Die 6.000 ist eine echte Hürde

Stand: 14.10.2011, 19:51 Uhr

Der Dax lugte zwar wieder über die runde Marke, verteidigen konnte er sie jedoch erneut nicht. Dennoch verlief die Woche glücklich für die Investoren, auch wenn ein schwaches US-Verbrauchervertrauen größere Gewinne verhinderte.

Zuletzt hatte der deutsche Leitindex vor fast zwei Monaten am 15. August oberhalb von 6.000 Punkten geschlossen. Am Freitag beendete er den Handel bei 5.967,20 Punkten mit einem Plus von 0,9 Prozent. Starke Unternehmenszahlen von Google und SAP versetzten der Investorenstimmung einen Schub und damit auch dem Dax.

Seit Montag stieg der Index um 5,14 Prozent, seit Beginn der jüngsten Aufwärtsbewegung am Dienstag vergangener Woche gewann er sogar mehr als 14 Prozent. Seinen höchsten Tagesstand markierte der Dax bei 6037,29 Zählern - immerhin ein Punkt höher als der Tageshöchststand am Donnerstag. Der Late-Dax

Der EuroStoxx 50 stieg um rund ein Prozent, ebenso groß waren die Aufschläge in Paris und in London. Der Dow Jones notierte zum Dax-Schluss etwa ein Prozent fester.

Für weiteren Rückenwind hatten am frühen Nachmittag die US-Einzelhandelsumsätze gesorgt. Auf Monatssicht legten die Umsätze um 1,1 Prozent zu, Experten hatten zuvor einen Anstieg um nur 0,7 Prozent erwartet. Retten konsumfreudige Amerikaner die Wirtschaft? "Das spricht für eine Konjunkturbelebung und nicht für einen Rückfall in die Rezession", sagte ein Marktteilnehmer.

Der Euro trumpft auf
Die Botschaft wurde von den Daten des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan indes nicht unbedingt bestätigt. Das Konsumklima in den USA hat sich im Oktober wegen der Sorge vor sinkenden Einkommen überraschend eingetrübt. Die Erwartungen der Verbraucher fielen auf ein 30-Jahres-Tief - mehr zu kaufen scheinen sie trotzdem. Nach der Veröffentlichung bröckelten die Dax-Gewinne ab.

Deutlich aufwärts ging es zum Wochenschluss für den Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,3882 US-Dollar gehandelt. "Die Hoffnung auf einen Durchbruch in der Schuldenkrise der Eurozone hat die Risikoneigung der Anleger deutlich verstärkt", sagte Roland Ratzig, Devisenexperte bei der BayernLB.

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
91,70
Differenz relativ
-0,49%

SAP blendend in Form
Für den Lichtblick des Tages sorgte der Softwarekonzern SAP: Der Gesamtumsatz legte vorläufigen Zahlen zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 3,41 Milliarden Euro zu. Die Softwareerlöse stiegen um 28 Prozent. Das Betriebsergebnis machte sogar einen Sprung von 145 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro - für die Märkte eine positive Überraschung.

HeidelbergCement weit vorn
Aktien von HeidelbergCement lagen an zweiter Stelle im Dax, nachdem die Credit Suisse die Titel als erste Wahl im Sektor hervorgehoben hatte und das Anlageunterteil "Outperform" bestätigte. HeidelbergCement sei sowohl mit Blick auf die geographische Ausrichtung des Konzerns als auch die Aktienbewertung attraktiver als der französische Konkurrent Lafarge.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,08
Differenz relativ
-1,40%

Banken mit Abschlägen
Mit einem Abschlag von mehr als fünf Prozent schlossen Commerzbank-Papiere am Dax-Ende. Die Experten von Goldman Sachs hatten sich kritisch zu einigen Finanzinstituten geäußert. Die Ratingagentur Fitch hat zudem einer Reihe von Großbanken mit der Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht. Dazu gehören die Deutsche Bank, BNP Paribas, Société Générale, Barclays und die Credit Suisse. Bei der UBS blieb es nicht bei der Drohung. Das Geschäftsmodell dieser Institute dürfte in Teilen sensibel auf die zunehmenden Herausforderungen reagieren, denen sich die Finanzmärkte gegenübersähen, teilte die Agentur mit, was geneigte Marktbeobachter bereits ahnten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,60
Differenz relativ
-0,05%

BHF-Bank bald verkauft?
Die Titel der Deutschen Bank schafften zeitweise den Sprung in die Gewinnzone. Die "Financial Times Deutschland" berichtet, dass der Finanzinvestor RHJ zwei Eisen im Feuer habe, um doch noch die BHF-Bank übernehmen zu können. RHJ verhandele mit den Finanzinvestoren General Atlantic Partners (GAP) und Pamplona. RHJ hatte sein rund 500 Millionen Euro schweres Gebot für die Deutsche-Bank-Tochter vorerst bei der Finanzaufsicht BaFin zurückziehen müssen, weil sie auf der Suche nach Mitinvestoren nicht rasch genug fündig geworden war. Kein Beteiligter war zu einem Kommentar bereit.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,10
Differenz relativ
-2,98%

Infineon in Schwierigkeiten
Die Titel von Infineon gehörten zu den schwächsten Dax-Werten. Das Unternehmen verpasste mit einem operativen Ergebnis im abgelaufenen Quartal von 195 Millionen seine Prognose. Der Umsatz stagnierte bei gut 1,04 Milliarden Euro. Der Halbleiterkonzern machte Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise für die Zurückhaltung der Kunden verantwortlich.

Sky überholt den Rest
Um zeitweise mehr als acht Prozent sprang die Aktie des Bezahlfernsehsenders im MDax an. Sky geht mit Microsoft fortan gemeinsam auf Kundenfang. Künftig soll das Mobilangebot Sky Go des tief in den roten Zahlen steckenden Bezahlsenders auch auf der Spielekonsole des US-Konzerns, der Xbox 360, nutzbar sein.

Hotel.de kommt unter
In der Internetreisebranche kommt es zu einer Konsolidierung. Das nicht börsennotierte Hotelportal HRS hat 61,6 Prozent an der Hotel.de AG von den bisherigen Großaktionären für je 18,50 Euro gekauft. Genauso hoch fällt das gesetzlich vorgeschriebene Pflichtangebot an die restlichen Aktionäre aus. Die Aktie schloss um mehr als 30 Prozent fester.

Google-Maschinerie läuft rund
Der Internetkonzern Google überzeugte mit einem guten Quartalsergebnis. Der Suchmaschinengigant erzielte im dritten Quartal einen Gewinn von 2,73 Milliarden Dollar und konnte damit den Vorjahreswert von 2,17 Milliarden Dollar sogar noch um 26 Prozent übertreffen. Der Nettoumsatz stieg sogar um 37 Prozent auf 7,51 Milliarden Dollar. Die Aktie legte in den USA um knapp sechs Prozent zu.

Mädchen mögen Barbies...
Alice Schwarzer wird diese Nachricht hassen: Die hohe Nachfrage nach Barbie-Puppen kurbelt beim weltgrößten Spielzeughersteller Mattel die Geschäfte an. Zudem halfen Währungseffekte den Netto-Absatz im dritten Quartal um neun Prozent auf zwei Milliarden Dollar zu steigern. Damit übertraf der Hasbro -Konkurrent die Analystenerwartungen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"