Marktbericht 20:15

Anleger halten sich bedeckt Der Dax legt eine Verschnaufpause ein

Stand: 10.07.2013, 20:15 Uhr

Die letzten beiden Handelstage ist es stürmisch bergauf gegangen, zur Wochenmitte halten die Anleger aber erst einmal inne. Denn aus China und Italien kamen schlechte Nachrichten. Zudem geht der Blick schon wieder nach Washington zur US-Notenbank.

Der deutsche Leitindex hat zur Wochenmitte gleich mehrere Gänge zurückgeschaltet. Nach den hohen Volatilitäten der vergangenen Handelstage beendete der deutsche Leitindex den Handel mit einem leichten Aufschlag von 0,11 Prozent bei 8.066 Punkten. Wegen eines technischen Problems beim Indexanbieter Deutsche Börse konnte der endgültige Schlussstand erst mit Verzögerung ermittelt werden, zuvor stand ein Minus von 0,11 Prozent auf der Anzeigetafel.

Passiert ist aber trotzdem nichts, der Index bleibt weiter über 8.000 Punkten und die beginnende Berichtssaison für das zweite Quartal wirft unverändert ihre Schatten voraus. Nachbörslich tat sich nicht mehr viel, der L/E-Dax, der um 20.00 Uhr schließt, lag am Ende bei 8.064 Zählern.

China und Italien sorgen für Sorgenfalten

Dass es heute nicht so stürmisch weiterging wie zuletzt, lag zunächst einmal an China, wo die Ausfuhren im Juni überraschend um 3,1 Punkte gesunken waren. Dadurch mehrten sich die Sorgen, dass das Riesenreich seine Rolle als Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft verlieren könnte.

Auch die Importe verringerten sich, wovon vor allem deutsche Unternehmen besonders betroffen sein könnten. "Deutsche Exporteure werden wohl unverhältnismäßig getroffen, da sie sich auf Branchen fokussieren, die in China derzeit richtig zu kämpfen haben", erklärte Deutsche-Bank-Volkswirt Gilles Moec.

Schlechte Nachrichten kamen auch aus Italien. Am Dienstagabend hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit Italiens von "BBB+"auf "BBB" reduziert und außerdem den Ausblick als "negativ" bezeichnet. Damit liegt die Kreditwürdigkeit nur noch zwei Stufen über dem so genannten "Ramsch-Niveau", womit spekulative Anlagen gemeint sind. Elia Lattuga, Analystin bei der UniCredit, erklärte, die S&P-Kritik sei stark auf die Vergangenheit gemünzt. "Der Zeitpunkt für die Senkung der Bonitätsnote ist überraschend, vor allem wenn man bedenkt, dass jüngste Konjunkturdaten ein Ende der Rezession in Italien vielleicht noch vor Jahresende nahelegen."

"Die Herunterstufung kommt ein wenig spät", sagte auch ein Börsianer. "Die Aspekte, die als Begründung aufgeführt werden, sind alt." Die Rating-Agentur begründet den Schritt vor allem mit der anhaltenden Wirtschaftsschwäche des Landes.

Am Abend kommen die "Minutes"

Spannend könnte es zumindest für die Wall Street nach 20:00 Uhr werden, wenn die die Veröffentlichung der so genannten "Minutes"ansteht, also der Protokolle der vergangenen Zinssitzung der Fed. Dies ist zwar nur ein eher technisches Datum - aber da die Fed genau auf dieser Juni-Sitzung den "Einstieg in den Ausstieg" der ultraexpansiven Geldpolitik beschloss, blickt die Börse gespannt darauf, was hinter verschlossenen Türen diskutiert wurde.

Lassen sich womöglich neue Schlüsse auf das Tempo der Verlangsamung der Anleihekäufe, im Fachjargon "QE3" genannt, ziehen? Sollten sich stärkere Ausschläge ergeben, werden diese auch bei uns morgen zu spüren sein. In New York tendiert der Dow-Jones-Index aktuell mit 0,1 Prozent leicht im Minus.

Inflation in Deutschland zieht an

Daten zur Inflation in Deutschland schockten die Märkte heute nicht. Die Geldentwertung ist im Juni auf den höchsten Stand seit Dezember geklettert. Die Verbraucherpreise waren nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts um 1,8 Prozent höher als vor einem Jahr. Besonders Nahrungsmittel verteuerten sich mit plus 5,4 Prozent besonders stark. Experten sehen aber trotzdem keine Inflationsgefahren, denn der Wert liegt weiter unter der Zielmarke der EZB von zwei Prozent.

Eine höhere Inflation würde insbesonders den südeuropäischen Schuldenstaaten zugute kommen, da deren Schuld entwertet würde. Umgekehrt legen die Sparer, vor allem in Deutschland, schon seit einer geraumen Weile drauf, denn ihr Geld wird bei den aktuellen Minizinsen real weniger wert.

Was die Analysten sagen

An der Dax-Spitze nistete sich die Beiersdorf-Aktie mit einem Zuwachs von knapp zwei Prozent ein, nachdem Morgan Stanley die Aktie auf "Overweight" und das Kursziel kräftig von 49 auf 78 Euro angehoben hatte. Die Analysten der Citigroup bestätigten ihre Kaufempfehlung und das Kursziel von 80 Euro.

Die Aktie des Salz- und Düngemittelherstellers K+S war hingegen nach einem negativen Kommentar der UBS-Analysten mit einem Abschlag von 3,96 Prozent größter Tagesverlierer im Dax. Die Experten senkten ihr fundamentales Urteil auf "Verkaufen" und das Kursziel von 35 auf 23 Euro.

Auch beim Börsenneuling Osram gab es neue Kommentare, die aber unterschiedlich ausfielen. Analyst Andreas Willi von JP Morgan nahm seine Bewertung mit einer Verkaufsempfehlung und einem Kursziel von 29 Euro auf. Die Bewertung erscheine bereits angemessen, zudem gebe es langfristige Risiken bei der Marktpositionierung der Siemens-Leuchtentochter. Osram-Aktien, die am Montag zu 24 Euro an den Markt gekommen waren, gaben leicht um 0,7 Prozent auf 27,64 Euro nach, waren aber gestern haussiert.

William Mackie von Berenberg bestätigte derweil die positive Einschätzung seiner Kollegen von der HSBC und der Commerzbank. Sein Kusrziel liegt bei 35 Euro. Den Ausblick des Vorstandes bezeichnte er als ziemlich konservativ. Osram gilt als heißer Kandidat für den Aufstieg in den MDax.

RAG-Stiftung bei ThyssenKrupp im Gespräch

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die RAG-Stiftung kann sich nach den Worten des Stiftungsvorsitzenden und ehemaligen Wirtschaftsministers Werner Müller einen Einstieg beim angeschlagenen Thyssen-Krupp-Konzern vorstellen. Dies sagte Müller nach Auskunft eines Fraktionssprechers der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag. Rechtlich gäbe es keine Probleme und die Satzungen ließen ein Engagement zu, zitierte der Sprecher den Stiftungschef. Allerdings müsste die Krupp-Stiftung, die 25,3 Prozent hält, und das Unternehmen auf die RAG-Stiftung zukommen. Auch Arbeitnehmervertreter äußerten sich positiv zu den Plänen.

Bei ThyssenKrupp steht nach dem anhaltenden Milliarden-Desaster in Amerika eine Kapitalerhöhung im Raum. Die RAG-Stiftung sitzt hingegen nach dem erfolgreichen Evonik-Börsengang auf einem Milliardenvermögen. Die ThyssenKrupp-Aktie legte gegen den Markt leicht zu.

Software AG wieder gefragt

Bester Wert im TecDax war mit einem Zuwachs von 5,6 Prozent die Aktie der Software AG. Mit Morgan Stanley und Barclays hatten sich die Analysten gleich zweier großer Häuser positiv zu der Aktie geäußert, die im bisherigen Jahresverlauf heftig unter Druck geraten war. Die Bewertung sei nach diesem Einbruch wieder günstig, mögliche Risiken auf dem niedrigeren Niveau eingepreist, erklärten die Experten.

Erleichterung bei Leoni

Die Leoni-Aktie schließt nach zunächts schwachem Start 2,24 Prozent besser und war bester MDax-Wert. Bei den Anlegern überwog die Erleichterung darüber, dass der Autozulieferer nach der Feslegung einer vergleichsweisen milden Kartellstrafe mit einem blauen Auge davon gekommen ist.

Zwar verhängte die EU gegen insgesamt fünf Unternehmen wegen verbotener Preisabsprachen bei Kabelbäumen ein Bußgeld von insgesamt 141,8 Millionen Euro - Leoni muss davon aber nur 1,38 Millionen Euro berappen. Den Löwenanteil muss mit 125,3 Millionen Euro der japanische "Konkurrent" Yazaki bezahlen.

Großaktionär reduziert bei Gagfah

Beim Wohnungskonzern Gagfah gibt es Veränderungen. Großaktionär Fortress verkaufte 20 Millionen Gagfah-Aktien, gleichzteitig wurden weitere 20 Millionen Papiere aus dem eigenen Bestand und über eine Kapitalerhöhung platziert. Der Preis lag an der unteren Bandbreite der Verkaufsspanne bei 8,85 Euro, womit das Volumen bei 354 Millionen Euro lag. Der Anteil von Fortress an Gagfah sinkt von 60,8 auf unter 50 Prozent. Gagfah-Aktien verloren deutlich 6,46 Prozent und gehörten zu den größten Verlierern im MDax.

Rational warnt - Aktie bricht dramatisch ein

Die Rational-Aktie verlor drastisch 16,88 Prozent und war damit mit Abstand schwächster MDax-Wert. In der Spitze hat das Papier nach der Gewinnwarnung am Morgen an die 20 Prozent verloren. Die bisher so erfolgsverwöhnten Anleger reagierten entsetzt auf die überraschende Rückhnahme der Geschäftsausichten des Großküchenspezialisten.

Gerresheimer ist nicht ganz zufrieden

Auch die Aktie des Verpackungsherstellers Gerresheimer gehörte mit Verlusten von rund 2,7 Prozent zu den größten Tagesverlierern im MDax. Das jüngste Zahlenwerk kam nicht gut an, im zweiten Geschäftsquartal litt Gerresheimer unter hohen Kosten für eine verbesserte Produktion und Qualitätsproblemen bei Glasampullen.

Balda bringt sich ins Gespräch

Der Kunststoffverarbeiter Balda berichtet am Vormittag von einer guten Auftragslage. Diese soll in einem Umsatz im laufenden Geschäftsjahr 2013/14 von 85 bis 90 Millionen Euro münden. Die Ebitda-Marge soll einen hohen einstelligen Prozentbereich erreichen.

In der kommenden Woche gibt es eine außerordentliche Hauptversammlung, auf der über den dreiköpfigen Aufsichtsrat abgestimmt werden soll, dessen Ablösung Großaktionär Thomas van Aubel anstrebt. Er hält 26,65 Prozent der Anteile. Die Börse verlor ein halbes Prozent.

Parktiker brechen ein

Schwächster Weret im SDax war nach einem Medienbericht die Praktiker-Aktie, die um 19,5 Prozent einbrach. Die Nachrichtenagentur "Reuters" berichtete, dass sich die Lage beim Baumarkt zuspitze und die Unternehmensgremien mit den Banken über frische Geldspritzen verhandeln.

Gewinnwarnung der Maternus-Kliniken

Der Betreiber von Pflege- und Rehabilitationskliniken hat am Nachmittag den Ausblick für das Geschäftsjahr 2013 wegen einer zu geringen Auslastung der Klinikbbetten einkassiert. Beim Umsatz wird nunmehr ein Rückgang von ein bis zwei Prozent erwartet, bezogen auf den Vorjahreswert von 113,9 Millionen Euro, bisher war ein Anstieg in dieser Größenordnung prognostiziert. Das operative Ergebnis (Ebit) soll weiter positiv sein, aber unter dem des Vorjahrers von 1,3 Millionen Euro liegen. Bisher war ein hier ebenfalls ein Zuwachs erwartet worden. Die im General Standard in Frankfurt notierte Aktie, die allerdings nur ein Penny-Stock ist, brach um 18 Prozent ein. Der Steubesitz liegt nur bei etwas mehr als 18 Prozent.

Deutsche Annington hat es geschafft

Die Wohnungsgesellschaft Deutsche Annington hat ihren geplanten Börsengang im zweiten Versuch eingetütet. Das Unternehmen platzierte knapp 35 Millionen Aktien zu je 16,50 Euro. Die Angebotsspanne lag bei 16,50 bis 17,00 Euro. Beim ersten Versuch hatte man noch für bis zu 57 Millionen Aktien jeweils 18 bis 21 Euro eingefordert. Erster Handelstag ist der morgige Donnerstag.

rm

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat