Marktbericht 20 Uhr

Gelddruck-Weltmeister gegen Möchtegern-Bremser Der Dax in Lauerstellung

Stand: 21.09.2016, 20:00 Uhr

Dem Dax blieb nur eins: Abwarten. Die Fed spricht erst nach Börsenschluss über ihre neue Geldpolitik. Ob die US-Notenbank diesmal von weiteren Bremsversuchen spricht? Über dieser Frage vergeht Anlegern die Freude an den Gelddruck-Weltmeistern aus Japan.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 17.00 Uhr

Zwischendurch war die Freude geredezu unbändig. Der Dax kletterte zeitweise bis auf 10.535 Punkte – ein Plus von 1,3 Prozent. Denn die Bank of Japan hatte geliefert. Sie verkünderte: Die Geldschleusen bleiben weit offen - so lange, bis die Inflation nachhaltig über 2 Prozent ist. Das kann dauern. Das spricht für lange Zeit billiges Geld. Gut an kam auch die Neujustierung der Geldpolitik. Die japanische Notenbank will die Renditen am Anleihemarkt in den Griff bekommen, und pumpen künftig mehr Geld in Kurzläufer.

Bank of Japan hilft Finanzbranche

Das entlastet die Finanzbranche, weshalb Bank- und Versicherungsaktien heute gefragt waren wie zum Beispiel die von ING und Axa. Nur der Deutschen Bank-Aktie konnte das nicht helfen.

Die japanische Notenbank könnte auch mehr Geld in den Aktienmarkt pumpen, wie es hieß. Aus lauter Vorfreude kletterte der japanische Leitindex Nikkei um fast zwei Prozent. Das schwappte rüber bis zu uns. Doch als die Fed-Sitzung näherrückte, ließ die Euphorie nach. Der Deutsche Aktienindex verringere sein Plus im Laufe des Tages und beendete den Xetra-Handel bei 10.436 Punkten mit nur noch 0,4 Prozent Tagesgewinn. Der L-Dax veränderte sich kaum. Auch an der Wall Street ist man vorsichtig. Der Dow Jones rückt zur Stunde gerade einmal 0,1 Prozent vor.

Leitzinsen bleiben unverändert

Gerade flattert die erste Fed-News rein, die dann doch keine echte Neuigkeit ist: Die Leitzinsen bleiben unverändert. Das war genauso erwartet worden. Die jüngsten Konjunkturdaten waren zu schlecht, als dass Yellen ihre Konjunkturpumpe langsamer laufen lassen würde.

Yellen: Ein ganz bestimmtes 'Vielleicht'?

Viel spannender ist aber: Was wird die Chefin der mächtigsten Notenbank gleich sagen? Sehr wahrscheinlich wird auch das wenig Neuigkeitswert haben. Sie bleibt wohl bei einem interpretierfähigen "Vielleicht". Vielleicht erhöht sie die Zinsen im Dezember. Vielleicht aber auch nicht. Soll heißen, dass Yellen alt begannte Formulierungen wiederholt, um sich alle Optionen offen zu lassen. Dann wäre das Fazit des heutigen Abends wieder mal: Nach der Fed ist vor der Fed!

Die Märkte bewerten die Chance auf einen Zinsschritt im Dezember inzwischen mit 60 Prozent. Gleichwohl gibt es Skeptiker, die selbst hinter diesen Termin ein Fragezeichen setzen. Schließlich kennt man nichts anderes: Seit der im Dezember 2015 eingeläuteten Zinswende sind bereits neun Monate vergangen und eine Fortsetzung wurde zwar immer wieder in Aussicht gestellt, aber nie geliefert.

Sorgenkind Deutsche Bank

Im Dax blieb die Aktie der Deutschen Bank das Sorgenkind. Wegen ihrer Kapitalausstattung. Die Aktie flirtete daher zeitweise mit ihrem Allzeittief bei 11,06 Euro. Das größte deutsche Geldhaus muss in der Affäre um Tricksereien auf dem billionenschweren Devisenmarkt weiter zittern. Eine US-Richterin wies zwar einen Teil der Vorwürfe gegen die Deutsche Bank und sechs andere Institute ab, lies aber die Mehrheit der Klagepunkte zu.

Anleger fordern 8,2 Milliarden Euro von VW

Ein Jahr nach Bekanntwerden des VW-Dieselskandals liegen beim Landgericht Braunschweig Klagen mit einem Streitwert von insgesamt rund 8,2 Milliarden Euro vor. Derzeit sind rund 1.400 Schadenersatzklagen von Anlegern gegen Volkswagen anhängig. Alleine am Montag wurden von einer Rechtsanwaltskanzlei rund 750 weitere Schadensersatzklagen eingereicht, überwiegend Klagen von Privatanlegern.

Daimler: Gut vernetzt mit der Deutschen Telekom?

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
58,35
Differenz relativ
+1,51%

Die Deutsche Telekom sorgt bei Daimler auch künftig für die Vernetzung der Autos. Der Stuttgarter Konzern verlängerte einen laufenden Vertrag für die Internet-Anbindung von Daimler-Fahrzeugen. Der Auftrag, der auch den Betrieb von Großrechnern umfasse, hat einen Wert im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Scharfe Kritik an Fusion von Deutscher Börse und LSE

Der Chef der europäischen Mehrländerbörse Euronext, Stéphane Boujnah, hat den Fusionsplan zwischen Deutsche Börse und der London Stock Exchange (LSE) deutlich kritisiert. Der Zusammenschluss schade Europa, dem Wettbewerb und damit den börsennotierten Unternehmen und den Börsenkandidaten.

Evotec nach Bayer-Kooperation gefragt

Evotec-Aktien profitierten von der Kooperation der Biotech-Schmiede mit dem Pharmakonzern Bayer bei der Behandlung von Nierenerkrankungen. Die Papiere sind unter den größten Gewinnern im TecDax. Evotec erhält für Lizenzen und Forschungsleistungen im Verlauf der Partnerschaft mindestens 14 Millionen Euro. Darüber hinaus winken Meilensteinzahlungen von potenziell über 300 Millionen Euro.

Jenoptik muss sich einen neuen Chef suchen

Die Jenoptik-Aktie war der mit Abstand größte TecDax-Verlierer. Der langjährige Chef von Jenoptik wird den Technologiekonzern verlassen. Michael Mertin habe dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass er für eine Verlängerung seines bis zum 30. Juni 2017 laufenden Vertrages nicht zur Verfügung steht, teilte Jenoptik am Dienstag mit. Der 1966 geborene Mertin wolle sich neuen Herausforderungen außerhalb von Jenoptik widmen.

Capital Stage bei Chorus am Ziel

Der Solaranlagen- und Windparkbetreiber Capital Stage hat die Übernahme des Wettbewerbers Chorus Clean Energy in trockenen Tüchern. Bereits nach Ablauf der ersten Annahmefrist haben die Anleger mehr als 84 Prozent der Aktien angeboten. 50 Prozent plus eine Aktie hätten schon gereicht. Die übrigen Aktionäre haben nun in einer zweiten Frist bis zum 5. Oktober Gelegenheit, auch ihre Chorus-Papiere an Capital Stage zu verkaufen.

Inditex bleibt auf Wachstumskurs

Die Zara-Mutter Inditex bleibt die Erfolgsstory Nummer 1. Die Modekette wächst durch neue Läden und das Online-Geschäft. Im ersten Geschäftshalbjahr (Ende Juli) stieg der Umsatz um 11 Prozent auf 10,47 Milliarden Euro. Der Gewinn kletterte um 8 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Die Erwartungen der Analysten wurden übertroffen.

ABB gibt dem Großaktionär nach

Der unter Druck von unzufriedenen Großaktionären stehende Elektrotechnikkonzern ABB verkauft einen weiteren Randbereich: das Geschäft mit Hochspannungskabeln. Es ist Teil der Stromnetz-Division, die der aktivistische Investor Cevian verkaufen will. Es heißt aber, ABB gebe nicht dem Druck des aktivistischen Investors nach.

FedEx mit deutlichem Umsatz- und Gewinnplus

An der Wall Street war die FedEx-Aktie heute Liebling der Anleger. Der US-Paketdienst überzeugte sie mit einer besseren Gewinnprognose. Zudem sah die Quartalsbilanz besser aus als gedacht.

Adobe in Rekordlaune

Kräftig legte auch die Adobe-Aktie zu - sogar auf ein Rekordhoch von 108,19 Dollar. Auch hier ließen sich Anleger von dem guten Ausblick des US-Softwarekonzerns locken. Adobe hatte zudem einen Rekordumsatz von 1,46 Milliarden Dollar bekanntgegeben und damit die Analystenerwartungen übertroffen.

Microsoft erhöht Dividende

Der Softwarekonzern Microsoft will seine Aktionäre bei Laune halten. Er erhöhte die Quartalsdividende um acht Prozent auf 39 US-Cent je Aktie und kündigte ein weiteres Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 40 Milliarden US-Dollar an.

US-Börsenaufsicht prüft Bilanzen von ExxonMobil

Nach der New Yorker Staatsanwaltschaft untersucht nun offenbar auch die US-Börsenaufsicht SEC die Buchhaltung des Ölriesen ExxonMobil. Laut übereinstimmenden Medienberichten sollen die Regulierer im August wegen Zweifeln an der Bewertung von Bilanzposten Unterlagen beim Konzern und seiner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers angefordert haben.

Tesla stopft Sicherheitslücke

Der Elektroauto-Hersteller Tesla hat per Software-Update eine Sicherheitslücke geschlossen, nachdem es IT-Experten gelungen war, per Funk die Kontrolle über einzelne Funktionen eines fahrenden Wagens zu übernehmen. Die chinesische Gruppe Keen Security Lab konnte unter anderem Scheibenwischer, Licht und Schiebedach bedienen sowie Spiegel und Sitze verstellen.

bs

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Tesla Motors - hier wird die Elektroauto-Vision wahr Galerie

Tesla Roadster

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr