Der fatale Sog der Wall Street

Stand: 12.11.2008, 20:01 Uhr

Der große Bruder bestimmte auch am Mittwoch wieder den Weg. Der Dax war gut in den Tag gestartet. Nachdem aber die Wall Street mit erheblichen Verlusten vorlegte, knickte auch der deutsche Aktienmarkt empfindlich ein.

Zuerst waren es die US-Futures, die einen schwachen Handelstag in New York andeuteten, dann rutschte der Dow Jones drei Prozent ins Minus und der Dax hinterher.

Der deutsche Leitindex, der vormittags bis auf 4.876 Punkte gestiegen war, rutschte am Nachmittag bis auf 4.555 Zähler ab, auf Xetra blieb am Ende ein Minus von drei Prozent bei 4.621 Punkten übrig.

Die Finanzwerte traf es am heftigsten. Miese Bilanzen der Hypo Real Estate, des Rückversicherers Swiss Re und der ING setzten europaweit die Branche unter Druck. Die Aktie der Hypo Real Estate verlor 11,8 Prozent, nachdem die Bank mit einem Quartalsverlust von 3,1 Milliarden Euro sogar noch die pessimistischen Prognosen unterbot. Die Verluste gingen größtenteils auf das Konto des Staatsfinanzierers Depfa. Die Allianz-Aktie verlor 7,4 Prozent, Deutsche Bank-Papiere gaben sieben Prozent ab und die Commerzbank verlor 9,5 Prozent.

Zumindest sank der Ölpreis im Handelsverlauf auf unter 57 Dollar, was der Aktie der Lufthansa zuträglich war. Sie stieg um 1,2 Prozent.

K+S und Eon waren Top-Verlierer
Die beiden Dax-Konzerne K+S und Eon berichteten am Mittwoch über ihre Geschäfte. K+S erreichte doppelt so viel Umsatz wie im vergangenen Jahr, das Ergebnis wuchs um 80 Prozent. Trotzdem verlor die Aktie fünf Prozent, weil der Konzern die Jahresumsatzprognose auf das untere Ende der bereits bekannten Spanne festlegte.

Der Stromversorger Eon bestätigte hingegen seine Jahresprognose. Der Konzern verzeichnete einen Neunmonatsumsatz von 60,5 Milliarden Euro, ein Fünftel mehr als vor einem Jahr. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn stieg um acht Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Beide Kennziffern übertrafen die Markterwartungen leicht. Die Aktie verlor dennoch 6,1 Prozent.

Solarwerte auf dem Verkaufszettel
Eine Prognosesenkung des Solarkonzerns Solon schickte im TecDax sämtliche Solarwerte auf Talfahrt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres verbuchte Solon zwar einen Erlösanstieg von 91 Prozent auf 637 Millionen, das Ebit wuchs um 84 Prozent auf 49,4 Millionen Euro. Die Jahresumsatzprognose sei aber nicht zu halten, teilte das Berliner Unternehmen weiter mit. Die Aktie verlor 18,3 Prozent, dicht gefolgt von Q-Cells, Roth & Rau, Solarworld und SMA Solartech.

Centrotherm optimistisch
Anders als Solon erhöhte das Solartechnikunternehmen Centrotherm seine Prognose für Umsatz und Gewinn. Centrotherm rechnet nun damit, in diesem Jahr bis zu 380 Millionen Euro zu erlösen und ein Ergebnis von 47,5 Millionen Euro zu erreichen. In den ersten drei Quartalen stieg der Umsatz zudem auf 237 Millionen Euro, das Ergebnis verdreifachte sich auf 30,4 Millionen Euro. Die Aktie legte am Morgen leicht zu, bis zum Handelsende verlor das Papier jedoch 8,6 Prozent.

MAN von Kaufliste verbannt
Kräftige Schrammen hinterließ ein unerfreulicher Analystenkommentar an der Aktie des Lkw-Herstellers und Maschinenbauers MAN. Die Experten von Goldman Sachs strichen MAN von ihrer "Conviction Buy List" und senkten ihr Rating auf "neutral". Sie verwiesen auf den schwachen europäischen Lkw-Markt. Die MAN-Aktie verlor 5,6 Prozent.

Acht Bilanzen aus dem SDax
Der Medienkonzern Axel Springer steigerte Umsatz und Ergebnis, die Aktie kletterte um 0,4 Prozent. Der Finanzdienstleister HCI steigerte seinen Umsatz und bestätigte seine Prognose, die Aktie stieg um 3,1 Prozent. Leichte Kursgewinne gab es auch beim Großküchenausrüster Rational. Gewinn und Umsatz waren im dritten Quartal aber leicht rückläufig, außerdem senkte Rational seine Jahresprognose.

Kräftige Verluste von fünf Prozent verzeichnete indes die Aktie des Spezialchemiekonzerns H&R Wasag. Wegen des gesunkenen Ölpreises verdoppelte sich der Gewinn im dritten Quartal, der Umsatz stieg auf 315 Millionen Euro. Heftige Verluste bei der DIC Asset-Aktie. Der Gewinn in den ersten drei Quartalen brach um ein Viertel ein, die Aktie verlor 10,5 Prozent.

Ebenfalls schwächer notierte das Papier des Stahlzulieferers SKW Metallurgie, obwohl die Firma im dritten Quartal ihren Gewinn verdreifachte, ihren Umsatz verdoppelte und die Jahresprognose anhob. Die Aktie verlor 2,2 Prozent. Das Papier des Elektronikhändlers Medion verbilligte sich sogar um 8,4 Prozent. Medion setzte etwas mehr um, glaubt aber nicht mehr an ein gutes Weihnachtsgeschäft und setzte seine Jahresprognose an das untere Ende der bekannten Spannen.

TAG verbessert Umsatz
Das Immobilienunternehmen TAG Tegernsee hat in den ersten neun Monaten des Jahres seinen Umsatz um ein Drittel auf 80,1 Millionen Euro gesteigert, das Ebit lag mit 44,4 Millionen auf Vorjahresniveau. TAG verzichtet wegen der Finanzmarktkrise darauf, eine Prognose für 2008 abzugeben. Die Bilanz legte TAG nach Börsenschluss vor, die Aktie legte zuvor leicht zu.

Colonia verkauft seine Hotels
Aktien des Immobilienunternehmens Colonia Real Estate stiegen um 0,5 Prozent. Die Firma hat ihren gesamten Hotelbestand verkauft und damit 24 Millionen Euro eingenommen.

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