Der schwere Weg zum Jahreshoch

Stand: 02.12.2009, 20:05 Uhr

Die deutschen Anleger tun sich schwer auf dem Weg zum Jahreshoch. Während Dow Jones & Co. schon längst diese Schallmauer geknackt haben, bleibt der Dax hartnäckig. Auch am Mittwoch scheiterte der Leitindex an der 5.800-Punktemarke.

Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich am Mittwoch von seiner vorsichtigen Seite. Gemischte Konjunktursignale aus Amerika nahmen die Investoren zum Anlass, am Nachmittag ein paar Gewinne mitzunehmen. Der Dax schloss, nachdem er am frühen Nachmittag über die 5.800-Punktemarke gestiegen war, nur 0,1 Prozent fester bei 5.782 Zählern.

Die monatliche Statistik der privaten Arbeitsagentur ADP war, mit einem Verlust von 169.000 Arbeitsplätzen im November, zwar etwas schlechter als erwartet, bot dennoch kaum Anlass zur Sorge. Denn im Gegensatz zum Oktober hat sich der Arbeitsplatzabbau in Amerika spürbar verlangsamt.

Die Wall Street blieb bis zum Ende des Parketthandels in Frankfurt dennoch in Deckung, weswegen der Dax im späten Handel noch 12 Punkte abgab. Auch mit der Veröffentlichung des Beige Books, dem Bericht der amerikanischen Notenbank zum Zustand der Konjunktur, kam kaum Bewegung in den Markt.

Laut Beige Book hat sich das wirtschaftliche Umfeld seit Oktober "moderat" verbessert, zumindest in acht von zwölf der Fed-Bezirke. Probleme gebe es, so die Fed, weiterhin mit dem Arbeitsmarkt. Allerdings zeigten sich auch hier "Anzeichen für Stabilisierung", vereinzelt sei schon eine Erholung sichtbar.

Öl und Gold
Der Ölpreis geriet sichtbar unter Druck, nachdem bekannt wurde, dass die Öllagerbestände in den USA in der laufenden Woche um 3,2 Prozent gestiegen waren. Auch der Goldpreis war an diesem Mittwoch einen Blick wert. Das Edelmetall verteuerte sich auf über 1.200 Dollar und erreichte bei 1.216 Dollar je Unze einen neuen Höchstand.

Wie lange gibt's noch billige Kredite?
Bankaktien gerieten am Mittwoch durch eine Melange unangenehmer Gerüchte unter Druck. Das "Wall Street Journal" schrieb, dass die EZB intensiv daran arbeite, einen langsamen Liquiditätsentzug einzuleiten und die Zeit der billigen Kredite Schritt für Schritt zu beenden. Das ist für die Banken, die in erheblichem Maße von der Niedrigstzinspolitk profitieren, natürlich eine schlechte Nachricht. Auch die hohe Verschuldung Griechenlands muste für die Schwäche der Bankaktien herhalten.

Siemens will Hörgerätesparte verkaufen
Der Industriekonzern Siemens will seine Hörgerätesparte schnell verkaufen. Man habe die UBS mit der Veräußerung beauftragt, teilte der Dax-Konzern mit. Als Interessenten sind die Finanzinvestoren KKR, BC Partners und CVC im Gespräch, sie können sich laut Insidern bereits vor Weihnachten mit den Verkaufsunterlagen vertraut machen. Als Kaufpreis werden zwei bis drei Milliarden Euro gehandelt.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,89
Differenz relativ
-1,03%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
50,80
Differenz relativ
-2,85%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,16
Differenz relativ
-1,43%

Autoaktien unter Druck
BMW-Papiere schlossen wegen deutlich gesunkener Absatzzahlen in den USA 1,5 Prozent schwächer. Volkswagen-Stammaktien verbilligten sich ebenfalls kräftig um 2,4 Prozent. VW hatte in den USA zwar gut zugelegt, die Stammaktien sind jedoch seit Wochen unter Druck, die Vorzüge gewannen am Mittwoch. Und Daimler-Papiere, die nur minimal im Plus schlossen, konnten ebenfalls nicht von guten amerikanischen Verkaufszahlen profitieren. Offensichtlich sind Anleger etwas beunruhigt, dass tausende Arbeiter in Sindelfingen ihre Arbeit niedergelegt haben aus Protest gegen die Produktionsverlagerung der C-Klasse.

Gegenbewegung bei MAN
Nach sehr starken Kursverlusten in den vergangenen Tagen konnte sich die MAN-Aktie wieder nach oben arbeiten. In den letzten Tagen hatten Gerüchte um ein Zwangsgebot für Scania sowie der Rücktritt fast der gesamten Führungsmannschaft belastet, am Mittwoch stuften die Analysten von Equinet die MAN-Aktie auf "Kaufen"; sie beließen das Kursziel trotz der herben Verluste der vergangenen Tage bei 67 Euro.

Auftrag für T-Systems
Ebenfalls unter den Gewinnern befindet sich die T-Aktie. Der Konzern profitierte von einem Auftrag für seine Dienstleistungstochter T-Systems. T-System sei ab sofort für die gesamte Telekommunikation des Ölkonzerns BP verantwortlich, teilte die Telekom mit. Das Volumen des zunächst auf fünf Jahre beschränkten Vertrages wird auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzt.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
63,74
Differenz relativ
-1,18%

Pharma kommt glimpflich davon
Auch Pharmawerte schlossen fester, Bayer-Aktien waren sogar ganz oben im Dax zu finden. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller hat ein gutes Stimmungsbild der Branche gemalt. "Es ist immer noch eine positive Grundstimmung in der Industrie da", sagte VFA-Chef Wolfgang Plischke. Eine Mehrheit der VFA-Mitgliedsfirmen rechnen demnach mit zumindest stagnierenden Umsätzen im Krisenjahr 2009. Sinkende Erlöse erwartet nur knapp ein Fünftel der Firmen. Eine Studie der UBS, die den europäischen Pharmasektor von "Neutral" auf "Overweight" hochstufte, trug zur Kauflaune ebenfalls bei.

Der Maschinenbau leidet weiter - aber weniger
Auch der VDMA, Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, hat halbwegs versöhnliche Nachrichten mitgebracht. Zwar sei der Auftragseingang in der Branche weiterhin rückläufig - im Oktober wurden im Jahresvergleich 29 Prozent weniger Orders gemeldet - doch habe sich die Talfahrt verlangsamt. Der VDMA blieb vorsichtig: Die neuesten Auftragseingänge könnten nur mit Mut als erste Anzeichen einer Besserung interpretiert werden, sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Aktien von Maschinenbaufirmen wie Gildemeister aus dem MDax legten dennoch kräftig zu.

Sky-CEO geht
Beim Bezahlsender Sky Deutschland (ehemals Premiere) steht ein Vorstandswechsel an. Der amtierende CEO Mark Williams werde am 31. März 2010 aus persönlichen Gründen Sky verlassen, teilte Sky am Abend mit. Nachfolger wird Brian Sullivan von BSkyB, der bereits am 1. Januar zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden aufrücken soll.

Minus trotz Krediteinigung
Der Holzverarbeiter Pfleiderer hat nach eigenen Angaben seine künftige Finanzierung gesichert. Mit den Banken habe man sich auf die Restrukturierung der laufenden Kredite geeinigt, teilte die MDax-Firma mit. Nähere Details will das mit 820 Millionen Euro verschuldete Unternehmen in den kommenden Tagen veröffentlichen. Die Aktie schloss dennoch schwächer, Händler verwiesen auf die möglicher gestiegenen Finanzierungskosten.

Nokia ist optimistischer als die meisten
Nokia sieht für den weltweiten Handymarkt durchaus noch Potenzial. Für 2010 erwartet der finnische Marktführer eine Zunahme des weltweiten Absatzes um zehn Prozent. Damit ist Nokia optimistischer als die meisten Branchenanalysten. Seinen Rang als Weltmarktführer will Nokia verteidigen.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr