Die Ängste bleiben

von Robert Minde

Stand: 23.09.2011, 20:02 Uhr

Am Aktienmarkt haben die Marktteilnehmer heute starke Nerven gebraucht, denn die Börse spielte Jo-Jo. Trotzdem hat der Dax hat eine schwache Woche halbwegs versöhnlich beendet. Aber die Rezessionsängste bleiben ebenso auf der Agenda wie die Sorgen um Europa und die Banken.

Welch ein Handelstag. Nach gutem Start kamen all die Ängste wieder hoch, die die Märkte nun schon seit Juli begleiten. Rezessionsängste, die europäische Schuldenkrise und damit verbunden die Sorge um die Banken. Der Dax fiel zwischenzeitlich über drei Prozent und unter die Marke von 5.000 Punkten, um sich dann wieder zu erholen. Der Index beendete den Tag schließlich mit einem Gewinn von 0,63 Prozent bei 5.196 Zählern. Im späten Geschäft veränderten sich die Kurse danach wenig. Der L/E-Dax beendet den Handel bei 5.199 Punkten. Insgesamt hat der Dax in dieser Woche ein Minus von 6,76 Prozent eingefahren.

Die Sorgen bleiben
Die Nachrichtenlage war durch eine Flut von Meldungen aus dem Umfeld der IWF-Jahrestag in Washington bestimmt. Wieder einmal stand das Thema Griechenland und damit verbunden die Lage der europäischen Banken im Mittelpunkt des Investoreninteresses. Dabei haben sich die Stimmen gemehrt, dass auch eine Pleite Griechenlands immer mehr in den Bereich des Möglichen rückt. Beispielsweise wollte der niederländische Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied Klaas Knot eine griechische Staatspleite nicht mehr ausschließen. Drastischer äußerte sich der bekannte ehemalige Chefökonom des IWF, der Amerikaner Kenneth Rogoff. Er stellt den Gläubigern von einem Euro nominaler Schulden nur eine Rückzahlungsquote von 30 bis 40 Cents je Euro in Aussicht. Zusätzlich Öl ins Feuer goss dann noch die französische Bankenaufsicht, die mitteilte, dass 15 bis 20 europäische Banken ihre Kapitaldecke stärken müssten.

Die Wende brachte dann Bundesbankpräsident Jens Weidmann, der erklärte, er gehe nicht von einer bevorstehenden Rezession aus. Zudem sei die Kapitalisierung der Banken besser als im Jahr 2008. Die Hoffnung darauf, dass es doch nicht zu einem Lehman-2.0-Szenario kommt, beflügelte dann im weiteren Geschäft die Fantasie der Anleger. Aber die Stimmungslage dürfte trotzdem angespannt bleiben. "Der Markt wird sehr stark von psychologischen Faktoren beeinflusst, wobei die Grundtendenz nach unten zeigt", sagte Aktienstratege Carsten Klude von M.M. Warburg.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Einzeltitel: Bayer an der Spitze
Unter den Einzeltiteln liegt Bayer heute mit einem dicken Plus von 7,1 Prozent an der Dax-Spitze, nachdem der zuständige Ausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde den Thrombosehemmer Xarelto zur weiteren Verwendung zugelasen hat. Damit darf Bayer auf Milliardenerlöse hoffen. Gesucht waren auch die beiden Bankwerte Deutsche Bank und Commerzbank, die von der positiven Einschätzung der amerikanischen Handelspartner profitieren. Deutsche Banken gelten aktuell als sicherer Hafen in Europa. Adidas-Aktien schlossen ebenfalls im Plus nach guten Zahlen des US-Konkurrenten Nike.

Tagesverlierer war der Düngemittelkonzern K+S nach negativen Nachrichten über angeblich zu hohe Lagerbestände. Die Aktie verlor 2,6 Prozent. Auch HeidelbergCement gehören mit einem Minus von 2,1 Prozent zu den Tagesverlierern.

Euro weiß nicht wohin
Die Gemeinschaftswährung ist aktuell wieder unter die Marke von 1,35 Dollar gefallen. Die Gemeinschaftswährung ist spätestens seit Mittwochabend, nach den Beschlüssen der Fed, schwer unter Druck geraten und hat in einer unüblich hohen Bandbreite vier Cents gegen den Dollar verloren. Angebliche Aussagen des griechischen Finanzministers über eine geordnete Umschuldung mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent hatten die Gemeinschaftswährung heute zusätzlich belastet. Mittlerweile hat das griechische Finanzministerium die Pressegerüchte aber dementiert.

Mittelfristig dürfte der Euro nach Meinung der Commerzbank aber unter Druck bleiben: "Die Schuldenkrise bleibt ein Belastungsfaktor für den Euro und kommt immer wieder in Wellen hoch", sagte der Leiter der Devisenabteilung der Commerzbank, Ulrich Leuchtmann. Der Dollar gelte als sicherer Hafen. Das sei zwar angesichts der hohen Schulden der USA absurd, aber es gebe eben keine Alternative, so Leuchtmann weiter.

Wall Street etwas besser
An der New Yorker Börse ist noch nicht klar, wohin heute die Reise geht. Der Dow Jones startete im frühen Geschäft einen zaghaften Erholungsversuch. Zur Stunde liegt der führende US-Index gut ein halbes Prozent im Plus bei 11.792 Punkten. Nennenswerte Konjunkturdaten stehen nicht an.

Lufthansa-Tochter verkauft Landerechte
Die Lufthansa-Aktie legt ein Prozent zu. Die Konzerntochter BMI verkauft Start- und Landerechte am Londoner Flughafen Heathrow. BMI steht inzwischen auch offiziell zum Verkauf.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Deutsche Bank erwartet höhere Griechenland-Abschreibungen
Die Deutsche Bank erwartet nach eigenen Berechnungen, dass die europäischen Banken sich auf Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen von 25 statt bisher kalkuliert 21 Prozent einstellen müssen. Grund sind die mittlerweile deutlich gestiegenen Renditen der griechischen Papiere. Die Aktie legt um 5,5 Prozent stark zu.

Metro sucht Kaufhof-Käufer
Nach einem Medienbericht ist die Metro weiter auf der Suche nach einem Käufer für die Warenhauskette Kaufhof. Interessent sei möglicherweise der spanische Warenhaus-Konzern El Corte Ingles. Metro selbst wollte die Marktgerüchte nicht kommentieren.

Stada steuert gegen
Stada-Chef Hartmut Retzlaff hat gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, er sei "nach wie vor zuversichtlich", die für 2014 gesteckten Ziele zu erreichen. Sobald die geplanten Akquisitionen unter Dach und Fach seien, sei sogar eine Erhöhung der Prognose möglich. Geholfen hat es nicht, die Aktien des Bad Vilbeler Generikaherstellers Stada setzten nach einer kurzen Erholung ihren Ausverkauf mit einem Minus von 4,6 Prozent fort.

Bauer erhält Großauftrag
Der Maschinenbauer aus dem SDax hat in seinem Geschäftsfeld Dienstleistung einen Großauftrag aus den USA eingeheimst. Dabei geht es um die Sanierung des Center Hill Damm im Bundesstaat Tennessee. Bauer wird dabei Spezialtiefbauarbeiten verrichten.

Tagestermine am Montag, 10. Dezember

Unternehmen:
Keine Termine absehbar

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, zweite Schätzung, 00:50 Uhr
Deutschland: Außenhandel im Oktober, 08:00 Uhr
Italien: Industrieproduktion, Oktober, 11:00 Uhr
Deutschland: Sentix Konjunkturindex, Dezember, 10:30 Uhr
Großbritannien:Industrieproduktion, Oktober, 10:30 Uhr