Der Countdown läuft

Stand: 19.11.2007, 20:07 Uhr

Kein Ende der Talfahrt in Sicht. Nachdem der Dow Jones-Index am Abend unter die Marke von 13.000 Punkte rutschte, war der Weg für den L-Dax frei. Nach unten.

Der L-Dax beendete den Frankfurter Abendhandel mit 7.494,45 Punkten zwar nur geringfügig unter dem Xetra-Schluss. Aber: Damit dürfte für viele chartechnische ausgerichtete Anleger das entscheidende Verkaufs-Signal gesetzt worden sein. Denn, so warnte den ganzen Tag über Postbank-Händler Stefan Söldner: "Der DAX steht derzeit vor einer wichtigen technischen Unterstützung. Sollte der langfristige Aufwärtstrend im Bereich von 7.500 bis 7.550 Zählern gebrochen werden, kann es noch mal eng werden".

Den Xetra-Handel hatte der Dax mit 7.511,97 Punkten beendet: 1,32 Prozent niedriger. TecDax- und MDax brachen jeweils um mehr als vier Prozent ein.

Schlechtes Omen: Xetra-Ausfall

Apropos Xetra-Handel. Der wurde am Vormittag durch eine Computerpanne eine Zeitlang lahmgelegt. Gegen 9.24 Uhr traten erste Störungen auf, die wenig später zu einer kompletten Einstellung des Xetra-Handels führten, wie ein Sprecher mitteilte. Erst mehr als eine Stunde später gegen 10.40 Uhr lief der Betrieb nach einer Art Neustart wieder normal. Ursache der Panne war der fehlerhafte Start einzelner Prozesse auf einem der Server der Börse. Davon war auch der Handel der Strombörse in Leipzig und der Handel der irischen Börse in Dublin betroffen, die alle auf dem Xetra-System aufgebaut sind.

Goldman Sachs als Hiob
Einschätzungen der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, wonach die größte US-Bank Citigroup wegen der Kreditkrise in den kommenden Monaten mit Abschreibungen in Höhe von 15 Milliarden Dollar rechnen muss, schockierten Anleger. Zudem gab es erneut schlechte Nachrichten vom Häusermarkt: die Baumarkt-Kette Lowe's senkte ihren Ausblick für das Gesamtjahr wegen eines "instabilen Umfelds auf dem Häusermarkt". Wie trübe die Stimmung am Häusermarkt ist, belegte später auch der US-Housing Market Index für November. Er war zwar nicht so schlecht ausgefallen wie befürchtet, bewegt sich aber auf dem niedrigsten Niveau seit 1985.

Ackermann und Müller heben Zeigefinger
Nicht gerade ermutigend wirkten Äußerungen der beiden Spitzenbankmanager Josef Ackermann und Klaus-Peter Müller. Auf der 10. Euro Finance Week in Frankfurt mahnte Deutsche-Bank-Chef Ackermann, wegen der Finanzkrise habe sich die Nervosität an den Märkten wieder erhöht. Es gebe weiter Unsicherheit über Verluste derjenigen Institute, die bislang noch keine Zahlen vorgelegt hätten, sagte Ackermann. In die gleiche Kerbe schlug Commerzbank-Bank-Chef Klaus-Peter Müller. "Es ist noch viel zu früh, um bei diesem Thema Entwarnung zu geben", sagte Müller. Kein Wunder, dass Finanzwerte erneut unter Druck standen.

Rettet russischer Investor TUI-Chef Frenzel?
Es sieht ganz danach aus. Der russische Stahlmagnat Alexej Mordaschow ist beim Reise- und Schifffahrtskonzern TUI eingestiegen. Mordaschow, der Hauptaktionär des russischen Stahlkonzerns Severstal, halte 3,02 Prozent der TUI-Aktien, teilte das Unternehmen in einer Pflichtveröffentlichung mit. Die Beteiligung sei der erste Schritt zu einer strategischen Partnerschaft und unterstütze den gegenwärtigen Kurs des TUI-Managements, hieß es. TUI-Chef Michael Frenzel erklärte in Hannover, die neue Verbindung markiere einen Meilenstein in der Entwicklung der TUI und eröffne neue Möglichkeiten auf dem russischen Markt. Mordaschow sagte, er glaube an die Tourismusindustrie, die insbesondere in Russland jedes Jahr kräftig wachse.

Der Einstieg des russsichen Großinvestors dürfte daher nach Ansicht von Beobachtern die Rolle des anderen TUI-Großaktionärs, die des US-Investors US-Investor Guy Wyser-Pratte, erheblich schwächen. Guy Wyser-Pratte bemängelt seit langem die Kursentwicklung der TUI-Aktie und hat daher Frenzels Ablösung und eine Aufspaltung des Konzerns gefordert. Das dürfte nun schwer fallen. TUI-Aktien verbuchten daher mit über fünf Prozent den höchsten Verlust im Dax. Ähnlich hart traf es VW, ThyssenKrupp und Continental.

Bayer punktet mit Krebsmittel in den USA
Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer darf sein Krebsmittel Nexavar auf dem lukrativen amerikanischen Markt ab sofort auch zur Behandlung von Leberkrebs verkaufen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA habe die Zulassung des Präparats um die Behandlung von Patienten mit einem hepatozellulären Karzinom (HCC) erweitert, teilte Bayer mit. HCC ist die häufigste Form von Leberkrebs, der wiederum die dritthäufigsten Ursache krebsbedingter Todesfälle ist. Nexavar ist nach Bayer-Angaben das einzige Medikament, das die Gesamtüberlebenszeit der Patienten bei dieser schweren Krankheit deutlich verlängert. In Europa war die Zulassung für Nexavar bereits im Oktober auf Leberkrebs erweitert worden.

Bullenstark im Bärenmarkt: die Postbank
Die Aktie der Postbank verteidigte ihre frühen, kräftigen Kursgewinne bis zum Schluss. Zum Großteil jedenfalls. Nach den Worten vom Chef des Großaktionärs Deutsche Post, Klaus Zumwinkel, steht die Bank im kommenden Jahr möglicherweise vor dem Verkauf. Es bestehe großes Kaufinteresse an der Postbank, sagte Zumwinkel der "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Auch die Telekom-Aktie machte ihren Eignern viel Freude. Ihr kamen einerseits Spekulationen um eine Dividendenerhöhung zugute. Zum anderen verwiesen Händler auf ein anhaltend großes Interesse und weitere Umschichtungen zu Gunsten des Telekommunikationswerts, der auch im Vergleich zu den europäischen Wettbewerbern wie France Telecom nach wie vor Nachholpotenzial habe.

Im M-Dax standen wieder einmal die Papiere der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB Deutsche Industriebank im Abseits. Händlern zufolge wird der Kurs weiterhin von den Sorgen um die Kapitalausstattung der in Schieflage geratenen Mittelstandsbank bestimmt. Am Wochenende hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Finanzlage angespannter sei als angenommen. Die Bank sei gezwungen, Kredite weiterzuverkaufen und damit Kunden abzugeben, weil ihr Eigenkapital knapp geworden sei, schrieb das Blatt unter Berufung auf interne Unterlagen. "Es gibt Sorgen um einen kommenden Kapitalschnitt mit anschließender Kapitalerhöhung", sagte ein Händler. Ein anderer sprach dagegen von Stopp-Loss-Verkäufen, die bei 11,50 und 11,00 Euro ausgelöst worden seien und Druck gebrachten hätten. Zeitweise war die Aktie bis auf 10,99 Euro gefallen.

ING stockt bei Tognum auf
Die niederländische Großbank ING Groep hat ihren Anteil am Dieselmotorenhersteller Tognum auf 5,02 Prozent erhöht, ohne dass es den Kurs des Motorenherstellers gestützt hätte. ING hatte erst Anfang November die Marke von drei Prozent überschritten und zuletzt 3,08 Prozent gehalten.

Conergy crasht
Richtig zur Sache ging es wieder einmal im TecDax, wo der Kurs der Solar-Aktien Conergy und Solon fast ins Bodenlose stürzte. Händler verwiesen auf einen negativen Artikel der "Welt" vom Samstag, der weiteren Druck auf die Aktie bringe. Demzufolge werden die frischen Kredite, die Banken zur Verfügung gestellt haben, zum 28. Februar 2008 fällig. Sollte dann nicht gezahlt werden, dürfte Conergy in den Ruin schliddern, schreibt die Zeitung. Selbst von einer Zerschlagung des Solarkonzerns sei die Rede, so die "Welt" unter Berufung auf Firmeninsider. SES-Research-Analyst Karsten von Blumenthal machte demgegenüber Gewinnmitnahmen zum Jahresende hin für die Schwäche der Solartitel verantwortlich. Die Werte hätten sich das ganze Jahr über sehr gut entwickelt, jetzt sicherten sich die Anleger

Na, denn Prost!
Aber auch so etwas hatte der triste November-Börsen-Montag zu bieten: Die Aktien des niederländischen Braukonzerns Grolsch schossen um 75 Prozent auf 47,25 Euro in die Höhe. Der weltweit zweitgrößte Bierkonzern, die in London notierte SABMiller, will Grolsch für 48,25 Euro je Aktie und damit insgesamt 816 Millionen Euro schlucken.

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr