Der Mai kann kommen

Stand: 27.04.2007, 20:03 Uhr

Die Turbulenzen vom Nachmittag schienen am Abend vergessen. Der Dow Jones-Index hielt sich tapfer auf Rekordhöhe. Für gute Stimmung sorgte die Microsoft-Aktie.

Der weltgrößte Softwarekonzern erntete am Freitag die Früchte seiner starken Quartalszahlen, die Microsoft tags zuvor vorgelegt hatte. Microsoft-Aktien legten bis zum Abend fast vier Prozent zu. Das neue Betriebssystem Windows Vista hatte den Reinerlös im dritten Geschäftsquartal stärker als erwartet um 65 Prozent auf 4,93 Milliarden Dollar steigen lassen.

In Frankfurt schloss der L-Dax die Woche mit 7.393,40 Punkten ab. Auf Xetra hatte der Dax den Handel mit 7.378,12 Punkten beendet: 0,48 Prozent oder 35,58 Punkte höher als eine Woche zuvor.

Siemens-Personalkarussel dreht sich weiter

In Deutschland lieferten kurz vor dem Wochenende Siemens und EADS Impulse. Angeblich sollen bei Siemens zwei weitere Vorstandsmitglieder vor dem Abschied stehen. Die in diesem Jahr auslaufenden Verträge der Zentralvorstände Johannes Feldmayer und Jürgen Radomski würden nicht verlängert, sagte eine Person aus dem Umfeld des Aufsichtsrats am Freitagabend. Die "Süddeutsche Zeitung" (Samstagausgabe) hatte zuvor berichtet, nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer und dem angekündigten Rückzug von Konzernchef Klaus Kleinfeld gebe es im Aufsichtsrat Einvernehmen über die Trennung von den beiden Managern.

Ein Siemens-Sprecher sagte dazu am Freitagabend, das Unternehmen kommentiere den Bericht nicht. "Das ist eine Angelegenheit des Aufsichtsrats". Feldmayer ist Europachef, Radomski Personalvorstand. Gegen Feldmayer wird wegen der verdeckten Finanzierung der Arbeitnehmerorganisation AUB ermittelt. Er saß vorübergehend in Untersuchungshaft.

Airbus legt Streichplan vor
Nach Angaben französischer Gewerkschafter sollen allein in Hamburg 2.317 Stellen der insgesamt 12. 000 Arbeitsplätze wegfallen. Der Stellenabbau erfolgt im Rahmen des Sanierungsprogramms «Power8», das nach den milliardenschweren Produktionsproblemen beim Großflugzeug A380 aufgelegt wurde. Airbus will im Rahmen seines Sanierungsprogramms Power8 rund 8.000 Stellen streichen. Die Aktien der Airbus-Konzern-Mutter EADS blieben im Abendhandel geschwächt.

Kurzer Schock am Nachmittag
Am Nachmittag hatte das schwache Wachstum der amerikanischen Wirtschaft die Märkte aufgemischt. Nach ersten Schätzungen wuchs die größte Volkswirtschaft der Welt im 1. Quartal 2007 mit 1,3 Prozent viel langsamer als gedacht. Hauptgrund für die Wachstumsschwäche waren geringere Exporte und die Krise am Immobilienmarkt. Analysten hatten im Schnitt mit einer aufs Jahre hochgerechneten Rate von 1,8 Prozent gerechnet. Die Stimmung hellte sich auf, als der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan vorgelegt wurde. Im April fiel er zwar von 88,4 auf 87,1. Aber: Volkswirte hatten mit einem noch steileren Abrutschen auf 85,2 gerechnet.

Euro verausgabt sich nach Rekordhoch
Der Euro hatte auf das schwache US-Wirtschaftswachstum mit einem Sprung auf die neue Rekordhöhe von 1,3682 US-Dollar reagiert. Ehe er sich bis zum Abend wieder auf 1,3629 verbilligte.

Unter den 30 Aktien im Dax behielten Papiere der Deutschen Post ihre Favoritenrolle. Ihnen kamen Spekulationen zugute, der Hedgefonds TCI wolle 25 Prozent der Post-Aktien für 30,25 Euro je Aktie kaufen. In Finanzkreisen war freilich nichts über ein Angebot des Hedegefonds TCI für die Deutsche Post bekannt gewesen. Es gebe keinerlei Anzeichen in diese Richtung, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Post hatte eine Stellungnahme abgelehnt. Im Windschatten der Konzernmutter machte auch die Aktie der Post-Tochter Postbank einen Sprung nach oben.

T-Aktie mit Abendschwäche
Obwohl der Telekom wegen der geplanten Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern ein Streik droht, hielt sich die T-Aktie lange Zeit auf Vortagshöhe. Erst am Abendhandel rutschten sie spürbar ab. Verdi-Chef Frank Bsirske hatte der Deutschen Telekom mit einem Streik gedroht und damit dem Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder den Rücken gestärkt. Bsirske kündigte am Freitag auf der Landesbezirkskonferenz Bayern in Bamberg einen Arbeitskampf an, sollte der Bonner Konzern im Konflikt um die Auslagerung von 50.000 Beschäftigten kein verbessertes Angebot vorlegen, wie ein Gewerkschaftssprecher bestätigte. Ein Einigungsversuch zwischen der Telekom und Verdi war am Donnerstag gescheitert.

Bayer und Merck ohne HV-Bonus
Am Tag ihrer Hauptversammlungen standen Papiere der beiden Chemie- und Pharma-Konzerne Bayer und Merck unter Druck. Dabei hatte Bayer-Chef Werner Wenning auf der Hauptversammlung des Chemie- und Pharmakonzerns eine positive Bilanz des milliardenschweren Zukaufs der Berliner Schering gezogen. Vor allem auf Grund der Schering-Eingliederung gehöre 2006 «zu den bedeutendsten Jahren unserer Unternehmensgeschichte», sagte Wenning am Freitag vor den Aktionären in Köln. Aktionärsvertreter kritisierten allerdings "unschöne Begleiterscheinungen" bei der Übernahme, die mit großer Härte durchgesetzt worden sei. Außerdem hätten die Aktionäre besser informiert und stärker in die Entscheidung mit einbezogen werden können, bemängelten sie.

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck will die Integration des Schweizer Biotechunternehmens Serono schnell abschließen. "Der größte Teil der Arbeit sollte bis Ende des Jahres erledigt sein", sagte Karl-Ludwig Kley, der nach Ablauf der Merck-Hauptversammlung die Nachfolge von Vorstandschef Michael Römer antritt. Mit dem milliardenschweren Kauf von Serono, mit dem Merck zur Nummer eins in der europäische Biopharmazie wurde, gelang den Darmstädtern die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte.

Vossloh mit neuer Fantasie
Beim Verkehrstechnikkonzern Vossloh trieb ein Interview von Firmenchef Gerhard Eschenröder die Aktie an. Das MDax-Mitglied sieht wieder größeren finanziellen Spielraum für Zukäufe. "Ein Betrag zwischen 300 und 500 Millionen Euro ist möglich, ohne dass wir eine Kapitalerhöhung bräuchten", sagte Eschenröder der "Börsen-Zeitung". Aktien des Motorenherstellers Deutz schossen, ohne erkennbaren Grund, im Mdax den Vogel mit einem Kursaufschlag von fast acht Prozent ab.

Börsenneuling Versatel mit verpatztem Debüt
Der Festnetz-Anbieter Versatel erlebte einen enttäuschenden Börsenstart im Prime Standard. Nach einem Premierenkurs von 29 Euro beendeten Versatel-Aktien ihren ersten Handelstag mit 27,62 Euro. Ihr Ausgabepreis hatte mit 29 Euro am unteren Ende der Preisspanne von 29 bis 36 Euro gelegen. Versatel war mit einem Emissionserlös von 830 Millionen Euro der bislang größte deutsche Börsengang in diesem Jahr gewesen.

Powerbags auf Talfahrt
Aktien des Solarmodul-Herstellers Powerbags brachen erneut ein. Damit lieferten sie den Anteilseignern für die Hauptverdammlung am kommenden Montag weiteren Gesprächsstoff. Seit ihrem Rekordhoch von 17,49 Euro Mitte April haben sich Powerbags-Aktien inzwischen auf rund 8 Euro mehr als halbiert.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"