Der Schwung kam am Ende

Stand: 16.02.2007, 20:01 Uhr

Die Vorstellung, Chrysler werde an General Motors verkauft, brachte den Dax noch mal auf Trab. Der L-Dax legte auf 6.977 Punkte zu. Die 7.000 rückt damit in greifbare Nähe. Was sind schon 23 Pünktchen?

Dabei ist im Fall Chrysler noch überhaupt nichts entschieden. In Presseberichten hieß es sehr vage, der Autobauer DaimlerChrysler verhandele mit dem US-Konzern General Motors über einen Verkauf seiner verlustreichen US-Tochter Chrysler. Bei den Gesprächen gehe es um einen vollständigen Verkauf von Chrysler an den US-Konzern, berichtete das US-Fachblatt «Automotive News» am Freitag unter Berufung auf Quellen in Deutschland und den Vereinigten Staaten. Die Gespräche werden den Angaben zufolge von hochrangigen Vertretern beider Unternehmen geführt.

Ein Sprecher von DaimlerChrysler in Stuttgart wollte den Bericht nicht kommentieren. Er wies auf die Aussage von Konzernchef Dieter Zetsche vom Mittwoch hin, wonach für die Zukunft von Chrysler alle Optionen auf dem Tisch seien. «Es ist alles gesagt worden, was dazu zu sagen ist», sagte der Sprecher. Zetsche hatte bei seiner Pressekonferenz ein hartes Sanierungsprogramm für Chrysler angekündigt und einen Verkauf des Unternehmens nicht grundsätzlich
ausgeschlossen. Egal: DaimlerChrysler-Aktien bäumten sich im Frankfurter Abendhandel auf.

Zu den Favoriten im Dax zählten Infineon. Einen Tag nach der Hauptversammlung hatten Analysten von Dresdner Kleinwort ihr Kursziel für den Titel des Halbleiterherstellers um 50 Cent auf zehn Euro.

Der Dax hatte den Xetra-Handel mit 6.957 Punkten nahezu unverändert beendet. Die Wochenbilanz weist damit ein mageres Plus von 0,4 Prozent aus. Am Nachmittag waren neue Konjunktur- und Preisdaten aus den USA herübergeschwappt. Ihr Tenor war eher trübe. Dennoch bröckelte der Dow Jones-Index bis zum Abend gerade einmal um 0,1 Prozent ab. In einigen US-Papieren ging es dabei recht munter zu.

Goodyear mit tiefen Bremsspuren

Beispielsweise beim Reifenhersteller Goodyear. Er hat im vierten Quartal seinen Nettoverlust aufgrund streikbedingter und anderer Sonderkosten deutlich ausgeweitet. Unterm Strich habe sich der Fehlbetrag von 51 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 358 Millionen Dollar erhöht, teilte das Unternehmen am Freitag in Arkon mit. Dies entspricht einem Verlust von 2,02 Dollar je Aktie. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Verlust gerechnet. Der Umsatz legte um ein Prozent auf 4,98 Milliarden Dollar zu. Goodyear-Aktien gaben daher deutlich nach.

Auch Microsoft macht nachdenklich
Ähnlich erging es der Aktie des Software-Konzerns Microsoft. Unternehmenschef Steve Ballmer hatte vor überzogenen Umsatzerwartungen beim neuen Betriebssystem Vista gewarnt. "Einige der Umsatz-Modelle und Vorhersagen, die ich für Windows Vista gesehen habe, sind übermäßig aggressiv", sagte der CEO der US-Softwareschmiede vor Analysten mit Blick auf deren Schätzungen. Der PC-Absatz werde dank Vista im Geschäftsjahr 2008 (ab Anfang Juli) zwar einen Schub bekommen, die normalen Wachstumsraten sollten aber nicht drastisch übertroffen werden. Microsoft hatte Ende Januar zum weltweiten Verkaufsstart des größten Konzern-Hoffnungsträgers erklärt, die Verbraucher würden schneller auf Vista umsteigen als bei früheren Aktualisierungen des Windows-Betriebssystems. Dies hatte Spekulationen auf kräftige Umsatzsteigerungen geschürt.

American-Airlines heben ab
Das US-Magazin "Business Week" schrieb, ein Konsortium unter Führung der US-Investmentbank Goldman Sachs sowie der britischen Fluglinie British Airways könnte ein Angebot für das Unternehmen vorlegen. Als Kaufpreis seien zwischen 46 und 52 Dollar im Gespräch, hieß es unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen.

Salzgitter ohne Übernahme-Bonus
Dass Deutschlands zweitgrößer Stahlhersteller, Salzgitter, seinen kanadischen Konkurrenten Algoma übernehmen will, lockte Anleger nicht aus der Reserve. Die im MDax gelisteten Salzgitter-Aktien gaben fast drei Prozent ab. Am Donnerstag hatte Salzgitter erklärt, die Übernahmegespräche seien in einem frühen Stadium. Es gebe noch keinerlei Vereinbarung über einen Kaufpreis.

Noch vager als bei Salzgitter sind die Vorstellungen des israelischen Generikaherstellers Teva Pharmaceutical. Er will möglicherweise die Generika-Sparte des deutschen Pharmakonzerns Merck KGaA übernehmen und seinen Marktanteil in Deutschland ausbauen. Bis zum Jahr 2012 solle der Marktanteil am deutschen Generika-Sektor auf 15 bis 20 Prozent steigen, sagte Teva-Manager Martin Vortkamp. Der von Experten geschätzte Preis von vier bis fünf Milliarden Euro sei zu hoch angesetzt. Merck-Aktien hielten sich mit einem halben Prozent in der Verlustzone. Demgegenüber legten MLP deutlich zu.

Techem sucht Großaktionär
Auf die Suche nach einem neuen Großinvestor macht sich derweil der Energiedienstleister Techem. Nachdem die Übernahme durch die australische Macquarie Bank gescheitert ist, brauche man einen "stabilen Großaktionär", so der Vorstandschef Horst Enzelmüller gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Er habe bereits Kontakt zu einem "Anleger mit Milliarden-Vermögen", so der Techem-Chef. Die MDax-Aktie hält sich auf Vortagshöhe.

Biotech-Aktien machen Furore
Im TecDax machten die beiden Biotech-Titel Evotec und GPC Biotech von sich reden. GPC Biotech hat nach eigenen Angaben einen Zulassungsantrag für den Hoffnungsträger Satraplatin bei der US-Gesundheitsbehörde FDA eingereicht. Evotec schnellten über sieben Prozent hoch. Ihnen kam ein postiver Analystenkommentar der Credit Suisse zugute. Deren Finanzanalysten hatten die Qiagen-Aktien von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft. Zur Begründung verwiesen sie in einer am Freitag veröffentlichten Studie auf das starke Jahresergebnis für 2006 und die guten Wachstumsaussichten für 2007.

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