Der Dax kann auch bescheiden sein

Robert Minde

Stand: 16.03.2012, 20:02 Uhr

Nur noch mit gebremstem Schaum ging es heute aufwärts. Trotzdem, der Dax bleibt weiter auf Höhenflug. Auch der dreifache Verfalltermin an der Terminbörse hat daran nichts geändert.

Denn bei einem sogenannten Hexensabbat, also dem gleichzeitigen Verfall von Optionen und Futures an der Terminbörse Eures, kann immer viel passieren. Aber der Dax hat sich trotzdem unter dem Strich wenig bewegt. Der Index schloss bei 7.157 Punkten, ein moderater Zugewinn von 0,19 Prozent. Das Tageshoch lag am Mittag bei 7.194 Zählern, das Tagestief bei 7.142 Punkten. Damit war die Schwankungsbreite gering. Nachbörslich gaben die Kurse leicht nach, der L/E-Dax schloss bei 7.146 Punkten.

Obwohl der Index die Marke von 7.200 Punkten nicht nehmen konnte, ist der Dax seit Jahresbeginn gut zwanzig Prozent gestiegen. Dies ist der beste Jahresstart in der über 20-jährigen Geschichte des Börsenbarometers.

"Wir etablieren uns nachhaltig über der Marke von 7100 Punkten. Es ist genug
Geld da und viele Leute sehen ein, dass es momentan keine andere
Anlagemöglichkeit als Aktien gibt", fasste es ein Händler zusammen.

Anleihen weiter unter Druck
Spiegelbildlich zur Entwicklung am Aktienmarkt ging am Rentenmarkt der Ausverkauf weiter. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg erstmal seit Anfang Februar wieder über die Marke von zwei Prozent. Der Bund-Future verliert 0,7 Prozent und steht bei 135,49 Prozent. Damit liegt der wichtige Terminkontrakt gut 500 Basispunkte unter seinem Hoch von Anfang März, das bei 140,45 Prozent gelegen hatte.

Insbesondere die geglückte Umschuldung Griechenlands hat am Markt für starke Erleichterung gesorgt. Entsprechend deutlich wurden sichere Anlageformen wie deutsche Staatstitel belastet. Als weiterer Grund gelten Konjunkturdaten aus den USA, die zuletzt fast ausnahmslos positiv überrascht hatten.

New York tritt auf der Stelle
In New York tendieren die großen Indizes nach durchwachsenen Konjunkturzahlen nahezu unverändert. Der Dow-Jones-Index liegt bei 13.258 Punkten fast ganau uaf dem seinem gestrigen Schlussniveau. Damit ist noch nicht klar, ob die US-Börsen den achten Gewinntag in Folge schaffen werden. Die Stimmung bleibt aber trotzdem optimistisch: "Es sieht so aus, als würde es weiter - wenn auch in nicht allzu hohem Tempo - nach oben gehen", sagte ein Händler an der New Yorker Börse.

Während die Verbraucherpreise für den Februar wie erwartet ausfielen, lag die Februar- Industrieproduktion und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan im März unter den Erwartungen. Beide Werte gingen leicht zurück. Vor allem die hohen Benzinpreise haben dabei den Verbrauchern die Laune verdorben.

Euro wacht aus der Lethargie auf
In Reaktion auf die Daten legte der Euro um über einen Cent auf 1,3175 Dollar zu. "Nach den US-Daten hat wohl der ein oder andere Devisenhändler noch einmal die Idee von QE 3 ausgepackt", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. "Aber aus unserer Sicht gibt es dafür nach wie vor keinen Grund." Die US-Notenbank Fed selbst hatte nach ihrer Sitzung Anfang dieser Woche keinerlei Signal gegeben, dass sie die Wirtschaft mit neuerlichen Geldspritzen (QE 3) ankurbeln will.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
51,15
Differenz relativ
-2,18%

Versicherer mit guten Aussichten
Im Dax gab es heute wechselnde Gewinner und Verlierer. Zum Xetra-Schluss stand die Deutsche Börse mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent an der Spitze. Auch Metro und Allianz waren gesucht. Versicherer profitieren von der Aussicht auf neue Kapitalregeln in der EU. Es könnte sein, dass sie nicht Milliarden an frischem Eigenkapital aufbauen müssen. Nächsten Mittwoch wird im EU-Parlament darüber abgestimmt. Die Münchener Rück bekommt außerdem Unterstützung von Equinet. Analyst Philipp Häßler hebt das Kursziel für die Aktie auf 110 von 100 Euro. Die Aktie gewinnt ein dreiviertel Prozent.

Zu den Tagesverlierern gehören Autoaktien, die unter negativen Analystenkommentaren leiden. Das amerikanische Researchhaus Bernstein hat europäische Autoaktien herabgestuft. Daimler war Tagesverlierer mit einem Abschlag von 2,5 Prozent. Im MDax legten Heidelberger Druck über zehn Prozent, im Kleinwertesegment SDax die Aktien der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker über 15 Prozent zu. Praktiker befindet sich in einer massiven Sanierungsphase.

Stühle rücken bei der Deutschen Bank
Die Bank hat am Mittag die Personalentscheidungen bestätigt, die bereits im Vorfeld gehandelt worden waren. Das künftige Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen baut dabei das Schaltzentrum kräftig um. Neuer Risikovorstand wird der Schotte Stuart Lewis. Auch die beiden Investmentbanker Stephan Leithner und Henry Ritchotte steigen neu in den Vorstand auf. Die beiden bisherigen Vorstände Hugo Bänziger und Hermann-Josef Lamberti verlassen die Bank zum 31. Mai. In deutschen Regierungskreisen war an einer Berufung der Investmentbanker im Vorfeld Kritik aufgekommen, denn das Investmentbanking gilt als Hauptschuldiger für die Finanzkrise.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,08
Differenz relativ
-0,65%

Bayer-Chef ist skeptisch
Nach Meinung von Bayer-Chef Marijn Dekkers wird der Us-Konzern Pfizer sein Tiermedizingeschäft eher an die Börse bringen wollen als an einen Bieter zu verkaufen. Er sieht daher nur noch geringe Chancen für eine Übernahme. Dies berichtet die "Financial Times Deutschland", die sic h auf ein Schreiben Dekkers an den Aufsichtsrat bezieht. Der Firmenchef habe danach zumindest ein vorläufiges Angebot abgegeben. Der Zukauf könnte mehr als acht Milliarden Euro kosten. Bayer-Aktien gehörten heute mit einem Minus von 1,5 Prozent zu den Tagesverlieren im Dax.

Gagfah hat Vergleich durchgeboxt
Im MDax gewannen Gagfah über acht prozent und gehörten zu den größten tagessiegren.Der Streit mit der Stadt Dresden ist endgültig vorbei, der Vergleich besiegelt. Der Stadtrat stimmte am Donnerstagabend mit knapper Mehrheit dem Vergleich zu, der bereits Anfang des Monats ausgehandelt worden war. Die Milliardenklage gegen das Unternehmen ist damit von Tisch. Vor der Abstimmung hatte es noch so ausgesehen, als könnte der Vergleich doch abgelehnt werden.

Fantasie bei Nokia
Die Nokia-Aktie reagiert positiv auf die Aussage des Chefdesigners der Firma, Marko Ahtisaari, nach der er den Großteil seiner Zeit mit der Entwicklung eines Tablet-PC verbringe. Das Gerät werde herausragen, sagte Ahtisaari einer finnischen Zeitschrift.

Gerry Weber bringt nicht genug Profit
Unter den MDax-Verlierern tummelt sich Gerry Weber. Der Modekonzern kann mit seiner Quartalsbilanz nicht punkten, vor allem die Rentabilität überzeugt Anleger nicht. Gerry Weber kommt auf 10,7 Prozent Rendite. Wenig begeisternd sind zudem die Anlaufkosten, um die 200 Läden des insolventen Konkurrenten Wissmach umzubauen.

Air Berlin weitet Verlust aus
Im SDax schloss die Air Berlin im Minus. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat eine tiefrote Bilanz für das Geschäftsjahr 2011 vorgelegt. Die ist zudem deutlich verlustträchtiger als gedacht. Unterm Strich lag das Defizit bei minus 266 Millionen Euro nach minus 97 Millionen im Jahr zuvor. Der Umsatz im vergangenen Jahr von 3,72 Milliarden Euro 2010 auf 4,23 Milliarden Euro.

Demag-Craines streicht die Dividende zusammen
Schocknachricht für die Minderheitsaktionäre des Düsseldorfer Kranbauers. Der neue Mehrheitseigener, der US-Baumaschinenkonzern Terex, beantragte auf der Hauptversammlung am Freitag, nur vier Cent statt der vorgeschlagenen 78 Cent auszuschütten. Terex hält knapp 82 Prozent der Anteile. Zudem soll die HV den Gewinn- und Beherrschungsvertrag abstimmen der vorsieht, dass alle Gewinne an Terex gehen.

Wacker Neuson verdreifacht die Dividende
Der Hersteller von Mini-Baggern blickt auf ein Rekordjahr 2011 zurück und will die Aktionäre daran mit einer von 0,17 auf 0,50 Cents je Aktie nahezu verdreifachten Dividende beteiligen. Dies gab das Münchener Unternehmen am Nachmittag nach der Veröffentlichung vorläufiger Zahlen bekannt. Der Konzernjahresüberschuss stieg dabei von 23,9 auf 85,5 Millionen Euro. Endgültige Zahlen sollen am 22. März folgen. Die Aktie steigt ein halbes Prozent.

Petrotec rutscht ab
Die Aktie von Petrotec verliert mehr als acht Prozent. An der Bilanz kann es nicht liegen. Der Hersteller von Biodiesel hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr nahezu verdoppelt, außerdem gelang der Sprung in die Gewinnzone. Aber Anlegern ist wahrscheinlich der Ausblick zu dürftig, der Umsatz soll in ähnlicher Höhe wie 2011 sein.

UPS

UPS: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
96,64
Differenz relativ
-1,01%

UPS bleibt an TNT dran
Der US-Logistikkonzern UPS verhandelt weiter mit der niederländischen TNT über eine Übernahme. UPS hatte 4,9 Milliarden Euro oder neuen Euro je Aktie für den Konkurrenten der Deutschen Post geboten. Dieses Angebot hatten die Holländer aber abgelehnt. In Amsterdam liegt der TNT-Kurs schon bei 9,26 Euro. Im Falle einer erfolgreichen Übernahme müsste sich die Deutsche Post auf stärkere Konkurrenz einstellen.

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr