Die Börse folgt der Wall Street

Robert Minde

Stand: 29.02.2012, 20:02 Uhr

Nach gutem Start folgt der Dax am späten Nachmittag den US-Börsen ins Minus. Von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke hatten einige wohl mehr erwartet.

Der deutsche Aktienmarkt ist im späten Geschäft der Wall Street gefolgt und ins Minus gedreht. Der Index schloss bei 6.856 Punkten nur leicht über dem Tageshoch bei 6.843 Punkten. Das ist ein Tagesverlust von knapp einem halben Prozent.

In der Spitze hatte es am Vormittag, wie auch an den vergangenen Handelstagen schon, so ausgesehen, als ob der deutsche Leitindex die Marke von 7.000 Punkten attackieren könnte. Das Tageshoch lag immerhin bei 6.967 Punkten. Nachbörslich ging es immerhin wieder etwas bergauf. Der L/E-Dax schloss gut zwanzig Punkte höher bei 6.877 Punkten.

Bernanke zieht die Märkte ins Minus
Grund für den späten Abschwung waren die Äußerungen von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke. Dieser sieht zwar positive Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt; trotzdem sei der Jobmarkt noch "weit von der Normalität entfernt", sagte er vor dem Finanzausschuss des Repräsentantenhauses. Konkrete Maßnahmen kündigte er nicht an, insbesondere ein neues Liquiditätsprogramm stand nicht auf der Agenda seiner Rede vor den Politikern in Washington. Ein solches weiteres Programm beflügelt immer wieder die Fantasie vieler Börsianer, denn von der neuen Liquidität profitieren die Aktienmärkte.

Die Aussagen des Notenbankchefs setzten auch den Euro unter Druck. Die Gemeinschaftswährung steht aktuell wieder unter der Marke von 1,34 Dollar nach gut 1,3460 Dollar vor den Äußerungen.

EZB in Spendierlaune
Zuvor hatte der zweite Mega-Tender der EZB, bei dem sich die europäischen Banken die Rekordsumme von 529,5 Milliarden Euro geliehen hatten, dem Aktienmarkt zu Gewinnen verholfen. Die bereits lange im Voraus angekündigte Maßnahme der Notenbank war lange Zeit das Tagesgespräch bei den Börsianern. Die Wirkung des Tenders werde erst in den kommenden Wochen ersichtlich, wenn klarer sei, die Banken das Geld einsetzen, sagte Aktienhändler Michael Harbisch von Jefferies.

Nach Meinung des privaten Bankenverbandes in Deutschland (BdB) bleiben trotz aller Freude über die Stützungsmaßnahmen auch Sorgen um die Probleme der Branche. Die EZB-Kredite verschafften den Banken zwar Zeit, sie dürften aber nicht als Breitband-Antibiotikum missverstanden werden, warnte der BdB. "Die Maßnahmen können weder einen funktionsfähigen Interbankenmarkt ersetzen noch die Staatsschuldenkrise lösen."

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,34
Differenz relativ
-0,56%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,60
Differenz relativ
+1,29%
Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,25
Differenz relativ
-0,09%

die Staatsschuldenkrise lösen."

Commerzbank an der Spitze
An der Dax-Spitze stehen RWE nach einem positiven Analystenkommentar und Commerzbank. Die Bank hat damit einen Teil der jüngsten Verluste wieder aufgeholt. Lufthansa profitieren vom gerichtlich verfügten Streikverbot und gehören ebenfalls zu den Dax-Gewinnern. Tagesverlierer war die Deutsche Börse mit einem Verlust von 2,6 Prozent.

Wall Street tendiert uneinheitlich
An der New Yorker Börse kämpft der Dow-Jones-Index zur Stunde wieder mit der Marke von 13.000 Punkten. Aktuell steht der Index bei 12.996 Zählern, hat sich aber von seinem Tagestief mittlerweile etwas gelöst. Auch die Technologiebörse Nasdaq steht ebenso leicht unter ihrem Vortagesschluss, wie der breiter gefasste S&P-500-Index.

Vor Bernankes Ansprache hatten positive Wirtschaftsdaten die Märkte noch beflügelt. Das US-BIP ist im vierten Quartal mit nämlich einer Jahresrate von drei Prozent gewachsen, das war das stärkste Plus seit Frühjahr 2010 und noch einmal 0,2 Prozentpunkte mehr als bei der ersten Schätzung.

"Das belegt eine stete Verbesserung trotz der starken Schwankungen am Markt im vergangenen Jahr", sagte Tim Ghriskey, Chef-Investmentstratege bei Solaris Group. "Und es zeigt, dass wir auch nicht ansatzweise Gefahr laufen, wieder in eine Rezession zu rutschen." Auch der Chicagoer Einkaufsmanagerindex lag mit einem Indexwert von 64 Punkten besser als von Analysten prognostiziert. Diese hatten einen Wert von 61,5 Punkten erwartet.

Hochtief streicht den Zahltag
Im MDax rutscht die Aktie von Hochtief ans Ende mit einem Minus von fünf Prozent. Anleger sind vor allem von dem heute veröffentlichten Ausblick enttäuscht. Zudem dürfte es die Anleger verstimmen, dass sie für 2011 keine Dividende erhalten - wegen tiefroter Zahlen im vergangenen Jahr. Die Geschäftszahlen indes fielen insgesamt wie erwartet aus, schließlich hatte Hochtief Anleger schon im Januar auf einen Verlust eingestimmt.

Bilfinger bekommt Watsche
Auf die MDax-Verliererseite gesellt sich auch Rivale Bilfinger Berger. Daran ist die Deutsche Bank nicht ganz unschuldig, sie hat die Aktie auf "Hold" von zuvor "Buy" herabgestuft. Der Aktienkurs spiegele inzwischen das Ergebnispotenzial der Unternehmensgruppe wider. Mehr Aufwärtspotenzial könnte durch Übernahmen kommen. Da solch externes Wachstum aber schwer vorhersagbar sei, sei das noch nicht berücksichtigt. Gerade heute präsentierte der Konzern einen Zukauf in den Niederlanden. Bilfinger übernimmt den Ingenieurdienstleister Tebonin für 145 Millionen Euro.

Aus dem TecDax
Im TecDax notiert Solarworld auf der Verliererseite mit einem Tagesverlust von 6,5 Prozent. HSBC hat die Aktie auf "Underweight" von "Neutral" herabgestuft. Wenig Förderliches ist vom Rivalen aus Amerika, First Solar, zu hören. Der Photovoltaik-Produzent weitete nach den neuesten Geschäftszahlen seine Verluste aus. Auch Aixtron gehören zu den größten verlieren. Der TecDax verlor insgesamt 0,52 Prozent auf 771 Punkte.

Praktiker unter Druck
Praktiker-Aktien stehen am Ende des SDax mit einem Abschlag von 7,4 Prozent, nachdem das Papier in der Spitze schon über zehn Prozent verloren hatte. Der Grund: Das Unternehmen bittet die Inhaber der im Februar 2011 ausgegebenen Unternehmensanleihe darum, auf Teile des Zinses zu verzichten. Damit sollen die Gläubiger einen Beitrag zur Sanierung der Baumarktkette leisten. Die Bitte des Unternehmens erhöht nach Händlerangaben die Angst der Anleger, dass das Geld zur Bedienung der Anleihe nicht reichen könnte - das bringe auch die Aktie unter Druck.

Porsche zahlt Rekordprämie
Wohl dem, der bei Porsche arbeitet. Das Unternehmen zahlt seinen 8.500 Tarifmitarbeitern den Rekordbonus von je 7.600 Euro. Der schwäbische Autobauer hat im vergangenen Jahr mit 119.000 Sport- und Geländewagen so viele Autos verkauft wie noch nie. "Porsche hat ein tolles Jahr hinter sich, und für diese Leistung haben unsere Leute eine genial-intergalaktische Sonderzahlung verdient", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Uwe Hück.

MBB wieder in den schwarzen Zahlen
MBB Industries hat nach vorläufigen Zahlen im Jahr 2011 einen Umsatz von 114 Millionen Euro und ein Konzernergebnis von 3,3 Millionen Euro erzielt. Die Dividende soll unverändert bei 0,33 Euro je Anteilsschein liegen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das Unternehmen aufgrund eines negativen Einmaleffekt einen Verlust von 6,8 Millionen Euro ausgewiesen. Endgültige Zahlen sollen am 27. April zusammen mit der Veröffentlichung des Geschäftsberichtes folgen.

Die im regulierten Markt in Frankfurt gehandelte Aktie verliert 1,3 Prozent auf 6,70 Euro. Das Papier war zuvor vor allem im Januar stark angestiegen. Der Streubesitz liegt bei 22,77 Prozent.

Asian Bamboo bricht ein
Das Unternehmen hat nach vorläufigen Zahlen für 2011 vor allem aufgrund hoher Abschreibungen auf "biologische Firmenwerte" deutliche Gewinnrückgänge hinnehmen müssen. Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 89,8 Millionen Euro, das Bruttoergebnis um 66 Prozent 45,1 Millionen Euro. Nach der Neubewertung der Firmenwerte sank der Jahresüberschuss um 46 Prozent auf 18,1 Millionen Euro. Die Nettomarge lag bei 20 Prozent. 2012 will das Management einen Umsatz von 120 Millionen Euro und eine Nettomarge von 40 Prozent erzielen. Die kurz- und mittelfristigen Aussichten hätten sich verbessert.

Trotz des Ausblicks kamen die Nachrichten nicht gut an. Die im Frankfurter Prime Standard notierte Aktie fiel um über neun Prozent drastisch zurück.

MLP verdoppelt Dividende, reduziert Gewinn
Im SDax macht MLP von sich Reden, die Aktie steht mit knapp sieben Prozent Kursplus an der Indexspitze. Was bei Anlegern zieht: Der Finanzmakler verdoppelt seine Dividende. Das ist allerdings eine Sonderzahlung - aus der "hervorragenden" Liquidität. Allerdings ist der Gewinn um fast zwei Drittel eingebrochen auf 12,5 Millionen Euro.

Tag-Immobilien erhöht das Kapital
Das Immobilienunternehmen hat angekündigt, zur Finanzierung eines Unternehmenskaufs insgesamt 20,6 Millionen neue Aktien im Verhältnis 11:3 zum Bezug anzubieten. Die Bezugsfrist läuft vom 2. bis zum 16. März. Daneben werden die neuen Aktien auch im Rahmen einer Privatplatzierung privaten und institutionellen Investoren angeboten. Der endgültige Bezugspreis und das Emissionsvolumen werden im Wege des Bookbuilding-Verfahrens ermittelt und spätestens am 13. März veröffentlicht.

Tag rechnet sich gute Chancen aus, die DKB Immobilien AG zu erwerben und will 160 Millionen Euro bezahlen. Das Kaufangebot ist bis zum 31. März befristet. Sollte der Kauf nicht zustande kommen, soll das Geld aus der Kapitalmaßnahme trotzdem dem Unternehmen zufließen. Die im Prime Standard der Frankfurter Börse gelistete Aktie verliert gut zwei Prozent.

Freenet steigert sich
Das Unternehmen hat nach Börsenschluss vorläufige Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 veröffentlicht. Der Umsatz lag bei 3,22 Milliarden Euro, das Konzernergebnis bei 144 Millionen Euro nach 112,5 Millionen Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis (Ebitda) lag mit 360 Millionen Euro nochmals über der im November angehobenen Zielgröße von 355 Millionen Euro. Der freie Cash-Flow lag mit 241 Millionen Euro ebenfalls über dem eigenen Ziel von 230 Millionen Euro. Die Dividende soll ein Euro betragen.

Im Ausblick will Freenet den Umsatz 2012 und 2013 auf dem 2011er Niveau stabilisieren, das Ebitda soll bei 340 und der freie Cash-Flow bei 240 Millionen Euro liegen. Nachbörslich legt die Aktie nach den Zahlen zu.

Rekordgewinn bei Standard Chartered
Aus dem britischen Bankensektor kommen zudem förderliche Nachrichten von Standard Chartered. Die Großbank hat den Turbulenzen auf den Finanzmärkten im vergangenen Jahr getrotzt und einen Rekordgewinn eingefahren. Die schnell wachsenden Märkte in Asien, dem Nahen Osten und Afrika sind der Treiber, dort erwirtschaftet die Bank mehr als 90 Prozent ihrer Erträge.

GM und Peugeot verbünden sich
General Motors und PSA Peugeot Citroen haben am Abend Gerüchte bestätigt, nach denen sich die beiden Unternehmen in einer Allianz zusammenschließen. Hierzu steigt die Opel-Mutter beim angeschlagenen französischen Hersteller mit sieben Prozent ein. Im Zusammenhang mit der Allianz werde Peugeot über eine Kapitalerhöhung eine Milliarde Euro einnehmen. Hauptziel ist es, Modelle auf gemeinsamen Plattformen zu bauen und dadurch Kosten zu sparen.

Während Peugeot-Aktien in Paris über zwei Prozent abgaben, liegt die GM-Aktie in New York aktuell mit 0,4 Prozent im Plus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen