Marktbericht 20:15

Aktien bleiben gefragt Der Dax zeigt Stärke

Stand: 17.05.2013, 20:15 Uhr

Zwar waren es heute keine spektakulären Gewinne am Aktienmarkt, aber die von vielen erwartete Korrektur ist auch nicht in Sicht. Im Gegenteil, Dax und Co. zeigen Muskeln und behaupten sich auf hohen Niveaus.

Der deutsche Leitindex Dax ist sich auch zum Wochenschluss treu geblieben. Er beendet den Tag mit einem moderaten Aufschlag von 0,34 Prozent bei 8.398 Punkten und setzt damit insgesamt seine Konsolidierung auf hohem Niveau fort.

Auch ein neues Rekordhoch gibt wieder es zu vermelden, zwischenzeitlich markierte der Index mit 8.408,62 Zählern eine weitere historische Bestmarke. Der Schlussstand war, wie gestern auch, ebenfalls ein neuer Höchststand. Auch der kleine Bruder des Dax, der MDax, setzt seinen Höhenflug fort und schloss bei 14.070 Zählern, das neue historische Verlaufshoch lag bei 14.080 Zählern. Nachbörslich ging es im L/E-Dax bis auf 8.385 Zähler leicht bergab.

Auch weiterhin werden Rückschläge relativ schnell wieder zu Käufen genutzt, eine Tendenz, auf die Händler bereits seit Tagen verweisen. Am Nachmittag bekam der Index dann noch Rückenwind aus Amerika, wo dieses Mal die anstehende Konjunkturzahlen positiv überrascht haben.

US-Konjunkturdaten überzeugen

Der vielbeachtete Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan lag im Mai bei 83,7 Punkten, erwartet worden waren nur 78 Punkte. Das ist der höchste Stand seit Juli 2007, also noch vor Beginn der Finanzkrise. Auch die Frühindikatoren für den April lagen mit plus 0,6 Prozent deutlich über den Erwartungen der Experten, die nur einen Anstieg von nur 0,2 Prozent erwartet hatten. Nach zuletzt eher verhaltenen volkswirtschaftlichen Daten haben die Zahlen damit dieses Mal überzeugt.

Dow ebenfalls mit neuem Top

Die Makrodaten beflügeln zur Stunde auch die US-Börse. Der Dow liegt gut 0,4 Prozent im Plus und hat im Tageshoch mit 15.305 Zählern ebenfalls ein neues historisches Hoch erreicht. Auch der S&P 500 steigt ein halbes Prozent und an der Nasdaq geht es aktuell 0,4 Prozent bergauf.

Gleichzeitig geht in Amerika die Diskussion über die ultraexpansive Geldpolitik der Notenbank Fed weiter. So äußerte sich zuletzt auch der Fed-Präsident von San Francisco John Williams und erklärte, das Tempo der Anleihenkäufe könne bereits in diesem Sommer gedrosselt und zum Jahresende sogar beendet werden. Williams ist allerdings im Zinsausschuss der Fed nicht stimmberechtigt.

"Das sind Testballons, die von der Fed kommen, um zu testen, wie der Markt reagieren würde", erläutert Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Eine Zinswende jeglicher Art wird aber noch lange auf sich warten lassen."

Euro und Gold sacken ab

Der Euro hatte am Nachmittag einen heftigen Kursrutsch zu verkraften und fiel im Tagestief sogar bis knapp unter 1,28 Dollar. Aktuell hat er sich wieder etwas erholt auf 1,2820 Dollar. Die EZB hatte die Gemeinschaftswährung am Mittag noch bei 1,2869 Dollar festgesetzt.

Die Talfahrt setzte nach den besser als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturzahlen ein, zudem gingen am Devisenmarkt Gerüchte um, die EZB sondiere bei Banken, ob sie negative Einlagenzinsen bei der Notenbank verkraften könnten. Insgesamt hat der Euro seit Wochenbeginn gut zwei Cent zum US-Dollar verloren. Auch beim Gold ging es im Zuge des stärkeren Dollar abwärts, der Preis für die Feinunze lag am Abend bei 1.366 Dollar, ein Minus von 1,5 Prozent. Damit nähert sich das gelbe Edelemetall wieder dem Jahrestief vom April bei 1,351 Dollar.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1367
Differenz relativ
-0,04%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.244,47
Differenz relativ
-0,09%

Lanxess weit in Front

Unter den Einzelwerten war Lanxess heute der Star. Die Aktie baute ihre Kursgewinne während des gesamten Tages konsequent aus und schloss 6,5 Prozent höher. In Ermangelung aktueller Nachrichten sprachen Händler davon, dass sich das Bild bei dem Titel "technisch aufhelle". Zuletzt hätten die Papiere zudem nicht von der allgemeinen Markterholung profitiert.

Daimler und VW in Europa gefragt

Auch Autoaktien waren nach den überraschend positiven Absatzzahlen in Europa gefragt. Die Zahlen vom April weisen insgesamt ein Plus von 1,7 Prozent, für den deutschen Markt sogar plus 3,8 Prozent aus. VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler lieferte in einer Pressekonferenz noch ein Absatzplus von sieben Prozent weltweit nach. Vor allem in China brummt das Geschäft für die Wolfsburger weiterhin.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,14
Differenz relativ
+2,77%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,42
Differenz relativ
+1,55%

Conti will mehr in China

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
126,95
Differenz relativ
+1,64%

Zu den Gewinnern gehörte auch der Autozulieferer Continental, der zukünftig ebenfalls verstärkt auf das China-Geschäft setzt. Das Unternehmen ernennt mit Ralf Cramer erstmals einen Vorstand für den dortigen Markt. Conti will mittelfristig seinen Umsatzanteil im asiatischen Raum von 18 auf 30 Prozent ausbauen. Die Aktie nahm die gute Branchenstimmung am Freitag auf und gewann über drei Prozent.

Fresenius mit voller Schatulle, FMC mit Aktienrückkauf

Der Gesundheitskonzern Fresenius ist weiterhin ganz auf Wachstum eingestellt. Nach den Worten von Vorstandschef Ulf Schneider auf der Hauptversammlung in Frankfurt soll im deutschen Krankenhausmarkt weiter zugekauft werden. Der Aktie half das trotzdem nicht, das Papier tendierte 1,4 Prozent schwächer.

Die ebenfalls zur Fresenius-Familie gehörende Dialysetochter FMC kündigte derweil nach Börsenschluss an, den bereits Anfang April angekündigten Aktienrückkauf am Montag zu starten. Dabei will FMC bis zum 20. November insgesamt für bis zu 385 Millionen Euro kaufen, das enstpräche nach dem Schlussstand vom Freitag 7,4 Millionen Stück oder 2,4 Prozent des Grundkapitals. Die Aktien sollen ausschließlich zur Reduzierung des Grundkapitals oder für Mitarbeiterprogramme verwendet werden. Im Späthandel legte die Aktie leicht zu.

Der Lufthansa droht neues Ungemach

Die streikerprobte Fluglinie muss sich auf schwierige Tarifverhandlungen mit den Piloten einstellen. Deren Gewerkschaft Cockpit wies am Freitag ein erstes Angebot der Lufthansa über Gehaltserhöhungen von drei Prozent über zwei Jahre zurück und bezeichnte das Angbeot als "nicht verhandlungsfähig".

Cockpit verlangt zehn Prozent mehr Geld über zwei Jahre. Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart. Erst Anfang Mai hatte sich die Gewerkschaft Verdi und die Lufthansa für das Bodenpersonal auf Erhöhungen von bis zu 4,7 Prozent geeinigt. Während des Arbeitskampfes hatte die Gewerkschaft mit Warnstreiks fast den gesamten Flugverkehr lahmgelegt. Auch die Piloten hatten 2010 der Lufthansa einen ähnlich spektakulären Streik geliefert. Die Lufthansa-Aktie tendierte leichter und gab 1,4 Prozent ab.

Siemens-Tochter mit kleiner Mitgift

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
99,51
Differenz relativ
+1,64%

Der Leuchtmittelhersteller Osram geht im laufenden Geschäftsjahr nur von einer schwarzen Null beim Ergebnis aus. Das ist einer Unternehmens-Präsentation zu entnehmen. Der Umsatz soll 2012/13 (Ende September) ähnlich hoch ausfallen wie im Jahr zuvor. Die Konzernmutter Siemens will Osram Anfang Juli an die Börse bringen. Die Siemens-Aktie bewegte sich kaum.

Banken wieder gefragt

Aktien Bankatien gehörten zu den Tagessiegern. Papiere der Deutschen und der Commerzbank profitieren von einem positiven Analysten-Kommentar der Schweizer UBS, die den Bankensektor auf "overweight" angehoben hat. Für eine kleine Erleichterung sorgt auch die Verschiebung des Stresstests für die europäischen Banken auf 2014. Im MDax gehörte auch die Aareal Bank zu den Favoriten und war zweitbester Wert mit einem Aufschlag von 3,6 Prozent.

T-Aktie und andere ex Dividende

Die T-Aktie war zumindest optisch Schlusslicht und schloss 83 Cents oder 8,3 Prozent leichter bei 9,20 Euro. Das Kursminus war jedoch zum überwiegenden Teil auf den Dividendenabschlag von 0,70 Euro je Aktie zurückzuführen, der nach der Hauptversammlung vom Vortag vorgenommen wurde. Aktionäre erhalten die Ausschüttung übrigens erst am 12. Juni ausgezahlt.

Einen heftigen "optischen" Rückschlag erlitt auch die Drillisch-Aktie im TecDax. Hier ist der "Kursverlust" von 7,2 Prozent oder 1,10 Euro aber sogar ein leichtes Plus, denn bei der Aktie liegt der Abschlag mit 1,30 Euro bei mehr als acht Prozent. Gleiches gilt für ElringKlinger aus dem MDax, die 29 Cents einbüßten, aber 45 Cents ausgeschüttet haben. Pharmahändler Celesio, der 30 Cents ausschüttet, gab exDividende leicht nach. Die Aktie der Comdirect, bei der 44 Cents abgeschlagen werden, lag hingegen im SDax auch unter Berücksichtigung der Dividende im Minus. Die Aktie verlor 52 Cents oder 6,5 Prozent.

Saures für Südzucker

Im MDax waren Südzucker mit Abstand der größter Verlierer. Nachdem das Management am Donnerstag die Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2013/14 nach unten korrigiert hat, folgen nun negative Kommentare von Barclays und der Deutschen Bank. Sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Zudem belasteten Kartellvorwürfe das Papier.

Spekulation um Gildemeister

Im MDax standen auch die Aktien des Werkzeugmaschinenbauers Gildemeister im Blick. Grund waren aufgekommene Übernahemspekulationen, denn der japanische Großaktionär Mori Seiki hat beim österreichischen Kartellamt eine "alleinige Übernahme" angemeldet.

Gildemeister trat allerdings sofort dem Eindruck entgegen, unmittelbar vor einer Übernahme durch die Japaner zu stehen. Es handele sich vielmehr um die bereits bekannte Auftstockung auf 24,9 Prozent, erklärte das Unternehmen. Trotzdem wollen beide Partner zukünftig näher zusammenrücken, erklärte Firmenchef Rüdiger Kapitza auf der Hauptversammlung. Die Aktie, die im Tageshoch schon mehr als vier Prozent zugelegt hatte, schloss bei 18,15 Euro, ein Zuwachs von 0,78 Prozent.

Ströer Media legt weiter zu

Ströer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
42,98
Differenz relativ
+1,27%

Im SDax setzte die Aktie des Spezialisten für Außenwerbung ihre jüngste Klettertour fort und gewann 5,1 Prozent. Damit war das Papier Tagessieger im Kleinwerteindex. Nachdem das Unternehmen Anfang der Woche seine Quartalszahlen präsentiert hat, greifen die Anleger wieder zu. Auch Analysten hatten sich positiv geäußert.

Dr. Hönle zum Halbjahr unter Plan

Die im Prime Standard notierte Aktie des auf UV-Technologie sepzialisierten Unternehmens gab nach den Halbjahreszahlen deutlich 7,2 Prozent nach. Das Betriebsergebnis (Ebit) fiel leicht auf 3,09 nach zuvor 3,12 Millionen Euro zurück, vor Steuern verdiente Hönle 2,76 nach 2,98 Millionen Euro vor Jahresfrist. Die Ebit-Marge ermäßigte sich von 9,1 auf 8,4 Prozent.

Im Ausblick gibt sich das Management aber zuversichtlich, dass die Umsätze im dritten und vierten Quartal wieder anziehen. Trotzdem erwartet das Unternehmen für das Gesamtjahr nunmehr einen Umsatz nur noch zwischen 75 bis 80 Millionen nach bisher 80 bis 85 Millionen Euro. Das Ebit wird zwischen acht und neun nach bisher zehn bis zwölf Millionen Euro prognostiziert.

Dell kommt nicht voran

Technologieanleger schauen noch auf schwache Zahlen des Computerkonzerns Dell vom Vorabend. Dell lieferte nach US-Börsenschluss einen Gewinnrückgang um 79 Prozent auf 130 Millionen Dollar für das abgelaufene Quartal ab. Der Konzern steht vor der Übernahme durch Unternehmensgründer Michael Dell. Das Papier liegt zur Stunde an der Nasdaq leicht im Plus.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 13. Dezember

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 11/18, 07:00 Uhr
Metro AG: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Tui: Jahreszahlen, 08:00 Uhr
Starbucks: Investor Day, 18:00 Uhr
BMW: Absatz 11/18
Bertrandt: Jahreszahlen
ThyssenKrupp: Investor Day

Konjunktur:
Deutschland: Konjunkturprognose Ifo-Institut, 10:00 Uhr
EU: EZB-Zinsentscheid, 13:45 Uhr, PK 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreis 11/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr