Marktbericht 20:05 Uhr

Verluste zum Wochenbeginn Der Blick geht in Richtung EZB

Stand: 31.03.2014, 20:05 Uhr

Trotz guter Stimmung in New York kann sich der Dax zum Wochenauftakt nicht befreien. Alles blickt nun auf die kommende EZB-Sitzung, nachdem zuletzt Deflationsängste immer konkreter geworden sind.

Der Dax ist mit mäßigen Verlusten in die neue Woche gestartet. Der Leitindex schloss 0,31 Prozent schwächer bei 9.555 Punkten. Das Tageshoch lag bei 9.634, das Tief bei 9.543 Punkten. Insgesamt hat der Index keine klare Richtung gefunden, wofür Marktbeobachter allerdings auch Dispositionen institutioneller Investoren zum Quartalsende verantwortlich machten. Der besondere Effekt des "Window Dressing" sei zum Quartalsende zum Tragen gekommen, sagte Marktanalyst Jens Klatt von DailyFX. Fondsmanager kauften demnach zum Ende eines Vierteljahres gut gelaufene Aktien, um in ihrem Portfoliobericht erfolgreiche Aktien im Bestand vorweisen zu können.

Der Dax bleibt in Reichweite seines im Januar aufgestellten Allzeithochs von 9.794 Punkten. Im abgelaufenen Quartal verzeichnete der Leitindex ein Miniplus von ganzen drei Punkten. Es war der siebte Quartalsgewinn in Folge, Vergleichbares gab es nur in den 90er-Jahren. Nachbörslich hat der Index dann doch noch etwas Fahrt aufgenommen, der L/E-Dax schloss bei 9.573 Punkten.

Alles blickt auf die EZB

Die weitere Tendenz am Aktienmarkt wird wohl vom weiteren Vorgehen der EZB abhängig sein. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob Europas Währungshüter nach den jüngsten Preisdaten in den Kampfmodus gegen deflationäre Tendenzen übergehen oder nicht. Die Verbraucherpreise lagen im März in der EU nämlich nur bei 0,5 Prozent, in Spanien waren sie sogar rückläufig.

Laut EZB-Beobachter Johannes Mayr von der BayernLB sind die Preise damit "am unteren Rand des Toleranzbereichs" der Währungshüter angelangt. Die Notenbank sieht ihr Inflationsziel bei Preissteigerungsraten von knapp zwei Prozent erreicht, so dass neue Lockerungen gut begründet werden könnten. EZB-Chef Mario Draghi hat aber bisher immer betont, er sehe keine Deflationsgefahren in Euroland.

Euro legt zu

Auch am Devisenmarkt ist das Thema Deflation auf der Tagesordnung. Allerdings hat sich bei vielen Marktteilnehmern die Erkenntnis verfestigt, dass die März-Preisdaten den Tiefpunkt der Inflation darstellen. So auch Analyst Christoph Weil von der Commerzbank, der Besserung erwartet: "Durch die späte Lage von Ostern in diesem Jahr werden insbesondere die Preise für Pauschalreisen im April stärker steigen als im Vorjahr."

Der Euro präsentierte sich derweil weiter volatil. War die Gemeinschaftswährung am Morgen nach den europäischen Preisdaten noch abgerutscht, erholte sie sich danach wieder und erreichte sogar die Marke von 1,38 Dollar. Auch am Devisenmarkt setzen die Marktteilnehmer offensichtlich darauf, dass die Preise bald wieder anziehen werden. Am Nachmittag sorgte dann Fed-Chefin Janet Yellen für Unterstützung, die die konjunkturelle Lage in den USA weiter für angespannt hält.

Wall Street im Aufwind

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
24.329,01
Differenz relativ
-0,22%

An den amerikanischen Märkten sind die Anleger zum Wochenbeginn in Kauflaune, der Dow-Jones-Leitindex liegt aktuell gut 0,75 Prozent im Plus.

Notenbankchefin Janet Yellen hat in einer Ansprache eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik signalisiert. Sie sprach davon, dass die Wirtschaft noch längere Zeit auf die Hilfe der Geldpolitik angewiesen sei. Vor allem das Ziel der Vollbeschäftigung werde noch nicht erreicht, erklärte die Fed-Präsidentin. Yellen wolle mit ihren Aussagen offenbar der Erwartung einer raschen Zinserhöhung nach dem Auslaufen des Wertpapier-Ankaufprogramms entgegenwirken, sagte HSBC-Experte Rainer Sartoris.

Für einen stotternden Konjunkturmotor spricht auch der schlechter als erwartet ausgefallene Chicagoer Einkaufsmanagerindex für den März. Dieser liegt bei 55,9 Punkten, erwartet war ein Wert von 59 Zählern.

Heidelbergcement ganz vorne, Deutsche Post und RWE weinig gefragt

Unter den Dax-Aktien rückte die einzige Bauaktie, Heidelbergcement, nach einer positiven Studie der Deutschen Bank an die Indexspitze. RWE profitierten hingegen nicht vom Verkauf der Öl- und Gasfördertochter RWE Dea. Der Versorger und der Käufer LetterOne hatten am Freitag den Kaufvertrag für den Hamburger RWE-Ableger, dessen Wert auf rund 5,1 Milliarden Euro taxiert wurde, besiegelt. Deutsche Post waren Tagesverlierer mit einem Abschlag von gut zwei Prozent.

Lufthansa: Viel Flugausfälle ab Mittwoch

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,25
Differenz relativ
+0,60%

Die Fluglinie stellt wegen des Pilotenstreiks von Mittwoch bis Freitag ihren Betrieb größtenteils ein. Insgesamt sollen 3.800 Flüge ausfallen, davon wären 425.000 Fluggäste betroffen. Auch die Frachttochter Lufthansa Cargon und German Wings sind betroffen. Europas größte Fluggesellschaft rechnet mit einem Ergebnisschaden in zweistelliger Millionenhöhe. Die Lufthansa-Aktie verlor aber nur leicht.

Aus dem MDax

Aktien der Aareal Bank reagierten positiv auf ein Interview von Finanzvorstand Hermann Merkens in der "Börsen-Zeitung". Der Immobilienfinanzierer könnte künftig Überschusskapital ausschütten, allerdings wohl nicht mehr 2014. Das ist positiv, sagte ein Händler, obgleich die mögliche Sonderdividende etwas später als von einigen Investoren gedacht fließen könnte. Auch das MDax-Unternehmen TAG Immobilien bekam Zulauf. Das Immobilienunternehmen hat ein größeres Paket von Gewerbeimmobilien verkauft, und sich nur noch auf Wohnimmobilien konzentrieren. Das veranlasste die Commerzbank zu einer Kaufempfehlung, da TAG so eher ein Übernahmeziel werde. Tagessieger im MDax waren Evonik, die 2,8 Prozent zulegten.

Was macht Drillisch mit dem vielen Geld?

Drillisch-Chef Paschalis Choulidis weiß, was Aktionäre gerne hören. In der "Welt am Sonntag" sprach er von möglichen Zukäufen, weil so viel Geld in der Kasse ist. Die Rede ist von rund 190 Millionen Euro. Falls sich bis 2015 keine Gelegenheit für einen Zukauf biete, könnte es eine Sonderausschüttung geben, so Choulidis. "Oder wir kaufen Aktien zurück."

Grammer stockt auf

Tagessieger im SDax waren Jungheinrich, nachdem die Deutsche Bank eine Kaufempfehlung für die Aktien des Gabelstapler-Herstellers ausgesprochen hatte. Die Titel notierten in der Spitze bis zu acht Prozent höher. Grammer waren ebenfalls gesucht. Der Fahrzeug-Ausstatter will seine Aktionäre an den guten Gewinnen 2013 beteiligen und erhöht die Dividende um 15 Cent auf 65 Cent je Aktie. Air Berlin als größter Verlierer steckten bei volatilem Kursverlauf hingegen im Minus fest, die Unsicherheit über die Zukunft der zweitgrößten deutschen Fluglinie belastete.

Wacker Neuson optimistisch

SDax-Kollege Wacker Neuson verbuchte hingegen Kursgewinne. Der Baumaschinen-Hersteller setzt sich für 2014 höhere Ziele. Die Erlöse sollen auf 1,25 bis 1,3 Milliarden Euro zulegen – sofern die Geschäfte so gut weiterlaufen wie in den ersten Wochen und Monaten des Jahres.

Capital Stage will weiter wachsen

Der Solar- und Windparkbetreiber will auch im laufenden Jahr kräftig wachsen. Nach einem Umsatzssprung im Vorjahr um 26 Prozent auf 57 Millionen Euro will das Unternehmen im laufenden Jahr die Erlöse auf 80 Millionen steigern. Unter dem Strich blieben 2013 immerhin 14 Millionen Euro, 53 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ebitda soll auf über 67 Millionen Euro wachsen nach 50 Millionen Euro im Vorjahr. Die Hamburger Firma setzt dabei auf weitere Zukäufe.

Beate Uhse schaltet um auf Expansion

Außerhalb der Indizes fiel die Aktie von Beate Uhse mit einem kräftigen Plus von über elf Prozent auf. Zwar war der Umsatz 2013 noch leicht rückläufig, er fiel um nicht einmal zwei Prozent auf 142 Millionen Euro - das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs jedoch deutlich auf 3,4 Millionen. Nun betrachtet der Erotikkonzern die Phase der Stabilisierung aber als abgeschlossen. "Wir sind wieder bereit für die Expansion", sagte Unternehmenschef Serge van der Hooft. 2014 soll der Umsatz auf 145 und 150 Millionen steigen, und das Ergebnis (Ebit) auf 5 bis 7 Millionen. Aufwärts ging es auch mit der Aktie des Waschanlagenbetreibers Wash Tec, der seinen Gewinn pro Aktie im Jahr 2013 deutlich von 0,72 auf 0,80 Euro gesteigert hat.

Teles schreibt schwarze Zahlen

Der Spezialist für Informationstechnologien hat im Geschäftsjahr 2013 einen kleinen Gewinn vor Steuern von 69.000 Euro erwirtschaftet nach einem Minus von 2,92 Millionen Euro im Vorjahr. Das Unternehmen profitierte von positiven Kosteneffekten und Sondereffekten aus der Auflösung von Rückstellungen. Den vollständigen Jahresabschluss gibt es am 4.4.

Wilex fährt Achterbahn

Berg- und Talfahrt hingegen bei der Biotech-Aktie Wilex. Zeitweise sprang sie um 50 Prozent und mehr in die Höhe. Wilex setzte im Vorjahr 19 Millionen Euro um, der Verlust konnte auf 5,0 von zuvor 9,4 Millionen deutlich reduziert werden. Am Ende aber schloss die Aktie über acht Prozent im Minus. Biotech-Investoren müssen eben starke Nerven haben.

Es gab noch eine Reihe weiterer Bilanzen aus der hinteren Reihe. So von Centrotherm, das Unternehmen steigerte den Umsatz um über 70 Prozent und reduzierte den Verlust deutlich von ehemals 77 auf rund 8 Millionen. Die Ölfördergesellschaft Activa mit Sitz im hessischen Bad Homburg berichtet derweil darüber, dass sie im zweiten Halbjahr 2013 erstmals einen Gewinn erwirtschaftet hat. Für das Gesamtjahr liegt das Ergebnis bei Umsätzen von sieben Millionen Euro nahe an der Gewinnschwelle. Die Gesellschaft beutet Vorkommen in den USA aus, an denen sie die Schürfrechte hält.

Auch Phoenix Solar scheint aus dem Gröbsten raus zu sein. Nach zwei verlustreichen Jahren schaffte der Solarkraftwerksentwickler operativ beinah ein ausgeglichenes Ebit. 2014 soll es endlich wieder positiv werden. Der Umsatz soll zehn Prozent zulegen. Die Aktie kletterte heute um fast 21 Prozent.

Johnson & Johnson mit Milliardenverkauf

Der Pharma- und Konsumgüterkonzern aus dem Dow Jones verkauft seine Diagnostik-Sparte für vier Milliarden Dollar an den Finanzinvestor Carlyle. Die Transaktion, die sich bereits abgezeichnet hatte, soll bis Mitte des Jahres unter Dach und Fach sein.

J&J ist in diesem Bereich ein zu kleiner Spieler und hatte Verkaufsüberlegungen bereits im vergangenen Jahr öffentlich gemacht. In der Diagnostik-Sparte werden Blutuntersuchungen oder Test zur Bestimmung von Blutgruppen vorgenommen. Die Aktie legt in einem freundlichen Gesamtmarkt unterdurchschnittlich zu.

rm

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