Der Staat wird's schon richten...

Detlev Landmesser

Stand: 28.01.2009, 20:28 Uhr

Diese Hoffnung stand hinter der kräftigen Kurserholung am Mittwoch. Die Investoren hofften nicht nur auf einen Befreiungsschlag für die kranken Banken, sondern auch auf neue geldpolitische Wundertaten.

Wie erwartet, beließ die amerikanische Notenbank am Abend ihre Leitzinsspanne zwischen Null und 0,25 Prozent. Und wie erhofft, erklärte die Fed ihre Bereitschaft, gegebenenfalls langlaufende US-Staatsanleihen aufzukaufen, um die Märkte über sinkende Zinsen zu stützen. Die Wall Street weitete daraufhin kurzfristig ihre Gewinne aus, während der Euro gegenüber dem Dollar einen Schwächeanfall erlitt und unter 1,32 Dollar rutschte.

Der L-Dax hatte kurz zuvor bei 4.531,79 Punkten geschlossen, 4,55 Prozent über dem Dienstagsschluss.

Märkte hoffen auf "Bad Bank"

Der Dax wurde von den Finanztiteln Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank angeführt. Spektakulär war der Kurssprung der Deutschen Bank, die bis zu 27,5 Prozent an Wert gewann. Der deutsche Bankenprimus gewann damit über 2,2 Milliarden Euro an Marktkapitalisierung hinzu.

Auslöser der Rally waren Berichte aus den USA, nach denen die Regierung Obama die Gründung einer so genannten "Bad Bank" ins Auge gefasst hat. In dieser sollen Banken fragwürdige Wertpapiere abladen können. Diese Papiere sind mit Forderungen besichert, deren Rückzahlung so ungewiss ist, dass sie am Markt praktisch wertlos sind. Diese Bestände haben in den vergangenen Monaten zu den milliardenschweren Abschreibungen geführt, deren Ende noch nicht abzusehen ist. Eine Entscheidung könne bereits nächste Woche fallen, hieß es im Fernsehsender "CNBC". Die deutsche Bundesregierung lehnt die Einrichtung einer "Bad Bank" weiterhin ab.

Warme Worte kamen zudem aus dem kalten Davos: China sei zu aktiver Mithilfe zur Überwindung der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise bereit, erklärte Chinas Regierungschef Wen Jiabao auf dem bis Sonntag dauernden Weltwirtschaftsforum.

Die amerikanische Börse profitierte auch vom Quartalsausweis der Großbank Wells Fargo, deren Verlust geringer ausfiel als befürchtet. Der Flugzeugbauer Boeing meldete dagegen wegen eines knapp zweimonatigen Streiks der Mechaniker einen unerwarteten Quartalsverlust. Der Telekomkonzern AT&T konnte sich dagegen in der Gewinnzone halten.

Verbraucher spüren sinkende Inflation
Der deutsche GfK-Konsumklimaindex fiel zumindest nicht negativ auf. Trotz der düsteren Wirtschaftslage blieb der Februar-Wert mit 2,2 Punkten unverändert. "Der wesentliche Grund für die spürbare Besserung der Konsumneigung liegt im nachlassenden Preisdruck der vergangenen Monate", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Tatsächlich sank die Inflationsrate im Januar unter die Marke von einem Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Jahresinflationsrate sei von 1,1 Prozent im Vormonat auf 0,9 Prozent gesunken.

SAP will sparen
Mit SAP nimmt nun auch in Deutschland die Berichtssaison Fahrt auf. Der deutsche Softwareprimus hat im vergangenen Jahr sein Betriebsergebnis um vier Prozent auf 2,84 Milliarden Euro verbessert. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit 2,69 Milliarden Euro gerechnet. Der Umsatz wuchs wie erwartet um 14 Prozent auf 8,46 Milliarden Euro. Um die Kosten ab dem Jahr 2010 um 300 bis 350 Millionen Euro zu senken, will das Unternehmen 3.300 Stellen abbauen. Eine konkrete Prognose wollte SAP nicht abgeben. Bei der operativen Marge rechnet SAP 2009 mit einem Rückgang auf 24,5 bis 25,5 Prozent von 28,4 Prozent im Jahr 2008. Die SAP-Aktie gewann 5,3 Prozent.

Warnstreik bei der Lufthansa
Die Lufthansa-Aktie zeigte sich von dem Warnstreik des Kabinenpersonals relativ unberührt. Dieser führte am Mittwoch zu 80 Flugausfällen. Einige tausend Passagiere seien auf andere Maschinen oder auf die Bahn umgebucht worden, teilte die Lufthansa mit. Bei Langstrecken-Flügen gab es Verspätungen von bis zu einer Stunde.

VW-Aktie nur vorübergehend schwach
Die VW-Aktie fuhr Achterbahn und schloss im Plus. Der Streit zwischen den Betriebsräten von Porsche und Volkswagen über die Mitbestimmung ist beigelegt. Details soll es in den kommenden Wochen geben. Vom operativen Geschäft mehren sich allerdings die trüben Nachrichten. "Der Januar ist grottenschlecht", sagte der Chef der Volkswagen-Tochter Audi, Rupert Stadler, am Mittwoch. Eine Prognose für die Marktentwicklung 2009 wage er nicht.

Wacker im Krisensog
Der Chemiekonzern Wacker hat im vierten Quartal einen Einbruch beim operativen Ergebnis um 41,5 Prozent auf 120 Millionen Euro hinnehmen müssen. Die Nachfrage nach Produkten für die Bauwirtschaft und die Automobilindustrie sei wegen der Wirtschaftskrise zurückgegangen, teilte Wacker zur Begründung mit. Wegen der schwachen Entwicklung führt das MDax-Mitglied an vielen Standorten Kurzarbeit ein.

Eton Park mag Praktiker
Eine Stimmrechtsmitteilung beflügelte die Aktie von Praktiker. Die US-Investmentgesellschaft Eton Park hält mehr als acht Prozent an der Baumarktkette. Eton Park habe mitgeteilt, am 21. Januar die Schwellen von drei und fünf Prozent überschritten und 8,39 Prozent der Anteile gehalten zu haben, teilte Praktiker am Mittwoch mit. Der Finanzinvestor hatte bereits früher einen größeren Anteil an Praktiker gehalten, der zwischenzeitlich unter die Meldeschwelle gefallen war.

HRE bald verstaatlicht?
Bei der Hypo Real Estate scheinen sich die Aktionäre schon auf eine staatliche Entschädigung bei Enteignung ihrer Anteile einzustellen. Der Bund werde voraussichtlich am Freitag den Weg für die Verstaatlichung der schwer angeschlagenen Bank freimachen, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Finanz- und Koalitionskreise. Wahrscheinlich sei ein Anteil von mehr als 75 Prozent, auch eine Komplettübernahme sei im Gespräch. Ziel sei eine Gestaltungsmehrheit, die eine grundlegende Sanierung des Instituts ermögliche. Damit würde erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte eine börsennotierte Geschäftsbank verstaatlicht.

Centrotec erreicht Jahresziele
Im SDax gewann die Centrotec-Aktie 2,1 Prozent. Der Heizungs- und Lüftungsspezialist hat im abgelaufenen Jahr seinen Umsatz nach vorläufigen Berechnungen um 17 Prozent auf 476 Millionen Euro nach oben geschraubt. Das operative Ergebnis (Ebit) lag wie prognostiziert zwischen 32 und 34 Millionen Euro. Der geplante Gewinn je Aktie von 1,10 Euro sei voraussichtlich erreicht worden, hieß es. Im laufenden Jahr rechnet Centrotec mit einem Umsatz zwischen 455 und 480 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis zwischen 27 und 32 Millionen Euro.

EM.Sport blickt nach vorn
Um fünf Prozent rückte EM.Sport Media vor. Das Medienunternehmen will ab dem laufenden Jahr wieder dauerhaft in die Gewinnzone zurückkehren. Das sagte Vorstandschef Bernhard Burgener am Mittwoch auf der Hauptversammlung des SDax-Unternehmens in München. Es sei geplant, in allen Geschäftsbereichen stabile Ergebnisse zu liefern.

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz