Die 7.000-Punkte-Marke fest im Blick

Stand: 07.08.2012, 20:01 Uhr

Am Dienstag ist der Dax noch an der psychologisch wichtigen Hürde von 7.000 Punkten gescheitert. Doch Händler erwarten, dass die Schwelle schon bald überschritten wird. Dass sich die Konjunktur weiter abschwächt, schreckt die Anleger nicht.

Nur 32 Punkte haben dem Dax am Dienstag zur Marke von 7.000 Punkten gefehlt. Der Leitindex verabschiedet sich mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 6.968 Zählern aus dem Handel und erreicht damit den höchsten Schlusskurs seit Anfang April. Auch im Abendhandel geht es weiter aufwärts und der Dax legt um knapp ein Prozent auf 6.970 Punkte zu.

"Die 7.000 Punkte ziehen schon fast magisch an, und die geringen Volumina erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Marke in den nächsten Tagen auch überwinden", sagte ein Händler. Auch Marktstratege Jörg Rahn von Marcard Stein & Co hält weiter steigende Kurse für wahrscheinlich. "Anleger werden praktisch in den Markt hineingedrängt und sehen sich fast gezwungen zu kaufen", sagte Rahn und erklärte: "Viele institutionelle Investoren waren sehr vorsichtig und haben den Beginn der aktuellen Rally verpasst.

Rein in den Markt
Die Gefahr, jetzt noch mehr zu verpassen ist groß, und deshalb müssen auch vorsichtige Anleger jetzt in den Markt rein." Auslöser der seit Tagen anhaltenden Rally bleiben die Spekulationen auf Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Euro hat sich im Tagesverlauf ebenfalls gefestigt und notiert bei Börsenschluss bei 1,242 Dollar. "Wir haben einen Anflug von Risikofreude im Markt", sagte Greg Anderson, Devisenexperte der Citigroup. Die Spekulationen gegen den Euro hätten nachgelassen.

Dabei trübt sich die Konjunktur in Euroland immer weiter ein. Die deutsche Industrie hat im Juni deutlich weniger Aufträge an Land gezogen. Die Aufträge schrumpften so stark wie seit Herbst 2011 nicht mehr: um 1,7 Prozent. Zudem geht das Bruttoinlandsprodukt in Italien im zweiten Quartal zum vierten Mal in Folge gesunken. Analysten warnen, dass die gesamte Euro-Zone in die Rezession rutschen könnte.

Auch an der Wall Street legen die Kurse weiter zu. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,7 Prozent höher bei 13.209 Punkten. Händler erklärten die freundliche Stimmung damit, dass die ihren Fokus weiterhin auf die globalen Notenbanken richten, damit sie neue Maßnahmen gegen die Krise und die drohende Wirtschaftsflaute ergreifen werden. Schwache Wirtschaftsdaten aus Europa erhöhten den Druck auf die Europäische Zentralbank, hieß es.

Gazprom beflügelt Eon
Zu den Favoriten im Dax gehört die Aktie von Eon, nachdem der Versorger überraschend gemeldet hatte, dass der Überschuss im ersten Halbjahr auf 3,3 Milliarden Euro gestiegen ist - dank einer Einigung mit dem Lieferanten Gazprom über verbesserte Konditionen bei den Gaspreisen. Der Energieversorger bestätigte zudem die Anfang Juli angehobenen Gewinnprognosen.

Angeführt wird die Liste der Gewinner im Leitindex aber von den Vorzügen von Volkswagen. Sie legen um fast 2,7 Prozent zu.

MüRü hebt an
Erfreut reagieren die Anleger auch auf die Quartalszahlen der Münchener Rück. Der Konzern sei auf gutem Kurs, den ursprünglich angestrebten Jahresgewinn von 2,5 Milliarden Euro leicht zu übertreffen, sagte Vorstandschef Nikolaus von Bomhard am Morgen. Fast zwei Drittel davon sind nach den ersten sechs Monaten erreicht - dank geringerer Katastrophenschäden, besserer Börsengeschäfte und weniger Steuerbelastung.

Defensiv verliert
Defensive Werte wie Beiersdorf, Henkel oder Fresenius notieren dagegen leichter und führen die Liste der Verlierer im Dax an.

Kuka macht wieder Freude
Zu den stärksten Werten im MDax gehört die Aktie von Kuka. Der Roboter- und Anlagenbauer profitiert von der Nachfragewelle aus der Autoindustrie. Nach unerwartet großen Sprüngen im zweiten Quartal hat sich das Unternehmen höhere Jahresziele gesetzt. Damit schraubten die Augsburger am Morgen bereits zum zweiten Mal im laufenden Jahr ihren Ausblick nach oben.

Lanxess am MDax-Ende
ZU den Verlierern im MDax gehört dagegen die Aktie des Spezialchemiekonzerns Lanxess. "Anleger sind enttäuscht und machen Kasse", so ein Händler zum Zahlenwerk. Nach einem Anstieg des operativen Ergebnisses im zweiten Quartal rechnet das Leverkusener Unternehmen für das zweite Halbjahr nur noch mit einem operativen Ergebnis annähernd auf Vorjahresniveau.

Rational und Leoni mit Licht und Schatten
Auch die Papiere von Rational und Leoni legen zu. Der Hersteller von Großküchen Rational konnte Umsatz und Gewinn zweistellig steigern und hat seine Prognose bekräftigt, Umsatz und Ergebnis im Gesamtjahr um je rund zehn Prozent zu steigern.

Auch die Aktie von Leoni rückt vor. Dabei ist das Ergebnis des Autozulieferers im zweiten Quartal um ein Viertel auf 34,5 Millionen Euro abgerutscht. Bereits Ende Juli hatte Leoni seine Umsatzprognose für 2012 zurückgenommen.

Pfeiffer enttäuscht
Der Vakuumpumpen-Hersteller Pfeiffer Vacuum hat mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch im zweiten Quartal die Anleger enttäuscht. Die Aktie des Technologieunternehmens ist zeitweise der größte Verlierer im TecDax. Nach einem guten ersten Quartal bekomme Pfeiffer Vacuum nun die schwache Konjunktur zu spüren, begründete Vorstandschef Manfred Bender die Entwicklung. Besonders die Krise der Solarindustrie und die Schwäche der Halbleiterbranche, beides wichtige Abnehmerindustrien für die Pfeiffer-Produkte, machen dem Konzern zu schaffen.

Süss schrammt an die Verlustzone
Noch stärker unter Druck geraten ist die Aktie von Süss Microtec. Der Anlagenbauer für die Chipindustrie hat im zweiten Quartal gerade noch schwarze Zahlen geschrieben. Der Umsatz ging um ein Drittel auf 36,3 Millionen Euro zurück.

Primacom-Aktie im siebten Himmel

Papiere des Kabelnetzbetreibers Primacom verdoppeln sich dagegen, allerdings auf Pennystock-Niveau. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ist die Deutsche Telekom am Kauf von Primacom interessiert. Laut der Zeitung gehört der Ex-Monopolist zu den mindestens vier Bietern für Primacom und will zwischen 250 und 280 Millionen Euro für das Unternehmen zahlen.

Agennix vor dem Aus?

Die Biotechfirma Agennix muss nach dem Scheitern ihres wichtigsten neuen Medikaments um ihre Zukunft bangen. "Wir prüfen alle Optionen einschließlich einer Abwicklung des Unternehmens", sagte Vorstandssprecher und Finanzchef Torsten Hombeck am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Anleger reagierten schockiert. Die Agennix-Aktie stürzte zeitweise um 75 Prozent auf 45 Cent ab. "Das ist eine riesige Enttäuschung", kommentierte das Brokerhaus Equinet.

Softing gedeiht weiter
Der Anbieter von Hard- und Software für die industrielle Automatisierung und Fahrzeugelektronik hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr um fast 34 Prozent auf 24,2 Millionen Euro gesteigert. Gleichzeitig machte das Ebit einen Sprung um 20 Prozent auf 2,4 Millionen. Zudem hat Softing seine Prognose für das laufende Jahr erhöht. Dennoch leidet die Aktie heute unter Gewinnmitnahmen.

Nokia drückt aufs Tempo
Die Nokia-Aktie legt kräftig zu. Nach verschiedenen Medienberichten will der finnische Handyherstelle bereits in der ersten Septemberwoche will seine neuen Windows-8-Smartphones vorstellen, die in Kooperation mit Microsoft gebaut werden. Damit käme Nokia Apple zuvor, das am 12. September das iPhone 5 vorstellen will.

Standard Chartered unter Verdacht
Die Skandalserie bei den britischen Großbanken nimmt kein Ende. Ermittlungen der New Yorker Finanzaufsicht zufolge soll die Bank über Jahre Geldgeschäfte im Umfang von 250 Milliarden Dollar für iranische Banken abgewickelt haben. Das ist wegen der geltenden Sanktion gegen das Land illegal. Standard Chartered wies die Vorwürfe zurück, die Aktie bricht mehr als 20 Prozent ein. Standard Chartered soll mit den illegalen Geschäften Hunderte Millionen Dollar Gebühren kassiert haben.

Intercell schreibt wieder Gewinn
Das Wiener Impfstoffunternehmen Intercell hat im zweiten Quartal überraschend einen Gewinn erzielt. Dank guter Geschäfte mit dem einzigen Produkt - einem Impfstoff gegen die Tropenkrankheit Japanische Enzephalitis - schrieb die Firma ein Plus von rund einer Million Euro. Im Vorjahreszeitraum stand ein Minus von 1,6 Millionen Euro zu Buche. Analysten hatten mit einem Verlust von knapp vier Millionen Euro gerechnet. An der Börse legte die Intercell-Aktie knapp acht Prozent zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)