Der Fiskus rettet den Dax

Detlev Landmesser

Stand: 30.12.2008, 20:17 Uhr

Ohne die Änderung im deutschen Steuerrecht wäre die übliche Jahresendrally diesmal wohl ausgefallen. Doch buchstäblich in letzter Minute nutzten viele Anleger die letzte Chance auf steuerfreie Kursgewinne.

So machte der Dax in den vier letzten Handelstagen immerhin 200 Punkte gut. Den verkürzten Handel am Dienstag beendete der deutsche Leitindex um 14:00 Uhr 2,2 Prozent höher bei 4.810,20 Punkten. Besonders bei deutschen Standardtiteln und Mischfonds waren die als längerfristige Investitionen gedachten Eindeckungen von Privatanlegern zu beobachten. Werden diese über zwölf Monate gehalten, können damit letztmalig steuerfreie Kursgewinne erzielt werden. "Die Anleger schlagen zu, als gäbe es kein Morgen mehr", berichtete ein Händler.

Die Jahresbilanz des Dax bleibt aber verheerend. In den vergangenen zwölf Monaten verlor der Index dramatische 40,4 Prozent. Nur das Jahr 2002 verlief mit minus 44 Prozent noch katastrophaler.

An der Wall Street, wo auch noch am Mittwoch gehandelt wird, erholten sich die Kurse bis zum Abend, nachdem die US-Regierung dem angeschlagenen Autoriesen General Motors weitere Milliarden zugesagt hatte. GM soll einen weiteren Kredit über eine Milliarde Dollar erhalten, während die mit Cerberus gehaltene Finanzsparte GMAC eine Finanzspritze über fünf Milliarden Dollar verabreicht bekommt. Die Gelder kommen aus dem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket für die US-Bankenbranche. Der richtungsweisende US-Ölpreis fiel bis zum Abend um rund einen Dollar auf knapp 39 Dollar pro Barrel zurück.

US-Konsumenten am Boden zerstört

Die amerikanischen Konjunkturdaten des Tages waren zwiespältig: Die vom Forschungsinstitut Conference Board gemessene Verbraucherstimmung brach im Dezember auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen vor 41 Jahren ein. Der entsprechende Index fiel von 44,7 auf 38 Punkte. Vor allem wegen der gesunkenen Benzinpreise hatten Beobachter einen deutlich besseren Wert von etwa 44,5 Punkten erwartet.

Der Einkaufsmanagerindex der Region Chicago hellte sich dagegen im Dezember überraschend auf. Der Index stieg von 33,8 Punkten im Vormonat auf 34,1 Punkte. Volkswirte hatten mit einem Rückgang auf 33,0 Punkte gerechnet.

Vom US-Immobilienmarkt kam dagegen ein weiteres Krisensignal. Der Case-Shiller-Index, der die Immobilienpreise in den 20 größten Ballungsgebieten der USA misst, fiel im Oktober erneut mit einem Rekordtempo. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Preise 18,0 Prozent - der 17. Rückgang in Folge.

Infineon bleibt schwächster Dax-Titel
Beinahe hätte die Infineon-Aktie noch den Schönheitsfehler ausbügeln können, das Jahr als erster "Pennystock" des Dax zu beenden. Doch bei einem Plus von 16,4 Prozent auf 0,96 Euro war Schluss. Auf Jahressicht verlor der Titel, der bereits im vergangenen Jahr die Liste der Dax Verlierer anführte, 88 Prozent an Wert. Dafür ist neben der Schwäche der Halbleiterbranche insgesamt die Sorge um die Zukunft der Speicherchiptochter Qimonda verantwortlich. Noch schwächer schnitt übrigens die Hypo Real Estate ab - mit einem Minus von über 90 Prozent. Das Kriseninstitut musste wegen des Wertverlusts aber in den MDax absteigen.

VW tanzt aus der Reihe
Wieder gehörte die VW-Stammaktie zu den schwächsten Titeln und ging 0,8 Prozent tiefer bei 250,00 Euro aus dem Handel. Dennoch hat kein Papier in Deutschlands wichtigstem Aktienindex in den vergangenen zwölf Monaten so viel hinzugewonnen. Das Jahresplus des Dax-Titels beläuft sich immer noch auf stattliche 60 Prozent.

Solarworld erholt
Die Aktie von Solarworld gehörte zu den stärksten TecDax-Werten, nachdem sie am Montagnachmittag nach Aussagen des Vorstandschefs Frank Asbeck noch stärker unter Druck geraten war. Der hatte vor rückläufigen Preisen für Solarmodule gewarnt. Diese Aussage sei nicht neu, der Markt rechne bereits mit einem Preisrückgang von 10 bis 20 Prozent, sagte Analyst Philipp Bumm von Cheuvreux.

Fielmann und Bertrandt steigen auf
Wegen der Übernahme durch Susanne Klatten fällt die Altana-Aktie bald aus dem MDax, teilte die Deutsche Börse nach Handelsschluss mit. Dafür rückt Fielmann in den Nebenwerteindex auf - wovon wiederum Bertrandt profitiert. Die Aktie des Ingenieurdienstleisters nimmt die Stelle Fielmanns im SDax ein. Die außerplanmäßigen Änderungen werden bereits zum 6. Januar wirksam. Zuvor hatte Klattens Holding Skion mitgeteilt, mittlerweile 88,3 Prozent der Altana-Anteile zu halten. Das am 19. Dezember ausgelaufene öffentliche Kaufangebot von 13 Euro pro Stück sei für rund 13,7 Prozent aller Altana-Aktien angenommen worden. Klatten will den Spezialchemiekonzern nach der Komplettübernahme von der Börse nehmen.

Celesio "aufgewertet"
Die Aktie des Pharmagroßhändlers Celesio erhielt etwas politischen Rückenwind. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, will die Regierung den Pharmagroßhandel schützen. Die Branche solle "aufgewertet" und für ihre Dienste "anders bezahlt" werden.

Auch ProSiebenSat.1 war erneut gefragt. Der Großaktionär und Finanzinvestor KKR hatte am Wochenende Kapitalspritzen für den Medienkonzern in Aussicht gestellt.

Tipp24 flieht aus Deutschland
Der Internet-Lottovermittler Tipp24 zieht sich als Konsequenz aus den neuen Gesetzesvorschriften weitgehend aus Deutschland zurück und bündelt sein Geschäft in Großbritannien. Der Großteil der Aktivitäten werde in der dort bereits seit 2007 tätigen MyLotto24 gebündelt, teilte das Unternehmen am Nachmittag mit. Die Klassenlotterien NKL und SKL sollen weiter von der deutschen Tipp24 AG vermittelt werden. Ein Großteil der 170 Arbeitsplätze in Deutschland soll gestrichen werden. Der deutsche Glücksspiel-Staatsvertrag verbietet ab Anfang 2009 die Vermittlung staatlicher Lotterien im Internet und die Werbung dafür. Zum Jahreswechsel endet das Übergangsjahr, das Tipp24 und Konkurrenten wie Jaxx gewährt wurde.

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