Der Börsenzug rast weiter

Mark Ehren

Stand: 15.05.2007, 20:00 Uhr

Immer höher, schneller, weiter geht es an der Börse. Auch wenn der Dax am Dienstag nur knapp ein neues Sieben-Jahreshoch verfehlte - der Dow-Jones-Index war schon wieder einige Schritte weiter.

Das vielleicht bekannteste Börsenbarometer der Welt legte zeitweise um ein Prozent auf 13.481 Punkte zu. Das war der höchste Stand seit der Auflegung des Index im Jahr 1896. Marktbeobachter verwiesen auf nachlassende Inflationsängste nach den neuesten Informationen zu den US-Verbraucherpreisen. Diese stiegen im April auf Jahressicht um 2,6 Prozent nach 2,8 Prozent im März. Schnell flammten die üblichen Zinssenkungsfantasien wieder auf und stützten den Markt.

Der Dax stieg während des Xetra-Handels bis auf 7.520 Punkte und verfehlte damit den erst vor kurzem erreichten langjährigen Höchststand nur um 18 Stellen. Der im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett ermittelte L-Dax büßte gegenüber dem Xetra-Schlussstand sechs Punkte ein.

Anleger haben rosarote Brille auf

Dass auf die US-Konjunktur in absehbarer Zeit möglicherweise doch größere Probleme zukommen könnten, spielte am Dienstag allerdings noch keine Rolle. Die Quartalsberichte der beiden Einzelhandelsriesen Wal Mart und Home Depot gelten bei Börsianern traditionell als eine Art Indikator für die Verfassung der amerikanischen Konjunktur. Besonders das am Dienstag veröffentlichte Zahlenwerk der weltgrößten Baumarktkette Home Depot war schlimmer als befürchtet. Der Umsatz in den Filialen, die seit mindestens einem Jahr geöffnet sind, sank um 7,6 Prozent. Somit bekommt der Konzern die Krise am dortigen Immobilienmarkt mit voller Wucht zu spüren.

Auch der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart bekam im abgelaufenen Quartal die nicht mehr so weit geöffneten Geldbörsen der US-Konsumenten zu spüren. Zwar konnte der Konzern seinen Gewinn wie erwartet steigern. Doch die Umsätze kletterten nicht so stark wie erhofft. Doch auf diese insgesamt schlechten Nachrichten reagierten die US-Börsen praktisch nicht, entsprechend zeigten sich auch die Anleger in Deutschland unbeeindruckt.

Dauer-Gewinner Daimler
Die Gewinnerliste im Dax wurde von der DaimlerChrysler-Aktie angeführt. Der Autobauer hat in den ersten drei Monaten vor Zinsen und Steuern (Ebit) 2,04 Milliarden Euro verdient. Das waren rund 73 Prozent mehr als im Vorjahr. Analysten hatten durchschnittlich nur 1,66 Milliarden beim Ebit erwartet.

Der Infineon-Aktie startete am Nachmittag durch. Auf dem Parkett machten Übernahmegerüchte die Runde. Danach soll der Finanzinvestor Cerberus an einem Einstieg interessiert sein. Ein Marktteilnehmer äußerte sich allerdings zurückhaltend. Ein Engagement von Cerberus sei eher unwahrscheinlich, da der Fokus des Investors nicht im Halbleiterbereich liege.

Post-Aktien-Familie im Blick
Gut lief es auch für die "Aktie Gelb". Die Deutsche Post übertraf die Erwartungen der Analysten mit ihrem ersten Quartal teils deutlich. Bei den Anteilsscheinen der Tochter Postbank setzten sich die Kursverluste dagegen auch am Dienstag fort. Nach den gestern veröffentlichen Quartalszahlen senkte die Investmentbank JP Morgan das Kursziel von 70 auf 67 Euro. Das Papier war der mit Abstand größte Verlierer im Dax.

Südzucker mit schöner Tochter
Die Südzucker-Aktie profitierte von guten Jahreszahlen der Biokraftstoff-Tochter CropEnergies. Das Unternehmen hat seinen Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr 2006/07 mehr als verdoppelt. Als Gewinn blieben 11,2 Millionen Euro in der Kasse, nach einem Vorjahresverlust von 32 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr sollen sich operatives Ergebnis und Umsatz weiter deutlich steigern, kündigte das Unternehmen an.

Hochtief fährt viele Aufträge ein
Größter Gewinner im MDax war allerdings Hochtief. Der größte deutsche Baukonzern nimmt das Geschäftsjahr 2007 mit einem dicken Auftragspolster in Angriff. Die Gewinnzahlen für das erste Quartal hatte Hochtief bereits bekannt gegeben.

Heidelcement gibt richtig viel Geld aus
Unter Druck stand die Aktie von HeidelbergCement. Der weltweit viertgrößte Zementhersteller will den britischen Baustoffhersteller Hanson für rund acht Milliarden Pfund (rund 11,5 Milliarden Euro) übernehmen. Damit bietet der Konzern den Anteilseignern einen deutlichen Aufschlag zu dem durch Übernahmespekulationen bereits hochgeschossenen Kurs der Hanson-Papiere. Außerdem will das MDax-Mitglied eine Kapitalerhöhung im kommenden Jahr nicht ausschließen.

Stada nicht gut genug
Der Generikahersteller Stada ist zwar mit kräftigen Gewinnzuwächsen in das laufende Jahr gestartet. Doch Analysten hatten mit einem noch strammeren Wachstum gerechnet. Die Stada-Aktie rangierte am MDax-Ende.

Q-Cells mitten im Solarboom
In der TecDax-Spitzengruppe notierte Q-Cells. Der Solarzellenhersteller hat im Auftaktquartal kräftig vom Solarboom profitiert. Für das Gesamtjahr erhöhte der Solarzellenhersteller seine Prognose für den Umsatz von bisher 705 auf rund 750 Millionen Euro. Die Prognose für den Jahresüberschuss erhöhte Q-Cells von bisher 115 auf "mindestens 120 Millionen Euro".

Ersol schon mal besser
Dem Q-Cells-Konkurrenten Ersol ging es dagegen im TecDax an den Kragen. Zwar hat der Solarzellenhersteller im ersten Quartal sein Ergebnis deutlich gesteigert, aber noch mehr Steuern gezahlt. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) kletterte von 3,36 Millionen auf 4,31 Millionen Euro, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz stieg von 25,73 Prozent auf 26,11 Millionen Euro, während der Überschuss von 2,06 Millionen auf 1,48 Millionen Euro fiel.

Medion hochgestuft
An der SDax-Spitze setzte sich die Aktie des Elektronik-Vermarkters Medion fest. Grund war eine deutlich verbesserte Einstufung durch die Deutsche Bank. Deren Analysten erhöhten ihr Anlageurteil von "Sell" auf "Hold" und das Kursziel von 6,90 auf 11,00 Euro.

Kursschwankungen im SDax
Auch sonst gab es im SDax eine Reihe von stärkeren Kursbewegungen. Der Baukonzern Bauer schrieb im ersten Quartal anders als vor Jahresfrist schwarze Zahlen und verdreifachte sein operatives Ergebnis. Beim Callcenter-Betreiber D+S Europe quittierten die Anleger den gemeldeten Gewinnzuwachs dagegen mit stärkeren Verkäufen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)