Die 6.000 bleiben im Visier

Stand: 23.12.2009, 20:05 Uhr

Schwache US-Konjunkturzahlen haben den Anlegern heute die Bescherung vermasselt. Nur zwölf Punkte trennten den Dax am Morgen von der 6.000er-Marke. Freuen können sich die Anleger trotzdem.

Seit seinem Tief Anfang März bei 3.666 hat der Dax einen fantastischen Aufstieg von mehr als 60 Prozent erlebt. Im Jahresvergleich bleibt immer noch ein stattlicher Zuwachs von 25 Prozent. Am Abend schließt der Leitindex bei 5.956, gut acht Punkte höher als gestern. Seit Beginn der Woche hat der Dax damit 2,5 Prozent zugelegt. Händler sind zuversichtlich, dass der Index bis Jahresende die Marke von 6.000 Punkten doch noch knacken wird. In der Woche nach der Weihnachtspause können noch bis Mittwochnachmittag Aktien gehandelt werden.

Fraglich ist allerdings, ob der Markt das derzeitige Niveau halten kann. Denn noch ist die Krise nicht vorbei. Einige Börsianer warnen deshalb vor einem Rücksetzer. "Der Dax hat zuletzt ein Hoch nach dem anderen erreicht, auf so etwas folgt oft eine Korrektur", sagt ein Händler.

Auch der Dow-Jones-Index kommt heute nicht von der Stelle. Schwache Zahlen vom Immobilienmarkt haben die US-Börsen am Nachmittag gebremst. Nach einem optimistischen Auftakt drehte der Dow-Jones-Index zeitweise ins Minus. Am Abend scheint er wie festgefroren bei 10.471 Punkten. Der unerwartete Rückgang beim Verkauf von Eigenheimen im November schürte erneut die Sorgen um die wirtschaftliche Erholung in den USA. Nachdem der Kollaps des US-Häusermarkts als einer der Auslöser der Krise gilt, wird seiner Erholung für den Konjunkturaufschwung große Bedeutung beigemessen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

VW-Vorzüge unter Druck
Am deutschen Aktienmarkt stand die Aufnahme der VW-Vorzugsaktien in den Dax im Mittelpunkt. Der Aufstieg ist ihnen nicht gut bekommen. Sie sind die größten Verlierer im Dax. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, was aber nach dem Kursverlauf in diesem Jahr und bei einer Aufnahme in den Dax normal sei. Die aus dem Leitindex herausgefallenen Stammaktien legen dagegen zu.

Kalipreise bringen K+S ins Rutschen
Neben VW leiden auch insbesondere K+S-Aktie. Analysten zufolge habe der Kaliexporteur Belarusian Potash Co (BPC) in den Verhandlungen mit dem wichtigsten Abnehmerland China einen Kalipreis von 350 Dollar pro Tonne ausgemacht, gut 100 Dollar weniger als im Juli. Zudem hat die Citigroup ihre Verkaufsempfehlung bekräftigt und ein Kursziel von 30 Euro ausgegeben.

Praktiker erneut gefragt
Im MDax sind die Aktien von Praktiker die mit Abstand größten Kursgewinner. Seit Wochenbeginn legten die Papiere der Baumarktkette damit um zwölf Prozent zu. Thomas Nagel, technischer Analyst und Händler bei Equinet, macht vor allem den ausgelaufenen Verkaufsdruck verantwortlich. Seit Anfang September sei kontinuierlich Geld aus den Aktien geflossen, zuletzt nochmals deutlich. "Alle, die verkaufen wollten, sind jetzt wohl raus", so Nagel.

Morphosys: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
99,75
Differenz relativ
+3,10%

Morphosys will zukaufen
Morphosys gehören heute zu den größten Gewinnern im TecDax. Das Biotechunternehmen will die Schwäche einiger Konkurrenten für Übernahmen nutzen. "Wir sind aktiv auf der Suche nach Produktkandidaten für unsere Pipeline und haben bereits potenzielle Ziele identifiziert", sagt Morphosys-Chef Simon Moroney der "Financial Times Deutschland". Ein Händler nannte die Aussagen generell positiv. Allerdings gilt Morphosys selbst als Übernahmeziel, was der Aktie generell gut tut.

Siemens und die Windenergie
Siemens und der dänische Energiekonzern Dong haben ihre im März geschlossene Zusammenarbeit für Windkraftanlagen im Meer erweitert. Das neue Abkommen umfasse weitere potenzielle Windturbinen-Lieferungen für Dong-Projekte in Nordeuropa. Details zum Volumen stehen noch nicht fest. Bisher war die Lieferung von bis zu 500 Windturbinen vereinbart worden. Der Deal war mit einem Volumen von rund 2,5 Milliarden Dollar einer der größten seiner Art.

Volvo wird chinesisch
Die schwedische Automarke Volvo geht in chinesische Hände über. Der US-Mutterkonzern Ford bestätigte den erfolgreichen Abschluss von Übernahmeverhandlungen mit Geely "in allen wesentlichen Punkten". Auch das chinesische Unternehmen teilte in Peking mit, das Geschäft sei besiegelt. Aus der Göteborger Volvo-Zentrale verlautete einschränkend, dass unter anderem Fragen bei der Finanzierung noch offen seien.

Öl leicht gestiegen
Der Ölpreis ist wegen unerwartet deutlich gesunkener US-Vorräte leicht gestiegen. Ein Barrel der US-Sorte WTI verteuerte sich um 21 Cent auf 74,61 Dollar. Die Nordseesorte Brent wurde zu 73,50 Dollar und damit drei Cent teurer als im späten Vortagesgeschäft gehandelt

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"