Die Bären sind wieder da

Stand: 06.03.2012, 20:02 Uhr

Kräftig abwärts geht es mit dem deutschen Aktienmarkt, der Dax verliert über drei Prozent. Ist es nur eine kräftige, technisch gesunde Konsolidierung, oder droht uns neues Ungemach?

Nach wochenlangem Sonnenschein kommen urplötzlich alte Ängste wieder mit aller Macht ans Tageslicht. Konjunktur- und wieder mal Griechenlandsorgen haben dem Index einen kräftigen Tagesverlust beschert. Damit wird spätestens mit dem heutigen Handelstag klar, dass der deutsche Aktienmarkt in eine Konsolidierungsphase eingetreten ist.

Konkret verlor der deutsche Leitindex 233 Punkte oder 3,4 Prozent und schloss bei 6.633 Punkten. Es gab keinen Gewinner, alle 30 Dax-Werte waren auf der Verliererseite. Der MDax geriet mit 3,7 Prozent ebenso unter die Räder wie der TecDax, der 3,6 Prozent verlor. Im Kleinwertesegment SDax fielen die Kurse um 3,4 Prozent. Nachbörslich ging es weiter bergab: der L/E-Dax gab weiteres Terrain Preis und schloss bei 6.607 Punkten.

Banken warnen vor Griechen-Pleite
Ob mehr als nur eine Konsolidierung kommt oder der von technischen Analysten bereits prognostizierte Rücksetzer, werden die nächsten Tage zeigen, wenn insbesondere die Modalitäten über die Beteiligung des privaten Sektors an der Umschuldung griechischer Staatsanleihen klarer wird. Diese Unsicherheit hierüber hat heute an den Märkten jedenfalls ebenfalls für große Skepsis gesorgt. Dazu passt, dass der Welt-Bankenverein IIF davor warnt, dass eine unkontrollierte Pleite ebenso unkontrollierte Folgekosten nach sich ziehen könnte. "Es ist kaum absehbar, dass sie unter einer Billion Euro lägen", schrieb IIF- und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann.

Konjunktursorgen
Wenig hilfreich war, dass auch in China die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das Riesenreich hat seine Wachstumsprognosen auf 7,5 Prozent zurück genommen. Ein Wert, bei dem man in Europa zwar angesichts eines BIP-Rückganges im vierten Quartal von 0,3 Prozent jubeln würde, für das erfolgsverwöhnte China ist es allerdings ein Dämpfer.

Technischer Rücksetzer
Es war auch die Stunde der Charttechniker, für die der Rücksezter keine Überraschung war. Denn Fakt ist, dass der Dax auch charttechnisch angeschlagen war, da es dem Index zuletzt nicht gelungen war, die markante technische Widerstandmarke von 7.000 Punkten zu überwinden. Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus, sprach von einer gewissen Sorglosigkeit, die sich zuletzt bei den Anlegern breit gemacht habe.

Allerdings bleibt die Stimmung insgesamt konstruktiv: "Wir haben innerhalb von drei Monaten fast 1.000 Punkte gewonnen, da ist eine gewisse Korrektur mehr als angebracht", sagte ein Händler.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,24
Differenz relativ
+2,60%

Autoabsatz läuft bestens
Trotz guter Nachrichten vom Genfer Autosalon gaben auch die Autowerte im Dax nach. VW berichtet über glänzende Verkaufszahlen im Februar, die Wolfsburger haben 399.700 Pkw der Marke VW ausgeliefert, wie Vertriebschef Christian Klinger berichte. Auch BMW-Chef Norbert Reithofer geht davon aus, dass die Bayern in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahr weiter wachsen werden. Daimler-Chef Zetsche will im Kampf um das Premiumsegment sogar die Produktionskapazitäten erhöhen. Krisennachrichten lesen sich in der Tat anders. Tagesverlierer war mit einem deutlichen Minus von 6,7 Prozent die Commerzbank, die wie stets mit Verlusten reagiert, wenn es Sorgen um die Euro-Schuldenkrise gibt. Zudem war die Aktie durch einen negativen Analystenkommentar der ING belastet.

Schwarzer Tag für die Solarwerte
Im TecDax hat es vor allem die solarwerte hart getroffen. Während SMA Solar sich im Handelsverlauf seine Verluste eingrenzte, brachen Centrotherm und Q-Cells ein und gingen als Tagesverlierer aus dem Markt. Centrotherm verzeichneten nach schwachen Zahlen ein dickes Minus von 13,5 Prozent. Auch Q-Cells, ohnehin nur noch ein Penny-Stock, gaben zwölf Prozent nach. Die Aktie wird aus dem TecDax herausfallen, zudem präsentierte das Unternehmen eine tiefrote Bilanz und kämpft ums Überleben.

Die Aktien leiden damit weiter unter der schlechten Nachrichtenlage nach den Kürzungen der staatlichen Förderung für Solarstrom. Die im Regulierten Markt der Frankfurter Börse notierte Solarhybrid-Aktie brach ebenfalls drastisch ein und büßte 35 Prozent ein. Solarhybrid baut und entwickelt vor allem große Photovoltaik-Kraftwerke.

Euro runter, Hausse am Rentenmarkt
Die Unsicherheit um den griechischen Anleihetausch belastet auch den Euro, der bei Kursen um 1,3115 am Dienstag weiter an Boden verloren hat. Die Investoren befänden sich in "Wartestellung", schreibt die Commerzbank und verweist auf die am Donnerstag zu Ende gehenden Fist zum Umtausch griechischer Staatsanleihen.

Im Gegenzug waren deutsche Renten wieder gesucht, der Rentenmarkt verbuchte kräftige Kursgewinne. Der Bund-Future hat mit 140,48 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht und setzte damit die Hausse der beiden Vortage fort. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 1,77 Prozent. "Finger weg vom Risiko", brachte ein Rentenhändler die Lage auf den Punkt.

New York stärker im Minus
Die Wall Street ist im sog der schwachen europäischen Märkte ebenfalls unter Druck geraten und baut ihre Verluste sogar weiter aus. Der Dow-Jones-Index, der am Vormittag noch gut ein Prozent schwächer tendierte, verliert zur Stunde 1,6 Prozent auf 12.754 Zähler. Auch dem Dow war es zuletzt nicht gelungen, den Widerstand bei 13.000 Punkten zu knacken. Der S&P-500-Index liegt 1,6, der Nasdaq-Composite-Index 1,5 Prozent im Verlust. Wichtige Konjunkturdaten werden nicht erwartet, am Freitag steht aber der Arbeitsmarktbericht für den Februar an, traditionell ein wichtiger Meilenstein für die US-Kapitalmärkte.

RWE überzeugt mit Ausblick
Einziger Dax-Wert, der fast eine kleines Plus geschafft hätte, wäre RWE gewesen - trotz des heute präsentierten Gewinneinbruchs 2011. Aber auch die RWE-Aktie rutschte im späten Geschäft ab und beendete den Handel 0,1 Prozent leichter. Die Investoren hatten sich lange auf den hoffnungsvollen Ausblick konzentriert. Der künftige Vorstandschef des Energiekonzerns, Peter Terium, erwartet, dass die Zukunft von RWE nach dem Gewinneinbruch des vergangenen Jahres "besser" aussieht. "Trotz geplanter Desinvestitionen gehen wir für 2012 von einer stabilen Ertragslage aus."

Merck muss abschreiben
Merck dagegen ließ sich von der negativen Stimmung im Markt anstecken. Experten machten Positives wie Negatives in der heute veröffentlichten Bilanz aus, der Umsatz war etwas besser, der Gewinn etwas schlechter. Eine Last war der US-Laborausrüster Millipore, für den Abschreibungen fällig wurden. Das ließ den Gewinn schrumpfen. Aktionäre bekommen dennoch eine höhere Dividende, für 2011 werden 1,50 Euro ausgeschüttet.

Heideldruck wird von Dürr ersetzt
Für Kursbewegungen sorgen die Veränderungen in MDax, SDax und TecDax. Der Maschinenbauer Dürr steigt auf vom SDax in den MDax und ersetzt dort in Kürze die Aktie von Heidelberger Druckmaschinen.

Aus dem TecDax muss sich Q-Cells verabschieden, dafür kommt Euromicron rein. Das wird die Kurse auch noch in den folgenden Tagen bewegen, auch wenn die Änderungen erst am 19. März umgesetzt werden. Denn die großen Investmentfonds, die Indizes nachbilden, müssen sich nun neu positionieren.

Axel Springer stellt sich online neu auf
Der Medienkonzern gliedert seine drei online-Portale Seloger.de, Immonet und StepStone in eine neu Firma aus und nimmt gleichzeitig den amerikanischen Finanzinvestor General Atlantic mit ins Boot. Die Amerikaner sollen zukünftig 30 Prozent an der neuen Firma halten und zahlen dafür 237 Millionen Euro.

Mit der Partnerschaft soll nach Aussagen von Firmenchef Mathias Döpfner die Grundlage für schnelleres Wachstum und eine Internationalisierung des Geschäftes gelegt werden. Axel-Springer-Aktien verloren im MDax 0,8 Prozent, hielten sich damit aber besser als der Index.

Solon-Verkauf ist perfekt
Die Übernahme des insolventen Herstellers von Solarmodulen durch den indisch-arabischen Investor Microsol ist perfekt. Der Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg hat das Microsol-Kaufangebot angenommen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Microsol übernimmt das Werk in Berlin, dabei sollen 417 von 433 Arbeitsplätzen erhalten bleiben. Die Aktionäre der alten Solon SE gehen allerdings leer aus, das Geld wird ausschließlich zur Befriedigung der Gläubigeransprüche verwendet Microsol übernimmt nur das entschuldete, operative Geschäft. Solon war infolge des heftigen Preiskampfes in der Solarindustrie im Dezember in die Insolvenz gegangen.

Zumtobel schockt die Anleger
Um über 13 Prozent ging es heute an der Wiener Börse abwärts mit der Aktie des Leuchtmittelherstellers Zumtobel. Grund für den Einbruch: Das Unternehmen hat zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten die Prognose gesenkt. Das Unternehmen erwartet im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende April) nunmehr einen "signifikanten Rückgang" der operativen Rendite. Schuld sei die schleppende Umstellung auf neue LED-Lampen sowie die wachsende Konkurrenz aus Asien. Im dritten Quartal rutschte das Betriebsergebnis (Ebit) mit 9,6 Millionen Euro ins Minus nach einem Plus im Vorjahr von 15,9 Millionen Euro.

Cebit präsentiert die Cloud
Schwerpunkte auf der heute beginnenden Computermesse Cebit sind in diesem Jahr die Themen Computer-Sicherheit und Cloud Computing, also die Bereitstellung von Software und Daten im Internet, die von Kunden dann mobil genutzt werden können. Die neuen Dienste sollen das Wachstum in der IT-Industrie ankurbeln. Das schwäbische IT-Haus Cancom gilt als einer der Hauptakteure auf diesem Feld. Aiucu Branchenriese SAP hat auf der Messe angekündigt, zukünftig kleine und mittlere Unternehmen für die Cloud gewinnen zu wollen. Dazu werde die rein webbasierte Software Business One angeboten.

Auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist auch die Cebit selbst, es gibt diesmal wieder mehr Aussteller. Unter anderem kehren Samsung und Sharp nach Hannover zurück. Auch Schwergewichte wie Google, Facebook, IBM, SAP und Microsoft sind dabei.

Auto-Neuheiten in Genf
Auf dem Genfer Autosalon, der am Donnerstag seine Pforten öffnet, geben die Autokonzerne der Presse schon jetzt reichlich Interviews. Daimler spricht von dem starken Marktwachstum bei Kompaktwagen und beansprucht ein großes Stück davon für sich. Die Stuttgarter wollen mit der neuen sportlichen A-Klasse auf dem Autosalon punkten. Audi will den neuen A3 präsentieren.

VW gibt sich trotz des schwierigen Marktumfeldes zuversichtlich und will den Weg an die Weltmarktspitze fortsetzen. Die Auslieferungen im Januar und Februar "belegen eindrucksvoll, dass wir das Zeug dazu haben", sagte Konzernchef Martin Winterkorn. Am Mittwoch folgt der zweite Presse-Tag in Genf

Peugeot braucht Geld
Der Autobauer PSA Peugeot Citroen hat dagegen eine bittere Pille für seine Aktionäre. Sie sollen auf die Dividende verzichten. Dafür holt sich das französische Unternehmen frisches Geld über eine Kapitalerhöhung. Die Aktie verliert heute 3,5 Prozent.

Merck & Co. bestätigt Prognose
Der im Dow-Jones-Index vertretene Pharmariese hat seine Gesamtjahresprognose bestätigt, erwartet allerdings im ersten Quartal einen geringeren Gewinn als von Analysten prognostiziert. Merck erwarte im Quartal einen bereinigten Gewinn zwischen 0,95 und 0,98 Dollar je Aktie, die Schätzungen lagen bisher im Schnitt bei 1,01 Dollar. Im Gesamtjahr soll es aber bei den 3,75 bis 3,85 Dollar je Anteilsschein bleiben. Merck-Aktien geben in New York gut zwei Prozent nach.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr