Die Angst kehrt zurück

Stand: 26.11.2009, 20:03 Uhr

Während viele Anleger bereits auf eine Jahresendrally hofften, versetzten die plötzlichen Geldnöte des Emirats Dubai den Märkten einen Schock. Verstärkt wurden die Kurseinbrüche noch durch die geringe Liquidität des heutigen Handels.

"Dubai hat den Anlegern schlagartig bewusst gemacht, dass noch nicht alles vorbei ist", sagte Matthias Jasper, Chefhändler der WGZ-Bank. Gleichzeitig verwies der Experte auf jüngste Umfragen, wonach etwas mehr als 60 Prozent der Marktteilnehmer von einer Jahresendrally ausgehen. Er selbst stehe dieser eher skeptisch gegenüber.

Diese Meinung teilten heute wohl auch die meisten Anleger, sie flüchteten in Scharen. Zwar versicherte das Emirat Dubai, die Schuldenprobleme des staatseigenen Konglomerats Dubai World, das die berühmte Insel in Palmenform im Meer entwickeln und bauen soll, hätten keine Auswirkungen auf andere Staatsunternehmen. Doch das Vertrauen der Anleger ist dahin.

Bis zum Schluss des elektronischen Handels stürzte der Dax um 3,25 Prozent, fast 190 Punkte, auf 5.614. Auch der Abendhandel gab kräftig nach auf 5.628. Wie vor gut einem Jahr nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers flüchteten die Anleger massenhaft in die als sicher geltenden Staatsanleihen, was deren Kurse nach oben trieb.

Zu den größten Verlierern gehören Bank- und Automobilwerte. Aber auch die Titel von Bauunternehmen müssen leiden. Gewinner gibt es im Leitindex keine.

Gold und Öl runter
Wegen der sinkenden Aktienkurse ist auch der Goldpreis unter Druck geraten. Er hat sein am Morgen erreichtes Rekordhoch von 1194,90 Dollar nicht halten können. Eine Feinunze des Edelmetalls notierte am Nachmittag mit 1181,30 Dollar 0,8 Prozent tiefer.
Auch der Ölpreis geriet heute unter Druck. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar kostete am Abend 76,19 US-Dollar. Das waren 1,77 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank um 1,31 Dollar auf 77,13 Dollar.

Euro sinkt zeitweise unter 1,50 Dollar
Belastet von schwachen Aktienmärkten ist der Euro am Donnerstag zeitweise unter die Marke von 1,50 US-Dollar gesunken. Im Tief kostete die Gemeinschaftswährung 1,4998 Dollar und damit gut einen Cent weniger als am Morgen. Bis zum späten Nachmittag erholte sich der Euro nur leicht und notierte bei 1,5010 Dollar. Auch der Kurs des Euro ist gefallen. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs am Mittag auf 1,5071 (Mittwoch: 1,5083) Dollar fest.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,76
Differenz relativ
-1,26%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,13
Differenz relativ
-1,12%

Banken und Versicherer beschwichtigen
Die Titel der Deutschen Bank sind mit einem Verlust von mehr als sechs Prozent der größte Verlierer im Dax. Dabei ist der Branchenprimus nach Angaben aus Finanzkreisen nicht von den akuten Finanzproblemen des Emirats Dubai betroffen. "Die Deutsche Bank hat kein Engagement bei Dubai World", berichtet die Nachrichtenagentur dpa-AFX. Ähnliches war auch über die drei anderen börsennotierten deutschen Finanzinstitute, Commerzbank, Postbank und Aareal zu hören. Auch die ebenfalls unter Verkaufsdruck geratenen Versicherer Münchener Rück, Allianz und Hannover Rück sprachen von keinen beziehungsweise "vernachlässigbaren" Belastungen.

Heideldruck baut um
Der weltgrößte Druckmaschinenbauer Heidelberger Druck will sich mit einem Konzernumbau unabhängiger von Konjunkturschwankungen machen und sein Service-Geschäft stärken. Dazu baut der verlustreiche und hoch verschuldete Konzern zum zweiten Mal in eineinhalb Jahren seinen Vorstand um. Den weltweiten Vertrieb nehme künftig Vorstandschef Bernhard Schreier wieder selbst in die Hand, teilte das Unternehmen am Donnerstag nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

IPO der Bank Minsheng enttäuscht
Sorgen vor schärferen Kapitalanforderungen an Finanzinstitute haben dagegen das heutige Börsendebüt der China Minsheng Banking belastet. Die Aktie fiel an ihrem ersten Handelstag um drei Prozent auf 8,79 Hongkong-Dollar. Das Kreditinstitut nahm bei dem IPO 3,9 Milliarden US-Dollar ein - es ist damit der fünftgrößte Börsengang weltweit in diesem Jahr.

K+S besser steckt Kapitalerhöhung weg
Trotz der angekündigten Kapitalerhöhung verliert die Aktie von K+S weniger als der Gesamtmarkt. Das Kasseler Unternehmen will 26,4 Millionen neue Aktien ausgeben und damit einen Bruttoerlös in Höhe von 686,4 Millionen Euro erzielen. Unter anderem soll mit den Mitteln die Übernahme des US-Konkurrenten Morton Salt finanziert werden.

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,50
Differenz relativ
-2,62%

Bilfinger, HeidelCement und Hochtief unter Druck
Die Zahlungskrise von Dubai sowie eine negative Studie von Goldman Sachs drücken die Aktie des Baukonzerns Bilfinger Berger mehr als fünf Prozent ins Minus. Das Papier wird von der US-Bank nicht mehr zum Kauf empfohlen. Auch die Aktien von HeidelCement und Hochtief leiden unter dem Dubai-Debakel.

Deutsche Wohnen im Keller
Das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen hat in den ersten neun Monaten einen Verlust von 2,5 Millionen Euro eingefahren. Damit reduzierte sich der Fehlbetrag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum allerdings deutlich. Im dritten Quartal schaffte das SDax-Unternehmen mit minus 0,11 Millionen Euro sogar fast den Sprung in die Gewinnzone. Die Aktie verliert.

KWS Saat erntet Verluste
Auch die Titel des Saatgutherstellers KWS Saat verlieren überdurchschnittlich. Das Unternehmen hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres seinen Verlust von 6,3 auf 20,7 Millionen Euro ausgeweitet. Gleichzeitig gingen die Umsätze zurück. Dennoch bekräftigt das Unternehmen sein Ziel, das "Spitzenniveau" des Vorjahres bei Umsatz und Ergebnis zu erreichen.

IKB warnt vor weiteren Risiken
Die Bank bleibe erheblichen Risiken ausgesetzt, betonte Vorstandschef Hans Jörg Schüttler am Mittag bei der Vorlage des Halbjahresberichts 2009/10. Sollte es im kommenden Jahr erneut zu gravierenden Belastungen an den Kapitalmärkten kommen, wäre die Risikotragfähigkeit des Verluste schreibenden Instituts nicht mehr gegeben. Im ersten Geschäftshalbjahr hat IKB einen Verlust von 398 Millionen Euro eingefahren. Das Ergebnis bei Finanzanlagen ist laut dem Unternehmen hauptverantwortlich dafür. Die IKB-Aktie, die im Pennystock-Bereich notiert, verliert mehr als zwei Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.