Der Kongress zankt

Detlev Landmesser

Stand: 09.02.2009, 20:32 Uhr

Der Montag brachte weitere Verhandlungen im US-Kongress und weitere flammende Appelle von Präsident Obama, ohne dass sich die beiden riesigen Rettungspakete weiter konkretisierten. Die Märkte schwankten zwischen Hoffnung und Enttäuschung.

Amerika könne sich kein "Posieren und Zanken" leisten, während Millionen Arbeitsplätze gefährdet seien, erklärte der US-Präsident am Montag. Über das nun auf 827 Milliarden Dollar gekürzte Konjunkturprogramm wird der US-Senat voraussichtlich am Dienstag abstimmen. Der Entwurf muss dann im Vermittlungsausschuss mit einer bereits verabschiedeten Version des Repräsentantenhauses in Einklang gebracht werden. Diese sieht Ausgaben von 819 Milliarden Dollar vor.

Der Streit im Kongress verzögerte auch die Bekanntgabe der Pläne zur Rettung der amerikanischen Finanzbranche. Diese will Finanzminister Timothy Geithner nun am Dienstag um 17:00 Uhr MEZ vorstellen. Bei den Maßnahmen geht es um die Verwendung der restlichen 350 Milliarden Dollar, die noch von dem im vergangenen Jahr beschlossenen insgesamt 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket übrig sind. Eine "Bad Bank", die den Banken faule Wertpapiere abkaufen würde, soll es laut dem "Wall Street Journal" nicht geben.

Die US-Börsen rutschten angesichts der Verzögerungen am Abend wieder ins Minus. Der L-Dax konnte noch ein leichtes Plus verteidigen und schloss bei 4.665,09 Punkten.

Euro überspringt 1,30 Dollar

Der Euro erholte sich dagegen weiter und überschritt zeitweise deutlich die Marke von 1,30 Dollar. Devisenanalysten rechnen aber auf mittlere Frist nicht damit, dass der Dollar einen Abwärtstrend einschlagen könnte. Die Erwartung, dass die US-Wirtschaft als erste den Weg aus der Krise finden wird, ist stärker als die befürchteten negativen Effekte der neuerlichen Dollar-Schwemme.

Hoffnungszeichen von Barclays
Außer der Hoffnung auf das US-Bankenpaket beflügelte eine überraschend gute Bilanz der Barclays Bank die Finanztitel. Die britische Großbank hat trotz hoher Abschreibungen im vergangenen Jahr einen Gewinn von umgerechnet 6,9 Milliarden Euro erzielt und damit die Analystenprognosen übertroffen. Mit Zuwächsen von bis zu 8,5 Prozent lagen die Aktien der Commerzbank und der Deutschen Bank im Dax vorne.

Infineon schaut sich um
Erneut zählte auch Infineon zu den gefragtesten Dax-Titeln. Der Chipkonzern will sich angesichts der schwierigen Lage auf dem Halbleitermarkt mit einem Konkurrenten zusammenschließen. "Es wird in der Branche weitere Zusammenschlüsse geben. Wir werden bei der Konzentration eine aktive Rolle spielen", sagte Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley der "Süddeutsche Zeitung". Angesichts dramatischer Umsatzverluste schloss Kley einen weiteren Stellenabbau nicht aus.

Russland-Engagement lastet auf Eon-Aktie
Am Dax-Ende rangierte die Eon-Aktie. Laut einem Händler wurde der Titel weniger von dem von Eon-Chef Wulf Bernotat angekündigten Sparkurs belastet. Vielmehr belaste die Empfehlung eines Brokerhauses, wegen des Engagements des Versorgers in Russland die Aktie zu shorten, also auf fallende Kurse zu setzen. Dort scheine es wieder politischen Widerstand gegen westliche Unternehmen zu geben.

Thomas Cook übernimmt Condor ganz
Die Lufthansa-Aktie konnte von einem millionenschweren Beteiligungsverkauf nicht profitieren. Der Reiseveranstalter Thomas Cook will der Gesellschaft die restlichen Anteile am Ferienflieger Condor abkaufen. Der Kaufpreis für den 24,9-prozentigen Anteil liege wie vor zwei Jahren vereinbart bei 77,19 Millionen Euro, teilte der Touristikkonzern mit. Die Arcandor-Tochter hatte die Mehrheit an Condor bereits vor zwei Jahren von der Lufthansa übernommen und dabei eine Kaufoption für den restlichen Anteil erworben, die ab heute erstmals ausgeübt werden konnte.

HeidelCement unerwartet gut
Aus dem MDax gab es gleich drei positive Überraschungen. Bester Titel in dem Index war HeidelbergCement mit einem Plus von 13,4 Prozent. Die Erlöse stiegen im vergangenen Jahr von 10,9 auf 14,2 Milliarden Euro, das operative Ergebnis verbesserte sich von 1,8 auf "mehr als" zwei Milliarden Euro. Eine Prognose für 2009 bezeichnete der Zementkonzern als schwierig. Man gehe aber davon aus, dass 2009 Umsatz und Ergebnis rückläufig sein werden. Um seinen milliardenschweren Schuldenberg abzubauen, hat HeidelbergCement damit begonnen, sich von seinen Kalk-Aktivitäten zu trennen. Der Konzern ist indirekt auch von den Finanzproblemen seiner Großaktionärsfamilie Merckle betroffen.

Euroshop erhöht Prognosen
Am Abend baute die Deutsche-Euroshop-Aktie ihren Tagesgewinn weiter aus. Das auf Einkaufszentren spezialisierte MDax-Unternehmen legte besser als erwartete Eckdaten für 2008 vor und erhöhte zugleich seine Prognosen für 2009. Mit 115,3 Millionen Euro setzte die Deutsche Euroshop 20 Prozent mehr um. Das Ebit kletterte um 25 Prozent auf 98,2 Millionen Euro.

Bauer über eigenen Zielen
Die Aktie von Bauer war mit einem Plus von 6,2 Prozent ebenfalls gefragt. Der Spezialtiefbaukonzern hat 2008 seine eigenen Ziele übertroffen. "Wir werden beim Jahresabschluss so wie angekündigt und noch ein gutes Stück besser abschneiden", sagte Vorstandschef Thomas Bauer der Nachrichtenagentur Reuters. Im November hatte Bauer die Prognose bekräftigt, wonach der Umsatz 2008 auf 1,4 Milliarden und der Überschuss auf 100 Millionen Euro zulegen sollte.

Gerücht drückt Wincor
Ein typisches "Freitagsgerücht" belastete die Aktie von Wincor Nixdorf am Montag. Angeblich werde der MDax-Konzern eine Gewinnwarnung für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres aussprechen, hieß es unter Händlern. Mitte Januar hatte der Hersteller von Geldautomaten und Kassensystemen überraschend einen Anstieg bei Umsatz und Gewinn bekanntgegeben.

Empfehlung für Wirecard
Die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard gewann im TecDax 6,1 Prozent. Das amerikanische Börsenmagazin "Barron's" hält die Wirecard-Aktie für deutlich unterbewertet. Die Papiere könnten ihren Kurs verdoppeln, findet das Magazin.

Smartrac erreicht Umsatzziel
Der im TecDax notierte Funkchiphersteller Smartrac hat im vergangenen Jahr seine Umsatzziele erreicht. 110 bis 120 Millionen Euro wollte man erlösen, dies habe Smartrac auch erreicht, sagte Vorstandschef Christian Fischer. Ob es Smartrac auch gelang, das Jahresergebnis zu verbessern, sagte Fischer in dem Interview nicht. 2007 erreichte die Firma noch eine operative Rendite von 26 Prozent. Eine Dividende wird es aber auch dieses Jahr nicht geben, sagte der Vorstandschef.

Neue Aufträge für Nordex
Die Nordex-Aktie gewann über fünf Prozent. Der Windkraftanlagenbauer meldete Aufträge aus Irland und Schottland. Insgesamt soll Nordex 21 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 52,5 Megawatt installieren.

Süss Microtec schreibt 2008 rot
Süss Microtec hat das vergangene Jahr wie erwartet mit einem Verlust abgeschlossen, aber die eigene Prognose leicht übertroffen. Den Umsatz steigerte der Chipausrüster leicht um drei Prozent auf 149,3 Millionen Euro, das Ebit nach Sonderbelastungen betrug minus 11,1 Millionen Euro. Süss Microtec verwies auf Abschreibungen im "immateriellen Anlagevermögen" von 18,3 Millionen Euro. Immerhin aber legte das operative Ergebnis im Jahresvergleich leicht zu.

Chartsignal bei Deutz
Im SDax fiel die Deutz-Aktie mit einem Kurssprung von zwölf Prozent auf, ohne dass es fundamentale Neuigkeiten gab. Ein Händler sprach von einem charttechnischen Kaufsignal für die Aktie des Motorenbauers, nachdem sie am Freitag ihren langfristigen Abwärtstrend verlassen hatte.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat