Der Optimismus kehrt zurück

Stand: 29.10.2009, 20:05 Uhr

Die erneut aufgeflammten Krisenängste der letzten Tage sind wie weggeblasen. Die Anleger greifen wieder beherzt zu. Doch dafür haben weniger die durchwachsenen Quartalsberichte der Unternehmen gesorgt, als vielmehr das überraschend kräftige Wirtschaftswachstum in den USA.

Robuste Konsumausgaben und wieder erstarkte Investitionen trugen dazu bei, dass die amerikanische Wirtschaft zwischen Juli und September aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent stieg und damit Erwartungen der Volkswirte leicht übertraf. Anleger, die noch am Morgen so manche Aktien nach den teilweise enttäuschenden Quartalszahlen auf Talfahrt geschickt hatten, ließen sich von der Euphorie über die US-Konjunkturdaten anstecken und sorgten für steigende Kurse.

"Nach vier negativen Quartalen in Folge könnte dieses Wachstum nun ein Beleg dafür sein, dass die amerikanischen Konjunkturprogramme ihre ersten Früchte tragen", sagte Tobias Reichert von IG Markets.

Kein Wunder also, dass der Dow Jones- Index am Abend seine Gewinne weiter ausbaut und zum Börsenschluss in Deutschland fast zwei Prozent höher steht als gestern. Selbst die Marke von 10.000 Punkten kommt wieder ins Visier. Auch der Dax dreht im Abendhandel kräftig auf und notiert 2,71 Prozent im Plus bei 5.618.

In Frankfurt standen heute allein fünf Dax-Konzerne im Blick.

Henkel macht Freude
Die besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des Waschmittel- und Klebstoffherstellers Henkel sind von den Anlegern mit kräftigen Kursgewinnen aufgenommen worden. Die Ertragskraft des Düsseldorfer Konzerns ist zwar noch nicht ganz auf Vorjahreshöhe, doch die Talsohle hat das Unternehmen durchschritten, urteilen die Händler. Das gilt vor allem für die Klebstoffsparte um Pritt und Pattex, die unter der Wirtschaftskrise am heftigsten gelitten hat.

VW verspricht Besserung
Nach anfänglicher Zurückhaltung haben Anleger auch bei der VW-Aktie zugegriffen. Die Wolfsburger mussten zwar im dritten Quartal einen Einbruch des operativen Ergebnisses verbuchen, gehen aber für 2009 trotzdem davon aus, im Vergleich zum Gesamtmarkt besser abzuschneiden und in der Krise Marktanteile zu gewinnen. Der Umsatz werde wegen des schwächeren Absatzes unter dem des Vorjahres liegen.

Auch Renault leidet unter Krise. Im dritten Quartal verzeichnete der Konzern einen zweistelligen Umsatzrückgang. Allerdings habe sich das Minus weiter verringert und der positive Trend im operativen Geschäft aus dem Vorquartal bestätigt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,26
Differenz relativ
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S&P mag Deutsche Bank
Die angesehene Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen das Rating der Deutschen Bank bestätigt. Das Geldhaus fühlt sich auch nach der milliardenschweren Übernahme von Sal. Oppenheim ausreichend kapitalisiert. Eine Anhebung der Eigenmittel wie sie andere europäische Banken angekündigt haben, sei derzeit nicht geplant, verkündet der Branchenprimus. Auch gibt es keinen Anlass zu glauben, dass die kräftig sprudelnden Gewinne im Investmentbanking (hier hat die Bank im dritten Quartal 988 Millionen Euro verdient) demnächst versiegen werden. Auch S&P hat das Rating der Bank bestätigt.

BASF erwartet leichte Erholung
Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat im dritten Quartal die Analystenerwartungen verfehlt. Trotzdem hofft das Unternehmen, das Schlimmste hinter sich zu haben. Die Erholung werde aber langsam und unstetig verlaufen, so Konzernchef Jürgen Hambrecht. Für das vierte Quartal rechnet BASF mit einem Ergebnis unter dem Niveau des dritten Quartals.

MAN gefällt den Anlegern trotzdem
MAN gehören zwar zu den größten Gewinnern im Dax, weil der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern im dritten Vierteljahr besser als erwartet abgeschnitten hat. Dennoch bleibt das Unternehmen für das Nutzfahrzeuggeschäft weiterhin skeptisch. Der Konzern rechnet zunächst mit einer Verbesserung.

AstraZeneca erhöht Gewinnziel
Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca wird zum zweiten Mal in Folge seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr nach oben schrauben. Im dritten Quartal hatte das Unternehmen sowohl Umsatz als auch Ergebnis überraschend deutlich gesteigert. Für 2009 erwartet AstraZeneca nun - nicht zuletzt wegen besserer Verkäufe des Impfstoffes gegen die Schweinegrippe - einen Gewinn je Aktie von 6,20 bis 6,40 Dollar, nach 5,10 Dollar 2008.

Conti sieht Besserung
Der Autozulieferer Continental wird wieder zuversichtlicher. Die Zahlen für Oktober und November sähen gut aus, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart. Bereits im dritten Quartal hat der Konzern sein bereinigtes operatives Ergebnis verbessert. Zudem sollen die geplante Kapitalerhöhung und die Refinanzierungsverhandlungen spätestens zum Ende des ersten Quartals 2010 abgeschlossen sein, kündigte Conti an.

Gea spürt noch die Krise
Der Maschinenbaukonzern Gea hat im dritten Quartal mit 962 Millionen Euro weniger neue Aufträge hereingeholt als erwartet. Analysten hatten gut eine Milliarde Euro prognostiziert. Der Umsatz ging um knapp 20 Prozent auf 1,06 Milliarden Euro zurück. Nach anfänglichen Verlusten legt die Aktie des MDax-Konzerns trotzdem zu.

Krones bleibt rot
Kein positives Echo findet dagegen der Krones-Quartalsbericht. Der weltgrößte Hersteller von Getränkeabfüllanlagen hat im dritten Quartal mit 9,4 Millionen Euro erneut rote Zahlen geschrieben. Für das vierte Quartal erwartet der Vorstand ein "in etwa ausgeglichenes Ergebnis". Die Branche habe sich in den vergangenen Monaten wieder leicht belebt, hieß es. Allerdings hält der Preisdruck an.

Ölriesen mit Gewinneinbruch
Wegen des Preisverfalls beim Öl in den Sommermonaten ist der Nettogewinn des weltgrößten Ölkonzerns Exxon auf 4,73 Milliarden Dollar von 13,23 Milliarden Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum eingebrochen. Das Ergebnis je Aktie belief sich auf 98 Cent nach zuvor 2,71 Dollar. Damit verfehlte der Ölriese die Erwartungen der Analysten, die mit 1,03 Dollar je Dividendenpapier gerechnet hatten. Der Umsatz fiel auf 82,26 Milliarden Dollar von 137,7 Milliarden Dollar.

Auch Shell, Europas größter Ölkonzern, hat im dritten Quartal einen Gewinneinbruch um 73 Prozent auf 2,99 Milliarden Dollar verbucht. Ähnlich schlecht erging es auch dem italienischen Rivalen Eni.

Procter & Gamble überzeugen
Der Konsumgüter-Hersteller Procter & Gamble hat im ersten Quartal die Erwartungen übertroffen. Für das zweite Quartal, das bis Jahresende reicht, stellte P&G einen verwässerten Gewinn zwischen 1,36 und 1,44 Dollar je Aktie in Aussicht. Analysten rechneten bislang mit dem Mittelwert dieser Spanne. Für das Gesamtjahr 2010 (Ende Juni) schraubte Procter das Wachstumsziel für den Umsatz um einen Prozentpunkt auf plus zwei bis vier Prozent herauf. In diesem Zeitraum will der Konzern 4,02 bis 4,12 Dollar je Aktie verdienen. Die Aktie legt kräftig zu.

Sprint Nextel geht es schlechter
Der US-Mobilfunker Sprint Nextel rutscht immer weiter in die roten Zahlen: Unterm Strich stand im dritten Quartal ein Verlust von 478 Millionen Dollar. Der Mobilfunker verliert immer mehr Kunden an die Konkurrenz. Im abgelaufenen Quartal kündigten rund eine halbe Million Sprint-Nutzer ihre Verträge. Insgesamt kommt Sprint so noch auf 48,3 Millionen Mobilfunk-Kunden.

Rhön-Klinikum lässt Anleger kalt
Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum rechnet in diesem Jahr mit einem Gewinn vor Minderheiten von rund 130 Millionen Euro. Bisher hatte das Unternehmen 125 bis 135 Millionen Euro angepeilt. In den ersten neun Monaten setzte Rhön seinen Wachstumskurs bei allen wichtigen Kennzahlen fort.

Aixtron sehr gefragt
Der Optimismus des Chipanlagenbauers Aixtron wird auch von den Anlegern geteilt. Nach den heftigen Kursverlusten gestern, steigt die Aktie heute kräftig an. Grund ist die abermals angehobene Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Die Auswirkungen der angekündigten Kapitalerhöhung scheinen vergessen. Aixtron hatte rund neun Millionen Aktien ausgegeben und innerhalb weniger Stunden knapp 160 Millionen Euro eingenommen. Der Vorstand will das Geld für Übernahmen und verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung nutzen.

Takkt erholt sich nicht
Der Versandhändler Takkt leidet weiter unter einer schwachen Nachfrage. Daher hat das SDax-Mitglied erneut seine Prognose zusammengestrichen. Takkt rechnet nun im Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang um ein Viertel. Analysten erwarten aber, dass die Talsohle durchschritten ist. Dennoch stürzt die Aktie heute in der Spitze um bis zu neun Prozent ab.

Bijou Brigitte enttäuscht
Der Modeschmuckkette Bijou Brigitte hat ihren Umsatz in den ersten neun Monaten nur noch aufgrund von neu eröffneten Läden um vier Prozent gesteigert. Auf vergleichbarer Fläche ergab sich dagegen ein Rückgang von vier Prozent. Außerdem stagniert der Gewinn. Die Anleger schicken die Aktie auf Talfahrt.

Villeroy & Boch mit roten Zahlen
Der Keramikhersteller Villeroy & Boch hat von Juli bis September einen Verlust von 4,3 Millionen Euro erlitten. Dazu trug auch der um zehn Prozent rückläufige Umsatz von 180 Millionen Euro bei. Auch im Weihnachtsgeschäft erwartet das Unternehmen Verluste. Die Aktie legt dennoch kräftig zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr