Der Dax spielt den Krisen-Blues

Stand: 03.09.2008, 20:01 Uhr

In der EU schrumpft die Wirtschaft, die Verbraucherausgaben sinken, und aus den USA kamen auch nur gemischte Konjunkturdaten. Die Pessimisten übernahmen am Mittwoch das Ruder, der Aktienmarkt bilanzierte Verluste.

Nur kurz kam am Nachmittag ein wenig Hoffnung auf. Da erhielten die Anleger die aktuellen Zahlen zu den Industrieaufträgen in den USA. Diese stiegen um 1,3 Prozent, erwartet war lediglich ein Prozent. Das gab den Börsen kurz Hoffnung, die Kurse zogen an.

Allerdings nur kurz. Zum einen war der Auftragseingang, ohne Berücksichtigung der schwankungsanfälligen Transportgüter, schwächer als erwartet. Und außerdem gab es aus der Eurozone bereits genug schlechte Nachrichten. Die weltweite Konjunkturflaute macht sich nun auch deutlich in der EU bemerkbar. Das BIP in der Eurozone schrumpfte, das wurde am Mittwoch bekannt, im zweiten Quartal um 0,2 Prozent, die Einzelhandelsumsätze gingen im Juli um 0,4 Prozent zurück.

Ein weiterer Rückgang des Ölpreises gab den Aktienmärkten keinen Auftrieb. Mittlerweile spekulieren Händler, dass der 30-prozentige Rückgang des Ölpreises seit dem Rekordhoch im Juli ein weiteres Anzeichen für die wirtschaftliche Abkühlung sei.

Der Dax beendete den Handel mit 0,8 Prozent im Minus, bei 6.467 Punkten. Deutlichere Verluste gab es bei MDax und TecDax, sie verloren jeweils mehr als zwei Prozent.

In den USA meldete sich am Abend die amerikanische Notenbank zu Wort. Die Fed konstatierte in ihrem Konjunkturbericht Beige Book, dass die wirtschaftliche Aktivität und das Geschäftsklime in den meisten Regionen schwach sei, weiterhin gebe es einen von hohen Energie-, Rohstoff- und Lebensmittelpreisen ausgelösten Preisdruck. Die Fed erwartet, dass sich sowohl Konsumausgaben und Immobilienmarkt schwach entwickeln werden, immerhin könnte sich die Lage am Arbeitsmarkt stabilisieren.

Schwach trotz Qimonda-Gerücht
Die Infineon-Aktie drehte im Nachmittagshandel ins Minus, nachdem sie die meiste Zeit des Handelstages an der Spitze des Dax anzutreffen war. Ein Bericht der Financial Times Deutschland bestärkte bestehende Marktgerüchte, wonach der US-Konzern Micron Technology an der Infineon-Tochter Qimonda interessiert sei. Die Infineon-Aktie schloss trotzdem dennoch leichter, minus 0,4 Prozent.

Commerzbank stoppt Kursrutsch
Nach zwei Tagen mit teils erheblichen Kursverlusten hat die Commerzbank-Aktie am Mittwoch zumindest nicht weiter verloren. Das Papier schloss 0,1 Prozent im Minus, obwohl das Management sich weiterhin große Mühe gibt, den Kauf der Dresdner Bank positiv darzustellen. Ein Bericht der Financial Times, wonach es bereits Interessenten für die Dresdner Investmensparte DKIB gebe, half dem Kurs nicht.

Gewinnwarnung belastet Merck
Die Aktie des Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck beendete den Handelstag als schwächster Dax-Wert mit einem Kursverlust von 3,1 Prozent. Zuvor hatte der US-Konzern Corning, weltgrößter Hersteller von Spezialglas für Flüssigkristall-Bildschirme, seine Gewinnprognose gesenkt. Merck ist Weltmarktführer bei Flüssigkristallen, einer der Grundsubstanzen für Flachbildschirme.

IVG weiter stark unter Druck
Die Aktie des Immobilienunternehmens IVG verlor auch am Mittwoch wieder kräftig. Am Dienstag hatte das Unternehmen den Verkauf seines profitablen Kavernengeschäftes bekannt gegeben. Die Anleger waren davon überhaupt nicht begeistert, bereits am Dienstag verlor die Aktie deswegen fast 13 Prozent, am Mittwoch ging es weitere 7,8 Prozent in den Keller.

Fraport bestätigt Prognosen
Auf einem Investorentag bestätigte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport die Geschäftsprognose für dieses Jahr, wonach Umsatz und Ergebnis leicht steigen und die Dividende zumindest stabil bleiben soll. Im vergangenen Jahr hatte Fraport 1,15 Euro je Aktie ausgeschüttet. Sein operatives Ergebnis außerhalb Frankfurts will Fraport bis zum Jahr 2010 verdoppeln. Die Aktie verlor im Handelsverlauf 1,6 Prozent und schnitt damit besser ab als der MDax-Durchschnitt.

CTS Eventim-Aktie feiert neuen Aktionär
Die Aktie des Ticketvermarkters CTS Eventim stieg um überraschende 3,6 Prozent. Das SDax-Unternehmen teilte am Morgen mit, dass sich die Investmentgesellschaft FIL aus Bermuda an CTS Eventim beteiligt. FIL hält nun 3,02 Prozent an CTS Eventim.

DIC verkauft Immobilien
Das Immobilienunternehmen DIC Asset aus dem SDax hat sich von Immobilien im Wert von 27 Millionen Euro getrennt. Einen überwiegenden Teil der 16,7 Millionen Euro, die in die Kasse von DIC fließen, will die Firma im dritten Quartal ergebniswirksam abrechnen. Die Aktie schloss unverändert.

Kromi's verbersserte Bilanz
Der Werkzeugzulieferer Kromi hat im abgelaufenen Geschäftsjahr sowohl Umsatz als auch Ergebnis kräftig gesteigert. Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 40,1 Millionen Euro, das Ebit kletterte um 38 Prozent auf 3,37 Millionen Euro. Kromi übertraf damit die eigene Prognose, die Aktie legt mehr als elf Prozent zu.

Coca-Cola übernimmt Huiyuan
Der Getränkehersteller Coca-Cola will für 2,5 Milliarden Dollar den chinesischen Safthersteller Huiyuan übernehmen. Das Angebot, das bisher größte eines ausländischen Unternehmens für eine chinesische Firma, übersteigt den Börsenwert von Huiyuan um das Dreifache. Coca-Cola sei vor allem an dem Markennamen Huiyuan Huice und dem Vertriebsnetz interessiert, urteilten Analysten. Nach der Übernahme will Coca-Cola die Firma von der Börse nehmen. An der Wall Street wurde der hohe Kaufpreis bemängelt, die Aktie verliert leicht.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr