Der Optimismus ist zurück

Stand: 16.02.2010, 20:05 Uhr

Der Dienstag war für die Anleger zu einem Tag ohne Reue. Am Nachmittag entwickelte sich der Dax kraftvoll nach oben und schloss, beflügelt von guten Bilanzen und Konjunkturzahlen, fast 1,5 Prozent fester.

Ein paar Schreckminuten am Mittag schien es, als würde sich der Dax seiner schwachen Performance im Januar erinnern. Kurz sackte der Leitindex wegen kurzzeitig eingebrochener US-Futures ins Minus, erholte sich aber ebenso schnell wieder. Und als dann die Wall Street mit frischem Elan und Kursgewinnen in den Dienstagshandel startete, setzte der Dax zum Schlussspurt an. Der Leitindex schloss 1,5 Prozent höher bei 5.592 Punkten. Im späten Handel änderte sich daran kaum noch etwas, der L-Dax schloss noch vier Punkte fester.

Den nötigen Treibstoff für die Kursgewinne am Dienstag lieferte vor allem die britische Bank Barclays. Das Geldhaus beendete das vierte Quartal mit einem Gewinn von umgerechnet 11 Milliarden Euro und rechnet auch für 2010 mit guten Geschäften. Der Jahresstart sei zumindest sehr zufriedenstellend verlaufen. Von der guten Barclays-Bilanz profitierte im Dax die Deutsche Bank, deren Aktien um 3,7 Prozent zulegten.

Auch gute Konjunkturdaten spielten am Dienstag eine Rolle. Am Morgen veröffentlichte das ZEW-Institut aus Mannheim seinen monatlichen Konjunkturklimaindex. Dieser war im Januar zwar etwas schwächer ausgefallen, aber längst nicht so schwach wie von Analysten befürchtet. Auch der amerikanische Empire-State-Index aus New York überraschte: Er stieg auf fast 25 Punkte, 17 hatten die Volkswirte erwartet.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,49
Differenz relativ
-0,42%

Deutsche Börse kann 2009 abhaken
Die Deutsche Börse legte am Abend ihre Jahresbilanz vor. Wegen des niedrigen Handelsvolumens im Krisenjahr 2009 meldete der Handelsplatzbetreiber einen um 16 Prozent geringeren Umsatz, das Ergebnis ging auf 496,1 Millionen Euro zurück. Im vierten Quartal machte die Börse sogar einen operativen Verlust von 166 Millionen Euro.

Kursgewinne bei MAN, SAP und Infineon
Auf der Kaufliste der Anleger standen neben anderen auch die Aktien von MAN, Infineon und SAP. MAN-Papiere waren beliebt, weil das Unternehmen am Montag eine ganz passable Bilanz abgeliefert hatte und Analysten dies mit verbesserten Bewertungen honorieren. SAP-Aktien legten um 2,4 Prozent zu, weil die "Wirtschaftswoche" berichtete, dass im engeren Führungskreis des Konzerns angeblich darüber diskutiert würde, ob es sich für SAP noch lohne, eigenständig zu bleiben. Infineon-Papiere gewannen nach zwei schwachen Handelstagen 3,3 Prozent.

Absatzstatistik freut Autohersteller
Autowerte notierten ebenfalls tendenziell höher. Als Kaufanreiz boten sich die neuesten europäischen Zulassungszahlen des Verbandes der Automobilhersteller an. In Europa wurden im Januar laut ACEA 1,09 Millionen Autos zugelassen, 13 Prozent mehr als vor einem Jahr. BMW-Aktien gewannen 2,6 Prozent, Daimler-Papiere 1,9. Der schwäbische Konzern meldete sich am Abend noch mit einer Personalie zu Wort. Der Aufsichtsrat, teilte Daimler mit, werde den Vertrag von Vorstandschef Dieter Zetsche um drei Jahre bis 2013 verlängern.

Belastung aus Frankreich
Schwäche zeigten am Dienstag die Konsumgüterhersteller. Henkel-Aktien verloren im Tagesverlauf 0,6 Prozent. Grund waren die schwachen Zahlen des französischen Konkurrenten L'Oréal. Dieser hatte für das vergangene Jahr sowohl bei Umsatz als auch beim Ergebnis schwächere Werte gemeldet. In diesem Jahr soll es aber wieder aufwärts gehen, hieß es von L'Oréal. Zweistellige Umsatzzuwächse werde es aber nicht mehr geben.

Bilfinger und der U-Bahn-Pfusch
Aktien des im MDax notierten Baukonzerns Bilfinger Berger notierten mit einem Abschlag von 2,5 Prozent am MDax-Ende. Händler verwiesen insbesondere auf den Skandal um den Bau der Kölner U-Bahn, bei dem es um Pfusch am Bau, gestohlene Eisenbügel und gefälschte Messprotokolle geht. Da Bilfinger Berger das U-Bahn-Baukonsortium leitet, rechnen Anleger nun mit Schadensersatzforderungen gegen das Unternehmen. Bilfinger Berger erklärte, man habe sich gegen derartige Forderungen abgesichert.

Frische Bilanzen
Der Schmierölhersteller Fuchs Petrolub, der Einkaufszentrenbetreiber Euroshop und das Pharma- und Diagnostikunternehmen Biotest legten am Dienstag ihre Jahresberichte vor. Fuchs Petrolub erhöhte sein Ebit um fünf Prozent auf 180 Millionen Euro, zugleich ging der Umsatz um 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zurück. Die MDax-Firma übertraf damit die Prognosen der Beobachter. Auch Biotest legte eine erfreuliche Bilanz vor. Das SDax-Unternehmen erhöhte seinen Umsatz um 14 Prozent, das Ebit stieg von 59 auf 61 Millionen Euro. Und Euroshop meldete ebenfalls gestiegene Umsatz- und Ergebniszahlen. Das Unternehmen verbesserte zudem seine Prognose, was nach Analystenmeinung eine "positive Überraschung" war.

Q-Cells heruntergestuft
Die Aktien der Solarfirma Q-Cells verloren 5,1 Prozent. Eine ausführliche Analystenstudie von Exane BNP lastete am Dienstag wie Blei auf dem Kurs. Die Experten stuften Q-Cells auf "Underperform" herab und korrigierten das Kursziel auf sieben Euro. Laut Exane BNP dürfte Q-Cells auch im zweiten Quartal einen operativen Verlust bekannt geben. Wegen der angespannten Finanzlage sehen die Analysten in Q-Cells zudem einen Kandidaten für eine Kapitalerhöhung.

Merck und Kraft berichten
Die beiden amerikanischen Großkonzerne Kraft und Merck legten am Dienstag ihre Quartalsberichte vor. Der Lebensmittelhersteller Kraft erzielte einen Umsatz von elf Milliarden Dollar, was drei Prozent mehr war als vor einem Jahr. Der Gewinn legte von 178 auf 710 Millionen Dollar zu. Vor einem Jahr hatten die Kosten für einen umfangreichen Konzernumbau die Bilanz noch belastet. Auch der Pharmakonzern Merck verbuchte einen verbesserten Gewinn. Das Nettoergebnis sei auf 6,5 Milliarden Dollar im vierten Quartal gestiegen, teilte die Firma mit. Der Umsatz betrug 10,1 Milliarden Dollar. Merck profitierte vor allem von der Übernahme des Konkurrenten Schering-Plough, die Merck 41 Milliarden Dollar gekostet hatte.

Dax-Chart realtime

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