Die 6.200 gehalten

Stand: 17.09.2010, 20:00 Uhr

Der Dax hat die Handelswoche halbwegs versöhnlich beschlossen. Zwar bilanzierte der Freitag ein Tagesminus von 0,6 Prozent, doch der Dax hielt sich leicht über der Marke von 6.200 Punkten. Tagesthemen waren Irland und der große Verfall.

Hexensabbat wird jener große Verfallstag genannt, wenn einmal alle drei Monate Optionen auf eine ganze Reihe von Anlageklassen verfallen. Für gewöhnlich ist am Hexensabbat mit großen Schwankungsbreiten im Dax zu rechnen, was auch an diesem Freitag der Fall war.

Hinzu kam, vor allem am Nachmittag, die Befürchtung, dass es um Irlands Banken und die irische Staatsfinanzen nicht allzu gut stünde. Die neuen Eigenkapitalregeln könnten Irlands Banken vor große Schwierigkeiten stellen, was zwar dementiert wurde, aber die Kurse dennoch belastete. Außerdem wurden Kreditausfallversicherungen für irische Staatsanleihen teurer, was für Skepsis großer Anleger gegenüber irischen Bonds spricht.

Arg belastet wurde der Markt dadurch allerdings nicht, zumal die Wall Street am Nachmittag trotz schwacher Konjunkturzahlen - das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan fiel überraschen schwach aus - im Plus notierte. Der Nasdaq Composite legte überdurchschnittlich zu, was vor allem zwei Bilanzen geschuldet war. Oracle und der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) hatten am Donnerstag nach Börsenschluss überraschend gute Quartalsbilanzen vorgelegt. Nicht nur Oracle und RIM waren am Freitag an der Börse gefragt, die gute Geschäftsentwicklung der beiden Unternehmen beflügelte auch in Europa die Aktien von Software- und Hardwareunternehmen.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
97,13
Differenz relativ
-0,96%
Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,00
Differenz relativ
-0,77%

Im Dax gewannen daher die Aktien von Infineon und SAP deutlich hinzu, im TecDax setzte sich Dialog Semiconductor an die Spitze und die Aktie des im SDax notierten IPhone-Zulieferers Balda verteuerte sich sogar um fast 12 Prozent. Der Dax schloss, belastet vor allem durch Kursverluste bei Versorgern und Versicherern, 0,6 Prozent bei 6.210 Punkten, was dem Leitindex auch auf Wochensicht ein kleines Minus einbrockte. Im späten Handel immer machte der LDax noch einige Zähler gut.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
182,60
Differenz relativ
+0,03%

Die Einbrocker
Vor allem die Kursverluste bei Allianz, Münchener Rück, Eon und RWE waren für den schwächeren Dax am Freitag verantwortlich. Die Fachleute von Standard&Poors hatte ihre Bewertung für Aktien der Münchener Rück auf "Strong Sell" zurück genommen. Die Analysten begründeten ihre Entscheidung mit dem schwachen Preisausblick für das Sach- und Haftpflichtgeschäft. Allianz-Papiere wurden gleich mitverkauft und fielen um zwei Prozent.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,20
Differenz relativ
-1,80%

Aktien von Eon und RWE verloren am Freitag ebenfalls mehr als zwei Prozent. Als besondere Belastung führten Händler einen Bericht der "WAZ" an. Demnach rechnet der Essener Konzern RWE damit, im kommenden Jahr 1,5 Milliarden Euro weniger Gewinn zu machen. Grund sei der Atomkompromiss und der dauerhaft niedrige Strompreis im Großhandel, so die WAZ. Im vergangenen Jahr erzielte RWE ein betriebliches Ergebnis von 7,1 Milliarden Euro, was einer Marge von mehr als 15 Prozent entsprach.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,87
Differenz relativ
+4,66%

Metro und die Franzosen-Connection
Auf der Sonnenseite legte die Metro-Aktie drei Prozent zu. Anleger ließen sich von einer Nachricht des französischen Konkurrenten Carrefour animieren. Dieser hatte am Morgen angekündigt, mit vielen Milliarden Euro seine Supermärkte auf Vordermann bringen zu wollen. Dieser Aktionismus wurde auch in Frankreich belohnt, die Carrefour-Aktie legte mehr als fünf Prozent zu.

ThyssenKrupp darf verkaufen
Ebenfalls unter den Gewinnern fand sich am Freitag die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Der Konzern darf endlich seine verlustreiche griechische Werftentochter HSY verkaufen. Käufer ist der arabische Schiffbaukonzern Abu Dhabi Mar. Nach monatelangen Verhandlungen stimmte nun auch die griechische Regierung dem Verkauf zu. ThyssenKrupp-Aktien gewannen zwei Prozent.

Hochtief: ACS will "feindliche" Übernahme"
Für weiterhin viel Gesprächsstoff auf dem Parkett sorgte das Übernahmeangebot des spanischen Baukonzerns ACS für den MDax-Konzern Hochtief. Die Aktie legte am Freitag 2,6 Prozent zu. Offenbar erwarten Anleger, dass ACS noch etwas drauflegt auf das nicht berauschende Angebot. ACS bietet 56 Euro, was Analysten als "nicht attraktiv" bewerten, und Hochtief mittlerweile offiziell als "feindliche" Offerte betrachtet. Die HSBC hob kurzerhand ihr Kursziel für Hochtief-Aktien auf 80 Euro.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98,40
Differenz relativ
-1,74%

EADS gewinnt, Rational verliert
Überdurchschnittliche Kursgewinne verzeichnete am Freitag die Aktie des Luft- und Raumfahrtunternehmens EADS. Anleger reagierten auf eine Nachricht des amerikanischen Konkurrenten Boeing. Wegen der hohen Nachfrage habe man die Produktion des Mittelstreckenjets 737 erneut gesteigert, teilte Boeing mit. Marktteilnehmer sahen dies als Signal, dass sich die Erholung in der Branche unvermindert fortsetzt.

Erheblich geschwächt schloss die Aktie des Großküchenspezialisten Rational. Anleger verkauften, nachdem die Analysten der britischen Bank HSBC die Aktie auf "Neutral" zurückgestuft hatten. Allerdings nur, weil sich nach den jüngsten Kursgewinnen die Bewertungslücke geschlossen habe, so die HSBC. Dennoch gab der Kurs fast sieben Prozent nach.

Q-Cells gründet Joint Venture
Im TecDax war die Aktie des Solarunternehmens Q-Cells begehrt. Die Firma kündigte an, in Kanada ein Joint Venture gründen zu wollen. Gleichberechtigter Partner sei der amerikanische Anlagenbauer ATS, teilte Q-Cells mit. Die Aktie stieg 3,2 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 15. Oktober

Unternehmen:
Total: Trading Statement Q3, 8.30 Uhr
Bank of America: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Rio Tinto: Quartalszahlen Q3, 23.30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion August, 6.30 Uhr
Deutschland: Monatsbericht Bundeswirtschaftsministerium
USA: Einzelhandelsumsatz / Empire State Index, 14.30 Uhr
USA: Lagerbestände, 16 Uhr