Der dümmste Grund, Aktien zu kaufen...

von Karsten Leckebusch

Stand: 22.08.2007, 20:10 Uhr

... ist, weil sie steigen. Sagte einmal Warren Buffett. Und am Mittwoch hielten sich die meisten Börsianer an diese simple Weisheit. Auf breiter Front stiegen die Kurse, von Skeptizismus war an der Börse keine Spur.

Der Dax beendete den Computerhandel am späten Nachmittag, gestützt auf eine freundliche Wall Street, mit einem Plus von einem Prozent bei 7.500 Punkten. Im späteren Parketthandel verlor der L-Dax noch 15 Punkte, was einer etwas leichteren Kursentwicklung an den amerikanischen Börsen geschuldet war.

Bei den mittelschweren Werten waren die Kursaufschläge noch breiter angelegt. Der MDax legte um 277 Punkte oder 2,9 Prozent auf 10.021 Zähler zu. Der Tec Dax stieg gar um 3,7 Prozent auf 881 Punkte.

Die Hypothekenkrise scheint den Anlegern sowohl hierzulande als auch in den USA kein größeres Kopfzerbrechen mehr zu bereiten, obwohl der Hypothekenanbieter First Magnus Financial (einer der größten seiner Branche) gestern Abend Insolvenz anmeldete.
In Deutschland sorgt sich offenbar die Commerzbank um den ausgetrockneten Geldmarkt. Die Frankfurter Bank hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters rund drei Milliarden Euro in den Kreditkreislauf der Banken gepumpt, um die Liquidität wieder herzustellen.

Tui ist erster
Die höchsten Kursgewinne im Dax verzeichnete die Aktie von Tui mit einem Aufschlag von 5,2 Prozent. Der Konzern hat einen neuen Großaktionär. Geveran Trading aus Zypern hält seit kurzem rund drei Prozent der Stimmrechte an dem Ferienkonzern. DaimlerChrysler verteuerte sich um 3,6 Prozent. Der Autokonzern will offenbar früher als geplant entscheiden, was mit dem Milliardenerlös aus dem Verkauf von Chrysler geschieht. Anleger rechnen mit einer Sonderausschüttung oder einer höheren Dividende.

Der Pharmakonzern Merck rettete sich mit einem Plus von 0,6 Prozent aus dem Handel. Den größten Teil des Tages notierte die Aktie allerdings mit Verlusten. Der Konzern hat für sein Parkinson-Mittel Safinamid ein zufrieden stellendes Studienergebnis verfehlt; es seien aber weitere Studien geplant, teilte Merck mit.

Holz, Stahl und Fernsehen
Im MDax stieg die Aktie des Holzkonzerns Pfleiderer um 6,3 Prozent. Die Firma gab am Morgen bekannt, dass sie bis zu 4,87 Millionen eigene Aktien über die Börse zurück kaufen werde. Im zweiten Halbjahr will Pfleiderer außerdem einen Umsatz von über einer Milliarde Euro sowie ein operatives Ergebnis von 120 Millionen Euro erzielen.

Die Papiere des Stahlhändlers Klöckner & Co. gewannen 6,8 Prozent. Gestern wurde bekannt, dass die US-Investmentbank JP Morgan mit einem Anteil von mehr als fünf Prozent neuer Großaktionär bei KlöCo ist. Krones-Papiere legten um 2,4 Prozent zu. Der Verpackungsmaschinenhersteller hat heute seinen Aktiensplit im Verhältnis von 1:3 vollzogen.

Auch ProSiebenSat.1 verteuerte sich kräftig um sechs Prozent. Der Fernsehkonzern hat im zweiten Quartal seinen Überschuss überraschend kräftig auf 87,2 Millionen Euro gesteigert, der Umsatz stagnierte allerdings bei 551,6 Millionen Euro.

Aktien der Norddeutschen Affinerie stiegen um 5,4 Prozent. Der Kupferkonzern hält jetzt mehr als 25 Prozent am belgischen Konkurrenten Cumerio. Cumerio-Vorstandschef Luc Delagaye sagte bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen, dass der Zusammenschluss mit NA planmäßig laufe und nicht mehr blockiert sei. Die Halbjahreszahlen des belgischen Kupferkonzerns fielen übrigens besser aus als erwartet.

Nachrichten aus dem TecDax
Im TecDax setzte die Aktie des Windkraftkonzerns Nordex ihren Höhenflug der vergangenen zwei Tage weiter fort. Die Aktie stieg, nach herben Verlusten in der vergangenen Woche, heute um 9,5 Prozent. Für Fantasie sorgte eine gute Bilanz des dänischen Konkurrenten Vestas, außerdem legt Nordex morgen den eigenen Quartalsbericht vor.

Papiere des Solarkonzern Solon verteuerten sich um 8,3 Prozent. Das Unternehmen präsentierte seine endgültigen Quartalsergebnisse und geht davon aus, dass Umsatz und Ergebnis in diesem Jahr um "deutlich mehr als 30 Prozent" wachsen werden.

Alstria Office bekräftigt Jahresziele
Aus dem Kleinwerteindex SDax berichtete die Immobilienfirma Alstria Office über ihre Geschäfte im ersten Halbjahr. Der Umsatz betrug 39,1 Millionen Euro, das operative Ergebnis erreichte 12,8 Millionen Euro. 2007 will Alstria insgesamt 80 Millionen Euro umsetzen und 30 Millionen Euro operatives Ergebnis erzielen. Außerdem plant der Konzern, sich noch 2007 in einen steuerbegünstigten Immobilienfonds (REIT) umzuwandeln. Die Aktie gewann 4,8 Prozent.

Kleinere Bilanzen
Die Münchener Softwarefirma FJH hat nach einem Verlust vor einem Jahr wieder einen Halbjahresgewinn gemeldet. Der Nettogewinn betrug 1,9 Millionen Euro, der Umsatz des auf Versicherungssoftware spezialisierten Unternehmens stieg um sieben Prozent auf 30 Millionen Euro.

Der IT-Dienstleister AC-Services schaffte nach einem Verlust von 617.000 Euro im Vorjahresquartal zwar keinen Gewinn, der Fehlbetrag im zweiten Quartal dieses Jahres reduzierte sich aber auf 13.000 Euro. Der Umsatz der mehrheitlich von der österreichischen Software-Holding Beko kontrollierten Firma stieg um ein Fünftel auf 20,8 Millionen Euro.

Das Immobilienunternehmen Franconofurt meldete ebenfalls ihr Geschäftsergebnis. Im ersten Halbjahr erzielte der Konzern einen Vorsteuergewinn von 9,2 Millionen Euro, was nur knapp weniger ist als die 9,4 Millionen, die Franconofurt im gesamten Vorjahr erwirtschaftete. Der Konzern bekräftigte seine Absicht, in diesem Jahr eine Dividende von 0,80 Euro je Aktie zu zahlen.

Der Börsenneuling m-u-t hat ein nach eigenen Angaben "erfreuliches" Halbjahr hinter sich gebracht. Das Ebit des Herstellers von Messgeräten für Medizin- und Umwelttechnik betrug 0,95 Millionen Euro, den Umsatz gab m-u-t mit 6,37 Millionen Euro an. Die Firma bekräftigte ihr Ziel, in diesem Jahr einen Umsatz von 16,3 Millionen Euro zu erreichen.

Kofler kauft Leifeld Metal Spinning
Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Premiere, Georg Kofler, hat seine vor zwei Wochen zu Geld gemachten Premier-Aktien flink wieder angelegt. Über eine Holding kaufte Kofler den Maschinenbauer Leifeld Metal Spinning aus dem westfälischen Ahlen. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Firma stellt Maschinen für Drück- und Drückwalzenanlagen. Besonders interessant für Kofler ist, dass Leifeld möglicherweise zweistellige Millionensummen aus Altlasten steuermindernd abschreiben kann.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr