Die 6.300 bleibt die Hürde

Stand: 27.09.2010, 20:01 Uhr

Seit mehr als zwei Wochen versucht sich der Dax an der Marke von 6.300 Punkten, und auch am Montag hat es nicht dafür gereicht. Verantwortlich waren die schwache Wall Street, ein nicht ganz so guter Siemens-Ausblick und, natürlich, die altbekannten Konjunktursorgen.

Der Dax schloss am Montag knapp ein Drittel Prozent schwächer bei 6.279 Punkten. Im Tagesverlauf stand der Leitindex zeitweise deutlich oberhalb der 6.300 Punkte, bis am Nachmittag die schwache Wall Street den Index auf den nicht so erfreulichen Schlussstand brachte.

Wegen der recht flauen Nachrichtenlage taten sich Händler sichtlich schwer, diesen Kursverlust schlüssig zu erklären. Die anhaltenden Konjunktursorgen in Amerika wurden für das kleine Kursminus in Amerika angeführt, in Deutschland war es ein schwacher Siemens-Ausblick, der die Aktie an das Dax-Ende fallen ließ und den Gesamtmarkt belastete und schließlich erwähnten Marktbeobachter noch die Herunterstufung einer irischen Bank durch Moody's.

Letztendlich aber fehlte den Anlegern wohl einfach der Mut, dort weiterzumachen, wo der starke Freitag aufgehört hatte. Seit nunmehr fast drei Wochen gelingt es dem Dax nicht, nachhaltig die 6.300 Punkte nach oben zu überwinden und den Weg in Richtung längerfristige Gewinne zu ebnen. Immerhin profitierten Gold und Euro von der ermüdenden Stimmung am Kapitalmarkt, der Euro erreichte mit 1,35 Dollar den höchsten Stand seit April und Gold war mit 1.300 Dollar je Feinunze so teuer wie noch nie.

Während der Gesamtmarkt sichtbar unter der dünnen Nachrichtenlage litt, waren Kursbewegungen bei Einzelwerten durchaus nachrichtengetriebenen Ursprungs. Im Dax schlossen Merck und Siemens deutlich schwächer. Bereits am Freitag wurde die Merck-Aktie erheblich von der Nachricht belastet, dass die EU-Arzneimittelbehörde die Zulassung des Hoffnungsträgers Cladribin ablehnt. Am Montag reagierten Anleger auf Neunbewertungen durch Analysten. Siemens-Papiere schlossen ebenfalls deutlich schwächer. Die Firma hatte kurz vor dem Ende ihrer Schlussquartals eine erste Wasserstandsmeldung zum Geschäftsverlauf gegeben. Zwar sollen fast alle Bereiche besser abgeschnitten haben als vor einem Jahr, doch die Konsensschätzung beim operativen Ergebnis hat Siemens wohl verfehlt.

MAN und Adidas wurden empfohlen
Auch die MAN-Aktie schloss deutlich schwächer. Hier waren aber vor allem Gewinnmitnehmer am Werk, das Papier hatte vergangene Woche gut zugelegt. Commerzbank und Deutsche Bank stuften die Papiere des Lkw-Herstellers am Montag sogar nach oben. Ganz anders entwickelte sich die Adidas-Aktie, die von den Fachleuten von Cheuvreux empfohlen wurde und 0,9 Prozent zulegte. Für die Kursgewinne machten Händler auch charttechnische Faktoren verantwortlich.

Allianz friert Immo-Dachfonds ein
Die Allianz hat ihren Immobiliendachfonds "Premium Management Immobilien - P - Eur" geschlossen. Verkaufsorder in Höhe von einer Milliarde Euro im laufenden Jahr hätten das kurzfristig verfügbare Vermögen den Fonds aufgezehrt, teilte Allianz Global Investors mit. Kauf- und Verkaufsaufträge würden daher vorübergehend nicht mehr ausgeführt. Allianz-Aktien verloren ein halbes Prozent.

Fusionsfantasie erfasst K+S-Aktie
Ohne eigene Nachrichten gelang der K+S-Aktie ein kleiner Höhenflug. Es seien abermals Fusionsfantasten am Markt unterwegs, erklärten Marktbeobachter den Kursgewinn von einem Prozent. Nach Medienberichten ist nämlich der Bergbaukonzern Vale am K+S-Wettbewerber Copebras interessiert.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,40
Differenz relativ
+1,75%

FDA erlaubt Beyaz
Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat ein Medikament des Pharmakonzerns Bayer zugelassen. Das Verhütungsmittel Beyaz darf nun in den USA verkauft werden, teilte der Konzern mit. Die Aktie reagierte auf die Meldung kaum, Händler erklärten dies mit der vergleichsweise guten Kursentwicklung des Bayer-Titels in den vergangenen Tagen.

Commerzbank entlässt mehr als geplant
Die zweitgrößte deutsche Bank, die Commerzbank, ist mit den Sparmaßnahmen ihrem eigenen Plan voraus. Man habe es geschafft, bis jetzt fast die Hälfte der Mitarbeiter im Investmentbanking zu entfernen. Dieses Ziel hatte die Bank ursprünglich erst 2012 erreichen wollen, sagte Bereichsvorstand Michael Seelof. Vor allem in London habe man massiv Mitarbeiter entlassen.

BMW setzt auf Spyker
Die Aktien des niederländischen Saab-Eigentümers Spyker machten einen Sprung um rund ein Drittel nach oben. Angeblich soll BMW künftig Motoren für Saab liefern. "Für Aktionäre ist es sehr wichtig, Spyker nicht mehr am Rande des Ruins zu sehen", erklärte ein Händler den Kurssprung. Wenn ein Unternehmen wie BMW Vertrauen in Saab habe, dann mache das Hoffnung.

BVB nach oben gespielt
Der sportliche Erfolg des Fußballclubs Borussia Dortmund am Wochenende setzte sich am Montag an der Börse fort. Die Aktie des einzigen börsennotierten deutschen Fußballvereins legte um mehr als zwei Prozent zu und erreichte damit ein 16-Monats-Hoch. Am Wochenende hatte die Borussia gegen St. Pauli gewonnen und steht nun an Platz zwei der Bundesligatabelle.

Übernahmefest geht weiter
In das Milliardenbieten rund um den Globus reihte sich am Montag der niederländische Konsumgüterkonzern Unilever ein. Für 3,7 Milliarden Dollar will die Firma den Shampoohersteller Alberto Culver übernehmen. Unilever will damit vor allem den großen US-Konkurrenten Procter & Gamble angreifen. Unilever-Aktionäre stellten sich hinter ihr Unternehmen, die Aktie legte zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 20. August

Konjunktur
Deutschland: Erzeugerpreise 07/18, 8 Uhr
Deutschland: Monatsbericht der Bundesbank 08/08, 12:00 Uhr

Sonstiges:
Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.