berichten des "Handelsblattes" eine Klage wegen Insiderhandels droht. Er hatte in großem Stil Aktien verkauft, bevor bekannt wurde, dass Gagfah wegen Verstößen gegen die Sozialcharta von der Stadt Dresden verklagt werden soll.

Centrotherm und Cewe Color schütten aus
Auf einen kleinen Dividendenregen können sich die Anleger von Centrotherm und Cewe Color einstellen. Der im TecDax notierte Solarkonzern Centrotherm zahlt angesichts des auf 51,1 Millionen fast verdoppelten Jahresgewinns zum ersten Mal eine Dividende, und zwar 0,5 Euro je Aktie. Der Aktienkurs legte um 9,4 Prozent zu. Das SDax-Unternehmen Cewe Color beglückt seine Anleger mit einer leicht verbesserten Ausschüttung. Man wolle die Dividende von 1,05 auf 1,20 Euro erhöhen, teilte die Firma mit. Die Aktie reagierte auf diese Ankündigung kaum.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
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Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.