Marktbericht 20:00 Uhr

Was für ein Börsentag! Deutsche Bank bläst dem Dax den Marsch

Stand: 30.09.2016, 20:00 Uhr

Kann eine Aktie den Dax bewegen? Sie kann! Die Deutsche Bank gab heute die Richtung vor. Sie drückte den Dax erst ins Minus, dann ins Plus. Eine Aktie in der Hand von Spekulanten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Neun Prozent Minus - einen schlechteren Start kann man sich für einen Dax-Wert kaum vorstellen. Was war geschehen? Hedgefonds hatten der Deutschen Bank den Rücken gekehrt. Das drückte die Aktie erstmals in der Unternehmensgeschichte unter 10 Euro. Das zog andere Bankaktien mit. Deutschlands zweitgrößte Bank, die Commerzbank, verlor zeitweise über acht Prozent - und auch im Ausland gerieten Banken-Werte unter die Räder.

Neue Bankenkrise voraus?

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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"Das Gespenst einer neuen Bankenkrise geht an den Finanzmärkten um", kommentierte Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets. Ins Panikbild passte auch die Commerzbank, die heute von zwei Jahren Durststrecke sprach und deshalb ganz rigide den Rotstift ansetzt.

Doch am Nachmittag folgte die wundersame Wiederauferstehung. Die Deutsche Bank soll auf gutem Wege der gütlichen Einigung mit der US-Justiz sein. Einem Medienbericht zufolge wird die Strafe für die umstrittenen Hypothekengeschäfte nur 5,4 Milliarden US-Dollar betragen statt zuvor befürchteter 14 Milliarden.

Die Deutsche Bank-Aktie drehte ins Plus und beschloss den Handel mit sechs Prozent Tagesgewinn; die in den USA gehandelten Papiere des Instituts legen zur Stunde sogar 14 Prozent zu. Solche Kurssprünge sind für Otto-Normal-Anleger nichts: "Die Deutsche Bank ist zum Spekulationsobjekt verkommen", sagte Bankenanalyst Dieter Hein im Interview mit boerse.ARD.de.

Nimmt der Dax nun Kurs auf 10.600?

Ganz in der Taktzahl der Deutsche Bank-Aktie bewegte sich auch der Dax runter und wieder rauf. War er heute Morgen zeitweise unter die 10.200er Marke gefallen, beendete er den Xetra-Handel mit einem Tagesgewinn von mehr als einem Prozent. 10.511 Punkte der Schlussstand, der L-Dax gewinnt noch vier Pünktchen dazu.

Auf Wochensicht bedeutete das ein Minus von 1,1 Prozent; die Bilanz für den September fällt mit einem Verlust von 0,8 Prozent ähnlich aus. Für das abgelaufene dritte Quartal ergibt sich indes mit einem Anstieg von rund achteinhalb Prozent ein freundlicheres Bild. Nach Einschätzung von Charttechnikern sollten sich Anleger auf eine kleine bis mittelgroße Verkaufswelle einrichten. Nur wenn der Dax den Bereich um 10 600 Punkte zurückerobere, könnte Entwarnung gegeben werden, hieß es in einem Kommentar von Index-Radar.

Die Wall Street eröffnete nach dem ganzen Bankenrummel freundlich. Zur Stunde notiert der amerikanische Leitindex Dow Jones rund ein Prozent im Plus.

Schwacher Konsum

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 17.00 Uhr

Aus fundamentaler Perspektive belasteten heute schwache Konjunkturdaten. Im deutschen Einzelhandel sind die Umsätze im August im Vergleich zum Vormonat stärker als erwartet gesunken. In den USA sind die Konsumausgaben nicht vom Fleck gekommen. Die Ausgaben stagnierten zum Vormonat, während Volkswirte mit einem Zuwachs gerechnet hatten.

Auf der Habenseite können Anleger indes verbuchen, dass sich der Dollar weiterhin klar über der Marke von 100 Yen hält. Etwas Unterstützung für die deutschen Standardwerte kam zeitweise vom Euro. Er fiel auf ein Tagestief von 1,1153 Dollar, was Händler vor allem mit der schlechten Stimmung an den europäischen Börsen erklärten. Mit der besseren Börsenstimmung kletterte der Euro auch wieder, der Kurs erreichte am frühen Abend zeitweise 1,1250 Dollar.

US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Sichere Häfen gesucht

Der Goldpreis stieg zeitweise auf 1.328 Dollar je Feinunze. Das gelbe Edelmetall profitierte von der gestiegenen Unsicherheit im Zuge der Deutsche-Bank-Krise. Auch der Schweizer Franken war als Zufluchtsort gesucht. Doch mit der Erleichterung im Bankenbereich verlor Gold wieder an Anzeihungskraft.

Infineon ist gefragt

Im Dax war Infineon gefragt. Der Halbleiterkonzern folgte mit einem Kursplus von mehr als 4 Prozent der Deutschen Bank an der Dax-Spitze. Börsianer verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge der europäische Konkurrent NXP Semiconductors durch den US-Rivalen Qualcomm geschluckt werden könnte. "Die Branchenkonsolidierung scheint Fahrt aufzunehmen", sagte ein Händler.

Krallen sich die Chinesen jetzt Osram?

Auch die Titel von Osram standen im Blickpunkt. Das traditionelle Lampengeschäft hat das Unternehmen bereits an chinesische Investoren verkauft - nun wollen chinesische Firmen einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge auch den Licht-Konzern selbst übernehmen. "Wir befinden uns fortlaufend mit bestehenden und potenziellen Investoren im Gespräch, kommentieren aber keine einzelnen Gespräche", teilte ein Osram-Sprecher am Donnerstagabend mit.

Airbus: Es geht doch einfacher, oder?

Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus Group denkt nach Informationen von Insidern über eine Fusion mit seiner Flugzeugsparte Airbus SAS nach. Mit dem Schritt könne das Unternehmen seine Struktur vereinfachen, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag. Ein Airbus-Group-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Deutsche-Bahn-Manager wird Vossloh-Chef

Der Bahntechnikhersteller Vossloh hat von der Deutschen Bahn einen Topmanager abgeworben. Zum 1. April 2017 wird der Vertriebs- und Marketingvorstand der Bahntochter DB Cargo, Andreas Busemann, die Geschäfte des sauerländischen Unternehmens mit 1,2 Milliarden Euro Umsatz führen. Der Aufsichtsrat bestellte ihn zum Nachfolger von Hans Schabert.

Va-Q-Tec: Anleger überzeugt!

Der Würzburger Isolier-Spezialist Va-Q-Tec hat die Anleger mit seinen Börsendebütplänen überzeugt. Die Aktie eröffnet an ihrem ersten Handelstag bei 14,00 Euro. Der Emissionspreis lag bei 12,30 Euro je Aktie. Die Preisspanne hatte zwischen 11,20 und 13,40 Euro gelegen. Das Emissionsvolumen inklusive Mehrzuteilung beläuft sich auf 82,9 Millionen Euro.

Fintech: Starke, ach nein üble Zahlen

"FinTech Group AG legt starke Zahlen zum ersten Halbjahr 2016 vor." Was sich in der Pressemitteilung so ansprechend liest, hält einem näheren Hinsehen nicht stand. Das Ebitda lag im ersten Halbjahr 2016 mit 13,8 Millionen Euro um 9,1 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Überschuss brach sogar um 74,5 Prozent ein auf magere 2,6 Millionen Euro. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit fiel von plus 283 auf minus 151 Millionen Euro.

Sommerliche Temperaturen bremsen H&M

Ein überraschend starker Gewinnrückgang setzt dem schwedischen Bekleidungshersteller H&M zu. Das Vorsteuerergebnis ging im abgelaufenen Quartal unter anderem wegen negativer Wechselkurseffekte um zehn Prozent auf 6,3 Milliarden Kronen (655 Millionen Euro) zurück. Hohe Temperaturen dämpften die Lust der Kunden auf herbstliche Ware.

Qualcomm will NXP kaufen

Der Chip-Spezialist Qualcomm verhandelt laut einem Zeitungsbericht über einen Kauf seines europäischen Rivalen NXP. Die Übernahme könne mehr als 30 Milliarden US-Dollar (26,7 Milliarden Euro) schwer werden, so das "Wall Street Journal". Ein Deal könne innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate ausgehandelt werden - oder auch scheitern, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Telefonica: Doch nichts mit Telxius-IPO

Der spanische Telekomkonzern Telefonica hat den geplanten Börsengang seiner Netzwerksparte Telxius vorerst gestoppt. Das Unternehmen werde "strategische Alternativen" analysieren, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens vom Donnerstag. Die Nachfrage der Investoren sei nicht hoch genug gewesen.

Tesla: Autopilot trägt keine Schuld

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der Autobahnunfall mit einem selbstfahrenden Tesla in Norddeutschland hat dem US-Elektroautobauer zufolge nichts mit der Computersteuerung zu tun. Es habe keinen Fehler bei dem eingeschalteten "Autopilot"-Fahrassistenten gegeben, so eine Firmensprecherin. Schuld habe vielmehr der beteiligte Reisebus, der Unfall sei unausweichlich gewesen.

bs

Der Dax hat in diesem Jahr gut 2 Prozent verloren. Aber bei den einzelnen Aktien war weit mehr los. Ein Blick auf die Tops und Flops im Dax.

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Dax: Tops und Flops in den ersten neun Monaten Performance

Adidas (Ein-Jahres-Chart): Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Adidas (Ein-Jahres-Chart)

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"