Dickes Minus

Stand: 18.07.2007, 20:15 Uhr

Nur fünf Tage nach seinem Rekordhoch ist der Dax am Mittwoch deutlich eingebrochen. Inflationssorgen der amerikanischen Notenbank und die Pleiten am US-Hypothekenmarkt drückten die Stimmung. Eine Trendwende scheint vorerst nicht in Sicht.

Der deutsche Aktienmarkt hat am Abend seine Talfahrt weiter beschleunigt. Bis zum Handelsschluss verlor der Leitindex 1,91 Prozent oder 153,5 Punkte auf 7889 Zähler. Damit ist der Dax mehr als 250 Punkte von seinem erst am Freitag erreichten Rekordhoch von 8151 Punkten entfernt. Die Verkaufswelle traf besonders die zuletzt gut gelaufenen Werte wie den Autobauer DaimlerChrysler, Kloeckner oder den Windradhersteller Nordex. Es war vor allem eine Rede von Ben Bernanke, die den Märkten sowohl in Europa als auch in den USA deutlich zusetzte. Zwar glaubt der Notenbank-Chef, dass die US-Wirtschaft in diesem Jahr ihr moderates Wachstumstempo fortsetzen und 2008 an Fahrt gewinnen wird. Dennoch könnten viele Faktoren wie etwa die Abkühlung auf dem Immobilienmarkt dieses Szenario gefährden, sagte Bernanke. Gleichzeitig warnte er vor Inflationsgefahren: Angesichts der hohen Kapazitätsauslastung lägen noch keine überzeugenden Belege für einen anhaltenden Inflationsrückgang vor. Deshalb bleibe ein Inflationsanstieg die Hauptsorge der Fed. Bereits am Morgen hatte die Meldung der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns ihre beiden in diesem Bereich aktiven Hedge Fonds seien praktisch pleite für neue Ängste gesorgt. Verwirrung stiftete auch Konjunkturdaten aus den USA. Danach sind die amerikanischen Verbraucherpreise im Juni deutlich stärker gestiegen als erwartet. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Zahl der Baugenehmigungen - ein Barometer für den zukünftigen US-Häuserbau - im Juni um 7,5 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Tief gesunken sind.

Inflation bleibt größte Sorge

Die enttäuschenden Zahlen von Intel und die wieder aufgeflammte Sorge vor den Auswirkungen der Krise auf dem amerikanischen Markt drückten die US-Börsen ins Minus.

Auch der weiter hohe Ölpreis und die ungebrochene Stärke des Euro seien Belastungsfaktoren, verlautete aus den Handelsräumen. Der Kurs des Euro hat sich nach einer vorübergehenden Schwächephase knapp über 1,38 Dollar gehalten. Die Ölpreise zogen nach der Veröffentlichung der US-Rohöllagerbestände deutlich an. Der Preis für ein Barrel (je 159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im September kletterte zum Handelsschluss am Vortag um 1,01 US-Dollar auf 76,54 Dollar. Ein Barrel der US-Sorte WTI zur Auslieferung im August wurde mit 74,96 Dollar gehandelt. Das waren 94 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag.

Postbank verkauft BHW Leben
Die Postbank verkauft ihr Versicherungsgeschäft an Talanx und rechnet mit einem kräftigen Sonderertrag. Vor Steuern würden die Beteiligungsverkäufe das Ergebnis um mehr als 100 Millionen Euro erhöhen, teilte die Tochter der Deutschen Post mit. Talanx kaufe zum einen den 2005 im Zuge der BHW-Übernahme miterworbenen Lebensversicherer BHW Leben. Zum anderen übernehme der hannoversche Versicherungskonzern die jeweils 50-prozentigen Anteile der Postbank an den bislang gemeinsam geführten Unternehmen PB Leben und PB Versicherung. Der komplette Verkaufspreis betrage 550 Millionen Euro. Die Postbank und Talanx wollen aber weiter im Vertrieb zusammenarbeiten. Trotzdem gehörte die Postbank mit einem Minus von 2,58 Prozent zu einem größten Verlierer im Dax..

Daimler erneut unter Druck
Auch Autotitel gehörten zu den großen Verlieren. Schuld ist die erneute Rekordjagd des Euro zum Dollar, der Exportwerte tendenziell belastet. BMW verlieren gut zwei Prozent. Die Titel von DaimlerChrysler gehörten mit einem Minus von über drei Prozent zu den größten Verlierern, vor Tui und der Postbank. Händler verwiesen auf erneute Gerüchte über Schwierigkeiten beim Verkauf der US-Tochter Chrysler.

Infineon trotzt Intel-Malus
Technologiewerte hatten es nach den Intel-Zahlen auch in Deutschland schwer. Halbleiterhersteller Infineon konnte sich dem Malus des US-Konzerns allerdings entziehen. Die Aktie verlor lediglich 0,28 Prozent. Unterstützend wirkte, dass Credit Suisse das Kursziel für die Aktie auf 13 von 11 Euro angehoben hat. Auch die Aktie von SAP fällt weniger stark als der Markt. Grund sind Gerüchte über herausragende Quartalszahlen, die am morgigen Donnerstag veröffentlicht werden.

TUI-Gerüchte dementiert
TUI-Papiere weiteten ihre Verluste aus und waren mit minus 2,98 Prozent die zweitgrößten Verlierer im Dax. "Am Vorabend haben Gerüchte die Aktie hochschnellen lassen - diese Spekulation ist nun dementiert und wird wieder ausgepreist", sagte ein Händler. Am Markt hatte man spekuliert, die spanische Hotelgruppe Riu könnte 30 Euro je Aktie für den Luftfahrt- und Touristikkonzern bieten. Der Konzern hält derzeit 5,1 Prozent an Tui.

Conti erhöht Offerte für Siemens VDO
Siemens-Aktien konnte sich von ihren Verlusten am Morgen teilweise erholen, nachdem bekannt wurde, dass Conitental im Bieterkampf um die Autozuliefersparte VDO sein Angebot um eine Milliarde auf elf Milliarden Euro erhöhen will. Mit der neuen Offerte liegt Conti aber immer noch hinter dem Angebot des US-Zulieferers TRW, hieß es. Nächste Woche will der Aufsichtsrat dann über die Zukunft der Sparte entscheiden.

Weg frei für Premiere
Im MDax fällt das Kursplus von 3,55 Prozent bei Premiere auf. Anleger honorierten die wachstumsträchtigen Zukunftsaussichten, nachdem das Bundeskartellamt die Kooperation mit Arena genehmigte. Das heißt, Premiere darf die Übertragungsrechte des Konkurrenten für die Fußball-Bundesliga nutzen - und das für die nächsten zwei Spielzeiten. Das dürfte wieder neue Abonnenten anlocken. Die Aktien des Pay-TV-Senders waren stärkster Wert im Index.

Klöckner & Co holt sich frisches Geld.
Der Stahlhändler hat seine Wandelanleihe über bis zu 350 Millionen Euro bei institutionellen Investoren platziert. Der Wandlungspreis sei auf 80,75 Euro festgesetzt worden, 35 Prozent über dem Referenzpreis, teilte das Duisburger Unternehmen mit. KlöCo-Aktien gingen mit einem Minus von 4,87 Prozent aus dem Handel. Auf Basis des Wandlungspreises dürften der Anleihe zu Beginn bis zu 4,3 Millionen KlöCo-Aktien zugrunde liegen. Die Laufzeit der unbesicherten Anleihe beträgt fünf Jahre. Die Erlöse will KlöCo für weitere Zukäufe verwenden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

Sonstiges:
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