Der Dax kann es noch

Stand: 29.12.2011, 20:00 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt sind die Anleger am Nachmittag der Wall Street ins Plus gefolgt. In Amerika steigen die Aussichten, dass sich die Konjunktur stabilisiert. Wenigstens ein kleiner Hoffnungsschimmer im immer noch schuldengeplagten Europa.

Lange herrschte heute Flaute am deutschen Aktienmarkt. Dann aber legte der Dax überraschend doch noch den Turbo ein und schaltete einen Gang höher. Der deutsche Leitindex folgte einer freundlichen Wall Street. Zum Ende des Xetra-Handels stand ein respektables Plus von 1,3 Prozent auf das Tageshoch von 5.848 Punkten an der Anzeigetafel. Nachbörslich gab es noch einen kleinen Aufschlag, der L/E-Dax schloss bei 5.852 Punkten.

Unternehmensmeldungen gab es nur vereinzelt, insgesamt waren die Handelsaktivitäten wie auch schon an den vergangenen Handelstagen gering. An der Spitze lagen Deutsche Börse mit einem Plus von vier Prozent, auch Bayer waren gesucht. Auf der Verliererseite standen heute nur VW Vorzüge mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent. Im MDax setzten Tui ihren Aufwärtstrend der vergangenen Tage fort und legen 2,6 Prozent zu, Tagesgewinner waren Sky mit einem Plus von 4,75 Prozent. Allerdings hatte die Aktie des Bezahlfernsehanbieters zuletzt stark geschwankt.

Italien-Effekt verpufft
Am Vormittag war die im Vorfeld mit Spannung erwartetet Auktion italienischer Staatsanleihen wie geplant über die Bühne gegangen. Dabei nahm das hochverschuldete Land mehr als sieben Milliarden Euro ein. Erste positive Reaktionen verpufften aber im weiteren Handelsverlauf. "So sehr die Anleger die angekündigten Sparmaßnahmen der italienischen Regierung auch begrüßen, viel wichtiger sind die Wachstumsaussichten bei gleichzeitiger Haushaltsdisziplin. Das ist es, wovon Italien die Märkte überzeugen muss", sagte Aktienhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets.

Euro markiert neues Jahrestief
Bewegung gab es hingegen am Devisenmarkt. Der Euro rutschte zwischenzeitlich auf 1,2862 Dollar ab und markierte damit ein neues Jahrestief. Aktuell hat sich der Kurs aber wieder erholt auf 1,2914 Dollar. Händler machten die anhaltende europäische Schuldenkrise für den Verfall verantwortlich, zudem seien die Umsätze gering.

Die Ölpreise sind derweil auf dem Rückzug. Nach deutlich gestiegenen US-Rohölbeständen kostete ein Fass der Nordseesorte Brent 106,85 Euro, das waren 71 Cents weniger als am Vortag. Die US-Sorte WTI verbilligte sich um 77 Cents auf 98,59 Dollar.

Wall Street erholt sich
An der New Yorker Börse blicken die Anleger bei dünnem Handel heute wieder optimistischer nach vorne, dabei bleibt die Lage in Europa weiter bestimmend. Der Dow-Jones-Index steigt aktuell um 0,8 Prozent. Nachdem der Markt gestern noch wegen Sorgen um die europäische Schuldenkrise gefallen war, ging es heute in die andere Richtung. Im Mittelpunkt bleibt die Lage in Italien: "Der einzige Einfluss auf den Handel ist noch immer Europa. Jeder hat Italien im Blick", sagte Wayne Kaufmann von John Thomas Financial. Die Anleger reagierten heute positiv auf die jüngste Auktion italienischer Staatsanleihen. "Es ist zwar ermutigend, dass die Renditen etwas gesunken sind, aber es signalisiert auch nicht gerade eine große Entspannung der Krise", resümierte David Katz von Weiser Capital Management.

Die neuen Konjunkturdaten fielen derweil uneinheitlich aus. Der Chicagoer Einkaufsmanager lag im Dezember mit einem Wert von 62,5 Punkten über den Erwartungen, die bei 61 Punkten gelegen hatten. Die schwebenden Hausverkäufe stiegen im November mit einer Wachstumsrate von 7,3 Prozent deutlich stärker als prognostiziert. Experten hatten nur mit einen Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet.

Etwas schlechter als erwartet fielen hingegen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung aus. Sie lagen vor Weihnachten bei 381.000 Anträgen und damit über der Prognose von 375.000. Trotzdem ist der jüngste Trend ermutigend. In den zurückliegenden vier Wochen sank die Zahl der Antragssteller um 5.750 und fiel mit durchschnittlich 375.000 auf den niedrigsten Wert seit dreieinhalb Jahren. "Die Zahlen sind ermutigend - verglichen mit dem, was wir vor sechs Monaten gesehen haben", sagte Analyst Peter Jankovskis von Oakbrook Investments.

Bayer beantragt Xarelto-Zulassung in den USA
Die Leverkusener haben bei der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung ihres Medikamentes Xarelto zur Behandlung der Herzerkrankung ACS beantragt. Die FDA hat Bayer bereits eine beschleunigte Prüfung des Antrages signalisiert. Der endgültige Entscheidung fällt aber erst nach Prüfung der Antragsunterlagen.

Xarelto ist ein Gerinnungshemmer, größter Anwendungsbereich ist die Prävention von Schlaganfällen. Für diese Indikation hat Bayer bereits die Erlaubnis in Europa und den USA erhalten. Bayer traut dem Medikament für alle Anwendungsbereiche einen Spitzenumsatz von über zwei Milliarden Euro zu. Damit gilt Xarelto als ein großer Hoffnungsträger des Konzerns.

Bayer-Aktien stiegen nach der Meldung um 2,9 Prozent. Damit gehörten sie zu den Tagesgewinnern im Dax.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
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+3,64%

Eon setzt auf Wind
Der Energiekonzern Eon will in der Ostsee einen weiteren Hochsee-Windpark bauen. Die Windenergie-Anlagen sollen etwa 100 Kilometer von der schwedischen Küste entfernt entstehen, berichtete die schwedischen Zeitung "Dagens Industri" unter Berufung auf den Chef von Eon Nordic, Jonas Abrahamsson. Das Projekt sei eines der größten der Welt, die Investitionen beliefen sich auf über umgerechnet 2,2 Milliarden Euro.

Telekom einigt sich mit der SEC
Um eine Klage der US-Börsenaufsicht SEC wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen abzuwenden, zahlt die Telekom 95 Millionen Dollar. Das gab die Behörde am Abend bekannt. Die Telekom hat dabei die Vorwürfe weder eingeräumt noch abgestritten. "Der Vergleich beendet die Ermittlungen gegen die Deutsche Telekom ohne eine strafrechtliche Anklage", erklärte eine Konzernsprecherin auf Anfrage.

Die SEC hat die Deutsche Telekom und ihre ungarische Tochter Magyar Telekom wegen einer Schmiergeldaffäre verklagt. Sie betrachtet die Millionenzahlungen, die in den Jahren 2005 und 2006 gezahlt wurden um angeblich den Markteintritt eines Konkurrenten in Mazedonien und Montenegro zu verhindern, als Bestechung an.
Die Telekom-Aktie war heute nur kurz betroffen, legt danach aber wieder zu.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
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+1,23%

VW achtet stärker auf die Umwelt
Der Autobauer will die Umweltbelastung seiner Werke bis zum Jahr 2018 um ein Viertel verringern. Das Umweltkonzept ist Teil der "Strategie 2018", nach der Volkswagen in spätestens sieben Jahren zehn Millionen Autos verkaufen will. Auch ökologisch soll das Unternehmen nach dem Willen von Firmenchef Martin Winterkorn dann Spitze sein. So will man unter anderem Ökostrom nutzen und auch regenerative Energien erzeugen. Die Umweltschutzbewegung "Greenpeace" hatte den Konzern zuletzt kritisiert.

Gutes Weihnachtsgeschäft bei Douglas
Firmenchef Henning Kreke äußerte sich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters zufrieden über das Weihnachtsgeschäft. "Sowohl in unseren Fachgeschäften als auch in unseren Online-Shops zeigten sich die Kunden in Kauflaune - besonders in der letzten Woche bis einschließlich Heiligabend", sagte er. Konkrete Zahlen nannte Kreke jedoch nicht. Die Douglas-Aktie reagierte kaum.

Bei Balda geht es hoch her
Beim einstigen Hersteller von Handyschalen und jetzigen Medizintechnik-Unternehmen ist einiges los. Firmenchef Rainer Mohr legt sein Vorstandsamt zum 1. Januar 2012 nieder, offiziell wegen unterschiedlicher strategischer Vorstellungen. Zum neuen Vorstandsvorsitzenden wurde vom Aufsichtsrat Dominik Müser ernannt, auch James Lim wurde neu in den Vorstand berufen. Mohr war es nicht gelungen, das Unternehmen aus der Verlustzone zu führen.

Erst in der vergangenen Woche hatte Balda seine Prognose reduzieren müssen und kündigte für das laufende Jahr ein Abrutschen in die roten Zahlen an. Auch der geplante Verkauf der Beteiligung am taiwanesischen Touchscreen-Produzenten TPK musste wegen sinkender Kurse abgesagt werden. Zudem kommt Kritik von Großaktionär Octavian, der den Aufsichtsrat anders besetzt sehen möchte. Dies lehnt der Vorstand ab, am 8. Februar wird es dazu eine außerordentliche Hauptversammlung geben. Dies gab das Unternehmen nach Börsenschluss bekannt. Die Anleger waren haben es heute gelassen gesehen und zugegriffen. Balda-Aktien stiegen im SDax um 1,2 Prozent.

Alibaba will Yahoo kaufen
Der chinesische Internet-Händler Alibaba bereitet nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters möglicherweise ein Gebot für den angeschlagenen Internetkonzerns Yahoo vor. Das Unternehmen habe in den USA Lobbyisten angeheuert, die es bei dem Vorhaben unterstützen könnten, meldet Reuters. Demnach könnten die Investoren das US-Geschäft von Yahoo übernehmen, während Alibaba und die japanische Softbank die asiatischen Teile erhalten sollen. Ein gemeinsames Angebot einer solchen Gruppe wurde von Branchenexperten auf grob 17 Milliarden Dollar geschätzt. Yahoo-Aktien steigen an der Nasdaq zur Stunde gut zwei Prozent.

Apple: Kommt das neue iPad Tablet früher?
Neue Gerüchte schießen ins Kraut um den neuen iPad Tablet-Computer. Wie es in einem Bericht aus Taiwan heißt, sollen auf der Messe Macworld/iWorld in San Franciso Ende Januar gleich zwei neue Modelle präsentiert werden. Die Modelle sollen mit einer verbesserte Bildschirm-Auflösung und einem erneuerten Chip Vorgestellt werden, schrieb die Branchenpublikation "DigiTimes" unter Berufung auf Quellen bei Zulieferern am Donnerstag.

Die Messe, von der sich Apple vor mehreren Jahren zurückgezogen hatte, beginnt am 26. Januar. Ein neues iPad-Modell wurde bisher für Frühjahr erwartet, etwa ein Jahr nach dem Start des iPad 2. Apple-Aktien liegen in New York aktuell ein gutes halbes Prozent im Plus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen