Die Börse in Alarmstimmung

Stand: 21.02.2011, 20:05 Uhr

Die heftigen Unruhen in Libyen haben den Dax am Montag belastet. Der Leitindex schloss stark geschwächt, der Ölpreis stieg, gute Konjunkturdaten gaben nur kurzfristige Impulse.

Nach den Kursgewinnen der vergangenen Woche hat der Dax am Montag seine Richtung korrigiert. Der Leitindex schloss 1,4 Prozent schwächer bei 7.322 Punkten. Der LDax näherte sich sogar noch auf fünf Punkte der 7.300-Punktelinie an.

Börsianer begründeten die Kursverluste einmütig mit den politischen Unruhen in Libyen. Libyen ist ein wichtiger Erdölproduzent, weswegen am Montag auch das Erdöl der Sorte Brent einen neuen Preisrekord in diesem Jahr erreichte.

Auch Aktien von in Libyen vertretenen Firmen litten. BASF-Papiere schlossen 2,7 Prozent schwächer. Die BASF-Tochter Wintershall hatte am Vormittag angekündigt, alle Mitarbeiter aus Libyen auszufliegen. RWE und Siemens wollen das Gleiche tun.

Ifo bringt nichts, Wall Street auch nicht
Gute Nachrichten von der deutschen Wirtschaft ließen die Anleger links liegen. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der Ifo-Index, stieg im Februar überraschend auf 111,2 Punkte. Die amerikanischen Finanzmarktakteure gönnten sich am Montag eine Pause. In den USA wurde wegen des "Presidents Day" nicht gehandelt, die Wall Street blieb geschlossen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Klage gegen Deutsche Bank
Die Aktie der Deutschen Bank schloss am Dax-Ende mit einem Kursverlust von 3,2 Prozent. Händler verweisen auf eine Klage des amerikanischen Versicherers Allstate. Die Deutsche Bank hatte US-Hypothekenpapiere an Allstate verkauft, Allstate fühlt sich dadurch nun betrogen und fordert eine Entschädigung. Für insgesamt 185 Millionen Dollar hatte der Versicherer so genannte Mortgage-backed Securities von der Deutschen Bank gekauft.

Merck erwartet gutes 2011
Ein guter Geschäftsausblick verhalf der Merck-Aktie zu einem Plus von 4,5 Prozent. Um bis zu 18 Prozent soll der Umsatz 2011 steigen, sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley. Für das operative Ergebnis sagte er sogar ein Plus von bis zu 45 Prozent voraus. Die Bilanz für 2010 fiel bei Merck wie erwartet aus: Der Umsatz stieg um ein Fünftel auf 9,3 Milliarden Euro, der Gewinn stieg um 74 Prozent auf 632,1 Millionen Euro.

Bilanz verschoben: MAN-Aktie steigt
0,6 Prozent legte die Aktie des Lkw-Bauers MAN zu. Der Konzern verschiebt die Termine für Hauptversammlung und Bilanzvorlage um jeweils drei Wochen. Anleger spekulierten, diese Verschiebung könne etwas mit einer möglichen Einigung um den Verkauf der Tochter Ferrostaal zu tun haben.

Kursverluste bei Solaraktien
Solaraktien im TecDax verloren am Montag deutlich, allen voran Solarworld mit einem Abschlag von sechs Prozent. Besorgniserregende Branchennachrichten machten den Aktionären zu schaffen. Zum einen hatte sich BDI-Präsident Hans-Peter Keitel für ein Ende der Subventionierung der Fotovoltaik ausgesprochen, da "der Durchbruch längst gelungen" sei, wie er dem "Hamburger Abendblatt" sagte. Zudem droht von Italien die Kürzung oder gar Aussetzung der Solarsubventionen, da das Land derzeit den Haushalt vor allem über Einsparungen sanieren will.

Patrizia: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Patrizia will ins Ausland
Der Immobilienkonzern Patrizia will künftig auch im Ausland seine Geschäfte betreiben. Im Fokus seien Frankreich und Schweden, sagte Finanzdirektor Arwed Fischer der Nachrichtenagentur Reuters. Hier seien die Perspektiven am interessantesten. Fischer bestätigte die bisherige Ergebnisprognose für 2010 in Höhe von 12 bis 13 Millionen Euro. Eine Dividende soll es aber wieder nicht geben. Die Aktie schloss 1,6 Prozent schwächer.

SKW nach Bilanz gefragt
Die im SDax notierte Aktie des Spezialchemiekonzerns SKW Metallurgie legte 3,4 Prozent zu. Die Firma beendete das vergangene Jahr mit einem um mehr als 70 Prozent verbesserten Umsatz von 380 Millionen Euro. Das Ebitda erreichte einen Rekordwert von 28 Millionen Euro.

Kleinere Nachrichten
Das Biotechnologieunternehmen Medigene hat begonnen, seinen Warzensalbe Veregen auch in ausgewählten Ländern Lateinamerikas zu verkaufen. Gemeinsam mit dem französischen Pharmakonzern Pierre Fabre vertreibt Medigene das Medikament künftig in Mexiko, Zentralamerika, Venezuela und Kolumbien. Die Aktie stieg um 3,9 Prozent.

Das Softwareunternehmen PSI hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz um acht Prozent auf 158 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um ein Fünftel auf 9,5 Millionen Euro zu. PSI will, dank hohem Auftragsbestand, auch 2011 wieder mehr verdienen und umsetzen.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr