Deutsches Stimmungstief vertreibt Anleger

Stand: 22.06.2012, 20:02 Uhr

Die Euro-Krise erfasst zunehmend auch Deutschland. Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen hat sich verdüstert. Aus Furcht vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung haben deshalb Anleger am Freitag Aktien gemieden. Das trübt etwas die positive Wochenbilanz.

Viele Börsianer befanden sich am Freitag im Fußballfieber. In der Frankfurter Alten Börse hingen mehrere Deutschland-Fähnchen im Handelssaal. Doch auch die Vorfreude auf das Viertelfinale gegen Griechenland konnte die Stimmung nicht heben. Wegen des eingetrübten Ifo-Stimmungsbarometers sackte der Dax um 1,3 Prozent auf 6.263 Punkte ab. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax schloss bei 6.271 Zählern.

An der Wall Street ging es am Freitag aufwärts. Der Dow legte bis zum Abend 0,5 Prozent zu. Für kurzzeitige Entspannung hatte die Europäische Zentralbank (EZB) gesorgt. Händlern zufolge hat die EZB die Mindestanforderungen an Asset Backed Securities - forderungsbesicherte Wertpapiere - als Sicherheit für Kredite gesenkt.

Unterm Strich fällt die Börsenwochenbilanz positiv aus. Der Dax hat seit Montag 0,5 Prozent gewonnen. Die Hoffnung auf ein verstärktes Eingreifen der US-Notenbank Fed und der Wahlausgang in Griechenland hatten die Kurse in der ersten Wochenhälfte angeschoben.

Deutsche Wirtschaft im Stimmungstief
Die jüngsten Daten haben nun aber wieder die Konjunkturängste aufflammen lassen. Am Donnerstag sorgten US-Daten für Ernüchterung, am Freitag kam die nächste kalte Dusche aus Deutschland. Der Ifo-Index sank auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren - auf 105,3 Zähler. Volkwirte hatten mit einem etwas moderateren Rückgang gerechnet. Hoffnung macht aber die aktuelle Lage. Der Teilindex der Geschäftslage stieg auf 113,9 Punkte.

Milliarden-Wachstumsprogramm für Europa
Der Euro behauptete sich bei 1,2565 Dollar. Beim Mini-Gipfel der vier größten Euro-Länder Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien verständigten sich die Regierungschefs auf ein 130 Milliarden Euro schweres Wachstumsprogramm zur Ankurbelung der Konjunktur. Zudem plädierten die vier Länder für die Einführung der Finanztransaktionssteuer.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,99
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Kahlschlag bei der Telekom
Vor allem defensive Aktien waren im Dax gefragt. Star des Tages war ausnahmsweise mal wieder die T-Aktie. Sie legte fast zwei Prozent auf 8,47 Euro zu. Der Telekom-Konzern will bis 2015 fast jede zweite Stelle in der Konzernzentrale streichen. 1.300 der insgesamt 3.500 Jobs sollen wegfallen. Der Abbau sei Teil eines seit einem Jahr angekündigten Sparprogramms, mit dem das Unternehmen auf das schwache Wachstum bei Telefon- und Internetangeboten reagiert. Zudem stützte die UBS die T-Aktie. Die Schweizer haben die Aktie der Telekom auf ihre "Most preferred List" gesetzt.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,92
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Lufthansa im Aufwind
Zu den Dax-Gewinnern zählte ebenfalls die Lufthansa mit einem Plus von gut einem Prozent. Auftrieb brachte eine Kaufempfehlung der DZ Bank. Das Unternehmen sei auf gutem Wege, die Rentabilität zu verbessern, schrieb ein Analyst der Bank in einem Kommentar. Derweil betonte Lufthansa-Chef Christoph Franz, dass eine Abspaltung und ein Verkauf der IT-Sparte Systems und der Catering-Tochter LSG Sky Chefs derzeit kein Thema seien.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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63,74
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-1,18%

Bayers Xarelto-Dilemma
Die rote Laterne im Dax ging an BASF, gefolgt von Infineon und Bayer. Der Pharmakonzern litt erneut unter schlechten Nachrichten zum Hoffnungsträger Xarelto. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat sich Medienberichten zufolge gegen eine erweiterte Zulassung des Thrombosehemmers Xarelto in den USA ausgesprochen.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,20
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-2,13%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,63
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-1,11%

Moody's-Abstufung gut verdaut
Die Herabstufung durch Moody's haben die Aktien der Deutschen Bank relativ gut weggesteckt. Die Papiere verloren knapp ein Prozent. Die Commerzbank-Titel büßten 0,5 Prozent ein. Experten meinten, dass die Abstufung von Großbanken nicht überraschend gekommen sei.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,82
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Rückenwind für die Lkw-Branche
Drei Monate vor der wichtigen Branchenmesse IAA Nutzfahrzeuge in Hannover hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) einen Ausblick auf den Lkw-Markt gegeben. Der Absatz dürfte in diesem Jahr um fünf Prozent wachsen, prognostizierte VDA-Chef Matthias Wissmann in Frankfurt. Vor allem in den USA sei die Nachfrage besonders stark. In Westeuropa spürt die Branche dagegen Gegenwind. Bei schweren Lkw über sechs Tonnen rechnet der Verband mit einem Rückgang von zwei bis vier Prozent. Die MAN-Aktien verloren 1,3 Prozent, die Daimler-Titel 0,6 Prozent. Daimler ist größter Nutzfahrzeughersteller vor MAN.

Reebok 2013 wieder auf Erfolgsspur?
Am Rande der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine hat Adidas-Chef Herbert Hainer eine baldige Wende beim Sorgenkind Reebok in Aussicht gestellt. Er erwartet, dass die Reebok-Umsätze ab dem Jahr 2013 wieder zulegen. "Alles andere wäre eine Enttäuschung", sagte Hainer am Freitag bei einem Presse-Event in Warschau. Bis 2015 sollen die Erlöse auf drei Milliarden Euro steigen nach zuletzt knapp zwei Milliarden Euro. Vor allem Fitness- und Retro-Produkte sollen den Umsatz ankurbeln. Adidas-Aktien rutschten um 1,6 Prozent ab.

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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67,64
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Kaufempfehlung für Fraport
Im MDax zählten Aktien des Flughafenbetreibers zu den beliebtesten Werten. Sie profitieren von einer Studie des Analysehauses Equinet. Der zuständige Analyst hat die Aktie auf "Kaufen" hochgestuft, das Kursziel dabei aber unverändert bei 53 Euro belassen. Basierend auf dem heutigen Kursniveau hätte die Aktie also noch kräftig Luft nach oben.

Neue Lotto-Aktie statt Dividende
Viele Tipp24-Aktionäre haben am Freitag statt Dividende reine Lotto24-Aktie erhalten. Für die deutsche Lottotochter der Tipp24 sind 89,5 Prozent der Bezugsrechte ausgeübt worden. Die nicht platzierten verbliebenen 630.000 Aktien sollen im Rahmen einer Privatplatzierung zum Bezugspreis von 2,50 Euro veräußert werden. Die Lotto24-Aktie soll erstmals am 3. Juli in Frankfurt gehandelt werden. Die Tipp24 SE hatte sich dazu entschlossen ihr deutsches Geschäft wegen der Regulierungsrisiken in Deutschland an den Markt zu bringen.

Kauft MVV die Müllsparte von Eon?
Derweil plant ein anderes SDax-Unternehmen den größten Zukauf seiner Geschichte. Der Mannheimer Versorger MVV will angeblich für eine Summe von 800 Millionen bis eine Milliarde Euro die Abfallsparte des Versorgers Eon übernehmen. Wie Reuters aus Insiderquellen erfuhr, werde MVV am Montag voraussichtlich ein Angebot für die Eon-Tochter einreichen. Konkurrent Remondis würde leer ausgehen. Damit würde der Stadtwerke-Konzern zum größten Betreiber von Müllverbrennungsanlagen aufsteigen. Neben der Versorgung mit Strom, Gas, Wärme und Wasser setzt MVV auf thermische Abfallverwertung und betreibt unter anderem ein Müllheizkraftwerk in Mannheim. Die MVV-Aktie schloss 0,5 Prozent tiefer.

Carnival verdaut "Costa"-Unglück
Die Carnival-Reederei scheint sich allmählich von dem Unglück des havarierten Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" zu erholen, Im zweiten Quartal lockte Carnival wieder mehr Gäste an und erzielte einen Mini-Gewinn von elf Millionen Euro. Im ersten Quartal war ein Verlust von 139 Millionen Dollar angefallen. Im Januar war die "Costa" nahe der Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen und gekentert. 30 Menschen starben. Carnival dominiert mit rund 100 Kreuzfahrtschaffen den Weltmarkt neben Tui Cruise. Die Aktie büßte vier Prozent ein.

KPN-Aktie unter Druck
Einige frustrierte Aktionäre haben am Freitag ihre KPN-Anteile verkauft. Sie sehen offenbar keine Zukunftsperspektiven mehr nach dem missglückten Verkauf der deutschen Tochter E-Plus und dem jüngsten Zukauf des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim. Sein von ihm kontrollierter Mobilfunkkonzern America Movil konnte am Donnerstag seinen Anteil an KPN von 8,7 auf 21 Prozent aufstocken. Slim hatte eine Offerte von acht Euro je Aktie für bis zu 27,7 Prozent an KPN geboten.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr