Die Angst vor der Billion

Stand: 20.03.2009, 20:09 Uhr

Auch am Freitag wirkte die Ankündigung der amerikanischen Notenbank, mit unfasslichen Geldmengen die Wirtschaft retten zu wollen, nach. Doch die Börse war weder euphorisch noch erleichtert. Sie reagierte ehrfürchtig bis furchtsam.

Dass die amerikanische Notenbank eine Billion Dollar für den Kauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren ausgeben will, setzte auch am Freitag die US-Börsen unter Druck. Anleger sorgten sich vor allem um die Preisstabilität, außerdem verdeutliche diese äußerst ungewöhnliche Maßnahme die weiterhin schwierige Lage der US-Wirtschaft, so die Analyse der Börsenhändler.

Am Freitag waren vor allem Banken- und Finanzaktien unter Druck. In den USA verloren Aktien der Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae etwa ein Drittel ihres Wertes. Im Dax gaben die Aktien der Commerzbank und der Münchener Rück jeweils mehr als vier Prozent ab.

Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich übrigens lange Zeit des Tages recht unbeeindruckt von den Sorgen um die Stabilität des Dollars. Der Xetra-Dax beendete den Handel sogar noch mit einem leichten Gewinn von 0,6 Prozent auf 4.069 Punkte. Im späten Handel jedoch rutschte der Markt ab, der LDax-schloss mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 4.018 Zählern.

Eon profitiert von Neugewichtung
Als drittbeste Dax-Aktie ging das Papier des Versorgers Eon mit einem Plus von 4,8 Prozent aus dem Handel. Durch die anstehende Dax-Neugewichtung erhält Eon wieder eine Indexgewichtung von zehn Prozent, weswegen passive Indexfonds Eon zukaufen müssen. Die Gewichtung von Volkswagen wird stark reduziert, die Aktie legte dennoch 0,1 Prozent zu.

Dax-Spitzenreiter Bayer
Die Bayer-Aktie erlebte am Freitag eine eindrucksvolle Renaissance. Das Papier verteuerte sich um 11,3 Prozent und reagierte damit auf eine Entscheidung der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA. Diese hat sich recht überraschend für den Einsatz des Bayer-Blockbusters Xarelto ausgesprochen. Das Thrombosemedikament gilt bei Bayer als einer von zwei großen Hoffnungsträgern.

Chinaauftrag für Siemens
Der Industriekonzern Siemens hat einen 750 Millionen Euro schweren Auftrag aus China erhalten. Mit der Lieferung von 100 Zügen des Typs Valero werde Siemens die "langfristigen Beziehungen zu Partnern im künftig größten Hochgeschwindigkeitsmarkt der Welt" stärken, sagte Siemens-Verkehrstechnik-Chef Hans-Jörg Grundmann. 2010 sollen die Züge in Betrieb gehen. Die Siemens-Aktie gewann 1,5 Prozent.

Infineon verlässt den Dax - Aktie fällt
Einen Handelstag, bevor die Aktie von Infineon vom Dax in den TecDax wechselt, verlor sie noch einmal kräftig. 4,4 Prozent Kursverlust standen am Tagesende zu Buche. Allerdings hatte die Aktie des Chipherstellers in den vergangenen Tagen noch deutliche Zugewinne verzeichnet, bei Kursen im Pennystockbereich.

Wohin mit "Industrial"?
Auch die Aktie von ThyssenKrupp ging mit Verlusten aus dem Handel. Sie verlor 1,3 Prozent. Am Donnerstag gab der Konzern eine Gewinnwarnung heraus, am Freitag gab es Gerüchte um Probleme beim geplanten Verkauf der Tochter "Industrial". Thyssen werde es nicht gelingen, den anvisierten Erlös von mehr als einer Milliarde Euro zu erzielen, schrieb das Handelsblatt.

HRE darf verstaatlicht werden
Der Bundestag hat am Freitag ein Gesetz erlassen, mit dessen Hilfe Aktionäre von notleidenden Banken enteignet werden können. Das bis 30. Juni befristete Gesetz ist auf die Verstaatlichung der Hypo Real Estate zugeschnitten. Die Aktionäre wittern offenbar ein gutes Geschäft, die Aktie stieg im Tagesverlauf um 7,3 Prozent.

Die Solarbranche neu bewertet
Eine Branchenstudie von Goldman Sachs zur Solarbranche hat die betroffenen Kurse erheblich durcheinandergewirbelt. Für Solarworld gab es eine Kaufempfehlung, die Aktie stieg um sechs Prozent. Auch Solon (plus 20 Prozent) und Q-Cells (plus 12,7 Prozent) stiegen außerordentlich kräftig, obwohl Goldman Sachs Kursziele und Anlageempfehlung in beiden Fällen pessimistischer sieht als zuvor. Allerdings gebe es, sagten die Analysten und heizten damit die Kauflaune an, seit den heftigen Kursverlusten der vergangenen Monate attraktive Kaufmöglichkeiten.

CEO-Wechsel bei Fraport und Gagfah
Die beiden MDax-Konzerne Fraport und Gagfah meldeten am Freitag einen Wechsel an der Führungsspitze. Bei Fraport wird Wilhelm Bender im September von dem bisherigen Vizechef Stefan Schulte beerbt. Bei Gagfah gibt CEO Burghard Drescher seinen Posten Ende Juli auf und wird durch William Brennan, einen ehemaliger Manager des Gagfah-Großaktionärs Fortress, ersetzt.

MPC Capital mit Millionenverlust
Das im SDax notierte Emissionshaus MPC Capital hat für das abgelaufene Geschäftsjahr 2008 einen Millionenverlust angekündigt. Man erwarte, teilte das Unternehmen am Abend mit, einen Jahresverlust von 96 Millionen Euro netto. Vor einem Jahr verbuchte die Firma noch einen Gewinn von 38 Millionen Euro. Das Ergebnis wurde nach Angaben von MPC durch Wertberichtigungen und den Nachfragerückgang nach Kapitalanlageprodukten belastet. Die Aktie, die schon im elektronischen Handel um sieben Prozent gefallen war, gab auf dem Parkett weiter ab und notierte am Ende 10,7 Prozent schwächer.

Einhell mit "sehr positivem Ergebnis"
Der Werkzeug- und Gartengerätehersteller Einhell hat das vergangene Jahr mit Einbußen bei Umsatz und Gewinn beendet. Wie aus den vorläufigen Zahlen der Firma hervor geht, verringerte sich der Umsatz von 386 auf rund 359 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern ging von 24,6 Millionen auf 18,4 Millionen Euro zurück. Einhell verwies auf die "schwierige weltwirtschaftliche Gesamtsituation". Dennoch bezeichnete die Firma die Bilanz als "sehr positives Ergebnis", die Aktie stieg um 14,8 Prozent.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr