Die Bescherung fällt aus

Stand: 23.12.2011, 19:52 Uhr

Der Dax verabschiedet sich zwar mit leichten Gewinnen in das Weihnachtswochenende, doch von einer Bescherung für die Anleger kann keine Rede sein.

Nach einem Plus von knapp einem halben Prozent im elektronischen Handel auf 5.878 Punkte kommt der Leitindex am Abend kaum noch voran. "Viele Anleger haben nach diesem Chaos-Jahr 2011 die Faxen dicke und sich bereits in den Weihnachtsurlaub verabschiedet", sagte ein Börsianer.

Tatsächlich lag das Umsatzvolumen am Freitag mit 1,1 Milliarden Euro rund 40 Prozent unter dem bereits niedrigen Wert des Vortages und fast 60 Prozent unter dem Niveau vom gleichen Tag des Vorjahres. Die Kursbewegungen an solch handelsarmen Tagen sind also wenig aussagekräftig.

Die relativ freundliche Stimmung an den Märkten sei vor allem von guten Aussichten für die US-Konjunktur getragen worden, sagte ein Händler. Die dortige Wirtschaft ist derzeit der einzige Lichtblick in der sich eintrübenden Konjunktur der meisten entwickelten Länder. Im Hintergrund schwebt die Staatsschuldenkrise nach wie vor wie ein Damoklesschwert über den Märkten.

Kleiner Dämpfer
Einen kleinen Dämpfer bekamen die Märkte am Nachmittag von den schwächer als erwartet gestiegenen Einnahmen und Ausgaben der privaten US-Haushalte im November. Sowohl die Einnahmen als auch die Konsumausgaben lagen nur um je 0,1 Prozent über denen des Vormonats, wie das US-Handelsministerium am Freitag mitteilte. Volkswirte hatten mit Zuwächsen von 0,2 Prozent (Einnahmen) und 0,3 Prozent (Ausgaben) gerechnet.

Dagegen sind die Aufträge für langlebige Güter im November deutlich stärker als erwartet gestiegen. Im Monatsvergleich seien die Aufträge um 3,8 Prozent geklettert, teilte das Handelsministerium mit. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um lediglich 2,2 Prozent gerechnet. Auch der Häusermarkt in den USA verzeichnete im November leichte Zuwächse. Die Daten für das vierte Quartal sind verhältnismäßig gut, aber rütteln nicht am Grundtenor des langsamen Wachstums", sagte Andrew Slimmon von Morgan Stanley Smith Barney in Chicago.

Entsprechend der sich aufhellenden Konjunkturprognosen in den USA zeigen sich die Anleger an der Wall Street zuversichtlicher als in Frankfurt. Bei Börsenschluss in Deutschland notiert der Dow Jones-Index 0,75 Prozent höher als am Donnerstag bei 12.261 Punkten.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
102,80
Differenz relativ
-1,81%

Deutsche Börse kann nicht punkten
Die Nachricht von der Erlaubnis der Fusion mit der NYSE Euronext durch die US-Behörden lässt die Anleger unbeeindruckt. Die Aktie des Frankfurter Börsenbetreibers kann ihre Verluste zwar eingrenzen, doch Freude kommt keine auf. Das grüne Licht aus Washington war nämlich erwartet worden. Anleger blicken vielmehr auf die Bedenken der hessischen Börsenaufsicht und der EU-Kommission. Beide würden die Fusion am liebsten verhindern.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,26
Differenz relativ
+1,88%

Lufthansa abgestraft
Mit moderaten Kursverlusten von gut einem halben Prozent gehört die Aktie der Lufthansa ebenfalls zu den schwächsten Dax-Werten. Nach dem Verkauf der Tochter BMI kann sich die Deutsche Bank dennoch nicht zu mehr als einem "hold" für den Titel erwärmen. Auch das Kursziel bleibt mit zehn Euro unverändert.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,64
Differenz relativ
-0,21%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,28
Differenz relativ
-1,23%

Deutsche Bank holt auf
Dagegen kann die Aktie der Deutschen Bank erneut überdurchschnittlich zulegen. Offenbar wirkt die Geldspritze der EZB nach. Auch sei die Aktie in den letzten Wochen überverkauft worden, heißt es. Ganz anders die Commerzbank. Die Aktie der zweitgrößten deutschen Bank ist ins Minus gedreht und gehört zu den schwächsten Werten im Dax.

Das Vertrauen unter den Banken bleibt derweil erschüttert. Am heutigen Freitag sind die eintägigen Bankeinlagen bei der EZB auf 347 Milliarden Euro und damit auf den höchsten Stand seit Mitte Juni 2010 gestiegen. Am Donnerstag hatten sie noch 82 Milliarden Euro niedriger bei 265 Milliarden Euro gelegen. Damit sind die "Übernacht-Einlagen" nur noch knapp 40 Milliarden Euro von ihrem Höchststand entfernt, der im Sommer 2010 bei knapp 385 Milliarden Euro erreicht worden war.

SGL Group: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,30
Differenz relativ
+1,94%

SGL erneut schwächer
Im MDax können die Papiere des Karbonspezialisten SGL bis zum Handelsende die rote Laterne an Gagfah abgeben. Trotzdem ist die Übernahmefantasie bei SGL vorbei. Die NordLB hat die Aktien der SGL Group von "Verkaufen" auf "Halten" hochgestuft, das Kursziel aber von 40,00 auf 35,00 Euro gesenkt.

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
132,45
Differenz relativ
-1,60%

Wirecard verlängert
Der Internet-Zahlungsdienstleister aus dem TecDax hat die Verträge seiner Vorstände verlängert. Vorstandschef Markus Braun, Finanzvorstand Burkhard Ley und Vertriebsvorstand Jan Marsalek sind nun bis Ende 2014 vertraglich an das Unternehmen gebunden.

Beta Systems macht Hoffnung
Kräftig aufwärts geht es mit der Aktie von Beta Systems. Dabei schreibt das Software-Unternehmen trotz seiner Restrukturierung noch immer Verluste. Das Rumpfgeschäftsjahr (1. bis 3. Quartal) 2011 wurde mit einem Minus beim Betriebsergebnis von 6,4 Prozent abgeschlossen. Der Umsatz rutschte von 31,9 auf 25,2 Millionen Euro ab. Beta Systems erwartet für das nun laufende Geschäftsjahr 2011/12 den Turnaround.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr