Marktbericht 20:15

Dax fällt zurück Die Aussichten trüben sich ein

Stand: 11.06.2013, 20:15 Uhr

Zwar hat der Dax seine Verluste gegen Handelsende noch eingegrenzt, die bequemen Zeiten, in denen die Kurse durch billiges Notenbankgeld stetig steigen, scheinen aber vorbei zu sein.

Am Ende eines schwankungsintensiven Handelstages schloss der deutsche Leitindex gut ein Prozent leichter bei 8.222 Punkten. Anleger haben heute starke Nerven gebraucht, denn lange Zeit hatte es nicht danach ausgesehen, als ob der Index die Marke von 8.200 Punkten wieder überspringen würde. Bis auf 8.141 Zähler ging es heute im Tagestief bergab, das Hoch lag am Morgen bei 8.260 Zählern.

"Nach den Allzeithochs im Mai gehen Anleger zusehends auf Nummer sicher und nehmen Gewinne mit", kommentierte Gregor Kuhn vom Broker IG die Marktlage. Er verwies auf den jüngsten starken Anstieg im Dax von 1.100 Punkten innerhalb von fünf Wochen. Da könne die derzeitige Schwächeperiode nicht überraschen.

Orientierung an der Wall Street

Nachdem sich der Index zum Sitzungsende im Gefolge der Wall Street von den Tiefstständen lösen konnte, ging es nachbörslich dann wieder runter. Auch hierbei orientierte sich der Markt an der New Yorker Börse, die mittlerweile wieder den Rückwärtsgang eingelegt hat. Der Dow verliert zur Stunde ein halbes Prozent. Der L/E-Dax schloss bei 8.185 Punkten.

Notenbanken im Blick

Insgesamt reagieren die Anleger weltweit verunsichert auf die jüngsten Signale der Notenbanken. Den Anfang machte heute die Tokioter Börse, die schwach tendierte und damit auf die Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ) reagierte. Japans Notenbank will zwar an der expansiven Geldpolitik festhalten, verzichtet aber vorerst auf neue Stimulanzen.

Auch in den USA bleibt die Diskussion über die künftige Politik der Fed bestimmend für das Marktgeschehen. Zudem liegen die Verhandlungen beim Karlsruher Bundesverfassungsgericht zur Rolle der EZB wie ein Schatten über der Börse. Es geht vor allem um die Frage, ob die Notenbank mit ihrer Ankündigung, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen, im Rahmen ihres Mandats handelte. Ein Urteil dürften die Richter aber erst im Herbst fällen. Auch kommen verstärkt sorgen über die Lage in der Türkei auf, wo die Unruhen auch heute weitergingen.

Euro fällt leicht zurück

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Gemeinschaftswährung tendierte ebenfalls volatil und lag in der Spitze sogar über der Marke von 1,33 Dollar. Aktuell liegt der Euro bei 1,3275 Dollar wieder etwas tiefer, bleibt aber damit immer noch auf erhöhtem Niveau.

VW begibt Pflichtwandelanleihe

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nachbörslich rutschte die VW-Vorzugsaktie 2,5 Prozent auf 163,85 Euro ab. Der Konzern gab nach Handelsschluss überraschend die Begebung einer neuen Pflichtwandelanleihe im Volumen von 1,2 Milliarden Euro bekannt. Mit dem Geld will Konzern das weitere Wachstum stärken.

Die Konditionen sind die gleichen wie bei der im November emittierten 2,5-Milliarden-Anleihe: ein Kupon von 5,5 Prozent. Die Laufzeit geht bis zum 9. November 2015, der Ausgabepreis liegt bei 105,64 Prozent, bezogen auf den Nennwert. Die Zeichner erhalten zum Ende der Laufzeit Volkswagen-Vorzugsaktien. Die erste Emission dieser Art war im November weg gegangen wie warme Semmeln. Sie wird von den Rating-Agenturen als Eigenkapital anerkannt.

Infineon trotzt der schlechten Stimmung

Im Dax stemmte sich vor allem die Aktie des Chip-Herstellers Infineon gegen den Negativtrend und stieg am Ende als Tagessieger kräftig um 3,3 Prozent. Infineon profitierten von einer Kaufempfehlung durch die Citigroup, die ihr Kursziel von 6,20 auf 7,70 Euro angehoben hat.

Die beiden Fresenius-Aktien und die Lufthansa behaupten sich ebenfalls noch im Plus, wenn auch nur knapp. Die neuen Verkehrszahlen der Fluglinie für den Mai haben sich kaum ausgewirkt. Während der Passagebereich im Jahresvergleich zulegte, ging das Frachtaufkommen um 2,2 Prozent auf 144.000 Tonnen zurück. Tagesverlierer waren Heidelbergcement, die 3,3 Prozent verloren auf 56,10 Euro.

ThyssenKrupp -Dauerbaustelle?

Die Aktie des Stahlkonzerns gehörte mit einem Abschlag von 2,5 Prozent ebenfalls zu den größten Verlierern im Dax. Eine Reuters-Meldung hat am Morgen die Probleme des Unternehmens noch einmal aufgelistet: Bislang erfolgloser Verkaufsversuch des Werks in den USA, hohe Schuldenlast und schwächelnder Stahlmarkt in Europa. Das Unternehmen ähnele derzeit eine Dauerbaustelle.

Versicherungsaktien unter Wasser

Schließlich geriet auch die Allianz-Aktie zu unter Druck, nachdem die Rating-Agentur Fitch die Hochwasser-Schäden für die Branche auf rund drei Milliarden Euro taxiert hat. Das wäre deutlich mehr als bei der letzten Jahrhundertflut im Jahr 2002, als 1,8 Milliarden Euro versicherte Schäden zu Buche schlugen. Auch andere Versicherungsaktien gaben nach, wenn auch nicht so stark.

Siemens baut heftig ab

Rund 1.000 Stellen will der Konzern in seiner größten Sparte "Energie" in den kommenden Jahren abbauen. Das schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am Dienstag. Laut Händlern deutet das auf eine verschlechterte Auftragslage in Europa hin. Siemens-Titel arbeiteten sich im Handelsverlauf jedoch nach oben und verloren nur leicht 0,14 Prozent.

Springer-Aktien werden platziert

Der Axel-Springer-Aktionär Good Media Investment verkauft seine restliche Beteiligung von 2,8 Prozent an dem Medienunternehmen aus dem MDax. Die Aktien sollen im Investorenauftrag bei institutionellen Anlegern platziert werden, erklärte die mit der Transaktion beauftragte Deutsche Bank nach Börsenschluss.

Hinter Good Media steht der britische Unternehmer Michael Lewis, der im Jahr 2006 einen Anteil von drei Prozent direkt von der Verlagserbin Friede Springer erworben hatte. Das Paket hat einen Wert von 94 Millionen Euro. Die Springer-Aktie gab nachbörslich 2,5 Prozent nach auf 33,25 Euro.

Indus kauft zu

Die Beteiligungsgesellschaft aus dem SDax hat 90 Prozent der Anteile der Eltherm-Gruppe rückwirkend zum 1. Januar übernommen. Eltherm ist ein Energietechnikunternehmen aus dem Siegerland, das 2012 mit 140 Mitarbeitern rund 20 Millionen Euro erlöste.

"Innerhalb von drei Jahren hat Eltherm in Asien seinen Umsatz vervierfacht", erklärte Indus-Chef Jürgen Abromeit. Der Firmenchef hatte erst im April nach dem Zukauf des Logistik-Maschinebauers Budde weitere Zukäufe angekündigt. Die Indus-Aktie tendierte in einem schwachen Gesamtmarkt 0,9 Prozent leichter.

Biotest - eine ungewöhnliche Kapitalerhöhung

Entgegen sonstiger Gepflogenheiten begleiten die Anleger die jüngst angekündigte Kapitalerhöhung des Pharma- und Diagnostikspezialisten weiter mit großem Wohlwollen. Die Vorzugsaktie gehört im SDax gewann 0,38 Prozent und schloss unter Tageshoch bei 53 Euro.

Das Unternehmen habe den Bezugspreis für die neuen Aktien auf 52 Euro je Aktie festgesetzt und alle Anteile platziert, mit einem 1,5-prozentigen Abschlag auf den Schlusskurs vom Tag davor, schrieb Analyst Volker Braun von der Commerzbank in einer Studie vom Dienstag. Er bestätigte seine Empfehlung "Neutral" das Kursziel von 55 Euro und zeigte sich überrascht davon, dass Investoren nicht preissensibler gewesen seien.

Gesco steigert Umsatz

Die Beteiligungs-Gesellschaft aus dem SDax hat ihr Geschäftsjahr 2012/13 mit einem Umsatzanstieg um sechs Prozent auf 440,4 Millionen Euro abgeschlossen. Der Überschuss aus dem Geschäftsjahr lag mit 20,9 Millionen Euro allerdings unter dem Vorjahreswert von 22,5 Millionen Euro. Im laufenden Jahr geht das Unternehmen von stagnierenden Erlösen und Ergebnissen aus.

Takkt-Aktie auf Talfahrt

Papiere des Versandhändlers aus dem SDax blieben den ganzen Tag dick im Minus und verloren am Ende 9,5 Prozent. Der Großaktionär Haniel hat gemeldet, dass er seine Beteiligung an dem Unternehmen von 70,55 auf bis zu 50,01 Prozent reduzieren will. Die Aussicht auf ein großes Angebot an Aktien, die demnächst zum Verkauf stehen könnten, belastet den Titel am Morgen.

Höft & Wessels brechen ein

Die Aktie des Technologieunternehmens verlor unter heftigen Schwankungen über 22 Prozent. Das Unternehmen hatte am Nachmittag in einer Adhoc-Mitteilung bekannt gegeben, dass ein neuer strategischer Investor über Kapitalmaßnahmen einsteigt und dabei 8,5 Millionen Euro einbringen wird. Dazu soll das Kapital erst im Verhältnis 5:1 herabgesetzt werden und danach eine Kapitalerhöhung beschlossen werden. Darüber, sowie über die Anzeige des Verlustes der Hälfte des Eigenkapitals, wird eine außerordentliche Hauptversammlung am 18. Juli abstimmen.

Loewe zieht die Reißleine

Auch dem Fernsehhersteller Loewe droht das gleiche Schicksal. Der Vorstand zeigte heute den Verlust der Hälfte des Grundkapitals an und setzt das Kapital im Verhältnis 4:1 herab. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung ist für den 31. Juli einberufen. Die Aktie, die zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt war, büßte ebenfalls fast 21 Prozent ein.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr