Der Dax und die Commerzbank

Stand: 01.09.2008, 20:00 Uhr

Das beherrschende Thema auf dem Parkett war am Montag die Bankenfusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank. Die Commerzbank-Aktie wurde deswegen abgestraft, der Dax beendete den Handelstag aber unverändert.

Neben der Deutschen Bank entsteht hierzulande ein zweiter, deutscher, international wettbewerbsfähiger, Bankenkonzern. Nach monatelangen Verhandlungen haben sich Commerzbank und Allianz am Sonntag darauf geeinigt, dass die Commerzbank für 9,8 Milliarden Euro die Allianz-Tochter Dresdner Bank übernehmen wird.

Die beiden Konzerne bezeichneten die Fusion als großen Erfolg, aber die Börse sah dies, zumindest für die Commerzbank, anders. 10,2 Prozent verlor die Aktie am Montag. Das Urteil der Analysten fiel teilweise vernichtend aus. Zu teuer sei die Fusion, auf die Bank kämen hohe Restrukturierungskosten zu, zukünftige Gewinne würden durch die Ausgabe neuer Aktien im Tausch für eine Verluste schreibende Einheit belastet, hieß es. Einige Analysten stuften die Aktie herab.

Die Allianz-Aktie hingegen verbuchte leichte Zugewinne. Experten honorierten, dass der Versicherungskonzern es geschafft habe, die nicht zu Kerngeschäft gehörende Dresdner Bank zu verkaufen, mit einem hohen Verlust zwar, aber immerhin.

0,5 Prozent gewann die Postbank-Aktie. Die Bank steht ebenfalls zum Verkauf, die Commerzbank winkte bereits ab: Man werde in naher Zukunft keine weitere Übernahme stemmen. Börsianer bringen nun die Deutsche Bank als Käufer ins Spiel.

Dax dümpelte
Ansonsten war wenig los am deutschen Aktienmarkt. Zum einen fehlte es an Unternehmens- und Konjunkturnachrichten, zum anderen war die Wall Street wegen eines Feiertages in den USA geschlossen. Die sonst so wichtigen Impulse aus den USA blieben aus. Nach schwachem Start erholte sich der Dax zusehends und beschloss den Handelstag nahezu unverändert bei 6.422 Punkten.

Von dem weiteren Rückgang des Ölpreises profitierten Autoaktien und die Papiere der Lufthansa. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl fiel im Tagesverlauf auf unter 111
Dollar, Daimler-, BMW- und Volkswagenaktien legten daher überdurchschnittlich zu. Die Lufthansa war mit einem Kursplus von 2,1 Prozent sogar Dax-Spitze.

Neue Dax-Mitglieder ab 22. September
Ein weiteres Thema am Aktienmarkt, neben der Bankenhochzeit, war die neue Indexzusammensetzung, die am Mittwoch bekannt gegeben wird. Für den Aufstiegsaspiranten Salzgitter reicht laut Rangliste der Deutschen Börse der Börsenumsatz nicht, um die angeschlagene Hypo Real Estate aus dem Dax zu verdrängen. Hoffnung beendet, die Aktie verlor 2,8 Prozent.

Ebenfalls bitter sieht es für Deutz aus. Die Aktie des MDax-Motorenbauers dürfte in den SDax absteigen, das Papier verbilligte sich um 1,6 Prozent.

Fast sicher wird der Düngemittelhersteller K+S in den Dax aufrücken und den schon seit mehreren Jahren als Abstiegskandidaten gehandelten Ferienkonzern Tui verdrängen. Bei K+S ist der Aufstiegsbonus schon eingepreist, die Aktie verlor 2,9 Prozent.

HRE baut Staatsfinanzierung aus
Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate will das Gewinn bringende Staatsfinanzierungsgeschäft ausbauen. Wegen der guten Margensituation wolle man das 232 Milliarden Euro schwere Portfolio weiter vergrößern, sagte Spartenvorstand Bo Heide-Ottosen. In den letzten sechs Monaten verbuchte die HRE-Sparte ein Neugeschäft von 26 Milliarden Euro.

Bayer gibt Gas
Die Bayer-Aktie schloss 0,8 Prozent höher. Der Pharma- und Chemiekonzern will sein Thrombosemedikament Rivaroxaban früher als bisher geplant in die klinische Phase drei überführen. Bayer erwartet von Rivaroxaban einen jährliches Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro.

RWE steigt bei Quietrevolution ein
Der Stromversorger RWE hat für 7,5 Millionen Euro einen Minderheitsanteil an der britischen Windkraftfirma Quietrevolution gekauft. Die Firma produziert kleine Windturbinen, die beispielsweise auf Häusern aufgestellt werden. "Wir wollen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Zukunftstechnologie spielen", sagte RWE-Spartenchef Fritz Vahrenholt. Die RWE-Aktie notierte etwas schwächer, minus 0,6 Prozent.

ProSiebenSat.1 und die Kapitalerhöhung
Die TV-Senderkette ProSiebenSat.1 hat Marktgerüchte dementiert, wonach der Konzern eine Kapitalerhöhung plane. "Das ist Unsinn, da ist nichts dran", sagte ein Sprecher der MDax-Firma. Die Aktie wurde dennoch durchgereicht, sie verlor 4,3 Prozent.

Suzlon kauft bei Repower zu
Der indische Windkraftanlagenhersteller Suzlon hat seinen Anteil an Repower weiter ausgebaut. Suzlon übernahm vom portugiesischen Großaktionär Martifer vorzeitig dessen 22,48-Prozentpaket und hält nun 90 Prozent an Repower. Die Aktie stieg um 4,4 Prozent. Am Abend teilte Repower mit, Suzlon wolle nun mittels einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag die Leitung bei Repower übernehmen.

IDS hat einen neuen Chef
Das Softwareunternehmen IDS Scheer hat seinen Vorstandschef Thomas Volk ausgewechselt. Nachfolger wird mit sofortiger Wirkung Peter Gerard. Gerard will die Neuausrichtung des TecDax-Unternehmens voranbringen und bei der Profitabilität wieder zweistellige Margen erreichen. Die Aktie verlor 7,3 Prozent. Händler verwiesen auch auf die schwindende Übernahmefantasie, da August-Wilhelm Scheer, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, an seinem Anteil von 41 Prozent festhalten will. Zuletzt profitierte die Aktie von immer wieder aufflammenden Spekulationen um eine Übernahme durch SAP.

Übernahmeangebot für Petrotec
Die israelische Firma IC Green Energy will den Biodieselhersteller Petrotec übernehmen. IC Green Energy bietet im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebotes 2,7 Euro je Petrotec-Aktie. Petrotec-Großaktionär Petrotec S.a.r.l hat bereits ihre Beteiligung von 42,1 Prozent verkauft. Die Aktie stieg um zwölf Prozent.

Payom kauft ein
Die Aktie des Solarunternehmen Payom verteuerte sich um sieben Prozent. Das Solarunternehmen hat einen neuen Kaufvertrag über die Lieferung von Solarmodulen abgeschlossen. Das Vertragsvolumen liegt bei sechs Millionen Euro.

Net Mobile mit der Swisscom im Geschäft
Der Mobilfunk-Dienstleister Net Mobile übernimmt den Schweizer Wettbewerber Minick vom Telekommunikationskonzern Swisscom. Im Gegenzug erhält Swisscom einen Minderheitsanteil im niedrigen zweistelligen Prozentbereich an Net Mobile. Die Aktie stieg am Montag um 8,6 Prozent.

Dax-Chart realtime

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Konjunktur:
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