Der Dax legt einen Zahn zu

von Robert Minde

Stand: 23.03.2012, 20:02 Uhr

Zum Handelsschluss hat der Dax dann doch noch den Turbo eingelegt. Sah es bis dahin so aus, als ob es mit Verlusten ins Wochenende gehen würde, kam dann doch alles anders. Typisch Börse eben.

Am deutschen Aktienmarkt hatten die Bullen am Ende des Tages das bessere Ende für sich gehabt. Der Dax drehte im späten Geschäft überraschend noch ins Plus und schloss noch mit einem leichten Tagesgewinn von 0,2 Prozent bei 6.995 Punkten. Am Ende verfehlt der deutsche Leitindex die Marke von 7.000 Punkten dabei nur ganz knapp. Im nachbörslichen Geschäft liegt der Index aktuell aber darüber bei 7.008 Zählern. Noch am Nachmittag war der Index nach schwächeren US-Daten über ein Prozent ins Minus gerutscht und hatte ein Tagestief von 6.908 Zählern erreicht. Das Tageshoch lag bei 7.026 Zählern.

Einige Short-Spekulanten hätten vor dem Wochenende doch noch eingedeckt, kommentierten Händler den Tagesschwenk. Laut Stefan de Schutter von alpha Wertpapierhandel zog der deutsche Markt den kurz nach dem Auftakt ins Plus gedrehten US-Börsen hinterher. Konkrete Kurstreiber habe es dabei aber nicht
gegeben, betonte der Börsianer. Er verwies zugleich auf eine insgesamt dünne Handelsaktivität, in der solche Ausschläge schon einmal möglich seien.

Nur ein Durchatmen
Bereits während des Handelstages hatten Experten die Verluste nach dem vorherigen Kursfeuerwerk gelassen gesehen. "Das dürfte nur ein Durchatmen, keine Trendumkehr sein, denn die konjunkturellen Fundamentaldaten stimmen", sagt Wolfgang Duwe, Aktienstratege bei der Bremer Landesbank. Im Wochenverlauf hat der Dax 2,3 einegbüßt, nachdem er seit Jahresanfang bis zu zwanzig Prozent nach oben geschossen war.

Commerzbank an der Spitze
Tagessieger waren Commerzbank, die über drei Prozent zulegten. Zuvor hatte das US-Handelshaus Goldman Sachs bekannt gegeben, mit über sechs Prozent an der gelben Bank beteiligt zu sein. Gesucht waren auch Heidelbergcement. Autoaktien erholten sich eindrucksvoll, nachdem die Aktien am Morgen noch durch eine negative Branchenstudie belastet gewesen waren.

Die Index-Schergewichte Siemens und Allianz grenzten ihre Verluste deutlich ein und überließen die rote Laterne der Softwareschmiede SAP. Allianz-Chef Michael Diekmann hatte sich zuvor zurückhaltend zum laufenden Jahr geäußert. "Das neue Geschäftsjahr wird nicht weniger fordernd sein als das Berichtsjahr", schrieb Diekmann im Geschäftsbericht.

Euro und deutsche Renten gesucht
Der Euro hat sich zum Wochenschluss aufgerappelt und notiert aktuell bei 1,3258 Euro. Das ist gut ein Cent mehr als gestern, als die Gemeinschaftswährung nach enttäuschenden Euro-Konjunkturdaten sogar bis auf 1,3133 Dollar zurückgefallen war. "Nachdem die Angst vor einem bevorstehenden ungeordneten griechischen Zahlungsausfall in den Hintergrund getreten ist, liegt nun der Fokus wieder auf den Konjunkturdaten", schrieb die WestLB in einem Kommentar.

Analyst Christian Apelt von der Helaba gab allerdings zu bedenken: "Vor allem die sinkenden Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone erinnerten daran, dass die zusätzliche Liquidität nicht alle Probleme einfach wegspülen kann." Investoren blieben von daher bezüglich der Wachstumskraft der europäischen Schuldnerländer skeptisch.

Am deutschen Rentenmarkt ging es heute aufwärts. Der Bund-Future legte 0,4 Prozent zu. Zur Kasse war die Rendite der börsennotierten Bundeswertpapiere von 1,60 auf 1,56 Prozent gefallen. Spanische und italienische zehnjährige Staatsanleihen fielen im Gegenzug zurück. Die Renditen stiegen auf 5,6 beziehungsweise 5,2 Prozent. Vor Wochenfrist lagen die Sätze noch bei 5,2 und 4,9 Prozent.

Auch die Wall Street dreht ins Plus
An der New Yorker Börse ist die Stimmung im Handelsverlauf umgeschlagen. Der Dow-Jones-Index, der zur Eröffnung nach schwächeren Zahlen vom Immobilienmarkt mit leichten Verlusten gestartet war, steht aktuell knapp 0,4 Prozent im Plus. Gesucht sind vor allem Energie- und Rohstoffwerte. Die Verkäufe neuer Häuser waren im Februar leicht unter den Erwartungen geblieben. Allerdings waren die Preise der Häuser dabei gestiegen, was Hoffnungen nährte, dass die Talsohle auf dem Immobilienmarkt durchschritten sein könnte. Rob Morgan von Fulcrum Securities sprach von widersprüchlichen Daten. "Auch wenn die Zahlen
erwartbar waren, liegen sie noch weit unter den Werten eines gesunden Häusermarktes."

Insgesamt bewegen sich die US-Märkte aber schon seit Tagen nur wenig. Händler verwiesen darauf, dass sich die Anleger wegen Konjunktursorgen in China und zuletzt auch in Europa zurückhalten. Insgesamt gehe die Konsolidierung der vergangenen Tage weiter.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
15,14
Differenz relativ
-0,49%

Telekom strukturiert US-Business um
Die Deutsche Telekom strukturiert ihre in Schwierigkeiten steckende US-Mobilfunktochter um. In einem ersten Schritt wird die Zahl der Call-Center-Standorte von 24 auf 17 reduziert. Netto fallen damit 1.900 Stellen weg. Im Gegenzug werde das Netz in den USA auf den neuen LTE-Standard (Long Term Evolution) aufgerüstet, sagte ein Händler. Die Nachricht wirkt sich positiv auf das Papier aus, die Aktie legt 0,6 Prozent zu.

Rückenwind für Lanxess
Die Aktien von Lanxess steigen im MDax um 2,6 Prozent. Der Grund: Positive Analystenreaktionen auf die am Vortag vorgelegten Zahlen. Am Vortag hatten die Titel des Spezialchemieunternehmens mit einem kräftigen Anstieg um gut 8,5 Prozent von den Resultaten für das abgelaufene Jahr profitiert. Viele Analysten hatten nach den Bilanzzahlen vom Vortag ihre Kursziele für die Titel des Spezialchemiekonzerns angehoben.

Sonderausschüttung bei ElringKlinger

Der Automobilzulieferer schlägt der Hauptversammlung am 16. Mai zusätzlich zur ohnehin schon erhöhten regulären Dividende eine Sonderausschüttung vor. Dank eines Sonderertrages aus dem Verkauf des Gewerbeparks Ludwigshafen und steuerlicher Effekte erhöhte sich der Gewinn um 16,5 Millionen Euro. Daran sollen die Aktionäre mit einer um fünf Cent auf 0,40 Euro erhöhten regulären Dividende sowie einer Sonderausschüttung von 0,18 Euro beteiligt werden. Die Ausschüttungsquote liegt dann bei 49,5 Prozent.

2011 hatte die ElringKlinger-Gruppe erstmals die Umsatzschwelle von einer Milliarde Euro übersprungen. Das Ebit stieg um 39,4 Prozent auf 148,7 Millionen Euro. Die im MDax notierte Aktie nimmt am Nachmittag Fahrt auf und schließt mit einem Plus von gut einem Prozent.

Steigt der Bund bei EADS ein?
Aus informierten Kreisen verlautet, dass der Bund seinen Einfluss beim deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern absichern will. Um dies zu erreichen, bereitet er sich auf die Übernahme des 7,5-prozentigen Daimler-Anteils sowie auf die 4,5 Prozent der Aktien vor, die vom Dedalus-Konsortium privater Banken werden. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums bestätigte, dass im Bundeshaushalt eine 1,6 Milliarden Euro schwere Vorsorge für den Fall getroffen worden sei, dass die privaten Investoren verkaufen wollen. Die im MDax notierte EADS-Aktie steigt mit dem Markt am späten Nachmittag noch um 0,7 Prozent.

Sky stürzt ab
Sky Deutschland sinken mit Abschlägen um knapp drei Prozent ans MDax-Ende. Händler verwiesen auf einen Bericht der "Bild"-Zeitung, der noch einmal darauf verwies, dass die Deutsche Telekom Sky alle Rechte für die Live-Übertragung der Fußball-Bundesliga abluchsen will. "Das wäre natürlich schlecht für Sky", sagte ein Börsianer. Ein Bieterwettstreit zwischen der Telekom und Sky zeichnete sich schon seit längerem ab. Die Interessenten müssen Anfang April ihre Gebote beim Ligaverband DFL dafür vorlegen.

Jenoptik-Zahlen kommen gut an
Der Technologiekonzern Jenoptik hat seine Prognose für das laufende Jahr bekräftigt. "Wir bleiben bei unserem im Februar formulierten vorsichtigen Optimismus", sagte Jenoptik-Chef Michael Mertin. Für das Gesamtjahr erwarte Jenoptik nun ein leichtes organisches Umsatzwachstum von zwei bis sechs Prozent zum Vorjahr, präzisierte Mertin die Aussage von Anfang Februar. Das Jahr sei gut angelaufen, ließ der Manager wissen. "Wir werden voraussichtlich ein erfolgreiches erstes Quartal haben", erklärte Mertin. Die endgültigen Zahlen fielen noch einen Tick besser als die vorläufigen aus. Die im TecDax notierte Aktie reagierte positiv.

CTS Eventim gibt Dividende bekannt
Das Unternehmen will für das abgelaufene Geschäftsjahr 2011 eine unveränderte Dividende von 0,44 Euro zahlen. Das Konzernergebnis der Gesellschaft, deren größtes Geschäftsfeld der Verkauf von Eintrittskarten im Internet ist, lag mit rund 42,2 Millionen Euro auf Vorjahresniveau. In diesem Segment erreichte CTS Eventim auch das größte Wachstum. Für 2012 ist das Management zuversichtlich, wachsen will man vor allem im Ausland. Eckdaten gab es schon vorab Mitte Februar.

Hawesko steigert erneut die Dividende
Schon zum neunten Mal in Folge erhöht der im SDax notierte Weinhändler die Dividende. Die Ausschüttung soll auf 1,60 nach zuvor 1,50 Euro steigen. Zusätzlich soll ein Bonus von 0,25 Euro gezahlt werden. Diesen Vorschlägen des Vorstandes hat sich der Aufsichtsrat des Unternehmens auf seiner heutigen Sitzung angeschlossen. Beim Umsatz und operativem Ergebnis (Ebit) hatte das Unternehmen 2011 Rekordmarken erreicht. Die Aktie schließt trotzdem leicht im Verlust.

Nike verdient mehr
Der Adidas-Konkurrent Nike verdiente im dritten Quartal 560 Millionen Dollar nach 523 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar. Trotzdem steht die Aktie in New York unter Druck und gibt fast drei Prozent nach.

Dem Abgabedruck folgte auch die Adidas-aktie, die nach anfänglich positiver Reaktion auf die Zahlen des US-Konkurrenten leicht ins Minus rutschte

BATS-Börsengang mit Hindernissen
Der Börsengang der elektronischen US-Handelsplattform BATS Global Markets ist bisher ein Misserfolg. Die Papiere fielen auf der eigenen Plattform um 4,7 Prozent auf 15,25 Dollar, was einer Bewertung von 726 Millionen Dollar entsprochen hat. Zudem gab es zahlreiche technische Probleme, der Handel musste sogar ausgesetzt werden. Der Ausgabepreis lag bei 16 Dollar und damit am unteren Ende der Preisspanne.

BATS hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr einen Anteil von 11,3 Prozent am aktienhandel und war damit die Nummer drei in den USA. Die Plattform war 2005 von Großbanken als Alternative zu den etablierten Börsen wie Nyse und Nasdaq geründet worden. Mit dem Börsengang will sich BATS im immer schärferen Wettbewerb der Handelsplätze besser behaupten.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr