Der Dax knickt ein

Stand: 19.12.2011, 20:01 Uhr

Die von vielen erhoffte Weihnachtsrally ist zum Wochenauftakt ausgeblieben. Besonders nachdem die EZB mit deutlichen Worten auf den Ernst der Lage hingewiesen hat, blieb den Bullen nur noch die Kapitulation.

Der deutsche Leitindex hat nach einem wechselhaften Handelsverlauf den Xetra-Handel mit einem Minus von 0,54 Prozent bei 5.670 Punkten beendet. Das Tageshoch lag bei 5,775, das Tief bei 5.644 Zählern. Nachbörslich bewegte sich wenig, der Parkett-Dax schloss bei 5.672 Punkten. Zuvor hatte sich der Index nach schwachem Start am Morgen langsam aber stetig ins Plus gearbeitet. Dann aber beendeten die EZB und deren Präsident Mario Draghi die zarten Hoffnungen auf eine Weihnachtsrally ziemlich unsanft.

Wie bei der Lehman-Pleite
Denn in ihrem halbjährlichen Finanzmarktstabilitätsbericht beschreibt die europäische Notenbank ein düsteres Bild. Die Währungshüter warnen davor, dass die Finanzstabilität in Europa so stark gefährdet sei wie nie seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Die Währungshüter warnen dabei sogar vor einer "systemischen Krise". Fakt ist, dass die Banken sich im Moment nur noch bei der EZB refinanzieren können.

Der Branche steht daher nach den Worten von Mario Draghi ein schwieriges Jahr 2012 bevor. Vor allem im ersten Quartal kommt einiges auf die Banken zu, da die Refinanzierung für die Kreditinstitute schwierig werde. "So eine Aussage ist natürlich Gift für die Aktienmärkte, weil es die Vermutung zulässt, dass die Gewinnschätzungen für das kommende Jahr viel zu hoch angesetzt sind", sagte ein Händler in Frankfurt.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,76
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Damit hatte auch die europäische Schuldenkrise den Markt wieder schnell eingeholt. Denn die Pläne der Euroländer und der EZB, den Rettungsschirm ESM schneller als geplant mit mehr Mitteln auszustatten, verpufften. Vielmehr blicken die Märkte weiter gebannt auf die nächsten Schritte der Rating-Agenturen. Fitch hatte eine Zurückstufung zahlreicher Euroländer angekündigt, vor allem Frankreich, das noch die Bestnote AAA aufweist, bangt um seine Kreditbewertung.

Tagesgewinner waren die defensiven Aktien. Am besten schnitten Henkel Vorzüge ab, die ohne Nachricht um 1,3 Prozent zulegten. Auch Metro,. Linde und Deutsche Post hielten sich im Plus. Tagesverlierer im Dax waren Infineon und Commerzbank.

New York leicht im Minus
Der Dow-Jones-Index steckt auch am Nachmittag weiter in der Verlustzone. Allerdings hat der US-Leitindex aktuell einen Teil der Verluste wieder aufgeholt und steht nur noch leicht mit 0,1 Prozent im Minus.

Vor allem Bankaktien sind an der Wall Street aber unter Druck, auch die EZB-Warnung belastet nach Ausagen von Händlern die Sitzung. Die Nachricht vom Tode des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il hat den Handel allerdings im Gegensatz zu den asiatischen Märkten bisher kaum belastet. Vor allem in Südkorea gerieten die Kurse und die Landeswährung Won unter Druck.

Der Euro wackelt
Die Gemeinschaftswährung pendelte auch am Abend weiter um die Marke von 1,30 Dollar. Nach der Meldung vom Tod des nordkoreanischen Diktators rutschte der Euro zwischenzeitlich sogar darunter. Im Gegenzug wurden unter dem Eindruck dieser politischen Entwicklung Dollar gekauft. Der "Greenback" profitierte damit vom Status als sicherer Hafen. Aktuell steht der Euro bei 1,3014 Dollar.

Bayer erhält weitere Xarelto-Zulassungen
Fortschritte meldet der Leverkusener Pharma-Riese. Von der EU hat Bayer weitere Zulassungen für den Gerinnungshemmer Xarelto erhalten. Das Medikament gilt als großer Hoffnungsträger für das Pharmageschäft und darf nun auch zur Prävention von Schlaganfällen bei Patienten mit Vorhofflimmern und zur Behandlung von tiefen Venen-Thrombosen angewendet werden. In den USA hatte Bayer erst kürzlich die Zulassung für den Schutz vor Schlaganfällen erhalten. Bayer-Aktien reagieren allerdings kaum und schließen mit einem Abschlag von 0,6 Prozent.

Siemens erhält Millionen Auftrag
Siemens-Technologie ist in Russland gefragt. Die russische Staatsbahn RZD kauft insgesamt acht Hochgeschwindigkeitszüge nach dem Vorbild des ICE für 297 Millionen Euro. Hinzu kommen Instandhaltungsaufträge für die Züge, die in Russland Sapsan genannt werden, so dass das Auftragsvolumen insgesamt bei 600 Millionen Euro liegt. Erste Auslieferungen sind für Januar 2014 geplant.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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145,84
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VW freut sich mit Audi
Äußerungen des Chefs der Sportwagen-Tochter Audi, Rupert Stadler, kamen zunächst an der Börse gut an. Stadler hatte gegenüber der "WirtschaftsWoche" erklärt, Audi könne sein mittelfristiges Absatzziel früher erreichen als geplant. Auch Papiere von Daimler und BMW schlossen sich daraufhin mit Kursgewinnen an. Die VW-Vorzugsaktie, die lange zu den Tagesgewinnern gehörte, gab die Gewinne aber komplett ab und beendete den Handel fast unverändert.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,68
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T-Aktie im Wartestand
Weiter schwächer als der Gesamtmarkt notiert auch die T-Aktie. Sie reagiert nervös auf einen Bericht des "Wall Street Journal", nach dem Verhandlungen über einen Verkauf der US-Tochter T-Mobile USA in der Sackgasse stecken. Gespräche über einen Weiterverkauf von Teilen des Unternehmens lägen auf Eis, so die Zeitung.

Metro-Chef: Bieterkampf um Kaufhof offen
Die Übernahme der Warenhaustochter Kaufhof wird nach Ansicht des scheidenden Metro-Chefs Eckhard Cordes nicht schnell über die Bühne gehen. "Ich gehe davon aus, dass der Verkauf voraussichtlich noch einige Zeit dauern wird", sagte Cordes der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Metro sei dabei auf niemanden festgelegt.

Aus dem MDax
Im MDax bleiben die Anteilsscheine von Südzucker ganz vorne und steigen fünf Prozent. Die Analysten von Goldman Sachs rechnen mit langfristig steigenden Zuckerpreisen und haben Südzucker auf "buy" gestuft.

Auch Tui-Aktien waren nach einem positiven Analystenkommentar gesucht und stiegen 1,9 Prozent.

Die Senderkette Pro Sieben berichtet, dass sie ihre Werbeeinnahmen auch 2012 weiter steigern will. Axel Salzmann, Finanzchef bei dem MDax-Konzern, sieht im frei empfangbaren Fernsehen in Deutschland bis 2015 zusätzliche Erlöse von mindestens 20 Millionen Euro. 2011 werde wohl mit einem Rekordergebnis abgeschlossen werden, so der Manager gegenüber der "Börsen-Zeitung".Trotzdem gibt die Aktie 0,7 Prozent ab.

Zu den Verlierern gehört auch die SGL-Carbon-Aktie. Laut Beobachtern ist die Übernahmefantasie aus dem Konzern entwichen. Die SGL Group rechnet nicht mit einer Komplettübernahme des MDax-Unternehmens durch die Milliardärs-Erbin Susanne Klatten. Zudem belastet eine Kurszielsenkung durch JP Morgan. Das Papier verliert 3,8 Prozent.

Evotec freut sich auf 2012
Im TecDax konnten die Papiere des Biotech-Unternehmens Evotec ihre Gewinne vom Vormittag nicht ganz verteidigen. Trotzdem behauptet sich die Aktie am Schluss mit einem Prozent im Plus. Laut Firmenchef Werner Lanthaler soll 2012 ein "weiteres erfolgreiches Jahr" für Evotec werden. Das Auftragsbuch sei stärker gefüllt als jemals zuvor, so der Manager gegenüber Nachrichtenagenturen. Zudem stünden im kommenden Jahr wichtige Meilensteinzahlungen durch Kooperationspartner an.

Nordex macht noch mehr Wind
Der Windanlagenspezialist hat erneut einen Auftrag ergattert. Für einen Windpark im US-Bundesstaat Texas bestellte der Projektentwickler WKN zwölf Nordex-Anlagen des Typs N100/2500. Der Betriebsstart ist bereits im kommenden Jahr geplant. WKN gehört dem deutscher Agrarhändler BayWa. Gleichzeitig gab das Unternehmen eine Arbeitsplatzgarantie für die verbliebenen 2.400 Mitarbeiter bekannt. Bis zum Jahr 2013 soll es demnach keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Nordex-Aktie konnte sich noch leicht ins Plus vorarbeiten.

Air Berlin mit Arabien-Bonus
Auch am Mittag hält sich die Aktie von Air Berlin-Aktie deutlich im Plus. Der Titel legte über acht Prozent zu, nachdem bekannt wurde, dass die Airline Etihad aus dem Emirat Abu Dhabi ihre Beteiligung an der Air Berlin drastisch auf 29,21 Prozent ausbauen will. Die Araber stellen dem SDax-Unternehmen bis 2016 rund 255 Millionen Euro zur Verfügung. Neues asiatisches Drehkreuz soll Abu Dhabi werden.

Softing erhöht die Prognose
Das Softwarehaus aus dem Prime Standard hat in einer Adhoc-Mittelung seine Ergebnisprognose angehoben. Das Ebit werde im vierten Quartal deutlich höher als erwartet bei vier Millionen Euro liegen. 2010 lag der Wert bei 1,5 Millionen Euro. Für 2012 rechnet das Management mit weiter steigenden Umsätzen und Erträgen. Unter dem Dach der börsennotierten Holding entwickeln die Softing-Gesellschaften Hard- und Software für die industrielle Automatisierung und die Fahrzeugelektronik. Die Aktie steigt bei guten Umsätzen um 7,5 Prozent.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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174,22
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Apple will ins TV-Geschäft
Das berichtet das "Wall Street Journal" und beruft sich dabei auf informierte Personen. Die Pläne des Konzerns seien bereits bei Medienmanagern präsentiert worden. Gleichzeitig heißt es, dass Apple auch am Bau eines eigenen Fernsehers arbeitet.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr