Marktbericht 20 Uhr

Börsianer wollen Antwort von der Fed Der Dax ist angeschlagen

Stand: 11.09.2015, 20:00 Uhr

Für Börsianer ist es die alles entscheidende Frage: Kommt die Zinserhöhung in den USA nächsten Donnerstag oder nicht? Bis dahin bleiben sie vorsichtig. Das beschert dem Dax ein Minus - und er ist schon angeschlagen.

Der Dax hat eine wechselvolle Woche hinter sich: Die Wochenbilanz fällt mit plus 0,9 Prozent zwar leicht positiv aus. Seine zur Wochenmitte deutlichen Kursgewinne von zeitweise fast 5 Prozent konnte der Leitindex jedoch nicht halten. Heute verabschiedete sich der Deutsche Aktienindex nach nervösen Schwaunkungen mit einem Minus von 0,9 Prozent beim Stand von 10.123,56 ins Wochenende. Der L-Dax macht rund 40 Punkte Boden gut und notiert bei 10.167 Punkten. "Die Sitzung der US-Notenbank mit einer Entscheidung zu den Zinsen am kommenden Donnerstag wirft ihren langen Schatten voraus", kommentiert Andreas Paciorek von CMC Markets. Bevor nicht klar sei, ob eine Zinswende im September stattfindet oder nicht, wollten sich die Anleger nicht neu positionieren.

"Zwar ist noch nicht klar, welches Szenario die Börsen bevorzugen, Zinserhöhung schon jetzt oder später, aber sie wollen eine Antwort. Und dann wird auch erst über den weiteren Trend an den Finanzmärkten entschieden werden, vorher nicht", so Paciorek.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 7.00 Uhr

Dax charttechnisch angeschlagen

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.466,08
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-0,05%

Der Dax bleibt aus charttechnischer Sicht angeschlagen: Der Leitindex sei im übergeordneten Abwärtsmodus, kommentiert Chartanalyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel. Er prallte am Widerstand bei 10.228 Punkten nach unten ab.Unterstützung könnte der Leitindex im negativen Kursverlauf an einer mittelfristigen Trendlinie bei 9.909 Punkten finden, so Utschneider. Nach oben sei das Erholungspotenzial im Dax aktuell auf die obere Begrenzungslinie dieses Abwärtskanals bei 10.797 Punkten begrenzt.

Michigan: Trübe Verbraucherstimmung

Die allmonatliche Umfrage der Uni Michigan hatte an der Börse heute kaum Effekt. Dabei gilt sie als wichtiges Konjunkturbarometer, denn die Konsumausgaben machen rund 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Und dieses Barometer zeigte: Die Stimmung der US-Konsumenten im September trübt sich ein. Sie fiel sogar überraschend schlecht aus, das Verbrauchervertrauen sank um 6,2 auf 85,7 Punkte, den tiefsten Stand seit September 2014. Schlechte Konjunkturdaten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die amerikanische Notenbank ihre Zinsanhebung eher später als früher erhöht. Die Daten der Uni Michigan dürften also die Aktienbörsen tendenziell freuen. Doch inzwischen gehen ohnehin viele Marktbeobachter davon aus, dass die Fed ihre Zinswende erst im Dezember angeht, etwa wegen der Turbulenzen in China.

Stagnierende Erzeugerpreise

Auch von den veröffentlichten Erzeugerpreisen, die im August stagnierten, gingen kaum Impulse für den Aktienmarkt aus. Mit Blick auf die gefallenen Ölpreise sei klar, dass in den USA derzeit kein Inflationsdruck bestehe, sagte Robert Halver, Chef-Kapitalmarktanalyst der Baader Bank. Alles eingepreist also. Für etwas Nervosität sorgte aber die um Nahrungsmittel und Energiepreise bereinigte Kernrate, die im Monatsvergleich um 0,3 Prozent und im Jahresvergleich um 0,9 Prozent stieg.

Wall Street im Minus

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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25.344,93
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+0,22%

In Amerika hat sich die Stimmung nach anfänglichen Verlusten leicht verbessert. Der Dow Jones schafft ein Mini-Plus von 0,2 Prozent, auf Wochensicht deutet sich ein Plus von über einem Prozent an. Die Nachrichtenlage auf der Unternehmensseite bleibt aber überschaubar: Der Mischkonzern General Electric (GE) kündigte zwei Verkäufe aus seiner Finanzdienstleistungssparte an.

Ebay führt ein Abo-Modell ein, wie es Amazon bereits hat. Gegen eine Jahresgebühr zahlt man keine Portokosten beim Rückversand von Bestellungen. Im Mittelpunkt des Interesses auch die US-Firma ZS Pharma. Actelion aus der Schweiz will die Firma kaufen. Actelion bestätigte erste Gespräche. Die Aktien von ZS Pharma knüpften an ihren Kurssprung vom Donnerstag von gut 28 Prozent an und stiegen um vier Prozent. Actelion-Aktien dagegen verloren fünf Prozent. Starke Kursverluste von fast einem Fünftel verbuchte die Zumiez-Aktie. Der Sportartikel-Händler enttäuschte mit seiner Prognose für das dritte Quartal. Ähnlich stark die Kursverluste von Marvell Technology. Das Unternehmen muss seine Bilanzen wegen Unregelmäßigkeiten überprüfen.

Dollar schwächer, Schweizer Franken auch

In Erwartung einer späteren Zinswende kletterte der Euro zum Wochenschluss bis auf 1,1348 Dollar. Die US-Währung schwächelt seit Donnerstagabend auf recht breiter Front wegen der nachlassenden Zinserhöhungsfantasie. Zum Schweizer Franken stieg der Euro erstmals seit dem 15. Januar über die Marke von 1,10 Franken. Damals hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken aufgegeben. Daraufhin sank der Euro kurzzeitig bis auf 0,8517 Franken, stabilisierte sich dann knapp über der Parität - erholt sich aber seit Mitte Juli.

Saudi-Arabien bringt Ölpreis unter Druck

Die Absage Saudi-Arabiens an ein Gipfeltreffen aller Ölförder-Länder schickte den Preis für den Rohstoff am Freitag erneut auf Talfahrt. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um 2,3 Prozent auf 47,76 Dollar je Barrel. Venezuela hatte Gespräche zwischen Opec- und Nicht-Opec-Staaten vorgeschlagen, um die Preise zu stützen. Zu den Hintergründen unser Thema im Mittagsmagazin: Wie kommt der Ölpreis zustande? Der Ölmarkt leidet unter einer Überproduktion, die die Preise drückt. Hinzu kommt der Schiefergasboom in den USA und die Sorgen um die Konjunkturentwicklung in China. Das Riesenreich gilt als einer der größten Ölverbraucher weltweit. Eine geringere Konjunkturdynamik, so die Befürchtungen, dürfte auch die Nachfrage nach Öl bremsen.

Versorger fallen auf Rekordtiefs

Im Dax spielte sich bei den beiden Versorgeraktien ein kleines Drama ab. RWE und Eon fielen auf neue Tiefststände. Neben negativen Analystenkommentaren drückte ein Zeitungsbericht auf die Stimmung. Wie das "Handelsblatt" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, müssen die Energiekonzerne ihre Atomrückstellungen voraussichtlich drastisch aufstocken. "Ein Bad-Bank-Szenario der deutschen Versorger erscheint mehr und mehr als eine sehr wahrscheinliche Bedrohung", kommentierte ein Händler.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,96
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+1,83%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,02
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+4,00%
Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
95,44
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+2,07%

Merck versucht sich erneut an MS-Mittel

Verluste verbuchte auch die Merck-Aktie. Der Pharma- und Chemiekonzern beantragt erneut die Zulassung für sein MS-Mittel Cladribin. 2011 war das Mittel bei den Behörden in den USA und Europa durchgefallen. Es wurde befürchtet, das Mittel könne Krebs auslösen. Danach führte Merck noch eine klinische Studie ab - und hofft nun auf die Zulassung von Cladribin, dem Analysten damals Milliardenumsätze zugetraut hatten.

John Cryan hat nur die Salamitaktik

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,76
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-0,71%

Der neue Chef der Deutschen Bank präsentiert am Wochenende dem Aufsichtsrat seine neue Strategie für die Bank. Beteiligte äußerten gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters" im Vorfeld die Erwartung, dass Cryan eher eine Salamitaktik anwenden wird, um die Bank umzubauen. Radikale Sofortmaßnahmen würden Milliarden kosten. Geld, das die Bank nicht hat.

Goldman Sachs senkt Daumen für Autoaktien

Die Analysten der US-Investmentbank werden skeptischer für Autoaktien und holen zum Rundumschlag aus. Daimler wird zwra weiter zum Kauf empfohlen, das Kursziel wurde aber von bisher 110 auf 101 Euro gesenkt und der Titel von der "Conviction-Buy-Liste" gestrichen. Daimler selbst sendete ebenfalls Negativ-Impulse: Man stelle sich im Lkw-Geschäft in Brasilien auf eine mehrjährige Krise ein, sagte der zuständige Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard. Neuer Auto-Favorit von Goldman ist der französische Hersteller Peugeot, dessen Kursziel allerdings von 23,80 auf 22,70 Euro leicht gesenkt wurde.

Conti wirft Management in China raus

Volkswagen und BMW werden zum Verkauf empfohlen, ebenso Porsche SE. Immerhin noch Neutral bleiben die "Goldmänner" für den französischen Autobauer Renault. Aktien der Autozulieferer fallen in der Gunst, unter anderem Continental. Conti sorgte selbst noch für Negativ-Schlagzeilen: Der Autozulieferer wirft fast das gesamte Management in China wegen Korruptionsverdachts raus.

Die Autobranche steht nächste Woche wieder im Rampenlicht. Die IAA beginnt am 19. September in Frankfurt. Hier die spektakulärsten Premieren:

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Die Neuheiten der IAA 2015 Galerie

Porsche Mission E

Porsche Mission E

KloeCo will 2016 Gewinne

Klöckner & Co.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,41
Differenz relativ
-0,67%

MDax-Firma Klöckner & Co kann sich gut in Szene setzen. Firmenchef Gisbert Rühl macht seinen Aktionären nach den jüngsten Verlusten Hoffnung auf eine rasche Rückkehr in die Gewinnzone. "Das nächste Jahr wird mit Sicherheit besser werden", sagte Rühl in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Der Konzern werde ein anständiges Ergebnis einfahren, selbst dann, wenn sich die Märkte nicht erholen. "Die Restrukturierungen werden greifen." Der KloeCo-Aktie verhilft das zu einem ordentlichen Plus.

Riesenenttäuschung von Gerry Weber

Der Modekonzern Gerry Weber, dessen Aktie demnächst in den SDax zurückfallen wird, hat auf der ganzen Linie enttäuscht. Im dritten Geschäftsquartal stieg zwar der Umsatz, aber Gerry Weber verdiente weniger. Der Modekonzern hatte in diesem Jahr bereits drei Mal seine Jahresprognosen gekappt und damit seine Aktien auf Talfahrt geschickt. Heute ging es noch einmal rund zwölf Prozent abwärts.

Airbus winkt Milliardenauftrag aus Kuwait

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
96,16
Differenz relativ
-0,37%

Dem Eurofighter-Konsortium um den Rüstungskonzern Airbus winkt ein Milliardenauftrag vom Golf. Kuwait habe eine Absichtserklärung zum Kauf der Kampfjets im Volumen von bis zu acht Milliarden Euro unterschrieben, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von Insidern aus Italien. Die Airbus-Aktie zog das nicht aus dem Minus. Aktien von Finmeccanica, die ebenfalls an dem Eurofighter-Konsortium beteiligt sind, stiegen dagegen um über fünf Prozent.

BVB halbiert Dividende

Wie bereits angekündigt, will der Fußballclub den im Geschäftsjahr 2014/15 erwirtschafteten Gewinn von 4,6 Millionen Euro komplett ausschütten und zahlt damit eine Dividende von 0,05 Euro je Aktie. Im Vorjahr hatte der BVB noch das Doppelte bezahlt. Die Hauptversammlung findet am 23. November statt.

Telekom-Fusion geplatzt

Die beiden skandinavischen Telekommunikations-Unternehmen TeliaSonera (aus Schweden) und Telenor (Norwegen) geben ihre Pläne für eine Mobilfunk-Fusion in Dänemark auf. Wegen Bedenken der EU-Kommission, dass der Zusammenschluss zu steigenden Preisen in Dänemark führen werde. Die Nachricht belastete im Dax auch die Telekom-Aktie.

bs

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz