Die Angst vor der Finanzkrise ist zurück

Mark Ehren

Stand: 01.11.2007, 20:02 Uhr

Deutsche Aktien haben während des späten Handels auf dem Frankfurter Börsenparkett weiter an Boden eingebüßt. Der L-Dax lag zum Handelsschluss deutlich unter der runden 7.900er Marke.

Das Börsenbarometer beendete den Handel bei 7.874 Punkten. Das waren sechs weitere Zähler weniger als zum Ende des Xetra-Handels.

Im Dax litten Commerzbank, Deutsche Bank und Postbank ganz besonders stark. Hintergrund war eine Analyse der Investmentbank CIBC World Markets. Nach der hat die Citigroup, immerhin der größte Finanzkonzern der Welt, einen dringenden Kapitalbedarf in Höhe von mehr als 30 Milliarden Dollar. Die Kapitalausstattung der Bank sei auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten. Daher müsse das Geldhaus womöglich Beteiligungen verkaufen, die Dividende kürzen oder das Kapital erhöhen. "Wenn dem größten und angeblich sichersten Finanzunternehmen vorgeworfen wird, nicht genug Kapitel zu haben, sagt das etwas über viele andere Banken aus?", fragte ein Analyst.

Die am Nachmittag veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA rückten in den Hintergrund. So sank der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe etwas stärker als von Volkswirten prognostiziert, hielt sich aber immerhin noch über der wichtigen Marke von 50 Punkten, die auf eine Expansion des Sektors hindeutet. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank in der abgelaufenen Woche etwas stärker als erwartet um 6.000 auf 327.000. Außerdem stiegen die persönlichen Einkommen im September wie erwartet um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat.

"Krisengewinnler" Deutsche Börse

Der mit Abstand größte Gewinner im Dax war die Aktie der Deutschen Börse nach den Rekordzahlen zum dritten Quartal. Da 2007 damit ein Rekordjahr für die Deutsche Börse werden dürfte, rechnet der Konzern nun auch mit einem "Rekordergebnis 2008". Auch im Oktober setzte sich der steile Aufwärtstrend fort. Auf der elektronischen Handelsplattform Xetra stieg das Volumen im Oktober um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zudem wird die bulgarische Börse künftig das elektronische Handelssystem Xetra der Deutschen Börse einsetzen. Außerdem deutete Finanzvorstand Thomas Eichelmann im Gespräch mit der
Nachrichtenagentur Reuters für 2007 eine höhere Dividende an.

MAN im Glück
Auch MAN gehörte einmal mehr zu den stärksten Dax-Titeln. Nach den überzeugenden Quartalszahlen gestern setzten zahlreiche Analysten ihre Kursziele hoch, darunter die UBS, JP Morgan, Citigroup und Goldman Sachs.

Solarwerte nicht zu bremsen
Deutlich besser als der Dax schlug sich der TecDax. Vor allem wegen der erneut sensationell starken Kursentwicklung der Solarwerte stand am Ende sogar unter dem Strich ein Mini-Plus von 0,06 Prozent auf 1.017 Zähler. Ohne entscheidende Nachrichten haussieren Solon, Ersol, Conergy und Q-Cells. Ersol hatte einen Fortschritt bei der geplanten Markteinführung des Dünnschicht-Moduls "Nova-T" gemeldet. Bei Q-Cells helfen die Börsenpläne der Konzerntochter EverQ nach. Die Deutsche Bank erhöhte ihr Kursziel für den TecDax-Titel zudem von 102 auf 112 Euro.

Neue Aufträge für Nordex
Die Nordex-Aktie gewann ebenfalls. Der Windkraftanlagen-Hersteller hat weitere Aufträge aus China erhalten. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund 22 Millionen Euro. Zugleich kündigte Nordex an, seine Produktionskapazitäten auf dem schnell wachsenden chinesischen Markt in den nächsten Jahren fast zu vervierfachen.

Analysten machen Kurse
Deutlich besser als der Markt entwickelten sich auch United Internet und Tognum. Die UBS erhöhte das Kursziel für die Aktie des Internet-Konzerns von 17,50 auf 19,00 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Die reduzierte Unternehmenssteuer führe zu einer Anhebung der Gewinnprognosen in den kommenden beiden Jahren, hieß es zu Begründung. Beim Dieselmotorenhersteller Tognum half ebenfalls eine Kurszielanhebung der UBS - und zwar von 23 auf 25 Euro.

GPC abgestraft
Nach dem niederschmetternden Forschungsergebnis für Satraplatin hagelte es am Donnerstag Verkaufsempfehlungen für die Aktie von GPC Biotech. So hat etwa Goldman Sachs das Kursziel von 12,50 auf 1,37 Euro gesenkt, J.P. Morgan von 7,00 auf 2,00 Euro. Der TecDax-Titel stand erneut unter Druck.

Singulus will sich durchsetzen
Die Aktie des Spezialmaschinenbauers Singulus zog an. Die noch börsennotierte Tochter HamaTech soll auf Singulus verschmolzen werden. Der ermittelte Unternehmenswert belaufe sich danach auf 2,23 Euro je HamaTech-Aktie und 10,44 Euro je Singulus-Aktie, teilte das TecDax-Mitglied mit.

Patrizia fällt in Ungnade
Man darf sich schon wundern, wie sehr sich Analysten bei einem großen Immobilientitel irren können. Nach den gestrigen Zahlen von Patrizia hat die Deutsche Bank ihr Kursziel für den SDax-Titel drastisch von bisher 16 Euro auf 8,50 Euro gesenkt. Das Anlageurteil schraubten die Analysten von "Buy" auf "Hold" herunter. Die Aktie verlor weiter erheblich an Wert.

Cash.Life senkt Prognosen
In der SDax-Verliererliste fand sich auch Cash.Life an prominenter Stelle. Der Finanzdienstleister hat seine Geschäftsziele für 2007 nach unten revidiert. Die Erlöse sollen bis zum Jahresende nur noch über 550 Millionen Euro erreichen. Bislang hatte der Käufer von Lebensversicherungspolicen mehr als 700 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Prognose für das Betriebsergebnis (Ebit) senkte Cash.Life von bisher 18 bis 22 auf zwölf bis 16 Millionen Euro.

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