Der Dax verliert die Kraft

Stand: 03.06.2009, 20:00 Uhr

Neue Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung in Amerika haben den Aktienmarkt am Mittwoch belastet. Industrieaufträge und ISM-Index enttäuschten, der Dax schloss deutlich schwächer, in New York gaben die Kurse ebenfalls nach.

Die amerikanischen Indizes bauten ihre Kursverluste nach dem Ende des elektronischen Handels in Frankfurt noch leicht aus. Als auf dem Frankfurter Parkett der Aktienhandel beendet war, stand der S&P 500 zwei Prozent tiefer, der Dow Jones hatte 1,5 Prozent verloren. Der L-Dax reagierte auf die schwachen amerikanischen Kurse und verlor gegenüber dem Xetra-Schluss noch 16 Zähler.

Auf Xetra stand ein Kursverlust von 1,7 Prozent zu Buche, der Dax gab fast 90 Punkte auf 5.055 Zähler. Beobachter begründeten dies zum einen mit Gewinnmitnahmen nach den Kursgewinnen der letzten Wochen, zum anderen fielen amerikanische Wirtschaftdaten am Mittwoch zur Abwechslung schlechter aus als erwartet.

Sowohl der Auftragseingang der amerikanischen Industrie fiel mit einem Plus von 0,7 Prozent im Mai schlechter aus erwartet, und auch der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe war mit 44 Punkten schwächer als gedacht. Auch die ADP-Arbeitsmarktzahlen hielten den Erwartungen nicht Stand. Um 532.000 sank die Zahl der Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft im Mai. Das waren zwar weniger als im April, aber dennoch mehr als die erwarteten 520.000. Für April berichtigte ADP die Zahlen sogar um mehr als 50.000 nach oben, auf 545.000.

Bayer, Linde und Fresenius
Drei Dax-Aktien beendeten den Handelstag mit Kursgewinnen. Die eher konjunkturunanfälligen Titel von Fresenius und Bayer gewannen je rund ein Prozent, die Aktie des Industriegasekonzerns Linde legte ebenfalls leicht zu.

Stahl neu bewertet, Metro im Arcandor-Sog
Fast am Dax-Ende verlor die Salzgitteraktie 5,7 Prozent. Die UBS hatte die Aktie zum Verkauf empfohlen und zugleich den Konkurrenten ThyssenKrupp als Kauf angepriesen. ThyssenKrupp-Papiere gaben deshalb nur ein halbes Prozent ab. Noch heftiger als Salzgitter erwischte es das Metro-Papier. Die Aktie verlor im Sog des Hickhacks um die Rettung des Konkurrenten und möglichen Partners Arcandor 6,5 Prozent.

Autoaktien nicht gefragt
Autoaktien profitierten am Mittwoch nicht von der Nachricht aus Flensburg, dass die so genannte Umweltprämie die Zulassungsstatistik immer noch heftig in die Höhe treibt. Um fast 40 Prozent verbesserten sich die Autoverkäufe im Mai, Autoaktien waren heute (bis auf BMW) trotzdem im hinteren Dax-Drittel zu finden.
Porsche braucht viel Geld
Der milliardenschwer verschuldete Sportwagenhersteller Porsche will seine Geldnot durch einen Staatskredit lindern. Man werde einen Kreditantrag über 1,75 Milliarden Euro stellen, teilte Porsche mit. Damit will die Firma vor allem das operative Geschäft finanzieren. Die Aktie notiert etwas schwächer.

HRE bald in Bundesbesitz
Auf der Hauptversammlung der Immobilienbank Hypo Real Estate am Dienstag hat die Mehrheit der Anteilseigner erwartungsgemäß für eine Kapitalerhöhung gestimmt. Damit kann der Bund seinen Anteil auf mehr als 90 Prozent erhöhen und dann die Restaktionäre abfinden. Die Aktie schloss zwei Prozent höher.

Arcandor mit neuen Problemen
Die EU-Kommission hat dem hoch verschuldeten Handelskonzern Arcandor untersagt, Beihilfen aus dem Sonderbürgschaftsprogramm der Bundesregierung zu beantragen. Da der Konzern bereits vor dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen sei, dürfe Arcandor Mittel aus dem Deutschland-Fonds nicht in Anspruch nehmen, begründete die EU-Kommission ihre Entscheidung. Wirtschaftsminister Guttenberg sagte, es gebe möglicherweise Investoren, die eine andere Lösung anstreben. Konzernchef Eick wolle jedoch am Verfahren über den Deutschland-Fonds festhalten. Die Arcandor-Aktie, die am Morgen noch deutlich höher notierte, beendete den Handel am Mittwoch mit einem Minus von 0,5 Prozent.

Wincor Nixdorf beliefert Netto
Der Automatenhersteller Wincor Nixdorf hat einen Großauftrag gemeldet. Man werde 1.500 Leergutrücknahmesysteme für einen bundesweit tätigen Discounter liefern, teilte das MDax-Unternehmen mit. Der Auftrag schließe auf Serviceleistungen über zwei Jahre ein, hieß es. Die Wincor Nixdorf-Aktie profitierte nicht von der Nachricht, sie gab ein Prozent ab.

HeidelCement dementiert Berichte
Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach die Gläubigerbanken dem Konzern nur noch eine Gnadenfrist von zwei Wochen gewährt hätten. Sollte es HeidelCement in dieser Zeit nicht gelingen, einen Überbrückungskredit von 600 Millionen Euro zu organisieren, drohe die Insolvenz, hieß es. Die Zement-Aktie verlor 6,3 Prozent.

Insolvenz bei Vivacon?
Beim Immobilienunternehmen Vivacon könnten möglicherweise schon Ende Juni die Lichter ausgehen. Soviel Zeit bleibt der Firma einem Bericht der Börsen-Zeitung zufolge, Kredite in Höhe von 116 Millionen Euro aufzutreiben. Am 1. Juli läuft nach Informationen der BöZ die Stillhaltevereinbarung zwischen Vivacon und den Banken aus. Die Aktie, seit Freitag heftig unter Druck, legte 3,4 Prozent zu.

Hochgestuft im Tec- und S-Dax
Im SDax gewann die Loewe-Aktie 6,3 Prozent. Die Analysten von Goldman Sachs hatten sie zum Kauf empfohlen. WireCard aus dem TecDax erhielt gleich zwei Kaufempfehlungen, eine durch die Deutsche Bank, die andere von der WestLB. Die Aktie verlor dennoch 0,3 Prozent.

Jenoptik bekräftigt Prognosen
Der im TecDax notierte Technologiekonzern Jenoptik hat das erste Quartal zwar mit Verlusten beendet, aber dennoch seine Prognosen für das laufende Jahr bestätigt. Umsatz und Ergebnis sollen unter dem Niveau des Vorjahres liegen, hieß es von Jenoptik. Man könne sich aber wegen der Wirtschaftskrise nicht auf eine konkrete Aussage festlegen. Die Aktie verliert etwa ein Prozent.

IQ-Power nicht mehr insolvent?
Aktien der Schweizer Batteriefirma IQ-Power legten am Mittwoch um 58 Prozent zu. Ein Gericht hob das vor drei Monaten eingereichte Konkursverfahren der Firma auf. Der Sachverhalt einer Insolvenz sei nicht mehr gegeben, sagte IQ-Power-Chef Bob Sullivan. Die Aktie war nach der Insolvenzerklärung Anfang März auf bis zu 2,5 Cent abgeschmiert, heute legte sich auf 30,8 Cent zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr